St. Louis (Schiff)

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Die St. Louis im Hafen von Havanna.

St. Louis war ein Linienschiff der HAPAG-Reederei Hamburg. Besondere Bekanntheit erlangte die St. Louis, als sie auf Initiative des NS-Regimes am 13. Mai 1939 mit 906 jüdischen Flüchtlingen an Bord Hamburg in Richtung Amerika verließ und mit den Flüchtlingen an Bord wieder nach Europa zurückkehren musste.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Das 1929 in Dienst gestellte Schiff wurde auf der Werft Bremer Vulkan gebaut und ab 1933 für Fahrten der NS-Organisation „Kraft durch Freude" eingesetzt. Sie war das Schwesterschiff der im selben Jahr in Dienst gestellten Milwaukee. Von 1940 an wurde sie in Kiel bis zu einem Bombentreffer im August 1944 als Wohnschiff der Kriegsmarine verwendet und nach der Reparatur in gleicher Funktion nach Hamburg verlegt. Im Hamburger Hafen brannte das Schiff nach einem Luftangriff aus. Im April 1947 erlaubte die britische Besatzungsmacht die Eröffnung der St. Louis als erstes ziviles Hotel in Hamburg nach dem Krieg. Nach der Stilllegung im April 1950 wurde das Schiff in Bremerhaven verschrottet.[2]

St. Louis als Fluchtschiff[Bearbeiten]

Passagiere mit Visa[Bearbeiten]

Passagiere waren 937 deutsche Juden, die mit Visum für Kuba und größtenteils mit gültigen Papieren der US-Einwanderungsbehörde ein halbes Jahr nach den Ausschreitungen in der Reichspogromnacht auswandern wollten.[3]

Landeerlaubnis in Havanna widerrufen[Bearbeiten]

Jüdische Flüchtlinge an Bord der MS St. Louis im Hafen von Havanna, wo sie nicht an Land dürfen.

In der Karibik begann die Auswanderung zu scheitern, weil das Schiff nirgends eine Anlegeerlaubnis erhielt. Denn trotz zuvor erfolgter Zusage weigerte sich die kubanische Regierung, das Schiff den Hafen von Havanna am Pier anlaufen zu lassen; ebenso weigerte sich Kanada zu helfen. Nach Verhandlungen von Kapitän Gustav Schröder durften 23 Passagiere von Bord gehen. Am 2. Juni 1939 musste das Schiff Kuba verlassen.[4]

Zurückweisung der Flüchtlinge in USA[Bearbeiten]

Die Besatzung bat dann US-Präsident Franklin Roosevelt persönlich um Hilfe, die jedoch verweigert wurde. Die Odyssee des Schiffs führte zu heftigen Diskussionen in den Vereinigten Staaten, da Präsident Roosevelt zwar anfangs einige der Flüchtlinge aufnehmen wollte, aber sich dem Druck seines Außenministers Cordell Hull und der Demokratischen Partei beugen musste. Einige Parteimitglieder sollen ihm gedroht haben, die Unterstützung für die Präsidentschaftswahlen 1940 zu versagen. Am 4. Juni 1939 lehnte Roosevelt das Anlegen des Schiffes in den USA ab, das in der Karibischen See zwischen Florida und Kuba wartete.

Landung in Antwerpen durch Verhandlungen[Bearbeiten]

Das Schiff musste auf Anweisung der Reederei im Juni 1939 nach Europa zurückkehren, woran auch ein Versuch der Passagiere, das Kommando über das Schiff zu übernehmen, nichts änderte. Aber Kapitän Gustav Schröder setzte sich für die Flüchtlinge ein. Die Belgische Regierung erlaubte die Landung in Antwerpen. Die Passagiere wurden von Antwerpen aus von Belgien (214), Niederlande (181), Frankreich (224) und Großbritannien (254) aufgenommen.[5]

Überlebende[Bearbeiten]

Mit der Besetzung Belgiens, der Niederlande und Frankreichs durch Truppen der Wehrmacht ab 1940 geriet die Mehrzahl der an der Emigration Gehinderten jedoch in den Herrschaftsbereich des NS-Regimes. Die von Großbritannien aufgenommenen Emigranten waren in Sicherheit. Nach neueren Forschungen wurden 254 der Passagiere im Holocaust ermordet.[6]

Einer der Überlebenden war der spätere Mitbegründer der Pharmakogenetik, Arno Motulsky.[7]

Gedenken[Bearbeiten]

Gedenktafel an den Hamburger Landungsbrücken
  • Eine Gedenktafel in Hamburg auf der rechten Seite des Durchganges zu Brücke 3 der St. Pauli-Landungsbrücken erinnert an das Schicksal der Passagiere der St. Louis.
  • Kapitän Gustav Schröder wurde für sein Engagement zur Rettung der Juden von der Bundesrepublik Deutschland durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande im Jahr 1957, vom Staat Israel durch die Aufnahme in den Kreis der Gerechten unter den Völkern und von der Hansestadt Hamburg durch Benennung einer Straße in Langenhorn, dem Kapitän-Schröder-Weg, geehrt.
  • Das Drama der MS St. Louis war Gegenstand des 1976 erstaufgeführten amerikanischen Films Reise der Verdammten (Voyage of the Damned).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Louis (ship, 1929) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg Reinfelder, MS "St. Louis". Die Irrfahrt nach Kuba Frühjahr 1939. Kapitän Gustav Schroeder rettet 906 deutsche Juden vor dem Zugriff der Nazis. Berlin 2002. ISBN 3-933471-30-3.
  2. NDR Fernsehen „Hamburg damals“ am 14. Juli 2013
  3. Eigel Wiese: Die „St. Louis“ war ihr Schicksal. In: Hamburger Abendblatt vom 3. Mai 2014, S. 20.
  4. Eigel Wiese: Die „St. Louis“ war ihr Schicksal. In: Hamburger Abendblatt vom 3. Mai 2014, S. 20.
  5. Eigel Wiese: Die „St. Louis“ war ihr Schicksal. In: Hamburger Abendblatt vom 3. Mai 2014, S. 20.
  6. Eigel Wiese: Die „St. Louis“ war ihr Schicksal. In: Hamburger Abendblatt vom 3. Mai 2014, S. 20.
  7. University of Washington: Holding Out Hope in a Cruel World. (Dump vom 6. Juli 2013, PDF; 1,3 MB)