St. Jude Medical

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St. Jude Medical
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1976
Sitz Saint Paul, Vereinigte Staaten
Leitung Daniel J. Starks (Chairman, President and Chief Executive Officer)
John C. Heinmiller (Executive Vice President)
Michael T. Rousseau (Chief Operating Officer)
Donald J. Zurbay (Vice President, Chief Financial Officer)
Mitarbeiter 16,000 (2013)[1]
Umsatz 5.5 Mrd. USD (2013)[2]
Branche Medizintechnik
Website www.sjm.de

St. Jude Medical (kurz SJM) ist ein global operierendes Unternehmen, das medizintechnische Geräte für Krankheiten des Herzens und des Nervensystems herstellt, darunter Herzschrittmacher, implantierbare Defibrillatoren, Neurostimulatoren und Herzklappen. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in St. Paul, Minnesota in den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen verkauft Produkte in mehr als 100 Ländern.[1][3] In Deutschland wird St. Jude Medical derzeit von über 300 Mitarbeitern vertreten. Die Zentrale befindet sich in Eschborn in der Nähe von Frankfurt am Main. Das Unternehmen wurde nach dem Apostel Judas Thaddäus benannt, dem Schutzpatron von hoffnungslosen Fällen.[3]

St. Jude Medical wurde 1976 gegründet und trat ein Jahr später den Börsengang an.[3][4] Seit 2010 wird das Unternehmen im Fortune 500 gelistet.[5] Daniel Starks ist CEO des Unternehmens.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten]

1958 entwickelte der schwedische Ingenieur Rune Elmquist den ersten implantierbaren Herzschrittmacher der Welt. Gemeinsam mit dem Arzt Anke Senning pflanzte er den Schrittmacher am 8. Oktober 1958 in Stockholm einem Patienten ein. Die von Elmquist gegründete Firma ist heute Teil von St. Jude Medical.[7]

St. Jude Medical wurde im Jahr 1976 von Manny Villafana gegründet um eine Therapie für sein Kind zu entwickeln, das unter einer schweren Herzklappenerkrankung litt. Die Doppelflügelherzklappe wurde aus diesem Grund weiter entwickelt. Diese Herzklappe wurde ursprünglich 1972 in der University of Minnesota entwickelt.[3][4] Die künstliche Doppelflügelherzklappe wurde in großen Teilen bei Dr. Demetre Nicoloff von der University of Minnesota und Don Hanson, Angestellter bei St. Jude Medical, entwickelt.[4] St. Jude Medicals Betriebsleiter seit der Gründung, LaVerne Rees, wurde 1981 Geschäftsführer.[8] Rees bemühte sich eine eigene Kohlenstoffbeschichtung zu entwickeln.[3] Dies führte zu einem Rechtsstreit mit Carbomedics, dem einzigen Anbieter von Kohlenstoffbeschichtungen für Herzklappen des Unternehmens.[9] Lawrence Lehmkuhl folgte Rees 1985 als Geschäftsführer von St. Jude Medical.[10] Lehmkuhl war der ehemalige Divisionsleiter bei der American Hospital Supply Corporation.[10] Kurz danach regelte St. Jude Medical den Rechtsstreit mit Carbomedics.[11] Die beiden Unternehmen trafen eine Vereinbarung, derzufolge St. Jude Medical die Erlaubnis erhielt, weiterhin die Entwicklung und Produktion einer begrenzten Menge seiner eigenen Kohlenstoffbeschichtungen durchzuführen.[3] Die erste Herzklappe, die mit St. Jude Medicals Kohlenstoffbeschichtung erschaffen wurde, ist 1986 einem Patienten in Deutschland implantiert worden.[3] Im gleichen Jahr expandierte das Unternehmen mit der Übernahme von Bioimplant.[3][12]

1990er[Bearbeiten]

Das Unternehmen hat 1990 seine internationale Abteilung in Brüssel, Belgien gegründet. Im April 1991 gründete man mit Hancock Jaffe Laboratories das Gemeinschaftsunternehmen Heart Valve Company, dessen Ziel es war, neue Gewebeherzklappen für den amerikanischen Markt zu entwerfen.[13][14] Die erste Herzklappe von Heart Valve Company wurde 1994 einem Patienten implantiert.[14] Matricaria drängte auf zunehmende Diversifizierung und Erweiterung.[3] Im Juni 1994 kündigte das Unternehmen an, Pacesetter Inc. von Siemens für 500 Millionen US-Dollar zu erwerben.[15] Während dieser Zeit war Pacesetter Inc. der zweitgrößte Hersteller von Herzschrittmachern in der Welt.[15]

