St. Johann im Pongau

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St. Johann im Pongau
Wappen von St. Johann im Pongau
St. Johann im Pongau (Österreich)
St. Johann im Pongau
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Salzburg
Politischer Bezirk: St. Johann im Pongau
Kfz-Kennzeichen: JO
Fläche: 78,14 km²
Koordinaten: 47° 21′ N, 13° 12′ O47.3513.2565Koordinaten: 47° 21′ 0″ N, 13° 12′ 0″ O
Höhe: 565 m ü. A.
Einwohner: 10.760 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 138 Einw. pro km²
Postleitzahl: 5600
Vorwahl: 06412
Gemeindekennziffer: 5 04 18
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 18
5600 St. Johann im Pongau
Website: www.stjohannimpongau.at
Politik
Bürgermeister: Günther Mitterer (ÖVP)
Gemeinderat: (2014)
(25 Mitglieder)
13
5
4
3
13 
Von 25 Sitzen entfallen auf:
Lage der Stadt St. Johann im Pongau im Bezirk St. Johann im Pongau
Bad Gastein Altenmarkt im Pongau Bad Hofgastein Bischofshofen Dorfgastein Eben im Pongau Filzmoos Flachau (Salzburg) Forstau Goldegg im Pongau Großarl Hüttau Hüttschlag Kleinarl Mühlbach am Hochkönig Pfarrwerfen Radstadt St. Johann im Pongau St. Martin am Tennengebirge Sankt Veit im Pongau Schwarzach im Pongau Untertauern Wagrain (Pongau) Werfen Werfenweng SalzburgLage der Gemeinde St. Johann im Pongau im Bezirk St. Johann im Pongau (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Gemeinderatswahl 2014[1]
Wahlbeteiligung: 64,3 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
51,4 %
(-2,9 %p)
17,8 %
(-5,7 %p)
19,6 %
(+7,8 %p)
11,2 %
(+0,9 %p)
2009

2014

St. Johann im Pongau, Gemeindeamt in der Hauptstraße

St. Johann im Pongau (Pongauer Dialekt: Seiger Håns, Sénnig Håns oder Seini(g) Håns, Kurzform: St. Johann/Pg.) ist die Hauptstadt und mit 10.760 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) zugleich einwohnerstärkste Gemeinde des gleichnamigen Bezirkes im Bundesland Salzburg.

Geografie[Bearbeiten]

St. Johann im Pongau liegt im Tal der Salzach zwischen den Salzburger Schieferalpen im Norden, den Radstädter Tauern im Südosten und den Ausläufern der Ankogelgruppe im Südwesten.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende 10 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[2]):

  • Einöden (294)
  • Floitensberg (166)
  • Ginau (25)
  • Hallmoos (49)
  • Maschl (752)
  • Plankenau (1649)
  • Reinbach (2102)
  • Rettenstein (687)
  • Sankt Johann im Pongau (4682)
  • Urreiting (292)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Einöden, Floitensberg, Ginau, Hallmoos, Maschl, Plankenau, Reinbach, Rettenstein, St. Johann im Pongau und Urreiting.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Mühlbach a. Hkg. Bischofshofen Hüttau
St. Veit i. Pg. Nachbargemeinden Wagrain
St. Veit i. Pg. Großarl Wagrain

Eine als Nachbargemeinde bezeichnete, jedoch nicht direkt an das Gemeindegebiet von St. Johann angrenzende Gemeinde ist Schwarzach im Pongau, welches durch das St. Veiter Gemeindegebiet in einem wenige Kilometer breiten Streifen vom St. Johanner Gemeindegebiet getrennt ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Funde deuten auf eine erste Besiedlung des Gebietes in der Bronzezeit etwa 2000 v. Chr. hin, speziell die Stollensysteme für den Kupferabbau im „Arthurstollen“ und hölzernen Grubeneinbauten, mit einem durch die Radio-Carbon Methode ermittelten Alter von circa 3000 bis 3700 Jahren. Die erste Nennung des Namens erfolgte 1074: „ad sanctum Johannem in villa“.

Während der Bauernkriege 1525/26 stellte sich St. Johann auf Seite der Protestanten. Im Laufe der Kriege wurde der Ort verwüstet. Im Zuge der Ausweisung von Protestanten aus dem Erzbistum Salzburg, die 1731 ihren Höhepunkt fand, mussten 2500 Einwohner die Gemeinde verlassen (mindestens 70 % der Einwohner) (vgl. Salzburger Exulanten).

Das Recht zur Führung eines Wappens erhielt St. Johann im Jahr 1929.

Ab 1939 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hieß die Gemeinde Markt Pongau (Reichsgau Salzburg). Nationalsozialistischer Bürgermeister wurde Hans Kappacher (ernannt durch Kreisleiter Josef Kastner). Kappacher wurde in den 1950er Jahren erneut Bürgermeister und vom Gemeinderat zum Ehrenbürger ernannt.

