St. Maximin (Pachten)

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St. Maximin
Ansicht von Süden

St. Maximin ist die katholische Pfarrkirche von Pachten, einem Stadtteil von Dillingen. Der Ort Pachten geht auf die römische Siedlung Contiomagus zurück. Früheste christliche Zeugnisse stammen aus der Römerzeit.

Die Pfarrei gehört zur Pfarreiengemeinschaft Dillingen, die sich in die fünf Gemeinden Hl. Sakrament, St. Johann, St. Josef, Maria Trost und St. Maximin untergliedert.[1]

In der Denkmalliste des Saarlandes ist die Kirche als Einzeldenkmal aufgeführt.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Der 1890 abgetragene Vorgängerbau

Die ältere Kirche fluchtete mit dem Gebäude einer römischen Siedlung. Beim Abbruch der alten Kirche fand man auch einen Gürtelschmuck mit einer Münze von Kaiser Konstantin dem Großen.

Auf einer von Bischof Albero von Trier geführten Liste der zur jährlichen Mettlacher Wallfahrt verpflichteten Pfarreien wird Pachten erwähnt.

Eine Schenkung übertrug 1292 und 1301 die Grundherrschaft der Herren von Siersburg dem Deutschritterorden der Komturei Beckingen. Bis 1590 war Dillingen kleiner als Pachten. Nach dem Dreißigjährigen Krieg lebten nur sechzehn Familien in Pachten.

Bis zur Französischen Revolution musste Pachten den Zehnten an die Äbtissin von Fraulautern entrichten. Bevor die Pfarrei von 1802 bis 1817 dem Bistum Metz als Filialkirche von Dillingen zugeordnet wurde, gehörte sie zum Bistum Trier. Den Status einer eigenständigen Pfarrei erhielt Pachten erst 1827. Bis 1815 war es dem Amt Wallerfangen zugeordnet, das unter der Herrschaft des Herzogs von Lothringen stand.

1890 wurde die aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirche abgerissen und durch die heutige Kirche ersetzt. Dabei fällte man auch die alte Gerichtslinde vor der Kirche. Pfarrer Philipp Schmitt hatte im Jahr 1838 über sie geschrieben: "Merkwürdig ist die Linde vor der Kirche; sie hat 21 Fuß (ca. 6,30 m) im Umfang und schon vor 200 Jahren hielt das Hochgericht im Dorf darunter seine Sitzungen." [3]:S. 26

Die Kirche St. Maximin(us) wurde in den Jahren 1891-94 nach den Plänen des Rodener Architekten Wilhelm Hector gebaut. Er war einer der meistbeschäftigten Kirchenbauarchitekten des Historismus im heutigen Saarland. Zeitgleich zum Bau von St. Maximin wurden im Architekturbüro Hectors zahlreiche andere Kirchen in der Umgebung Pachtens (Brebach 1890-91, Hilbringen 1890-91, Theley 1890-92, Nalbach 1891-92, Differten 1891-93) geplant. Insgesamt baute Wilhelm Hector im heutigen Saarland über 30 Kirchen. Am Wettbewerb für den Saardom hatte er sich allerdings erfolglos beworben.

Nach der Fertigstellung des Gotteshauses im Jahr 1894 erfolgte am 1. Mai 1896 die Einweihung durch den Trierer Weihbischof Karl Ernst Schrod.[4]

Am 28. Juli 1895 wurde das Kirchturmdach am Kirmestag Opfer eines Sturmes, der auch das Hillenkreuz auf dem Friedhof St. Johann umwarf.[3]:S. 19

Während des Zweiten Weltkrieges erlitt die Kirche schwere Schäden. Die Druckwelle einer Explosion eines Munitionszuges im Dillinger Bahnhof zerstörte die Fenster und führte dazu, dass die Kirche vom Einsturz bedroht war. Bis zum heutigen Tag sind am Kirchturm einige Einschläge von Granatsplittern zu sehen. Die meisten Schäden wurden nach dem Krieg und bei Renovierungsmaßnahmen seit den 1960er Jahren beseitigt.[5]

Innenansicht
Chor
Aus der alten Kirche stammender Türsturz

Das Kirchengebäude[Bearbeiten]

Architektur[Bearbeiten]

