St. Nikolaus (Böllberg)

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Dorfkirche Böllberg

Die Dorfkirche St. Nikolaus im Stadtviertel Böllberg in Halle (Saale) ist die älteste Kirche Halles und Teil der Straße der Romanik.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche wurde Ende des 12. Jahrhunderts von niederländischen Kolonisten errichtet.[1] Die erste indirekte urkundliche Erwähnung der Kirche stammt aus dem Jahr 1291, als ein Kaplan für Böllberg, damals Bellberch uf der Sale[A 1], erwähnt wurde.[B 1] 1298 wird erwähnt, dass die Kirche dem Heiligen Nikolaus geweiht ist.[B 2]

Im Jahr 1307 wurde die Kirche eine eigenständige Pfarrkirche, zuvor war sie Filiale des Georgenklosters Glaucha.[C 1]

Die bemalte Holzdecke

Um 1500 wurde die Holzdecke der Kirche mit Schablonenmalerei verziert.

Nach der Reformation wurde St. Nikolaus Filialkirche von Wörmlitz.[A 2] Anfang und Mitte des 17. Jahrhunderts erfolgte eine umfangreiche Restaurierung wobei man die Kanzel, den Altaraufbau, das Kruzifix sowie das Lutherbild erneuerte bzw. neu einfügte.

Wann die Glocke eingesetzt wurde, ist nicht bekannt. Man verkaufte sie 1788 und verwendete den Erlös für die Kirchenreparatur.

1825 wurde der schadhafte hölzerne Turm, in dem sich die Glocke befunden hatte, abgetragen und das Dach an der Stelle wieder verschlossen.[D 1]

1844 war die Kirche bereits über 20 Jahre ungenutzt, die Gemeindemitglieder besuchten die Kirche in Wörmlitz. Die Kirche war in schlechtem Zustand; der Einsatz Ferdinand von Quasts für den Erhalt der Kirche konnte aber einen Abriss verhindern.[E 1] Quast lobte vor allem die Deckenmalerei; Stadtbaumeister August Stapel restaurierte später die Decke im Ostteil, der Südteil wurde weiß eingefärbt. 1850 vergrößerte man die Fenster an der Westseite; zwei der Fenster waren vermutlich bereits vor 1800 vergrößert worden.[E 2] 1877 erwarb die Kirche eine Orgel von Friedrich Wäldner, die Verhandlungen dazu hatte sie bereits 1854 aufgenommen.[2] Ein Antrag der Kirchengemeinde aus dem Jahr 1898 zur Vergrößerung der übrigen Fenster wurde abgelehnt.[D 2] 1928 wurde eine elektrische Kirchenheizung eingebaut.[D 3] Bei der Restauration der Kirche 1930/31 wurde neben der Neueindeckung des Daches und der Anschaffung eines Harmoniums die weiß getünchte Decke im Westteil der Kirche restauriert.[E 3] 1950 wurde Böllberg nach Halle eingemeindet. Es folgte 1972 bis 1975 der Ausbau des Böllberger Weges zu einer mehrspurigen Straße. Dafür wurde 1975 der Friedhof der Kirche stark verkleinert.[3] 1982/83 wurde ein schalenförmiger Glockenturm südlich der Kirche errichtet, in welchen die Glocke aus dem Jahr 1921 eingesetzt wurde.

Im Herbst 2005 erfolgte eine umfangreiche Sanierung des Bauwerks. So wurde die Apsis neu gedeckt, der Dachstuhl vollständig erneuert und die Deckenmalerei saniert.[D 4]

Ausstattung[Bearbeiten]

Der romanische Taufstein

Das älteste Ausstattungsstück der Kirche ist der romanische Taufstein. Er ist völlig kelchförmig und schmucklos.

