St. Sebald (Nürnberg)

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Nordfassade von St. Sebald

Die mittelalterliche Kirche St. Sebald in Nürnberg, auch Sebalduskirche genannt, ist neben der Frauenkirche und der Lorenzkirche eine der herausragenden Kirchenbauten der Stadt. Sie liegt auf dem Weg zur Burg nördlich etwas oberhalb des Hauptmarkts und gleich westlich vor dem Rathaus. Erstaunlich reichhaltig hat sich die Ausstattung im Innern erhalten.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Baugeschichte

St. Sebald, Ostchor von SO

Die Sebalduskirche ist die ältere der beiden großen Stadtpfarrkirchen Nürnbergs und die älteste (seit 1525) evangelisch-lutherische Pfarrkirche der Stadt. Dass St. Sebald stets edler und bedeutender war als St. Lorenz, ist seit dem Bau des Bahnhofs nicht mehr am Stadtbild abzulesen. Doch schon die direkte Nachbarschaft des Hallenchors der Kirche zum Alten Rathaus unterstreicht ihre einstige Bedeutung als "Ratskirche" Nürnbergs, in der mit dem heiligen Sebald auch der Schutzpatron der Stadt begraben liegt.

Von einem Vorgängerbau, der wohl dem Apostelfürsten Petrus geweiht war (12. Jahrhundert ?), konnte eine offensichtlich zweischiffige Krypta ausgegraben werden. Anstelle dieses Vorgängers wurde die Sebalduskirche zwischen 1225/30 und 1273 als doppelchörige Pfeilerbasilika errichtet. Sie folgt in vielen Baumotiven dem Vorbild des Bamberger Doms (Doppelchörigkeit, Doppelturmfassade mit polygonaler Apsis am 1274 geweihten Westchor u.a.), so dass trotz des gotischen Innenaufrisses einige romanisch anmutende Bauelemente übernommen wurden.

Bereits 1309 wurden die beiden Seitenschiffe wieder abgebrochen und auf die heutige Breite in der Flucht der Stirnmauern der Querschiffe verbreitert; diese Baumaßnahme wurde wohl in den 30er Jahren des 14. Jahrhundert abgeschlossen.

In der Parlerzeit (1379) wurde der Ostchor über der Grablege des Stadtheiligen Sebaldus zu einem zeittypischen Hallenumgangschor ausgebaut; vgl. als etwa zeitgleiche Architektur den Hallenbau der Frauenkirche oder die Wenzelkapelle des Veitsdoms in Prag. In die Zeit dieser letzten großen Baumaßnahme des Mittelalters fällt wohl auch die Umwidmung der Kirche von Petrus auf St. Sebald.

Bei den Bombenangriffen auf Nürnberg im Zweiten Weltkrieg wurde St. Sebald weitgehend zerstört, in den folgenden Jahren erfolgte der Wiederaufbau. Am ersten Advent 1952 wurden die neuen Glocken (Schlagtonfolge a0–cis1–e1–fis1) geweiht und am 22. September 1957 die Kirche im Beisein von Bundespräsident Theodor Heuss wieder eingeweiht.

[Bearbeiten] Ausstattung

Sebald-Grab

In St. Sebald hat sich ein äußerst wertvolles Inventar v.a. vorreformatorischer Kunst erhalten. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Stiftungen Nürnberger Ratsfamilien, denn seit dem 14. Jahrhundert etablierte sich die Sebalduskirche als "Ratskirche" Nürnbergs. Im Gegensatz zur Lorenzer Kirche war es bis ins späte 15. Jahrhundert nämlich beinahe ausschließlich den Nürnberger Ratsgeschlechtern gestattet, feste Ausstattungsstücke in St. Sebald zu stiften. Vereinzelt stellte auch der gesamte Rat durch Stiftungen seine Einheit und Geschlossenheit zur Schau, so etwa in Gestalt der Fenster des Hallenchors, die von den Bürgermeistern des Jahres 1379 gestiftet wurden (teils um 1500 erneuert). Dabei war das Bildprogramm der Kunstwerke bis zum Ende des 15. Jh.s stets der Raumnutzung durch die Liturgie unterworfen.

Schon an der Außenfassade befinden sich teils bemerkenswerte Steinfiguren, so etwa das Schreyer-Landauer-Epitaph von Adam Kraft, der monumentale Schlüsselfelder-Christophorus aus dem 15. Jh. (Original heute im Germanischen Nationalmuseum) oder die Figuren des prächtig ausgestalteten Brautportals an der Nordseite aus dem 14. Jh.