Im Januar 1996 hat St. Jude Medical ihr Geschäft weiter diversifiziert, indem es die Daig Corporation aus Minnetonka, Minnesota für 425 Millionen US-Dollar erwarb. [16] Daig Corporation hat Herzkatheter für diagnostische und therapeutische Behandlungen hergestellt.[16] Im Januar dieses Jahres wurde St. Jude Medical der alleinige Eigentümer der Heart Valve Company, indem es den 50%-Anteil von Hancock Jaffe Laboratories übernahm.[16] St. Jude Medical erwarb weiterhin Biocor Industria, einen brasilianischen Hersteller von künstlichem Herzklappengewebe im September 1996.[17]

Im Februar 1999 wurde das Angio-Seal Geschäft von Tyco International erworben.[18] Matricaria trat als Vorstandsvorsitzender von St. Jude Medical im März 1999 ab. Er wurde durch Terry Shepherd, der als Präsident der St. Jude Medical Herzklappengeschäft seit 1994 gedient hatte, ersetzt.[19] Matricaria hat den Vorsitz des St. Jude Medical Board beibehalten.[19]

spätere Geschichte[Bearbeiten]

St. Jude Medical hat AGA Medical für 1,3 Milliarden US-Dollar erworben im Oktober 2010.[12] AGA Medical war ein Plymouth, Minnesota basiertes Unternehmen das Produkte die Herzfehler behandeln einschließlich Verschlusssysteme, die Löcher reparieren und andere Herzfehler behandeln.[20][21] Im Jahr 2010 erwarb das Unternehmen auch LightLab Imaging, ein Unternehmen das optische Kohärenztomographie entwickelt hat um Ärzte zu helfen Herzerkrankungen zu behandeln.[22] Im August 2012 hat St. Jude Medical ihren Geschäftsbetrieb reorganisiert.[23]

Im August 2012 wurde bekannt, dass sich bei den Riata und Riata ST Elektroden die Elektrodenummantelungen teilweise auflösen und im Körper des Patienten blanke Drähte freiliegen. Eine Dringende Sicherheitswarnung des Herstellers an die implantierenden Ärzte wurde sofort herausgegeben.[23]

St. Jude Medical erwarb Endosense, ein Schweizer Unternehmen das einen Katheter entwickelt hat, der den Druck misst den der Arzt auf der Herzwand eines Patienten aufsetzt während einer Katheterablation in 2013 für 130 Millionen US-Dollar.[24]

St. Jude Medical erwarb Nanostim, ein Sunnyvale, Kalifornien basiertes Unternehmen das Schrittmacher-Technologie entwickelt für 123,5 Millionen US-Dollar im Oktober 2013.[24]

Operationen[Bearbeiten]

St. Jude Medical ist ein Hersteller von implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren, Herzschrittmachern, Elektrophysiologie-Kathetern, Gefäßverschlussprodukten, Herz-Mapping- und Visualisierungssystemen, optischen Kohärenztomographie Bildsystemen, strukturellen Herzreparaturprodukten und Neurostimulationsgeräten.[1]

St. Jude Medical betreibt sechs Technologiezentren in Brüssel, Belgien, Peking, China, Tokyo, Japan, Austin, Texas, Saint Paul, Minnesota, und Sylmar, Kalifornien.[25][26][27] Diese Zentren bieten Schulungen für Ärzte an, und ermöglichen es ihnen, Verfahren mit Geräten und Technologien von St. Jude Medical Geräten zu simulieren.[25] [26]

Produkte[Bearbeiten]

Das Unternehmen liefert heute Produkte für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen, koronaren Herzkrankheiten, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck und weiteren Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, chronischen Schmerzen, Parkinson und neurologischen Beschwerden.

