St. Peter (Straubing)

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St. Peter, Straubing, von Nordosten

48.88624912.588313Koordinaten: 48° 53′ 10″ N, 12° 35′ 18″ O Die Kirche St. Peter in Straubing ist eine romanische Basilika. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet und zeichnet sich durch ihre beiden Skulpturen-Portale aus. Der umliegende Friedhof enthält eine Reihe von Kapellen, insbesondere die Totenkapelle, die mit einem Zyklus von Darstellungen des Totentanzes des Rokoko-Künstlers Felix Hölzl[1] verziert ist.

Lage[Bearbeiten]

St. Peter befindet sich am Südufer der Donau in der Altstadt von Straubing, etwa einen Kilometer östlich der heutigen Innenstadt. Die Kirche steht oben auf einer kleinen Klippe, und ist mitsamt Friedhof und Kapellen von einer Mauer umschlossen.

Geschichte[Bearbeiten]

St. Peter, ca. 1860.

Die heutige Kirche ist mindestens die zweite auf dem Gelände. Ausgrabungen im Jahr 1974 belegten das Vorhandensein einer älteren karolingischen Hallenkirche. Die heutige Kirche wurde um 1200 nahe bei Straubings wichtigstem Markt im Osten der heutigen Neustadt errichtet. St. Peter blieb die einzige Pfarrei in Straubing, bis 1492 in der Neustadt die Kirche von St. Jakob erbaut wurde.

Die Kirche wurde irgendwann vor 1696 im Barock-Stil renoviert und der Südwestturm mit einer Zwiebelkuppel ausgestattet. In den Jahren 1866 und 1867 wurden die barocke Dekoration und die Zwiebelkuppel im Zuge einer historischen „Reinigung“ entfernt.[2]

Im Jahr 1885 wurde der Nordwestturm, der bisher nur drei Stockwerke hoch war, auf die Höhe des Südwestturms aufgestockt.[3] Die jüngsten Restaurierungen wurden in den Jahren 1977 und 1978 vorgenommen, wobei das Schiff mit einem Holzdach ausgestattet wurde.[4]

Struktur[Bearbeiten]

Das Westportal

St. Peter ist eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit drei Apsiden und zwei Türmen an der westlichen Fassade. Die Arkaden der Seitenschiffe und das Kirchenschiff ruhen auf rechteckigen Säulen, deren Dekoration im Laufe des 19. Jahrhunderts während der Restaurationen entstand.[5]

Zwei Portale bieten Zugang zu dem Gebäude, eines aus dem Westen und eines aus dem Süden. Das Tympanon des Westportals zeigt einen Ritter, bewaffnet mit Schwert und Schild, im Kampf gegen einen Drachen. Der Kopf eines Mannes, den der Drache geschluckt hat ist zwischen den Kiefern sichtbar. Die Abbildung bezieht sich vielleicht auf die Worte des Psalms 35:

„Ergreife Schild und Waffen und mache dich auf, mir zu helfen!“

„Zücke den Spieß und schütze mich gegen meine Verfolger! Sprich zu meiner Seele: Ich bin deine Hilfe!“[6]

Die Szene hätte daher christologische Bedeutung; mit den Worten des Psalms bezieht sie sich, typologisch verstanden, auf Christus als ein Kämpfer gegen das Böse.[7]

Das Südportal

Das Südportal ist etwas mysteriös. Es porträtiert zwei Tiere – auf der linken Seite vielleicht einen Greif[8] oder einen anderen Drachen,[3] und rechts einen Löwen. Die beiden Tiere könnten sich ebenfalls in einem Kampf befinden.[3] Ein Widerspruch zwischen Gut und Böse, ähnlich wie der im Westportal, ist wahrscheinlich bewusst gewählt; vielleicht als Verweis auf die mittelalterlichen Tiergeschichten, wie diese im Physiologus zu finden sind.[9]

Kapellen[Bearbeiten]

Die Totenkapelle.

Der umliegende Friedhof von St. Peter umfasst drei frei stehende Kapellen:

  • Die Kapelle Unserer Lieben Frau, erbaut um 1425, vielleicht ursprünglich romanisch, mit einem Beinhaus aus dem 15. Jahrhundert[10]
  • Die Agnes-Bernauer-Kapelle, erbaut 1436, vielleicht als Grabstätte der 1435 hingerichteten Geliebten Herzog Albrechts III. von Bayern-München.[11]
  • Die Totenkapelle, erbaut 1486;[12] Sie hat wahrscheinlich die größte künstlerische Bedeutung, die aufgrund ihres umfangreichen Zyklus’ von Gemälden den Totentanz repräsentiert. Die Fresken wurden durch den Rokoko-Künstler Felix Hözl († 1774), einem Einwohner von Straubing im Jahr 1763 geschaffen. Der Zyklus ist der Vermerk der Behandlung eines vorwiegend mittelalterlichen Themas im 18. Jahrhundert.[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Es ist ein Schnitter, der heißt Tod ..." in "Altbayerische Heimatpost" HeftNr. 44/1986
  2. Schnell und Utz, Pfarrkirche, 2-3; Strobel und Weis, Romanik , 191-93.
  3. a b c Schnell und Utz, Pfarrkirche, 6.
  4. Strobel und Weis, Romanik, 193.
  5. Schnell und Utz, Pfarrkirche, 3.
  6. Psalm 35, Vv. 2-3
  7. Schnell und Utz, Pfarrkirche, 3-6; Strobel und Weis, Romanik, 195.
  8. Strobel und Weis, Romanik, 195.
  9. Strobel und Weis, Romanik, 195.
  10. Schnell und Utz, Pfarrkirche, 8; Strobel und Weis, Romanik, 191.
  11. Schnell und Utz, Pfarrkirche, 10-12.
  12. Schnell und Utz, Pfarrkirche, 14.
  13. Huber, Totentanz ,passim.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfons Huber: Totentanz- oder Seelenkapelle im Friedhof der Pfarrkirche St. Peter, Straubing (=Schnell Kunstführer Nr. 529). Regensburg, 2003, ISBN 3-7954-6456-0
  • Hugo Schnell and Hans Utz: Pfarrkirche St. Peter, Straubing (=Schnell Kunstführer Nr. 1005). Regensburg, 2003, ISBN 3-7954-4739-9
  • Richard Strobel and Markus Weis: Romanik in Altbayern. Würzburg, 1994, ISBN 3-429-01616-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Peter, Straubing – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien