St. Lamberti (Gladbeck)

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Pfarrkirche St. Lamberti

Die katholische Pfarrkirche St. Lamberti ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Gladbeck im Kreis Recklinghausen in Nordrhein-Westfalen. Das Kircheninstitut steht seit dem 1. September 2007 im Rang einer Propstei. [Ecclesia praeposita]

Geschichte[Bearbeiten]

Nach den frühesten schriftlichen Hinweisen ((1020) [verfälscht], dazu Theod. Aed. um 1160, Papsturkunden 1147 Juni 17, (...In Gladbech ecclesiam et curtem..)[1], 1161, 1207) gehörte die Gladbecker Kirche mit Abdinghof in Gladbeck-Zweckel und Zehntrechten auch im weiteren Verlauf von Mittelalter und früher Neuzeit zur Benediktiner-Abtei Deutz, heute Stadtgebiet von Köln. Wer die Kirche tatsächlich gegründet hat, ist völlig ungewiss und entzieht sich jeder Spekulation ebenso wie für viele andere Kirchen im späteren Vest Recklinghausen. 1256 ist erstmals die Pfarrei Gladbeck urkundlich bezeugt. [2] Früheste Urkunden sind im Propsteiarchiv erhalten ab 1375 [Verlust], weiter 1385, 1391 und 1411. 1385 wird ein Pastor Goswin genannt. Das runde Siegel der Pfarrei [Bischof mit Stab und Märtyrerpalme] ist frühestens für den 8. November 1465 überliefert.[3]

Architektur[Bearbeiten]

Es sind zwei Vorgängerkirchen des aktuellen Bauwerkes bekannt, die an derselben Stelle standen. Die romanische, dreischiffige Hallenkirche des 13. Jahrhunderts stand bis 1797. Es sind von diesem Gebäude keine Abbildungen oder Zeichnungen überliefert. Unter der Leitung von Kleinhans aus Mülheim wurde 1797 eine einschiffige, barocke Saalkirche mit vier Fensterachsen errichtet. Das Chorjoch war querrechteckig angesetzt. Der Turm war mit einer Zwiebel gekrönt. Da mit der Industrialisierung Gladbecks die Bevölkerung stark anstieg, wurde diese Kirche bald zu klein. Vor dem Abbruch der Kirche wurde als Interimslösung der noch heute benutzte Kolpinghaussaal erstellt.

Die Planung für den Neubau übernahm Dombaumeister Bernhard Hertel aus Köln. Das Gebäude repräsentiert den im Historismus des 19. Jahrhunderts besonders beliebten Typus einer dreischiffigen, neugotischen Halle. Sie war etwa 70 Meter lang und 30 Meter breit. Der Chor mit 5/8 Schluss, polygonale Nebenchöre und ein Querhaus rundeten den Eindruck ab. Das Gebäude war voll ausgemalt und reich ausgestattet. Die Kirche wurde 1899 durch den Bischof von Münster geweiht. Bis auf den Turm wurde die Kirche im Zweiten Weltkrieg vollkommen zerstört. Ein Wiederaufbau fand von 1947 bis 1953 statt. 1974 wurde umfassend renoviert und unter der Leitung des Architekten Bernd Kösters nach den Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils, der Innenraum umgestaltet. Beherrschendes Element der Umgestaltung war Die Wand, ein aus seriell hergestellten plastischen Elementen aufgerichtete, nicht total zugemauerte Scheibe zwischen Chor und Querhaus. Der darin eingelassene, kreisrunde Tabernakel ist beidseitig sichtbar.

Literatur[Bearbeiten]

  • Elke Dißelbeck-Tewes: Anton Düsing (c. 1748–1804) Organist, Küster und Kirchmeister an der Propsteikirche St. Lamberti in Gladbeck. In: Reimund Haas, Jürgen Bärsch (Hrsg.): Christen an der Ruhr. Band 4, Aschendorff, Münster 2010, ISBN 978-3-402-10491-0, S. 25–37.
  • Elke Dißelbeck-Tewes: Das Bautagebuch der Gladbecker St.-Lamberti-Kirche 1897–1899. hg. v. Institut für kirchengeschichtliche Forschung des Bistums Essen. (= Beiträge und Miszellen. 6). Verlag MV-Wissenschaft, Essen 2010, ISBN 978-3-86991-187-8.
  • Elke Dißelbeck-Tewes: Zwischen Himmel und Erde. Ein Streifzug durch die Geschichte der Pfarrei St. Lamberti in Gladbeck. hg. v. vom Archiv der Propsteigemeinde St. Lamberti. Gladbeck 2011.
  • Heinz Dohmen: Abbild des Himmels, Tausend Jahre Kirchenbau im Bistum Essen. Verlag Hoppe und Werrry, Essen 1977, ISBN 3-88867-001-2.
  • Wilhelm Janssen: Pfarrkirchen und Kuratkapellen zwischen Ruhr und Lippe im Mittelalter. In: Ferdinand Seibt, Ludger Tewes u.a. (Hrsg.): Vergessene Zeiten. Mittelalter im Ruhrgebiet. Band 2 zum Ausstellungskatalog, Verlag Pomp, Essen 1990, ISBN 3-89355-053-4, S. 144–148.
  • Johannes Meier: Das Bistum Essen. Christliches Leben an Lenne und Ruhr im Lauf von zwölf Jahrhunderten. Heft 1: Von den ersten Glaubensboten bis zur großen Säkularisation. Editions du Signe, Strasbourg 1998, ISBN 2-87718-637-7.
  • Johannes Meier, Wilhelm Damberg: Das Bistum Essen: Eine illustrierte Geschichte 1958–2008. Aschendorff, Münster 2007, ISBN 978-3-402-12731-5.
  • Ludger Tewes: Urkunden und Regesten des Pfarrarchivs St. Lamberti in Gladbeck aus dem 14. und 15. Jahrhundert (Edition). In: Vestische Zeitschrift. ISSN 0344-1482, 1989/1990, S. 13–16, 1991/92, S. 115–118, 1993/94, S. 79–85, 1995/1996/1997, S. 31–38, 1998/99, S. 209–214.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Westfälisches Urkundenbuch Band V, Nr. 60.
  2. Vestische Zeitschrift, Bd. 84/85/1985-1986, S. 58.
  3. Abdruck im Propsteiarchiv St. Lamberti.

51.5730096.994122Koordinaten: 51° 34′ 23″ N, 6° 59′ 39″ O