Das für die vorreformatorische Kirche aber zweifellos wichtigste Ausstattungsstück ist das Grabmal des Stadtpatrons St. Sebald, zu dessen Verehrung der Hallenchor überhaupt erst errichtet wurde. Es handelt sich um ein reiches, nach Plänen von Peter Vischer 1508–1519 durch seine Söhne angefertigtes Kunstwerk in Form einer Kleinarchitektur, die reichen Figurenschmuck aufweist (u.a. Szenen aus der Vita des Hlg. Sebaldus). Der Bronzeguss gilt als frühes Beispiel für die Rezeption von Formen der italienischen Renaissance nördlich der Alpen.

Weiterhin sind verschiedene Werke des Bildschnitzers Veit Stoß hervorzuheben, so sein Apostel Andreas und die Figuren der Volckamer'schen Gedächtnisstiftung, bei der er an einem Relief auch sein Können als Steinmetz unter Beweis stellte. Hierbei handelt es sich nur um eines unter vielen künstlerisch wertvollen Epitaphien von Nürnberger Patrizierfamilien (z.B. Tucherepitaph von Hans Süß) im Kirchenraum.

Auch sei auf die größtenteils im Original erhaltenen Glasfenster im Hallenchor hingewiesen, von denen einige um 1500 nach Entwürfen Dürers und Hans Süß' von Kulmbach durch den Glasmaler Veit Hirsvogel gefertigt wurden.

Die Hauptorgel wurde 1440–41 vom Mainzer Orgelbauer Heinrich Traxdorf geschaffen, der auch zwei kleine Orgeln in der Frauenkirche erbaute.

1999 wurde St. Sebald das Nagelkreuz von Coventry verliehen.

[Bearbeiten] Pfarrhof

Pfarrhof mit Chörlein

Zur Sebalduskirche gehört der gegenüber liegende Sebalder Pfarrhof. Er ist hauptsächlich um 1361/1379 entstanden. Hier wohnten einst der Sebalder Klerus: Prediger, Diakone, „Schaffer“ (Verwalter) und Bedienstete. Rund um die Uhr war in der „Wöchnerstube“ im wöchentlichen Wechsel immer jemand bereit, Sterbenden die Letzte Ölung zu spenden. Als Speise- und Versammlungsraum diente der „Kapitalsaal“. Die ostwärts gewandte Apsis der Hauskapelle ist das weltbekannte Chörlein, heute eine Kopie von 1898/1902, das gotische Original kann im Germanischen Nationalmuseum besichtigt werden.

[Bearbeiten] Sonstiges

St. Sebald gehört zur Historischen Meile Nürnbergs

Siehe auch: Kunst- und Baudenkmäler der Stadt Nürnberg

[Bearbeiten] Literatur

  • Friedrich Wilhelm Hoffmann: Die Sebalduskirche in Nürnberg. Ihre Baugeschichte und ihre Kunstdenkmale. Überarb. u. erg. von Th[eodor] Hampe, 1912 [nicht eingesehen]
  • Helmut Baier: 600 Jahre Ostchor St. Sebald - Nürnberg. 1379-1979. Neustadt a. d. Aisch 1979 [nicht eingesehen]
  • Andreas Marx: Der Ostchor der Sebalduskirche. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg Bd. 71. 1984, S. 23ff. [nicht eingesehen; online
  • Birgit Friedel und Ulrich Großmann: St. Sebald. Baubeobachtungen zu den Türmen, dem Westchor und der Krypta. In: Nürnberg, Archäologie und Kulturgeschichte. Hrsg. von B. Friedel und Claudia Frieser. Büchenbach 1999, S.136-147 [nicht eingesehen]
  • Gerhardt Weilandt: Die Sebalduskirche in Nürnberg. Funktionen, Standorte und Stifter der Bilder zur Zeit der Gotik und Renaissance. Petersberg, Kreis Fulda: Michael Imhof Verlag, 2007, 782 Seiten, ISBN 3-86568-125-5 - Mini-Zusammenfassung online; Rezensionen:


[Bearbeiten] Kirchenführer

  • Thomas Bachmann; Markus Hörsch; Rainer Elpel: Sebalduskirche Nürnberg. Nürnberg Carl 2004

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Category:St. Sebald, Nuremberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.45513888888911.075916666667Koordinaten: 49° 27′ 19″ N, 11° 4′ 33″ O

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