Am 24. Juni 2000 wurde die Gemeinde zur Stadt erhoben.

Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Russisches Ehrenmal

In „Markt Pongau“ befand sich ab 1941 ein berüchtigtes Stammlager für Kriegsgefangene, das Stalag XVIII C (317) mit zeitweise bis zu 30.000 Gefangenen und einer Wachmannschaft von etwa 1.000 Mann. Geplant wurde das Gefangenenlager jedoch nur für 8.000 bis maximal 10.000 Mann auf einer Fläche von etwa 8 ha. Die Bauarbeiten wurden zügig vorangetrieben und bereits vor dem Winter 1941 fertiggestellt. Das Lager wurde in verschiedene Bereiche aufgeteilt (Nordlager, Südlager). Ein Lager, zwei Systeme: Die Kriegsgefangenen der Westmächte, etwa die Franzosen, wurden entsprechend der Genfer Konvention behandelt. Die im „Nordlager“ untergebrachten sowjetischen Kriegsgefangenen hingegen vegetierten unter unvorstellbaren Verhältnissen dahin. Durch Hunger, Erfrieren und Seuchen starben von 1941 bis 1945 im STALAG „Markt Pongau“ 3.709 sowjetische Kriegsgefangene. Der sogenannte „Russenfriedhof“ am Abhang der Bundesstraße nördlich der Speedwaybahn erinnert heute noch daran. Der Friedhof wird vom Österreichischen Schwarzen Kreuz mustergültig gepflegt. Seit August 2009 er durch eine neue Anschlussstelle von der Pinzgauer Straße erreichbar.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Stadt ist: „Im roten Schilde die auf einem grünen Boden stehende, halb rechts gewendete Figur des Hl. Johannes des Täufers mit gelblichem Unter- und braunem, lodenfärbigen Obergewande, in der Rechten ein Buch mit daraufliegendem Osterlamm mit Fahne haltend.“

Kulturgeschehen heute[Bearbeiten]

Die Vereine organisieren den größten Teil der Kulturveranstaltungen, wobei die Schwerpunkte auf Volkskultur und Volksmusik liegen.

Die im Jahr 2004 gegründete „Kultur:Plattform“ organisiert ein Programm, welches als Ergänzung zu den bereits bestehenden Kulturaktivitäten im Ort gedacht ist und sich vor allem der Gegenwartskultur widmet.

Außerdem befindet sich im Kern der Kleinststadt das so genannte Kultur- und Kongresshaus, das für diverse Veranstaltungen genutzt wird.

Tourismus[Bearbeiten]

St. Johann im Pongau

St. Johann im Pongau profitiert von seiner alpinen Lage in erster Linie im Tourismussektor. Nicht nur im Winter ist vor allem der Stadtteil Alpendorf ein wichtiges Fremdenverkehrszentrum mit einer Vielzahl von Hotels und einem Gondelbetrieb. Direkt vom Ortszentrum führt ein Sessellift auf den Hahnbaum. Die Hahnbaumpisten werden aber vorwiegend von Einheimischen und Familien benutzt. Jährliche Veranstaltungen (traditionelle Umzüge, Feste) sind fixe Bestandteile im Jahreszyklus der Stadt. Viele Besucher strömen im Winter zum großen Krampuslauf, für den St. Johann in der Umgebung berühmt ist.

