St. Nikolaus (Obermarsberg)

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Nikolaikirche

Die St.-Nikolaus-Kirche (auch Nikolaikirche, Nikolaikapelle) ist eine römisch-katholische Kirche in Obermarsberg. Sie ist dem Heiligen Nikolaus geweiht. Erstmals erwähnt wurde sie 1247 und steht heute unter Denkmalschutz.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Der Bau der Nikolaikapelle basiert auf einer Urkunde aus dem Jahr 1229. In dieser verpflichteten sich die Bürger von Horhusen (heute Niedermarsberg), welche 1217 durch Veranlassung des Kurfürsten und Erzbischofs von Köln auf die Eresburg zogen, dem Fürstbischof von Paderborn eine Kirche zu bauen. Aufgrund des Umzugs entzogen sie sich seiner Herrschaft, weshalb sie fortan dem Fürstabt von Corvey unterstellt waren. Es gibt nur wenige Überlieferungen der Bauphasen, jedoch scheint der Baubeginn im Jahr 1229 als sicher. Die fertiggestellte Kirche wurde im September 1247 das erste Mal erwähnt. Geweiht wurde sie dem Nikolaus von Myra, der insbesondere von Kaufleuten als Schutzpatron verehrt wird, was auf die Tatsache schließen lässt, dass die Bürger beider Städte keine Bauern, sondern Handwerker und Kaufleute waren. Der Magistrat von Obermarsberg gab den Wunsch zum Ausdruck, die Kirche in dem Rang einer Pfarrkirche zu heben, dem der Bischof aber nicht nachging.

Außenbau[Bearbeiten]

Südportal, Bogenfeld mit St. Nikolaus

Die Kirche zählt zu den besten Sakralbauten der frühen Gotik in Westfalen.[1]

Besonders betont wird die relativ schmucklose Westfassade durch den achteckigen Turm, welcher zu fünf Achteln aus dem Giebel hervor tritt. Unter dem Hauptgesims befinden sich vier kleine gotische Blendfernster und zu beiden Seiten jeweils ein schlankes Spitzbogenfenster mit Maßwerk. Über den Giebeln, mit unten größeren und oben kleineren Fenstern und Turmuhr, erhebt sich der achtseitige Turmhelm mit Laterne. An der Nordwestecke befindet sich zudem ein fensterloser, schmaler Treppenturm. Das Portal der Westfassade ist sehr einfach gestaltet und dient nicht als Eingang. Es wird von einem Blendgiebel und schmucklosen Gewände eingefasst.

Das Südportal stellt das prächtigste der drei Portale dar. Die Säulen, sowie deren Kapitelle in der dreifach abgetreppten Laibung sind schmuckvoll mit Laub- und Rankenwerk verziert worden. Ebenso die Archivolten, die sich über den Spitzbogen verlängern. Von den inneren Säulen ausgehend bildet sich ein flacher Kleeblattbogen. In diesem Bogenfeld thront der Schutzpatron St. Nikolaus. Über dem Portal, sowie über dem Nordportal befindet sich ein Radfenster gestaltet mit sechs Dreipässen.

Der niedrige Chorbau setzt sich durch seine spätromanische Wandgestaltung deutlich vom Langhaus ab. So gliedern Lisenen und Blendbögen den Chor im Außenbau. Aus den Blendbögen der Südseite, treten drei überlebensgroße Köpfe hervor – links Karl der Große, in der Mitte Ludwig der Fromme (als Kind) und rechts Otto I. – welche mit der Ortsgeschichte in Verbindung stehen.[2] Wie das Langhaus ist auch der Chorbau von einem Satteldach bedeckt.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Innenraum[Bearbeiten]

Pietà

Der Grundriss zeigt eine dreischiffige Hallenkirche mit nahezu quadratischem Chor. Das Mittelschiff besteht aus zwei Jochen Länge, die in der Mitte von Rundpfeilern mit Diensten getragen werden. Die Seitenschiffe bilden sich aus der halben Mittelschiffsbreite. Das Gewölbe ist ein Kreuzrippengewölbe mit Schlusssteinen. Die Nebenchöre befinden sich als Nischen in der Mauerdicke. Der Westbau bildet sich aus einem chorähnlichen 5/8-Schluss im Westen, welches sich in den achteckigen Turm der Westfassade erhebt. An der Nordwestecke befindet sich ein schlanker Treppenturm. Der Innenraum misst eine Länge von 34 m, eine breite von 22 m und eine Deckenhöhe von 15 m.

