St. Michaelis (Hof)

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St.-Michaelis-Kirche Hof
Lithografie von Georg Könitzer (um 1850)

St. Michaelis in Hof ist eine evangelisch-lutherische Stadtkirche. Sie ist Sitz des Dekans. Neben der Kirche befindet sich am Maxplatz das Evangelische Dekanatsamt Hof und das Kirchengemeindeamt.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Kirche St. Michaelis geht auf einen Kapellenbau um 1230 zurück. Ende des 14. Jahrhunderts entstand eine dreischiffige Hallenkirche, die in der Folgezeit immer wieder ausgebaut und erweitert wurde.

Der erste protestantischen Prediger in Hof war Kaspar Löner, ein bedeutender protestantischer Pfarrer der Reformationszeit. Unterstützt von Nikolaus Medler, begann er an der St.-Michaelis-Kirche seine reformatorische Wirksamkeit. Löhner führte in Hof am 5. September 1529[1] den evangelischen Gottesdienst ein, entwarf eine Gottesdienstordnung und schrieb einen Katechismus. .

Beim großen Stadtbrand von 1823, der den größten Teil der mittelalterlichen Stadt Hof zerstörte, brannte die Kirche bis auf die Umfassungsmauern und Türme ab und wurde in den Folgejahren wieder aufgebaut.

Den Altar von 1884 schuf Anselm Sickinger, der ursprüngliche Hofer Altar von 1465 war ein Auftrag von Hertnid von Stein und stammte von Hans Pleydenwurff. Er wird seit 1811 in der Alten Pinakothek in München ausgestellt.

Die Orgel[Bearbeiten]

Die erste Orgel der Michaeliskirche wurde um 1450 von einem durchreisenden Mönch erbaut. Die zweite Orgel entstand um 1516 und wurde vom Hofer Stadtrat finanziert. Erbauer war voraussichtlich Leonhard Lilgenweiß aus Bamberg. Das Instrument wurde 1543 repariert und durch um ein Rückpositiv erweitert. 1553 entstanden an dieser Orgel durch den Markgräfler-Krieg Schäden, sodass sie 1566 repariert und um ein Brustwerk erweitert wurde. Mit dem nun dreimanualigen Instrument verfügte die Michaeliskirche zu dieser Zeit über einen einzigartigen Standard in Süddeutschland.

Anfang des 17. Jahrhunderts baute Timotheus Compenius in das Gehäuse der Vorgängerorgel eine neue Orgel mit 21 Registern. Das Instrument hatte zwei Manuale (Hauptwerk und Rückpositiv) und ein Pedalwerk. Neben den üblichen Stimmen besaß diese Orgel auch Moderegister der Zeit wie: Schnurrpfeife, Vogelgesang und Zimbelstern. Während des 30-jährigen Krieges war Hof Plünderungen ausgesetzt, über die Verwüstungen, die das Herr von Wallenstein mit 30.000 Mann in der Stadt hinterließ, berichtet das Tagebuch des damaligen Organisten Rüthner. Auch die Compenius-Orgel wurde in Mitleidenschaft gezogen und so wurde Bartholomäus Leube 1642 mit Reparaturarbeiten betraut. Weitere Reparaturen wurden 1680 von Severin Holbeck, 1714 von Johann Peter Pönicke und 1727 von Tobias Dressel durchgeführt. 1819 reichte der in Hof ansässige Orgelbauer Friedrich Heidenreich ein vom Hofer Magistrat zwecks einer Überarbeitung in Auftrag gegebenes Gutachten über den Zustand der Orgel ein. Durch den großen Hofer Stadtbrand von 1823 wurde die Orgel völlig zerstört.[2]