Im Jahr 2013 begann das Unternehmen mit der Vermarktung des Ilumen Optis Device, einem Diagnose- und Bewertungsinstrument für Patienten mit koronarer Herzkrankheit.[28] Das Gerät verwendet fraktionellen Flussreserve zur Messung von intraarteriellem Druck und optische Kohärenztomographie, um Ärzten die Möglichkeit zu geben, die Arterien innerhalb des Patienten zu untersuchen.[29]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c St. Jude Medical, Inc. 10-K. Securities and Exchange Commission. Abgerufen am 6. März 2014.
  2. St. Jude Medical Reports Fourth Quarter and Full-Year 2013 Results. Securities and Exchange Commission. Abgerufen am 6. März 2014.
  3. a b c d e f g h i St. Jude Medical, Inc.. International Directory of Company Histories. Abgerufen am 6. März 2014.
  4. a b c Terry Fiedler; Staff Writer: A perfectible heart ; St. Jude Medical's mechanical heart valve is still the market standard 25 years after a Minnesota woman received the first implant in surgery at the U of M., Star Tribune (Mpls.-St. Paul). 3. Oktober 2002. 
  5. Fortune 500: 445. St. Jude Medical. CNN Money. Abgerufen am 3. Juni 2014.
  6. St. Jude Medical Inc. CNN Money. Abgerufen am 3. Juni 2014.
  7. A (not so) brief history of electrocadiography.. EGC Library. Abgerufen am 3. Juni 2014.
  8. St. Jude Medical Elects Rees Chief, Hendrickson Chairman, The Wallstreet Journal. 9. September 1998. 
  9. St. Jude Medical Wins Court Order for Supply Of Heart-Valve Parts, The Wallstreet Journal. 12. Oktober 1984. 
  10. a b St. Jude Picks Lawrence Lehmkuhl As President and Chief, The Wallstreet Journal. 12. Februar 1985. 
  11. Heart Valve Companies Are Ready for Battle As St. Jude Medical Gets Back in the Market, The Wallstreet Journal. 19. September 1985. 
  12. a b St. Jude Medical, Inc.. Hoovers. Abgerufen am 6. März 2014.
  13. The Mugging of St. Jude --- Why the Street's Wrong in Roughing Up the Stock, Barron’s. 31. August 1992. 
  14. a b St. Jude Bioprosthetic Valve Implanted, Reuters News. 30. März 1994. 
  15. a b Steve Alexander: The wait is over: St. Jude announces big acquisition // Fridley firm plans to buy pacemaker operations of Siemens AG for $500 million cash, Star Tribune Newspaper of the Twin Cities Mpls.-St. Paul. 29. Juni 1994. 
  16. a b c Hancock Jaffe Sells Heart Valve Stake, Los Angeles Times. 7. Januar 1996. 
  17. St. Jude Medical Aqquires Assets, The Wallstreet Journal. 24. September 1996. 
  18. Terry Fiedler: St. Jude buys vascular-seal company // $167 million deal makes it leader in fast-growing market, Star-Tribune Newspaper of the Twin Cities Mpls.-St. Paul. 6. Februar 1999. 
  19. a b Thomas M. Burton: St. Jude Medical's CEO to Step Down In the Wake of Disappointing Results, The Wallstreet Journal. 3. März 1999. 
  20. Chen May Yee: ST. JUDE BUYS AGA MEDICAL // $1.1 billion deal is expected to give St. Jude a lead in treating structural heart disease, Star Tribune. 19. Oktober 2010. 
  21. Jon Kamp: St. Jude in Deal for AGA Medical, The Wall Street Journal Online. 19. Oktober 2010. 
  22. Janet Moore: St. Jude to spend $90 million to buy imaging company, Star Tribune. 20. Mai 2010. 
  23. a b James Walsh: St. Jude lays off 300, reorganizes // Analysts saw a connection to what St. Jude will have to pay in a new medical device tax. Officials said the goals are broader, Star Tribune. 31. August 2012. 
  24. a b Patrick Kennedy: St. Jude buys Swiss med tech company // St. Jude will pay $170 million for Endosense and could pay more if performance targets are met, Star Tribune. 20. August 2013. 
  25. a b St. Jude Medical Expands Into Beijing, China. Asian Scientist. Abgerufen am 6. März 2014.
  26. a b St. Jude Medical advances China strategy, opens latest technology center. Med City News. Abgerufen am 6. März 2014.
  27. Advanced Technology Centers. St. Jude Medical. Abgerufen am 6. März 2014.
  28. St. Jude Medical’s Ilumien Optis 3-D PCI Optimization System Approved in Europe. Mai 2013. Abgerufen am 6. März 2014.
  29. St. Jude’s ILUMIEN OPTIS PCI Optimization System with FFR, OCT Cleared in EU. medGadget. 17. Mai 2013. Abgerufen am 6. März 2014.

Weblinks[Bearbeiten]