St. Johann Baptist (Köln)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
St. Johann Baptist in Köln. Links die Baustelle der Nord-Süd-Stadtbahn. Im Hintergrund Bergungskräne nach dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs (März 2009)
Nordseite

St. Johann Baptist ist eine katholische Kirche in Köln.

Geschichte[Bearbeiten]

Die in der Severinstraße gelegene Kirche gehört zu den ältesten der Stadt; sie wurde 948 erstmals erwähnt und ist seit 1080 als Pfarrkirche bezeugt. Die Kirche wurde zwischen 1943 und 1945 fast gänzlich zerstört. Dabei wurde der Turm ganz und der Chor bis auf den Sockel vernichtet. Ein Teil der Seitenschiffe und das Mittelschiff blieben stehen. Letzteres wurde in den Jahren 1960–62 im Zuge des Neubaus mit einem Westturm aus Backstein ergänzt. Dieser umfasst das alte Mittelschiff und stellt den Bau als Ganzes im Stil einer Basilika dar.[1]

Die Kirche St. Johann Baptist gehört der Kirchengemeinde St. Severin, wird vom Förderverein Romanische Kirchen Köln betreut und beherbergt seit 2009 das jugendpastorale Zentrum des Erzbistums Köln, CRUX.

Ausstattung[Bearbeiten]

Innenansicht
  • Sitzmadonna (um 1320)
  • Reliquienschrein der Hl. Antonina (2. Hälfte des 14. Jahrhunderts)
  • Taufbecken aus Messing (1566)
  • Bronzene Adlerpulte (1629/1723)
  • Moderne ornamentale Farbverglasung von Willi Strauß (1963)

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel wurde von dem Orgelbauer Romanus Seifert & Sohn (Kevelaer) erbaut. Das Instrument hat 25 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[2]

I Hauptwerk C–
Quintade 16'
Prinzipal 8'
Spitzgedackt 8'
Prinzipalflöte 4'
Nasard 22/3'
Superoktave 2'
Terz 13/5'
Mixtur IV-VI 11/3'
Trompete 8'
II Schwellwerk C–
Rohrflöte 8'
Salicet 8'
Prinzipal 4'
Blockflöte 4'
Schweizerpfeife 2'
Quinte 11/3'
Scharf III 2/3'
Zimbel II 1/3'
Dulzian 16'
Schlamei 8'
Tremolo
Pedal C–
Subbass 16'
Prinzipalbass 8'
Rohrpommer 8'
Holzoktave 4'
Rauschbass III 2'
Fagott 16'

Glocken[Bearbeiten]

Im Turm hängen sechs Bronzeglocken. Im Jahre 1961 mussten einige Glocken nachträglich klangkorrigiert werden. Vor dem Krieg waren vier Glocken vorhanden, von denen die drei kleineren Barockglocken vernichtet wurden. Die größere, 700 kg schwere Glocke aus dem Jahre 1400 ist heute in Privatbesitz. Das Geläut ist auf das von St. Severin abgestimmt.[3]

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
(HT-1/16)
1 Arnold 1958 Feldmann & Marschel, Münster 1300 1400 es1 −5
2 Antonia 1958 Feldmann & Marschel, Münster 1090 800 ges1 −4
3 Maria 1959 Feldmann & Marschel, Münster 965 550 as1 −5
4 Joseph 1959 Feldmann & Marschel, Münster 837 350 b1 −6
5 Anna 1959 Feldmann & Marschel, Münster 802 320 ces2 −6
6 Catharina 1959 Feldmann & Marschel, Münster 712 220 des2 −9

Schiefer Turm von Köln[Bearbeiten]

„Schiefer Turm von Köln“ (bis 2005)

Im Jahr 2004 geriet der 44 m hohe Kirchturm von St. Johann Baptist für einige Zeit als „Schiefer Turm von Köln“ in die Schlagzeilen, als er sich am 29. September um 77 cm in Westrichtung neigte, nachdem am Vortag ein Versorgungsschacht für die im Bau befindliche Nord-Süd-Stadtbahn in 14 m Tiefe unter der Kirche vorgetrieben wurde.

Um den Einsturz des Kirchturms zu verhindern, wurde er mit sechs Stahlträgern abgestützt. Nachdem auch die Hohlräume unter dem Turm mit Beton verfüllt wurden, konnte die benachbarte Severinsbrücke, die aus Sicherheitsgründen gesperrt worden war, am 4. Oktober 2004 wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Einem Gutachten zufolge hätte der Turm ohne die angebrachten Stützen zwar ungefährdet so stehen bleiben können; der Kirchenvorstand der Gemeinde stimmte jedoch der Wiederaufrichtung des Turmes zu. Dies sollte ursprünglich bis zum Weltjugendtag 2005 (mit Papstbesuch) geschehen; verwirklicht wurden die Pläne jedoch erst am 26. Oktober 2005, als der Turm mithilfe von Hydraulikpressen wieder geradegerichtet wurde. Die Westseite des Turms wurde dazu in kontrollierten 10-mm-Schritten um 13,5 cm angehoben. Die Reparaturarbeiten kosteten etwa eine Million Euro, wofür die Versicherung der Kölner Verkehrs-Betriebe aufkommen musste.[4]

Jugendpastorales Zentrum CRUX[Bearbeiten]

Am Sonntag, 28. Juni 2009, ist St. Johann Baptist nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wiedereröffnet worden. Die Kirchengemeinde St. Severin als Eigentümerin der Kirche übergab die renovierte Kirche an die Jugendlichen der Stadt Köln. Seitdem ist die offizielle Bezeichnung der Kirche CRUX-Kirche St. Johann Baptist. Anschließend weihte Weihbischof Melzer den neuen Altar im Innenraum der Kirche. St. Johann Baptist ist nun der Mittelpunkt des CRUX, des Jugendpastoralen Zentrums des Erzbistums Köln.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Albert Verbeek: Kölner Kirchen. Die kirchliche Baukunst in Köln von den Anfängen bis zur Gegenwart. S. 53–54.
  2. Informationen zur Orgel
  3. Gerhard Hoffs (Hg.): Glockenmusik katholischer Kirchen Kölns. S. 153–161.
  4. Das Ende der Schieflage bei wdr.de

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert Verbeek: Kölner Kirchen. Die kirchliche Baukunst in Köln von den Anfängen bis zur Gegenwart. Greven, Köln, II. Auflage, 1969.
  • Dominik Meiering und Joachim Oepen (Hrsg.): Aufbruch statt Abbruch. St. Johann Baptist in Köln Köln 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Johann Baptist (Köln) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.9296.9577777777778Koordinaten: 50° 55′ 44″ N, 6° 57′ 28″ O