St. Moritz (Augsburg)

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St. Moritz vom Merkurbrunnen aus

St. Moritz in Augsburg gilt als einer der ältesten Kirchbauten in der bayerischen Großstadt. 1019 gründete Bischof Bruno, der Bruder Kaiser Heinrichs II. des Heiligen, das Kollegiatstift St. Moritz. Es war die vierte geistliche Gemeinschaft in Augsburg nach dem Dom, der Basilika St. Ulrich und Afra und St. Stephan. Es wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Die Stiftskirche wurde Stadtpfarrkirche.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühe Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1019 gründete der Augsburger Bischof Bruno (1006-1029), ein bayerischer Herzogssohn, an der Maximilianstraße ein Kollegiatstift zu Ehren des Ritterpatrons St. Moritz. Die Kirche St. Moritz wurde als Grablege und zum Gedenken Bischof Brunos errichtet. Sie befand sich damals noch außerhalb der Stadt auf halber Höhe zwischen Dom und St. Ulrich und Afra.

Nach einem Brand 1084 und einem teilweisen Einsturz 1299 wurde die Kirche 1314 etwas größer wiederaufgebaut. Die Mauern dieses Baus bilden immer noch die Außenmauern der heutigen Kirche. 1440 wurde das Langhaus erhöht und die Kirche in gotischem Stil ausgebaut. Die Bürgerschaft spendet 1442 den neuen Ostchor, der ein Jahr später geweiht wurde. 1494 wurde durch Burkhart Engelberg der freistehende Glockenturm erhöht und umgebaut. 1534 schließlich erhielt der Turm sein heute noch vorhandenes achteckiges Obergeschoss und zählt damit zu den ältesten architektonischen Zeugnissen der Renaissance in Augsburg.

1510 erwarb Jakob Fugger der Reiche, das Präsentationsrecht, d.h. Papst Julius II. genehmigte ihm, dass eine der Stiftsherren-Stellen in eine Prädikatur-Stiftung umgewandelt wurde. Diese Predigerstelle wurde dann von Jakob Fugger und seinen Nachfahren besetzt und finanziert. Dieses Recht besteht bis heute. Seitdem übte die Familie Fugger immer wieder ein besonderes Mäzenatentum über Stift und Kirche aus.

Während der Reformation waren die Stiftsherren für einige Jahre in Landsberg am Lech. In dieser Zeit wurde vermutlich der Westchor der Kirche, der in den heutigen Moritzplatz hineinragte, abgerissen. Es ist zu vermuten, dass sich in diesem Chor auch das Stiftergrab des Bischofs Bruno befand. In der sog. Gegenreformation wurde die Kirche mit Hilfe Herzog Albrechts V. wieder hergestellt. Der Herzog stiftete wohl auch ein neues Epitaph für seinen Ahnen, das dann im vorderen Teil des Ostchores einen Platz fand. Dieses einzige Zeugnis für die Begräbnisstätte des Stifters ist leider seit Ende des Zweiten Weltkrieges verschollen.

1714/1715 ließen die Stiftsherren die gesamte Kirche von dem berühmten Füssener Baumeister Johann Jakob Herkomer im Stil des Barock umgestalten. Äußerlich konnte diese Umgestaltung vor allem an einer Vollkuppel mit Laterne über dem ersten Joch des Chores bemerkt werden. Im Innern entstand der großartigste Barockbau Augsburgs. Das Kollegiatstift, dem im Laufe seiner Geschichte immer wieder berühmte Pröpste aus europäischen Adelshäusern und dem Augsburger Patriziat vorstanden, wurde in der Säkularisation 1803 aufgehoben. Fortan war St. Moritz nur noch Pfarrkirche.

St. Moritz vom Moritzplatz aus
Eingang der Moritzkirche

In der Bombennacht vom 24. zum 25. Februar 1944 wurde ein großer Teil des barocken Kirchenraums zerstört. Lediglich die Außenmauern der Kirche blieben stehen. Die Innenausstattung und -dekoration wurde fast vollständig ein Raub der Flammen. Der Turm blieb unversehrt.

Schon bald entschied man sich für den Wiederaufbau und beauftragte dafür einen der angesehensten Architekten der Nachkriegszeit: Dominikus Böhm aus Köln. Böhm gelang es, unter Bewahrung des in die Romanik zurückweisenden dreischiffigen basilikalen Baukörpers die verschiedenen Epochen der Baugeschichte zu zitieren und dennoch ein eigenständiges und aussagekräftiges Bauwerk zu schaffen. Bedauerlicherweise wurde sein Konzept in den darauf folgenden Jahrzehnten stark abgeändert. Beispiele hierfür sind vor allem die Anhebung des Bodenniveaus um ca. 1,50 m, die Aufmauerung der ursprünglich oktogonalen Pfeiler, sowie die Schreinerarbeiten der beiden Choremporen und die Podeste der Apostelfiguren im Kirchenschiff, die ursprünglich in Mauernischen standen und so eine Gliederungsfunktion für die Wand hatten.