Architekt Hector entwarf St. Maximin mit fünf Jochen, einem dreiseitig abschließenden Chorraum und einem mittig vorgestellten Westturm. Die Pfarrkirche ist eine neofrühgotische dreischiffige Stufenhalle mit Anklängen an Motive der Romanik. Die Kreuzrippengewölbe des Langhauses ruhen auf schlanken Rundpfeilern mit relativ großen Abständen zueinander. Das Motiv der Rundpfeilerarkaden mit weitgespannten Interkolumnien gehört zum oft angewandten Repertoire der neogotischen Architektur Hectors. Die bescheidener in der Ausführung und der Größe zwischen 1899 und 1900 ebenfalls von Hector im benachbarten Diefflen errichtete dreischiffige und dreijochige Pfarrkirche St. Josef und St. Wendelin mit kleinem Treppenturm und dreiseitigem Chorschluss (nach der Kriegszerstörung verändert wiederaufgebaut), wies Ähnlichkeiten mit St. Maximin auf.

Die Seitenschiffe von St. Maximin sind mit rechteckigen Jochen überwölbt. Dabei enden die Rippen an den Innenwänden in kleinen Konsolsäulen. Die Kapitelle sind mit steinernen Blättern verziert. Der Charakter einer Stufenhalle wird am Außenbau durch die Absetzung der Pultdächer der Seitenschiffe vom Satteldach des Mittelschiffes deutlich. Der Architekt Wilhelm Hector wandte dieses architektonische Gestaltungsmittel, durch das seine Bauwerke den Charakter einer Pseudobasilika bekamen, an vielen seiner Kirchen an.

Der gesamte Außenbau ist geprägt vom Gegensatz der verputzten Wandflächen zu den Gewänden und architektonischen Gliederungselementen aus beigefarbenem Sandstein. Die Joche des Langhauses und die Ecken des Chores und des Kirchturmes sind durch Stützpfeiler betont. Unterhalb der neogotischen Spitzbogenfenster mit zweibahnigem Maßwerk, deren Gewände mit den verputzten Wandfläche sichtbar verzahnt sind, umläuft ein Sohlbankgesims das Kirchengebäude. Bei den Chorfenstern ist das Maßwerk zusätzlich mit Pässen bereichert. Die Eingangspforte im Turm ist als Stufenportal mit verglastem Tympanon gestaltet.

Die Konsolgesimse zwischen den Außenwänden des Langhauses sowie des Chores und dem Dach weisen stilistisch in die Neoromanik. Dies gilt auch für die steigenden Konsolfriese der Giebel der Seitenschiffe links und rechts des Turmes und die Konsolfriese am Freigeschoss des Turmes.

Ausstattung[Bearbeiten]

Altäre[Bearbeiten]

Von der Ausstattung der alten Kirche haben sich noch zwei Seitenaltäre erhalten. Beide Altäres sind blau-gold gefasst.

Marienaltar

Der Marienaltar stammt aus dem 17. Jahrhundert. In der oberen Nische des gesprengten Schweifgiebels befindet sich eine Statue des hl. Sebastians, des Patrons der Pestkranken. Darunter steht in der Hauptnische eine Marienstatue jüngeren Datums. In den Rokokoornamenten des Altarsockels aus dem 18. Jahrhundert ist die Verkündigungsszene als Relief dargestellt. Die Arbeit wird der regionalen Guldner-Werkstatt zugeordnet.

Josefsaltar

Der Josefsaltar ist eine Stiftung der Fraulauterner Äbtissin Johanetta von Wiltz (1617-1622) . Er ist mit den Wappen ihrer Ahnen Wiltz und Bayr von Boppard geschmückt, die die Predellazone flankieren. In der oberen Nische des gesprengten Dreieecksgiebels befindet sich eine Darstellung des hl. Nikolaus, des Schutzpatron Lothringens. In der Hauptnische darunter befindet sich eine Josefsstatue jüngeren Datums. Die Mensazone zeigt ein Rokoko-Reliefbild des hl. Erasmus von Antiochia und stammt wahrscheinlich aus der Guldner-Werkstatt.