Im Sommer bieten sich zahlreiche Bergtouren und Wanderungen, ein Schwimmbad und ein Badesee an. Ein beliebtes Ausflugsziel ist die wenige Kilometer von St. Johann entfernte Liechtensteinklamm.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in St. Johann im Pongau
St.-Johannes-Kirche, Innenansicht
In der Liechtensteinklamm
  • Pfarrkirche St. Johannes: 924 erstmals urkundliche Erwähnung einer Kirche an dieser Stelle. Der heutige Kirchenbau ist ein Wiederaufbau von 1855, nach dem großen Marktbrand: neugotisch mit einem Turm, welcher jedoch 1871 einstürzte. Die Kirche wurde im selben Stil, jedoch zweitürmig wieder aufgebaut. Die neugotischen Altäre beherbergen mehrere spätgotische Figuren. Die Kirche stellt ein Hauptwerk kirchlicher Architektur im Alpenraum dar. Im Volksmund wird sie auch als Pongauer Dom bezeichnet. Diese Bezeichnung erklärt sich aus der Bauform des Gebäudes, jedoch nicht aus seiner Geschichte, da die Pfarrkirche zu keiner Zeit Bischofssitz war. Vor allem im Zusammenhang mit dem Tourismus wird die Pfarrkirche häufig als „Dom“ benannt.
  • Annakapelle: Links neben dem „Dom“ gelegen, ist sie das einzige vom großen Stadtbrand 1855 verschont gebliebene gotische Sakralgebäude in St. Johann. Die Annakapelle zeichnet sich durch zwei Besonderheiten aus: Erstens ist sie ist eine zweigeschossige Kirche. Da der ursprüngliche Bau aus dem 9. Jahrhundert durch Flugerde langsam verdeckt wurde, wurde ein zweites Stockwerk (der heute benutzte Kirchraum) etwa 1340 aufgestockt. Zweitens wurde die Annakapelle ab 1980 von der römisch-katholischen Pfarrgemeinde und der evangelischen Pfarrgemeinde unter Kostenteilung gemeinsam renoviert und wird von beiden Religionsgemeinschaften für Gottesdienste genutzt.
  • Liechtensteinklamm: eine von der „Großarler Ache“ geschaffene 4000 m lange und 300 m tiefe Schlucht.
  • Arthurstollen: eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Arthurstollen, eine prähistorische Grubenanlage mit weit reichenden Schachtsystemen für den ehemaligen Kupferabbau. Die zahlreichen Holz-, Stütz und Metallfunde deuten darauf, dass bereits um 1600 vor Christus in diesen Schächten Kupfer abgebaut wurde. Zurzeit ist der Besuch des Stollens aus Sicherheitsgründen behördlich untersagt. Eine Besichtigung des „Wasserschlosses“ ist im Sommer nach rechtzeitiger Voranmeldung (mindestens ein Monat zuvor) möglich.
  • Friedenskirche Hochgründeck beim Heinrich-Kiener-Haus am Hochgründeck

Verwaltung[Bearbeiten]

Als Zentrum des Pongau ist St. Johann Sitz zahlreicher Einrichtungen und Ämter: Bezirkshauptmannschaft mit Bezirksbuchhaltung, Bezirksschulinspektor, Bezirksschulrat, Amtstierarzt, Amtsarzt, Abteilungen Gewerbe- und Baurecht, Umweltschutz, Katastrophenschutz, Forstwirtschaft, amtliche soziale und psychosoziale Dienste, Polizei und Verkehr und Jugendwohlfahrt sowie Finanzamt, Bezirksgericht und Bezirkspolizeikommando. St. Johann betreibt außerdem ein Altenheim, zwei Kindergärten, zwei Volksschulen, ein Sonderpädagogisches Zentrum, ein Gymnasium, eine Hauptschule, eine Handelsakademie, eine Polytechnische Schule, eine Landesberufsschule und das Elisabethinum.

Bunkeranlage Goldhaube[Bearbeiten]

Die „Goldhaube“ ist eine militärische Einrichtung in St. Johann. Die Einsatzzentrale Basisraum, wie der amtliche Name für den Regierungsbunker lautet, bietet Raum für Luftraumüberwachung, Speise- und Aufenthaltsräume für Soldaten und eine eigene Wasser- und Stromversorgung. Die kleine „Stadt“ unter der Erde ist vollkommen abgeriegelt von der Außenwelt. Nur berechtigte Militär- und Zivilbedienstete haben Zutritt. In Kriegszeiten ist vorgesehen, dass alle Mitglieder der österreichischen Regierung in diesen Bunker übersiedeln, um von dort aus die Staatsverwaltung zu leiten. Damit ist St. Johann auch ein strategisch wichtiger Ort.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Moser (Hg.): Stadtbuch St. Johann im Pongau. Publikation der Stadt St. Johann, 2005.
  • Albert Kohlbegger, Chronik von St. Johann im Pongau. 2. Auflage 1983, Publikation der Stadt St. Johann. → teilweise fehlerhaft, katastrophaler Druck
  • R. Stadler, M. Mooslechner: St. Johann 1938–1945. Das nationalsozialistische Markt Pongau. Der 2. Juli 1944 in Goldegg: Widerstand und Verfolgung, Salzburg. Eigenverlag der Autoren, 1986. Versand: www.markt-pongau.at
  • Michael Mooslechner: Die Mitglieder der nationalsozialistischen Organisationen in „Markt Pongau“ nach ausgewählten Merkmalen: Familienstand, Schulbildung und Alter. Diplomarbeit 2002.
  • Michael Mooslechner: Das Kriegsgefangenenlager STALAG XVIIIC „Markt Pongau“ – Todeslager für sowjetische Soldaten. Geschichte und Hintergründe eines nationalsozialistischen Verbrechens in St. Johann/Pongau während des Zweiten Weltkrieges. Salzburg 2005 (Broschüre)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Johann im Pongau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.salzburg.gv.at/20003stat/wahlen/gvw/index.htm#erg.109.0
  2. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011