Eine Besonderheit der Kirche ist die um 1500[E 4] oder in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts[D 5] entstandene Schablonenmalerei an der Holzdecke. Auch Karl Friedrich Schinkel fand diese bereits interessant und ließ sich eine Kopie davon anfertigen.[E 5] Verwendete Farben sind Rot, Grün, Weiß und Schwarz und die Malerei ist sehr kleinteilig und zeigt etwa Schleifen und Granatapfelmotive.[D 6]

Die Kanzel der Kirche stammt aus der Spätrenaissance[4] und wurde 1930/31 von Fritz Leweke bemalt. Die Felder der Kanzel und der Treppenbrüstung sind mit Bildern der Apostel Jacobus, Bartholomäus, Andreas, Petrus und Paulus versehen.

Das Lutherbild

Über dem Patronatsgestühl auf der Südseite der Kirche befindet sich ein Lutherbild aus dem Jahr 1657.[D 7] Es erinnert an die 100. Wiederkehr des Thesenanschlags.[1]

Das Kruzifix befindet sich heute über dem Eingangsportal und zeigt Jesus in halber natürlicher Größe. Entstanden ist es vermutlich um 1700, auch wenn die Inschrift INRI. Um 1600 lautet.[D 8]

Die Orgel stammt aus dem Jahr 1979 und wurde von Geog Kühne, Merseburg gebaut.[D 9]

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Die Kirche ist ein aus Sandstein errichteter Saalbau mit halbrunder Apsis im Osten. Sie besitzt keinen Turm, ein Glockenturm steht separat etwas südlich des Kirchengebäudes. Die Westseite des Kirchendaches wird von einer Wetterfahne geschmückt, auf der die Jahreszahl 1184 zu lesen ist.

Ursprünglich besaß die Kirche sowohl an der Süd- als auch an der Nordseite drei kleine rundbogige Fenster. Die Fenster der Südseite wurden bis 1850 vergrößert und in der Südseite wurde ein viertes Fenster eingebaut.[D 10]

Grabmal der Familie Hildebrand

Der Eingang der Kirche befindet sich im Süden. Westlich des Eingangs befindet sich das Grabmal der Familie Hildebrand, das 1875 entstand. Die Familie war seit 1858 Eigentümer der Böllberger Mühle und damit auch, bis 1945, Patron der Kirche.[D 11]

Östlich des Eingangs befindet sich eine Gedenktafel aus Sandstein, die an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erinnert.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Anja Donecker: Böllber, St. Nikolauskirche, in Die Dorfkirchen in Halle in Peter Findeisen, Dirk Höhne, Halle (Saale) 2006, S. 46–57

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Nikolaus (Böllberg) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Evangelische Kirchengemeinde Wörmlitz-Böllberg, Böllberg
  2. Wilfried Stüven, Orgel und Orgelbauer im halleschen Land von 1800, Wiesbaden 1964, S. 158. Hier nach Donecker, S. 50
  3. Donecker 2006, S. 46
  4. Gustav Schönermark, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Halle und des Saalkreises, Halle 1886, S. 457, hier nach Donecker, S. 57
  • A: Schultze-Galléra, Siegmar, Wanderungen durch den Saalkreis 5, Halle 1921. Hier nach Donecker 2006
  1. S. 202
  2. S. 203
  • B: Bierbach, Arthur, Urkundenbuch der Stadt Halle, ihrer Stifter und Klöster, Teil 1, Magdeburg 1930. Hier nach Donecker 2006
  1. S. 377
  2. S. 411
  • C: Bierbach, Arthur, Urkundenbuch der Stadt Halle, ihrer Stifter und Klöster, Teil 1, Magdeburg 1930. Hier nach Donecker 2006
  1. S. 27
  • D: Peter Findeisen, Dirk Höhne, Die Dorfkirchen in Halle, Halle (Saale) 2006, S. 46–57
  1. S. 48
  2. S. 50
  3. S. 50
  4. S. 51
  5. S. 56
  6. S. 56
  7. S. 55
  8. S. 57
  9. S. 57
  10. S. 52
  11. S. 53
  • E: Kopitzke, Heinz, Dorfkirchen in Halle, Halle 1986, Diplomarbeit. Hier nach Donecker 2006
  1. S. 14
  2. S. 18
  3. S. 16
  4. S. 14
  5. S. 14

51.46238888888911.950472222222Koordinaten: 51° 27′ 44,6″ N, 11° 57′ 1,7″ O