Der rechteckige Chorraum beherbergt einen neogotischen Altar. Die Nischen sind mit Wimpergen bekrönt. Die Mitte wird besonders durch die hoch aufragenden Fialen akzentuiert. Während der Restaurierungen in den 1960er Jahren wurde ihm ein Zelebrationsaltar aus Sandstein hinzugefügt.

Die Fenster im Altarbereich sind, im Gegenzug zu den restlichen besonders schönen gotischen Fenstern, recht schlicht, da sie in ihrer Form keine gotischen Gestaltungselemente aufweisen. Herausragend hier ist die Glasmalerei aus dem Jahr 1890. Dargestellt wird die Legende von der Bekehrung und Taufe des Sachsenherzogs Widukind. In der Rosette darüber befindet sich im oberen Teil das Jesuskind mit Engeln, am Fuß die Heiligen Bonifatius, Liborius, Nikolaus und Sturmius.

Des Weiteren beherbergt die Nikolaikapelle eine aus Stein gefertigte Pietà. Sie wurde wahrscheinlich im frühen 18. Jahrhundert in Giershagen in der Werkstatt Papen gefertigt. Vom Gewölbe des zweiten Jochs hängt eine Doppelmadonna aus Holz im Rosenkranz unter sechsseitigem Baldachin herab. Die Statue des heiligen Christophorus spendete Kämmerer Christoph Köchling 1744. Das Kreuz über dem Nordportal stammt aus dem 17. Jahrhundert. Aus derselben Zeit stammt ein Ölgemälde (über dem Südportal), dass die Geißelung Christi darstellt. Die vor einigen Jahren abgebaute Orgel (Fernorgel) wurde von dem Auswanderer Henry Heide gestiftet.

Restaurierungen[Bearbeiten]

Im Jahre 1800 wurde der Turmhelm durch einen Orkan zerstört und schließlich durch eine niedrige Kuppel ersetzt. Aus Kostengründen wurde die von Friedrich Heinrich Kronenberg 1850 geplante Restaurierung nicht ausgeführt. Er konnte 1852 nur Sicherungsmaßnahmen ausführen. 1877 erfolgte eine gründliche Renovierung der Kirche, bei der auch der Turm seine jetzige Form erhielt. In den 1960er Jahren erfolgten weitere Restaurierungen. Der Bau wurde trockengelegt, Dach und Fassade repariert, sowie eine Verbesserung der Fenster vorgenommen. Die bunten Chorfenster besserte man aus, die Übrigen wurden dagegen erneuert, ohne deren Form zu verändern. Zusätzlich wurden die Pietà und die Doppelmadonna gründlich restauriert.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Georg Dehio, Dorothea Kluge, Wilfried Hansmann: Westfalen. In: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. 2, München 1986.
  •  Heinrich Klüppel: Führer durch die Nikolaikirche Obermarsberg. Marsberg 1978.
  •  Rolf Toman, Barbara Borngässer, Achim Bednorz (Hrsg.): Geschichte der Architektur. Parragon, Bath 2008, ISBN 978-1-4075-1763-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Georg Dehio, Dorothea Kluge, Wilfried Hansmann: Westfalen. In: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. 2, München 1986.
  2. a b  Heinrich Klüppel: Führer durch die Nikolaikirche Obermarsberg. Marsberg 1978.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nikolaikapelle (Obermarsberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.4496828.851252Koordinaten: 51° 26′ 59″ N, 8° 51′ 5″ O