Sanierung und Neugestaltung[Bearbeiten]

Innenraum nach der Neugestaltung
Altarbereich nach der Neugestaltung

Um dem Kirchenraum der Moritzkirche ein einheitliches Konzept zu geben und ihn für die Bedürfnisse der Zukunft zu gestalten, wurde die Moritzkirche in den Jahren 2010 bis 2013 saniert und neu gestaltet.[1][2] Der Entwurf stammt von dem international renommierten Londoner Architekten und Designer John Pawson, der basierend auf der langen Geschichte und Tradition dieses Ortes einen „Kirchenraum der Zukunft“ schaffen wollte, bestechend durch Klarheit, Minimalismus[3] und Lichtführung.[4] Am 21. April 2013 fand die Wiedereröffnung der neugestalteten Kirche statt.[5]

Gegenwart und Ausblick in die Zukunft[Bearbeiten]

Der „moritzpunkt“

Heute ist die Moritzkirche nicht nur Pfarrkirche, sondern auch Sitz der „CitySeelsorge“[6] des Bistums Augsburg. Die „CitySeelsorge“ ist Teil eines deutschlandweiten Netzwerks von Kirchenprojekten in großen Städten, mit dem Ziel, niederschwellige kirchliche Präsenz zu offerieren, religiöse Impulse in das Leben der Stadt einzutragen, Information, Gespräch und Seelsorge anzubieten. Dazu gehört der „moritzpunkt“[7], ein Café am Ostchor der Kirche mit Eingang zur Maximilianstraße, welches auch als Gesprächsraum und Kontaktstelle für den Kircheneintritt dient.

Künstlerische Ausstattung[Bearbeiten]

Zu den wertvollsten Kunstwerken zählen die Skulpturen von Georg Petel, der zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Augsburg als frei schaffender Bildhauer tätig war und als „Michelangelo des Frühbarock“ bezeichnet wurde. Er schuf um 1629/30 die Figuren des Hl. Sebastian und des Hl. Christophorus, die an den Westwänden der Seitenschiffe zu sehen sind. Als letzte Figur kam der Christus Salvator, an der der Künstler seit 1630 arbeitete, nach Petels frühem Tod im Jahr 1634 in die Moritzkirche. Heute hat sie ihren Platz in der lichtdurchfluteten Apsis. Diese Skulptur zeigt den wiederkehrenden Christus, eine für die damalige Zeit, die von den Grauen des Dreißigjährigen Krieges geprägt war, äußerst ungewöhnliche Darstellung. Noch heute beeindruckt sie durch ihre kraftvolle Ausstrahlung.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts schuf Ehrgott Bernhard Bendel, der auch für die Basilika St. Ulrich und Afra tätig war, einen Zyklus von 14 Skulpturen für die Moritzkirche, Christus und Maria sowie die 12 Apostel. Sechs der Figuren fielen dem Bombenangriff 1944 zum Opfer. Heute sind noch Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä., Jakobus d.J., Johannes, Philippus und Thomas vorhanden. Die ursprüngliche Figur des Christus wurde in einen Paulus umgestaltet. Diese acht Figuren befinden sich auf steinernen Stelen in den beiden Seitenschiffen der Kirche.

Die Langenmantelkapelle, der einzige noch gotische Raum in der Moritzkirche und Stiftung der berühmten Augsburger Patrizierfamilie Langenmantel, ist der Ort der Marienverehrung. In einem neugestalteten Schrein befindet sich die Muttergottes mit dem Kind, eine Silberstatuette von 1490. Sie im Typus des apokalyptischen Weibes, wie es in der Offenbarung des Johannes beschrieben wird, dargestellt. Der Künstler ist unbekannt. Vermutlich ist die Figur in Augsburg oder Ulm entstanden.

Orgel[Bearbeiten]

Die Hauptorgel der Kirche wurde 1973 von Rieger Orgelbau erbaut und besitzt 50 Register, verteilt auf vier Manualen und Pedal.[8]

Die Chororgel wurde 2013 von dem Orgelbauer Kuhn (Schweiz) erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 18 Register und drei Transmissionen auf zwei Manualen und Pedal, und ist in Anlehnung an Chororgeln der französischen Spätromantik disponiert. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen und die Superoktavkoppeln sind elektrisch.[9]

I Hauptwerk C–c4
1. Bourdon 16′
2. Principal 8′
3. Flute harmonique 8′
4. Bourdon 8′
5. Prestant 4′
6. Quinte 22/3
7. Doublette 2′
8. Tierce 13/5
9. Trompette 8′
Tremulant
II Schwellwerk C–c4
10. Cor de nuit 8′
11. Viole de Gambe 8′
12. Voix céleste 8′
13. Flute octaviante 4′
14. Flute 2′
15. Plein Jeu IV 2′
16. Basson-Hautbois 8′
Tremulant
Pedalwerk C–g1
17. Soubasse 16′
18. Octavbass (= Nr. 2) 8′
19. Bourdon (= Nr. 4) 8′
20. Choralbass 4′
21. Trompete (= Nr. 9) 8′
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P; Superoktavkoppeln (I/I, II/I, II/II), Suboktavkoppeln (II/I, II/II)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Moritzkirche Augsburg - Neugestaltung - (moritzkirche auf YouTube)
  2. St. Moritz - Sanierung und Neugestaltung - (Pfarrei St. Moritz)
  3. St. Moritz: Minimalistischer Kirchenumbau in Augsburg von John Pawson - (BauNetz vom 27. Juni 2013)
  4. Meditation in White: John Pawson's Conversion of St Moritz Church Augsburg - (DETAIL vom 7. Mai 2013)
  5. Augsburger Moritzkirche nach Renovierung durch Stararchitekt John Pawson - (katholisch1.tv auf YouTube vom 22. April 2013)
  6. Netzwerk Citykirchenprojekte: Augsburg II
  7. moritzpunkt - (offizielle Seite)
  8. Die Orgel auf Organindex.de
  9. Nähere Informationen zur Orgel auf der Website der Erbauerfirma

Literatur[Bearbeiten]

  • Gernot Michael Müller: Das ehemalige Kollegiatstift St. Moritz in Augsburg (1019-1803). Geschichte, Kultur, Kunst., Kunstverlag Josef Fink, 2006, ISBN 978-3-89870-227-0

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Moritz (Augsburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.36695310.898164Koordinaten: 48° 22′ 1″ N, 10° 53′ 53″ O