Hochaltar

Die 1956 geschaffenen modernen Tonplastiken der Vierzehn Nothelfer, die von der Franziskanerschwester Eberhardis aus dem Elisabeth-Kloster in Trier entworfen und ausgeführt wurden, befanden sich ursprünglich unter der Empore. Im Jahr 1974 wurden sie in einem Nischenretabel des Hochaltars aufgestellt. Am Maximinfest 1974 wurde die Kirche auf den Titel des hl. Maximin von Trier und der Vierzehn Nothelfer konsekriert. Im Reliquiar des Hochaltars befinden sich ein Knochensplitter des Hauptes des hl. Maximin von Trier, Reliquien der Trierer Märtyrer, der Vierzehn Nothelfer und anderer Heiliger.

Sonstige Ausstattung[Bearbeiten]

Unter der Empore befinden sich eine Kreuzgruppe und das Bildnis der Immerwährenden Hilfe. Darüber hinaus sind Statuen folgender Heiliger aufgestellt: hl. Antonius von Padua (Patron der Armen), hl. Stephanus (Patron der Jugend), hl. Johannes der Täufer (Patron der Männer), Hl. Maximin von Trier (Pfarrpatron), hl. Theresia von Avila (Kirchenlehrerin), hl. Cäcilia (Patronin der Kirchenmusik), hl. Mutter Anna (Patronin der Großmütter), hl. Elisabeth (Patronin der Frauen und der Caritas) und die hl. Theresia vom Kinde Jesu (von Lisieux).

A. Tombers (Gerolstein) entwarf im Jahr 1954 die Fenster im Chorraum. Der Zelebrationsaltar im wurde im Jahr 1974 aufgestellt, und im Jahr 1990 wurde der Ambo angeschafft.[6]

Das über dem Eingang im Turm angebrachte Basrelief stammt noch aus der alten Kirche. Ein mit Kreuz und Buch bewaffneter Mann kämpft gegen einen Drachen und einen Kentauren. Weithin wird in der Darstellung der hl. Maximin gesehen, der gegen die Lehre des Arius und die Heiden kämpft.

Orgel[Bearbeiten]

Kircheninneres, Blick zur Orgel

Die Orgel der Kirche wurde 1955 von der Orgelbaufirma Hugo Mayer (Heusweiler) erbaut. Das Instrument verfügt über 34 (35) Register, verteilt auf 3 Manuale und Pedal. Die Spiel- und Registertraktur ist elektrisch. Die Disposition lautet wie folgt:[7]

I Hauptwerk C–g3

1. Bourdon 16'
2. Principal 8'
3. Gemshorn 8'
4. Holzflöte 8'
5. Octave 4'
6. Rohrflöte 4'
7. Quinte 22/3'
8. Waldflöte 2'
9. Mixtur 4f 22/3'
10. Trompete 8'
II Rückpositiv C–g3

11. Holzgedeckt 8'
12. Blockflöte 4'
13. Principal 2'
14. Larigot 11/3'
15. Scharff 3f 1'
16. Krmmhorn 8'
Tremulant
III Oberwerk C–g3

17. Gedeckt 8'
18. Quintatön 8'
19. Salicional 8'
20. Principal 4'
21. Nachthorn 4'
22. Principal 2'
23. Blockflöte 1'
24. Terzian 2f
25. Acuta 4f 2'
26. Dulcean 16'
27. Schalmay 8'
Tremulant
Pedal C–f1
28. Subbaß 16'
Zartbaß 16' (Windabschwächung)
29. Octavbaß 8'
30. Baßföte 8'
31. Choralbaß 4'
32. Hintersatz 4f 22/3'
33. Posaune 16'
34. Pedaltrompete 8'
  • Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, 2 Pianopedalkombinationen (jeweils 1 für II und III), Tutti, Crescendowalze, Zungeneinzelabsteller

Stein des Ursus[Bearbeiten]

Stein des Ursus. Wortlaut:
IN PACE QUI
ESCIT UR
SUS INNOCEN
S QUI VIXIT
(„In Frieden ruht hier der unschuldige Ursus, der drei Jahre und 46 Tage gelebt hat.“)

Zeugnis des frühen Christentums gibt der Grabstein des Ursus aus dem 3./4. Jahrhundert. Er gehörte zum Grab mit christlichen Symbolen des dreijährigen Jungen Ursus. Bedeutung erlangte der Stein durch das Christusmonogramm XP, das, von zwei Tauben umgeben, umgekehrt zur übrigen Schrift in den Stein geschlagen ist. Da sich das Christentum im ländlichen Raum später entwickelte als in urbanen Siedlungen, sind Steine dieser Art auf dem Land selten.

