St. Laurent

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Dieser Artikel behandelt die Rebsorte, weitere Verwendungen des Begriffes finden sich unter Saint-Laurent.
St. Laurent im Buch von Viala & Vermorel
Der Rebmann, aus Jost Ammans Ständebuch (1568)

St. Laurent (Synonyme: Saint Laurent, Pinot Saint Laurent, Laurenzitraube, Svatovavřinecké, Svätovavrinecké) ist eine hocharomatische rote Rebsorte der Burgunderfamilie und stammt vermutlich aus Niederösterreich.[1]

Synonyme: Blauer Saint-Laurent, Chvartser, Laurenzitraube, Laurentztraube, Lorentstraube, Lorenztraube, Lovrenac crni, Lovrijenac, Lovrijenac crni, Pinot Saint Laurent, Saint-Laurent, Saint Laurent noir, Saint Lorentz, Sankt Laurent, Sankt Lorentztraube, Sent Lovrenka, Svatovavřinecké, Svatovavřinecké, Svätovavrinecké, Szent lörine, Szentlörinc, Vavrinak

Abstammung: ein natürlicher Burgundersämling.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der St. Laurent wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts durch den deutschen Apotheker und Weinbaupionier Johann Philipp Bronner aus Frankreich nach Deutschland eingeführt. Von dort aus verbreitete sich die Rebsorte in die Nachbarländer, wo sie in Österreich noch relativ häufig vorkommt. Dort wurde sie vom Stift Klosterneuburg erstmals 1860 ausgepflanzt und verbreitet. Die erste urkundliche Erwähnung des St. Laurent in Österreich stammt aus dem Jahr 1860. Sie hat in Österreich in den letzten acht Jahren eine Verdoppelung der Anbaufläche auf 800 Hektar erfahren [2] und ist in den Weinbaugebieten Thermenregion und Neusiedlersee besonders häufig. Auch auf dem Gebiet der Tschechischen Republik und der Slowakei hat sich die Sorte als einer der beliebtesten Rotweine erhalten. Außerhalb Österreichs und Tschechiens baut man sie seit Neuestem wieder vermehrt in der Pfalz und in Rheinhessen an. Seit dem Jahr 2006 ist die Sorte in den Statistiken Luxemburgs enthalten; erhoben wurden bislang 2,8 ha (Stand 2008, Quelle: [3]). In Neuseeland und Kanada laufen erste Versuche mit dieser Sorte.

Die Rebsorte war in Deutschland lange Zeit Bestandteil des gemischten Satzes im Weinbau, aber seit den 1950er Jahren nahezu ausgestorben. Die restliche Rebfläche soll gerade noch 27 Hektar betragen haben. Mit der Renaissance des Rotweins dort gegen Ende des 20. Jahrhunderts kam auch diese alte Sorte zu neuen Ehren. In Deutschland waren im Jahr 2007 675 Hektar ( = 0,7 % der deutschen Rebfläche) [4] mit der Rebsorte St. Laurent bestockt, nachdem im Jahr 2001 nur 185 Hektar [5] erhoben wurden.

Die Rebflächen in Deutschland verteilten sich im Jahr 2007 wie folgt auf die einzelnen Anbaugebiete:

Weinbaugebiet Rebfläche (Hektar)
Ahr unter 0.5
Baden 15
Franken 4
Hessische Bergstraße 6
Mittelrhein unter 0.5
Mosel 12
Nahe 18
Pfalz 307
Rheingau 7
Rheinhessen 303
Saale-Unstrut unter 0.5
Sachsen unter 0.5
Stargarder Land -
Württemberg 3
Summe Deutschland 2007 675

Quelle: Rebflächenstatistik vom 13. März 2008, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2008 in Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes 2008, Seite 198ff. [6]

Die Rebflächen in Österreich verteilten sich im Jahr 2007 wie folgt auf die einzelnen Anbaugebiete:

Weinbaugebiet Rebfläche (Hektar)
Wachau 14,99
Kremstal 16,82
Kamptal 50,37
Traisental 5,73
Wagram 17,83
Weinviertel 94,55
Carnuntum 20,29
Thermenregion 140,25
Neusiedler See 343,99
Neusiedlersee-Hügelland 45,51
Mittelburgenland 22,52
Südburgenland 1,29
Wien 8,45
Südoststeiermark 5,06
Südsteiermark 7,12
Weststeiermark 0,65
Summe Österreich 2007 795,42

Quelle: Weingartenerhebung 1999 + Umstellungsänderungen bis 2007 (ausgepflanzte Flächen)[7]

Kleine Bestände sind auch in der Schweiz bekannt. (2,73 Hektar, Stand 2007, Quelle: Office fédéral de l'agriculture OFAG [8])

Qualität[Bearbeiten]

Qualitätsmäßig liegt der St. Laurent zwischen dem anspruchslosen Portugieser und dem hochwertigen Spätburgunder oder Pinot noir. Seine Beeren sind weniger dünnhäutig und damit nicht so anfällig für Verletzungen wie die des Spätburgunders. Der Wein ist von mittlerem Körper und weist einen intensiven Duft nach Waldbeeren und Schwarzkirschen auf.

