St. Johanneskirche (Schaprode)

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St. Johanneskirche, Ansicht von Osten
Triumphkreuz

Die St. Johanneskirche zu Schaprode ist die evangelische Pfarrkirche der Kirchgemeinde Schaprode im Westteil Rügens. Sie ist die drittälteste Kirche der Insel Rügen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche wurde Anfang des 13. Jahrhunderts, wenige Jahrzehnte nach dem Fall der Burg Jaromarsburg im Jahr 1168, erbaut und spielte eine wichtige Rolle bei der Christianisierung Rügens. Verschiedene dänische Bischöfe suchten hier Asyl bei Auseinandersetzungen mit dem Königshaus. Um 1450 erfolgte der Abbruch der ehemals romanischen Kirche. Daraufhin wurde ein kreuzrippengewölbtes Kirchenschiff in gotischem Baustil errichtet. So sind der romanische Chor mit der Apsis und Teile der Ostwand des einst dreischiffigen Langhauses von der alten Kirche erhalten geblieben.

Am Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Kirche Ziel einer Marienwallfahrt. Die Sakristei stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die beiden Kirchenglocken stammen aus den Jahren 1609 und 1728 und wurden in Stralsund gegossen. In den Jahren 1666 bis 1668 erhielt die Schaproder Kirche den hölzernen Dachturm über dem Westgiebel. Ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammt das barocke Patronatsgestühl der Kirche. Die Bildnisse der Reformatoren Johannes Bugenhagen und Martin Luther am Kanzelaufgang stammen aus dem Jahr 1723. Der dreigeschossige Altar wurde ebenfalls im 18. Jahrhundert angefertigt.

Ausstattung[Bearbeiten]

Altar[Bearbeiten]

Altar

Der untere Teil des Altares besteht aus einem gemauerten Tisch mit eine bräunlichen Kalksteinplatte. Darüber ein barocker Aufsatz aus Holz, dieser wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von dem Stralsunder Thomas Phalert geschaffen. Im Zentrum sind drei Tafelbilder zu sehen. Im mittleren Hauptteil die Kreuzigung, in der Predella darunter das Abendmahl und im oberen Teil die Auferstehung. Die Bilder sind von gewundenen Säulen und Evangelistenfiguren umrahmt. Bekrönt ist das ganze durch einem auf seinem Nest sitzenden Pelikan. Er nährt die Jungen mit Blut aus seiner Brust. Darunter ist eine Fratze, als Sinnbild des Bösen. Der Altartisch wird an der Vorderseite von Schranken aus dem 18. Jahrhundert umgeben.

Kanzel[Bearbeiten]

Kanzel

Die barocke Kirchenkanzel fertigten der Bildschnitzer Hans Broder und der Maler Franz Rose aus Stralsund in den Jahren 1722 bis 1723. Getragen wird die Kanzel von einer geschnitzten Petrusfigur. Am Kanzelkorb sind auf Tafelbildern mit Beschriftungen alttestamentarischen Darstellungen angebracht. Am Aufgang sind Bilder über die Christianisierung Rügens und die Reformation Pommerns dargestellt. Die Tür zur Kanzel ist mit einer goldenen Inschrift verziert: Sag was zu sagen ist, mit recht Stadthafftem Muth, so führst du dein Ambt und Christi lehre gud. Die Kanzel ist überzogen mit Verzierungen aus Fruchtstücken, Akanthuslaub, Engelköpfen und Blattgehängen. Das Lesepult liegt auf einem geschnitzten Adler. Auf dem Schalldeckel steht ein Engel mit einem aufgeschlagenen Buch, unter dem Deckel befindet sich eine frei schwebende Taube.[1]

Beichtstuhl[Bearbeiten]

An der südöstlichen Seite des Chores steht der Beichtstuhl. Auch dieser wurde, ebenso wie die Kanzel, von den Meistern Broder und Rose geschaffen. Er ist mit reichem barocken Schnitzwerk aus Putten und Blättern versehen. Etliche, auch naive, Ölgemälde in den Gitterfeldern, dekorieren den Beichtstuhl.[2]

Orgel[Bearbeiten]

Orgel

Die Orgel wurde 1895 durch den Gothaer Orgelbauer Guido Knauf gebaut. Das rein mechanische Instrument hat 12 Register auf zwei Manualen und Pedal.[3]

I Hauptwerk C–
Bordun 16′
Principal 8′
Gedackt 8′
Hohlflöte 8′
Octave 4′
Mixtur III
II Nebenwerk C–
Flauto travers 8′
Salicional 8′
Gemshorn 4′
Principal 2′
Pedal C–
Subbaß 16′
Violoncello 8′
  • Koppeln: Manualkoppel, Pedalkoppel

Taufe[Bearbeiten]

Dieser kunstvoll gearbeitete hölzerne Ständer entstand 1723 zusammen mit der Kanzel. Auf dem glockenförmigen Fuß ist reliefartig die Taufe Jesu dargestellt. Die Taufe ist vor einigen Jahren vollkommen restauriert worden.[4]

Patronatsloge[Bearbeiten]

Patronatsloge
Taufe

Gegenüber dem Beichtstuhl wurde an der nordöstlichen Seite des Chores die Patronatsloge angebaut. An der Außenwand sind die Wappen der hier früher ansässigen Adelsgeschlechter wie von Sidow, von Usedom, von Bohlen, und von Platen angebracht. Ein Sakramentshaus mit Ziergiebel an der Seite bildet den Abschluss. Von der Loge aus war es zugänglich. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier eine Marienfigur verwahrt. Angeblich war dies vor der Reformation das Ziel von Wallfahrern.[1]

Triumphkreuzgruppe[Bearbeiten]

Die spätgotische Triumphkreuzgruppe stammt aus dem 15. Jahrhundert, im 18. Jahrhundert wurde sie farblich neu gefasst. Sie hängt unter dem Triumphbogen zwischen Schiff und Chor. Maria und Johannes flankieren den gekreuzigten Jesus. In den Reliefs an den Kreuzenden sind die Symbole der vier Evangelisten dargestellt.[5]

Sonstige Ausstattung[Bearbeiten]

  • Grabplatten von 1369 (im Fußboden des Chorraumes) und von 1403 (Grabplatte an der Innenwand des Portalvorhalle).
  • Ein im Corpus erhaltenes spätgotisches Kruzifix (über dem Taufständer)
  • Epitaph für Balthasar von Palen aus dem Jahr 1716 an der Nordostwand des Chores

Gemeinde[Bearbeiten]

Die evangelische Kirchgemeinde gehört seit 2012 zur Propstei Stralsund im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Vorher gehörte sie zum Kirchenkreis Stralsund der Pommerschen Evangelischen Kirche.

Siehe auch: Liste der Kirchen auf Rügen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b DKV Kunstführer Nr. 534/9. Deutscher Kunstverlag, München, Seiten 7 und 8
  2. DKV Kunstführer Nr. 534/9. Deutscher Kunstverlag, München, Seite 8
  3. Informationen zur Orgel
  4. DKV Kunstführer Nr. 534/9. Deutscher Kunstverlag, München, Seite 9
  5. DKV Kunstführer Nr. 534/9. Deutscher Kunstverlag, München, Seite 6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Johanneskirche Schaprode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

54.51353361111113.166191577778Koordinaten: 54° 30′ 49″ N, 13° 9′ 58″ O