Man fand den Stein 1891 beim Abbruch der alten Kirche. Der Ursus-Stein ist das älteste christliche Grabdenkmal im Saarland. Im Zweiten Weltkrieg ging das Original zeitweise verloren und befindet sich heute im Landesmuseum in Trier. Eine Nachbildung ist nahe der Empore unter der Kreuzgruppe auf der rechten Seite angebracht.[8]

Die Geistlichen der Pfarrei St. Maximin[Bearbeiten]

Die Pfarrer der Pfarrei St. Maximin
  • um 1220 Arnold – Priester von Pachten
  • 1677 – 1716 Peter Heis
  • 1744 – 1762 Johannes Pontiani
  • 1762 – 1765 Andreas Mailly
  • 1765 – 1788 Nikolaus Schultes
  • 1789 – 1812 Christoph Hauck (Haugh)
  • 1813 – 1816 Engelbert Henkel, Vikar
  • 1819 – 1822 Nikolaus Heinesch, Vikar
  • 1823 – 1841 Peter Lorrain, Augustinermönch
  • 52-jährige Vakanz
  • 1893 – 1907 Georg Weis
  • 1907 – 1911 Nikolaus Reitz
  • 1911 – 1926 Marcellus Bohn
  • 1927 – 1941 Antonius Nachtsheim
  • 1942 – 1954 Jakob Gilen
  • 1954 – 1969 Alois Molter
  • 1969 – 1992 Georg Jutz
  • 1992 – 2003 Gerhard Kerber
  • 2003 - Patrik Schmidt, seit 2007 Stellvertretender Dechant
Die Kapläne der Pfarrei St. Maximin
  • 1906 – 1907 Christian Schmitz
  • 1914 – 1917 Michael Ludwig
  • 1917 – 1920 August Horsch
  • 1921 – 1925 Hubert Zell
  • 1925 – 1927 Peter Domann
  • 1927 – 1929 Peter Johann Lenz
  • 1929 – 1932 Heinrich Massin
  • 1932 – 1933 Alfred Zens
  • 1934 – 1937 Matthias Wolfsfeld
  • 1937 – 1939 Johannes Zick
  • 1942 Friedrich Masselter als Pfarrverwalter
  • 1953 – 1955 Religionslehrer Dr. Alfons Thome
  • 1955 – 1958 Peter Klein
  • 1958 – 1961 Josef Dissemond
  • 1951 – 1964 Anton Kasper
  • 1964 – 1965 Helmut Rausch
  • 1967 – 1968 Ludwig Müller
Die Diakone der Pfarrei St. Maximin
  • 1975 – 1976 Alfons Müller
  • 1977 – 1980 Willi Bertges
  • 1984 – Michael Balenzia
  • 2006 – 2007 Axel Feldmann
  • 2008 – 2009 Marco Hartmann


Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pfarreiengemeinschaft Dillingen-Saar Auf: www.pfarreiengemeinschaft-dillingen-saar.de, abgerufen am 23. Mai 2014
  2. Denkmalliste des Saarlandes, Teildenkmalliste Landkreis Saarlouis (PDF), abgerufen am 23. Mai 2014
  3. a b Walter Kiefer: Pachten, Dillingen, Diefflen, Bilder von Gestern und Heute, (1885-1985), Saarbrücken 1985
  4. lt. Informationstafel im Inneren der Kirche
  5. Geschichte der Pfarrei St. Maximin Auf: www.pfarreiengemeinschaft-dillingen-saar.de, abgerufen am 23. Mai 2014
  6. Informationen zur Pfarrkirche St. Maximin und die 14 Nothelfer Auf: www.kunstlexikonsaar.de, abgerufen am 23. Mai 2014
  7. Die Orgel der Pfarrkirche St. Maximin Pachten Auf: www.organindex.de, abgerufen am 23. Mai 2014
  8. www.saarlandbilder.net

49.3553256.712212Koordinaten: 49° 21′ 19″ N, 6° 42′ 44″ O