St. Ludwig (Celle)

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St. Ludwig, Ansicht vom Französischen Garten

St. Ludwig ist die katholische Hauptkirche von Celle, einer Kreisstadt in Niedersachsen. Sie steht am Westrand der Innenstadt, außerhalb der historischen Altstadt (Kanonenstraße 1). Die Zentralachse des Französischen Gartens läuft direkt auf die breite Turmfront der Kirche zu.

Geschichte[Bearbeiten]

Denkstein auf dem Kirchhof für „Bischof Niels Stensen, Gründer unserer Gemeinde 1678“
Turmfront von SO
Altar
Bleiglasfenster
Innenraum, zwei Reihen dorische Säulen tragen kassierte Halbtonnendecke

Seit der Reformation gab es in Celle nur vereinzelte Katholiken, zumeist Ausländer im diplomatischen Dienst oder in Hofämtern. Niels Stensen veranlasste 1678 die Bestellung eines ständigen Seelsorgers für sie. 1710 wurde ein Privathaus außerhalb der Stadt in eine Kapelle umgewandelt, die unter den Schutz der Apostel Petrus und Paulus gestellt und 1711 von Agostino Steffani geweiht wurde. Hundert Jahre später wurde der Bau der repräsentativen Kirche ins Auge gefasst. Die Kirchweihe erfolgte 1838:

Königreich Hannover. Im September verflossenen Jahres ist in Celle die katholische Kirche, deren Bau im Frühjahre 1835 den Anfang genommen hat, durch unsern Hochwürdigsten Herrn Bischof von Hildesheim feierlich eingeweihet worden. Die Kirche hat zum Patron den heiligen Ludwig erhalten, um in diesem hohen Namen zugleich die dankbare Erinnerung auf ihren hochherzigen Wohlthäter, König Ludwig von Bayern für die späteste Nachkommenschaft treu zu bewahren. Denn durch die reichliche Unterstützung dieses Monarchen und die Beiträge aus dem katholischen Bayerlande ist es möglich geworden, diesen Bau in einer Gegend, wo alle Baumaterialien sehr theuer sind, so weit auszuführen, daß er wenigstens dem Aeußern nach vollendet da steht. Der eifrige und hochverdiente Pfarrer von Celle, Herr Frohwein hat Alles aufgeboten, um das Gotteshaus völlig ausstatten zu können. Selbst nach England hat er deßhalb eine Reise unternommen; allein der Erfolg krönte nicht, wie zu wünschen gewesen, seine Bemühungen. Die arme Gemeinde, welche alles Mögliche gethan hat, sah sich in die traurige Notwendigkeit versetzt, Schulden zu machen, und doch entbehrt die Kirche noch der Glocken, einer Orgel, einer Communikantenbank und anderer Bedürfnisse; so daß ohne milde Beiträge kaum die gänzliche Ausstattung der Kirche in langer Zeit möglich seyn wird. Indeß war doch die Feier der Kirchweihe ein erhabener Freudetag für die Katholiken von Celle, da bisher nach bestehenden Gesetzen nur in einem Betsaal der Gottesdienst gehalten werden durfte. In neuerer Zeit hat sich nun das Verhältniß freundlicher gestaltet, so daß selbst die Kirche, welche in einfacher aber erhabener Gestalt sich erhebt, und die Einweihung derselben, bei welcher in Musik und Gesang und anderer nachbarlich liebevollen Theilnahme viele Protestanten sich zuvorkommend erwiesen, ein Zeugniß ablegt, daß, wenn auch die so lange vermißte Glaubenseinheit noch immer nicht wiedergekehrt ist, doch eine menschenfreundliche Duldung und Anerkennung sich bewährt, und der Bürger dem Bürger gleichsteht.“

Der Katholik; eine religiöse Zeitschrift zur Belehrung und Warnung, hrsg. von Nikolaus von Weis, 71. Band, gedruckt bei Daniel Kranzbühler, Speyer 1839, S. XXV.

Der Entwurf der Ludwigskirche stammt von dem Lübecker Architekten Johann Anton Spetzler. Die Türme wurden 1881 von Conrad Wilhelm Hase ergänzt. Zur selben Zeit erhielt die Kirche eine Ausmalung von Wilhelm Clausing, die später wieder entfernt wurde.