Die heutige Orgel der Michaeliskirche wurde von den Gebrüdern Heidenreich aus Hof in den Jahren 1828–1834 erbaut. Das Instrument hatte 34 Register auf zwei Manualen und Pedal mit mechanischer Traktur. Im Laufe der Zeit wurde dieses Instrument mehrfach verändert, u.a. unter dem Eindruck der Orgelbewegung, wobei auch etliches an historischem Pfeifenmaterial verloren ging. Die Heidenreich-Orgel erfuhr 1967 durch Orgelbau Schmid eine Rekonstruktion und Erweiterung um ein neues Schwellwerk und eine zusätzliche Kleinpedal-Lade. In den Jahren 2006–2007 wurde das Instrument durch die Orgelbaufirma Karl Schuke (Berlin) umfassend restauriert und ein neues Schwellwerk geschaffen. Das Instrument verfügt heute über 63 Register auf drei Manualen und Pedal.[3][4]

II Hauptwerk C–f3

1. Bordun 16′
2. Principal 8′
3. Gemshorn 8′
4. Gambe 8′
5. Violfloete 8′
6. Rohrflöte 8′
7. Octave 4′
8. Koppelfloete 4′
9. Viola 4′
10. Quint 3′
11. Oktave 2′
12. Cornett V (ab g0) 8′
13. Mixtur IV 2′
14. Cimpel III 2/3
15. Trompete 8′
II Oberwerk C–f3
16. Quintatoen 16′
17. Principal 8′
18. Floet traver 8′
19. Flaut lament 8′
20. Salicional 8′
21. Bordun 8′
22. Octave 4′
23. Floet travers 4′
24. Spitzfloete 4′
25. Nasat 3′
26. Hohlfloete 2′
27. Terz 13/5
28. Quinte 11/3
29. Mixtur 11/2
30. Krummhorn 8′
Tremulant
III Schwellwerk C–f3

31. Viola di Pomposa 16′
32. Geigenprincipal 8′
33. Flauto amabile 8′
34. Lieblich Gedackt 8′
35. Gambe 8′
36. Vox celestis (ab c0) 8′
37. Fugara 4′
38. Floete 4′
39. Salicet 4′
40. Nasard 22/3
41. Flautino 2′
42. Terz 13/5
43. Piccolo 1′
44. Mixtur IV 22/3
45. Fagott 16′
46. Trompete 8′
47. Oboe 8′
48. Klarine 4′
Tremulant
Pedal C–f1

49. Untersatz 32′
50. Principal 16′
51. Violon 16′
52. Subbaß 16′
53. Oktave 8′
54. Bordunbaß 8′
55. Oktave 4′
56. Pommer 4′
57. Blockfloete 2′
58. Cornettbaß III 51/3
59. Mixtur V 4′
60. Posaune 16′
61. Trompete 8′
62. Trompete 4′
63. Regal 2′

Stadtkantoren[Bearbeiten]

Die Organisten und Stadtkantoren der Michaeliskirche sind seit dem Jahr 1520 lückenlos belegt. Seit 1906 ist der Stadtkantor auch gleichzeitig Organist an der Hofer Hospitalkirche.[5]

  • Leonhard Heinel, 1906 bis 1938
  • Otto Meyer, 1938 bis 1949
  • Hans Gebhard, 1949 bis 1959
  • Helmut Scheller, 1959 bis 1969
  • Reinhard Wachinger (* 1936), 1969 bis 2000
  • Georg Stanek (* 1971), seit 2001

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschichte des Dekanates Hof
  2. Ludger Stühlmeyer: Die alten Innenstadtkirchen und ihre Orgeln. Die Stadtkirche St. Michaelis. In: Die Musikgeschichte der Stadt Hof. Bayerische Verlagsanstalt, Bamberg 2010, S. 189–196.
  3. Ludger Stühlmeyer: Die alten Innenstadtkirchen und ihre Orgeln. Die Stadtkirche St. Michaelis. In: Die Musikgeschichte der Stadt Hof. Bayerische Verlagsanstalt, Bamberg 2010, S. 197–210.
  4. Umfassende Informationen zur Geschichte und zur Restaurierung der Heidenreich-Orgel, gesehen 21. November 2010.
  5. Ludger Stühlmeyer: Die Musikgeschichte der Stadt Hof. S. 363–367.

50.32188111.919934Koordinaten: 50° 19′ 19″ N, 11° 55′ 12″ O