Name[Bearbeiten]

Der Name rührt möglicherweise von der Essreife der ersten Beeren um den Laurenzitag (10. August) her. Gelegentlich wird auch angeführt, dass zu dieser Zeit – in den Hundstagen – die (relativ frühreifen) roten Weintrauben von der Sonne ebenso gebraten werden wie der Legende nach der namensgebende Märtyrer auf dem Grillrost. Dass die Gemeinde Saint-Laurent im Médoc etwas mit der Namensgebung zu tun hat, wird für ausgeschlossen gehalten.

Neuzüchtungen[Bearbeiten]

Die rote Rebsorte Zweigelt ist eine österreichische Neuzüchtung aus dem Jahr 1922 von Friedrich Zweigelt (1888–1964), dem späteren Direktor der Bundesversuchsanstalt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg (1938–1945), aus St. Laurent und Blaufränkisch. Die Zweigeltrebe ist die häufigste rote Rebsorte in Österreich. André entstammt wie der Zweigelt einer Kreuzung zwischen Blaufränkisch und St. Laurent. Die Sorte ist im tschechischen Velké Pavlovice / Großpawlowitz im Jahr 1961 entstanden und seit 1980 in die staatliche Sortenliste der Tschechischen Republik eingetragen. Gezüchtet wurde sie von Jaroslav Horák (1922 - 1994) am Institut Šlechtitelská stanice vinařská ve Velkých Pavlovicích.

Neronet ist ebenfalls eine rote Rebsorte. Die Kreuzung der Neuzüchtung erfolgte durch Prof. Ing. Vilém Kraus (deutsche Schreibweise: Wilhelm Kraus) an der Fakultät für Garten- und Landschaftsbau der Mendel-Universität für Land- und Forstwirtschaft Brünn in Lednice, Tschechien. Neronet ist eine Kreuzung von (St. Laurent x Blauer Portugieser) x (Alicante Bouschet x Cabernet Sauvignon).

Gm 6494 (oder auch Geisenheim 6494) war eine Sämlingspopulation, die im Jahre 1964 durch Vilém Kraus aus den Rebsorten Zarya Severa x St. Laurent gekreuzt wurde. Prof. Kraus bot die Sämlinge Prof. Dr. Helmut Becker (1927-1990), damals an der Forschungsanstalt Geisenheim tätig, an, der die Bedeutung dieses Materials erkannte und es züchterisch in Nachkommenschaftsprüfungen weiterbearbeitete. Aus der Sämlingspopulation Gm 6494 wurde der Sämling Gm 6494-5 aufgrund seiner besonderen Leistungsfähigkeit ausgelesen und später unter dem Sortennamen Rondo als eigenständige Rebsorte vermehrt und in die Praxis gebracht. Über die Kreuzung Gm 6494 ging der St. Laurent in die Neuzüchtungen Bronner, Baron, Cabernet Carbon, Prior und Souvignier gris ein

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weinbau in Österreich, Weinbau in Deutschland, Weinbau in Frankreich, Weinbau in Neuseeland, Weinbau in Kanada und Weinbau in Tschechien sowie die Liste der Rebsorten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ferdinand Regner: Verzeichnis der österreichischen Qualitätsweinrebsorten und deren Klone, 2008, LFZ Klosterneuburg
  2.  Österreichische Weinmarketingserviceges.m.b.H. (ÖWM): Dokumentation Österreichischer Wein 2007, (PDF Datei). Wien 2008.
  3. Veröffentlichung des Statistikamts (PDF) Seite 144
  4.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2008/2009, (PDF Datei; 454 kB). Mainz 2008.
  5.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2004/2005, (PDF Datei; 777 kB). Mainz 2004.
  6. Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes 2008(PDF; 519 kB)
  7.  Österreichische Weinmarketingserviceges.m.b.H. (ÖWM) (Hrsg.): Dokumentation Österreichischer Wein 2007. Wien 2008, S. 40ff. (PDF 4,5 MB).
  8. Das Weinjahr 2008 (PDF), Herausgeber Office fédéral de l'agriculture OFAG