St. Ludwig war nach St. Clemens in Hannover und St. Michael in Göttingen die dritte katholische Pfarrkirche des neu umschriebenen Bistums Hildesheim außerhalb des ehemaligen Hochstifts und des einst kurmainzischen Eichsfelds. Ihr Pfarrsprengel reichte bis an die Nordsee.

Als Kirchenpatron wählte man Ludwig den Heiligen, König von Frankreich – eine Reverenz an König Ludwig I. von Bayern, der den Bau durch Geldmittel und eine Kollekte in Bayern gefördert hatte.

Architektur und Ausstattung[Bearbeiten]

St. Ludwig ist ein stilreiner Bau des Klassizismus. Einzig die erst 1881 auf den vorhandenen Sockeln vollendeten Türme zeigen Merkmale eines romantisierenden Historismus.

Der Kirchenraum ist eine dreischiffige Halle. Die Seitenschiffe sind flach gedeckt, während sich über dem Mittelschiff ein kassettiertes Tonnengewölbe erhebt, das von zwölf hohen, weißen, kannelierten Säulen getragen wird. Pastellrosa Wandstreifen und schmale Goldbänder setzen farbige Akzente.

Der Altarraum ist eine schmalere, nur wenig erhöhte Fortsetzung des Mittelschiffs mit flachem Wandabschluss, den die Tabernakelstele und darüber ein großer, an frühromanische Vorbilder erinnernder Crucifixus beherrschen. Davor stehen Altar und Ambo aus moderner Zeit.

Das halbrunde Dreifaltigkeitsfenster im Gewölbe des Altarraums und die Heiligenfenster der Seitenschiffe sind Werke des späten 19. Jahrhunderts.

Am 29. Juni 1986 wurde die Peter-und-Paul-Kapelle geweiht, die an die Südwestseite der Kirche angefügt ist und als Raum für stille Andacht und Werktagsgottesdienste dient. Ein barockes Altarretabel kontrastiert wirkungsvoll mit der zeitgenössischen Architektur und Ausstattung.

Seit 1. November 2006 gehören zur Pfarrgemeinde St. Ludwig auch die Kirchen St. Hedwig in Celle, St. Raphael in Lachendorf, St. Marien in Nienhagen und St. Barbara in Wathlingen.[1]

Orgel[Bearbeiten]

Orgel

Die Orgel der Ludwigskirche wurde 1998 durch die Orgelbaufirma Martin ter Haseborg (Südgeorgsfehn) neu erbaut. Als Vorlage diente die Disposition der ersten Orgel der Ludwigskirche von Carl Wilhelm und Eduard Meyer aus dem Jahr 1841, von der allerdings nur noch einige Register vorhanden waren, die in der neuen Orgel wiederverwendet sind. Auch der Prospekt wurde nach Fotografien der ersten Orgel rekonstruiert.[2]

I Hauptwerk C–
1. Bordun 16′
2. Principal 8′
3. Gambe 8′
4. Rohrflöte 8′
5. Cornett V 8′
6. Octave 4′
7. Gemshorn 4′
8. Quinte 22/3
9. Octave 2′
10. Mixtur IV–V
11. Trompete 8′
Tremulant
II Schwellwerk C–
12. Geigenprincipal 8′
13. Salicional 8′
14. Gedackt 8′
15. Vox coelestis 8′
16. Fugara 4′
17. Querflöte 4′
18. Nasard 22/3
19. Flachflöte 2′
20. Terz 13/5
21. Mixtur V
22. Fagott 16′
23. Oboe 8′
Tremulant
Pedalwerk C–
24. Principal 16′
25. Bordun (aus Nr. 1) 16′
26. Octave 8′
27. Gedackt 8′
28. Octave 4′
29. Quinte 22/3
30. Octave 2′
31. Posaune 16′
32. Trompete 8′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P
    • Suboktavkoppeln: II/II, II/I

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kirchengemeinde St. Ludwig (Hrsg.): 150 Jahre St. Ludwig Celle. Celle 1988.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Ludwig (Celle) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bistum-Hildesheim.de.
  2. Orgel bei St-Ludwig-Celle.de, abgerufen 27. Mai 2011.

52.62000833333310.0787Koordinaten: 52° 37′ 12″ N, 10° 4′ 43″ O