St. Laurentius (Neuendettelsau)

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Die Laurentius-Kirche kurz nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1887
Südseite
Relief des Westportals: Christus Pantokrator mit den 24 Ältesten (gemäß Offenbarung 4)

St. Laurentius ist eine nach dem römischen Diakon und Märtyrer Laurentius benannte evangelisch-lutherische Kirche in Neuendettelsau. Sie dient der Diakonie Neuendettelsau als liturgischer Mittelpunkt und gehört zur St.-Nikolai-Gemeinde Neuendettelsau. Im Volksmund wird sie als die Anstaltskirche bezeichnet, da sie ursprünglich nur von der Diakonissenanstalt genutzt wurde.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Die ursprüngliche Kirche beruhte auf Plänen des Baumeisters Georg Eberlein und dessen Schüler Max Gaab. Sie wurde in einer Planungsphase von 1882 bis 1885 im neugotischen Stil entworfen, wobei es zwischen den beiden Baumeistern erhebliche Differenzen im Detail gab. Man entschied sich letztlich für Gaab, der auf Dekorationen zugunsten eines schlichten äußeren Erscheinungsbildes weitgehend verzichtete. Die Grundsteinlegung erfolgte am 21. April 1885, Pfingsten 1886 konnte das Richtfest gefeiert werden. Da die veranschlagten Kosten von 64.000 Mark um ca. 12.000 Mark überschritten wurden, zögerte sich die Fertigstellung bis zum Juni 1887 hin, so dass die Kirchenweihe erst am 29. Juni 1887 gefeiert werden konnte.

1926 beauftragte der damalige Rektor Hans Lauerer den Architekten German Bestelmeyer mit dem Umbau der mittlerweile zu klein gewordenen Kirche. Dieser versuchte sie in Anlehnung an die St.-Sebaldus-Kirche in Nürnberg zu erweitern. Der alte Chor und der Turm sollten einem neuen Chor und zwei neuen Türmen weichen. Weiterhin waren ein Erweiterungsbau mit 300 Sitzplätzen und eine neue Westfassade vorgesehen. Veranschlagt war ein Bauvolumen von 420.000 Mark. Nach einer Bauzeit von weniger als zwei Jahren konnte am 3. Juni 1929 das Richtfest gefeiert werden. Noch bevor die Steinfassade des Westportals fertiggestellt war, wurde am 2. November 1930 der erste Gottesdienst in der erweiterten Kirche gefeiert.

Die neugotische Turmspitze von 1887 ist in einer kleinen Parkanlage bei der Kirche aufgestellt.

Orgel[Bearbeiten]

Blick auf die Orgel

Auf der Empore des westlichen Erweiterungsbaus befindet sich heute ein dreimanualiges Werk mit elektropneumatischer Traktur und 41 Registern. Es ist im Wesentlichen noch die Steinmeyer-Orgel von 1930, allerdings kam es in der ersten Hälfte der 1970er Jahre zu einem Umbau, bei dem u.a. der Prospekt neu gestaltet und dabei mit einem Gehäuse versehen wurde. Die frühere Chororgel integrierte man damals in das Hauptwerk.[1]

I. Manual (Hauptwerk) C–f3
1. Großgedeckt 16'
2. Weitprincipal 8'
3. Gemshorn 8'
4. Rohrflöte 8'
5. Octave 4'
6. Koppelflöte 4'
7. Schwiegel 2'
8. Rauschpfeife II 22/3'
9. Mixtur 11/3'
10. Trompete 8'
II. Manual (Rückpositiv) C–f3
11. Bordun 8'
12. Quintatoen 8'
13. Principal 4'
14. Blockflöte 4'
15. Octave 2'
16. Quinte 11/3'
17. Cymbel 1'
18. Dulcian 16'
19. Krummhorn 8'
Tremulant
III. Manual (Schwellwerk) C–f3
20. Rohrgedackt 16'
21. Principal 8'
22. Holzflöte 8'
23. Dulzflöte 8'
24. Geigend Principal 4'
25. Nachthorngedackt 4'
26. Waldflöte 2'
27. Sifflöte 1'
28. Spitzquinte 22/3'
29. Terz 13/5'
30. Scharff 11/3'
31. Oboe 8'
Tremulant
Pedal C–f1
32. Kontrabass 16'
33. Subbass 16'
34. Principal 8'
35. Gedecktflöte 8'
36. Octave 4'
37. Nachthorn 2'
38. Rauschpfeife 22/3'
39. Posaunenbass 16'
40. Trompete 8'
41. Clairon 4'

Glocken[Bearbeiten]

Das heutige Geläut umfasst vier Glocken, davon eine aus der alten Kirche, die 1929 gegossen wurde.

Name Schmuck Nominal Gewicht in kg Gussjahr Gießer Anmerkung
"Dienet" Diakonissenwappen e'+5 1.200 1954 Heinrich Kurtz
"Kommet" Alpha, Kreuz, Omega fis'+7 840 1954 Heinrich Kurtz
"Wachet" keiner a'+6 490 1929 Ernst Ulrich Älteste Glocke, trägt keinen Schmuck
"Betet" betende Hände nach Dürer cis"+6 250 1954 Heinrich Kurtz

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Rößler: 111 Jahre Laurentius-Kirche Neuendettelsau, in: ders. (Hrsg.): 700 Jahre Neuendettelsau, Neuendettelsau 1998, S. 111-129.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zur Orgel (PDF; 2,7 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

49.28847222222210.784027777778Koordinaten: 49° 17′ 18″ N, 10° 47′ 3″ O