St. Nicolai (Helgoland)

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Die Nicolaikirche
Die Vorgängerkirche im Jahre 1895

Die evangelisch-lutherische St.-Nicolai-Kirche ist neben der römisch-katholischen St.-Michaels-Kirche die einzige Kirche der Nordseeinsel Helgoland. Ihren Namen hat die Kirche vom Heiligen Nikolaus von Myra, dem Schutzpatron der Seefahrer und Kaufleute.[1]

Die Kirche befindet sich in einem Wohngebiet auf dem Oberland und hat die Adresse Schulweg 648.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgängerbauten[Bearbeiten]

Eine erste Beschreibung einer Kirche auf Helgoland erfolgte Anfang des 17. Jahrhunderts durch Neocorus: „de Norder Sidt (der Kirche) hebben de Hillige Lander, de Suder Hellfte de Bremer buwen laten“.[3] Möglicherweise hatte diese Kirche zwei parallele Satteldächer. Diese Kirche soll an der Ostecke des Oberlandes gelegen haben und wurde 1609 wegen der Gefahr eines Absturzes durch eine neue, weiter im Landesinneren gelegene ersetzt. Bereits 1685 wurde diese wegen unzureichender Größe abgebrochen. Die neue, dem heiligen Nicolaus geweihte Kirche wurde von 1685 bis 1687 errichtet. Die zunächst turmlose Kirche war ein einschiffiger Backsteinbau mit polygonalem 5/15-Chorschluss.

Bild der Kirche mit dem von 1706 bis 1878 bestehenden Turm mit geschweifter Haube

Von 1704 bis 1706 wurde aus Backstein ein Westturm mit quadratischem Grundriss und hoher, geschweifter Haube gebaut. Dieser Turm wurde wegen Baufälligkeit 1878 abgebrochen und 1885 durch einen neuen ersetzt. Der Innenraum der Kirche war mit einer flachen, mit Ornamenten bemalten Holztonne überspannt, in welche Lichtschächte einschnitten. An der Basis der Tonne verliefen quer zur Kirche weiß gestrichene Zugbalken. Das Gestühl war in drei Blöcke geteilt, und es gab eine umlaufende Empore. Von der Ausstattung ist der überwiegende Teil bei einem schweren Bombenangriff am 18. April 1945 zerstört worden, so unter anderem der Kanzelaltar aus Mahagoni von 1821. Der Bronzetaufkessel aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts überstand den Angriff, fiel allerdings Schrottsammlern der Nachkriegszeit zum Opfer. Ein 1705 in Friedrichstadt gefertigter vergoldeter Abendmahlskelch mit mittelalterlichem Fuß und Ornamenten ist erhalten.

Neubau[Bearbeiten]

Nach der Neubesiedlung Helgolands 1952 wurde an der gleichen Stelle die heutige Kirche erbaut. Sie wurde am 29. November 1959 eingeweiht; der Architekt war Rolf Romero. Wegen Bauschäden wurde die Kirche 1969 erneuert. Die Innenausstattung stammt zum Teil aus der Vorgängerkirche. Der Windrichtungsgeber auf der bronzenen Kirchturmspitze stellt eine Schaluppe dar.[4] Die Kirche hat den Status Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung.[5]

Der Taufkessel und das Bronzeportal stammen vom Bildhauer Fritz Fleer. Die große Kirchenorgel ist von 1970, die kleinere Paschen-Orgel im Altarraum ist von 1972. Eine Stahlglocke wurde 1952 gestiftet, 1959 kamen fünf Bronzeglocken hinzu.[6] Zwei Altarleuchter, ein Kronleuchter und eine Taufschale aus dem Jahre 1783 haben die Bombardierung der Vorgängerkirche überstanden und gehören heute zur Innenausstattung der Kirche.[7]

Mit 711 Gemeindegliedern (Anfang 2014) gehört der Kirchengemeinde St. Nicolai rund die Hälfte der Einwohner an.

Orgeln[Bearbeiten]

Hauptorgel[Bearbeiten]

Die Hauptorgel der Kirche wurde 1970 durch Alfred Führer erbaut. Sie besitzt 24 Register, die sich auf zwei Manuale und Pedal verteilen. Das Instrument besitzt voll mechanische Schleifladen. Die Disposition ist wie folgt:[8]

I Hauptwerk
1. Pommer 16'
2. Prinzipal 8'
3. Spillpfeife 8'
4. Oktave 4'
5. Koppelflöte 4'
6. Nasard 22/3'
7. Gemshorn 2'
8. Rauschpfeife II 2' + 11/3'
9. Mixtur V 11/3'
II Schwellwerk
10. Gedackt 8′
11. Prinzipal 4'
12. Rohrflöte 4'
13. Oktave 2'
14. Gemsquinte 11/3'
15. Sesquialtera II
16. Scharff IV 1'
17. Schalmey 8'
Tremulant
Pedal
18. Subbaß 16'
19. Prinzipal 8'
20. Spitzflöte 8'
21. Choralbaß 4'
22. Hohlflöte 2'
23. Rauschbaß III 51/3'
24. Hintersatz IV 22/3'

Chororgel[Bearbeiten]

Die kleinere Chororgel wurde 1972 durch Hinrich Otto Paschen erbaut. Sie besitzt acht Register auf einem Manual und Pedal und ist wie die Hauptorgel voll mechanisch auf Schleifladen errichtet. Die Disposition ist wie folgt:[9]

I Hauptwerk
1. Bordun 16' D
2. Gedackt 8' B/D
3. Principal 4' B/D
4. Blockflöte 4' B/D
5. Nasat 22/3' B/D
6. Gemshorn 2' B/D
7. Mixtur IV 2' B/D
Tremulant
Pedal
8. Subbaß 16'
9. Gedackt (Nr.2) 8'

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Nicolai (Helgoland) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Evang.-luth. Kirchengemeinde Helgoland – St. Nicolai, www.kirche-helgoland.de, Kirchengemeinde
  2. Adresse der Kirche
  3. Wolfgang Teuchert, Arnold Lühning: Die Kunstdenkmäler des Landes Schleswig-Holstein, Kreis Pinneberg. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1961, S. 195 ff
  4. Teilbeschreibung des Kirchturms
  5. Liste der Kulturdenkmäler im Kreis Pinneberg
  6. Beschreibung der Kirche
  7. Text über Nicolaikirche
  8. Informationen zur Hauptorgel
  9. Informationen zur Chororgel

54.1830277777787.88475Koordinaten: 54° 10′ 59″ N, 7° 53′ 5″ O