St. Stephan (Augsburg)

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Blick auf Kirche und einen Teil des Klosterbaus

St. Stephan ist ein ehemaliges Kanonissenstift in Augsburg (Bayern) in der Diözese Augsburg. Heute ist es eine Benediktinerabtei, die der Bayerischen Benediktinerkongregation angehört. Dem Stift schließt sich im Norden das Gymnasium bei St. Stephan an.

Geschichte[Bearbeiten]

St. Stephan mit Damenstift. Kupferstich von Simon Grimm, 1683.

Das St. Stephan geweihte Stift wurde 969 gegründet durch Hl. Ulrich, Bischof von Augsburg. Bald wurde mit dem Bau einer großen Kirche zu Ehren des Hl. Stephanus begonnen. Seit Mitte des 12. Jahrhunderts führte die Oberin den Ehrentitel Äbtissin; bei St. Stephan handelte es sich aber nicht um ein Kloster, sondern ein „freiweltlich adeliges Damenstift“. Erst Ende des 16. Jahrhunderts verschärfte der Augsburger Bischof Johann Otto von Gemmingen massiv die Regeln des Stiftes. Im 18. Jahrhundert kam das Stift St. Stephan zu neuer Blüte. Der Neubau seiner Stephanskirche unter dem fürstbischöflichen Hofbaumeister Franz Xaver Kleinhans erfolgte in den Jahren 1755/57. 1796 wurde unter Äbtissin Maria Antonia Reichsfreifrau von Welden ein kompletten Neubau für den Konvent begonnen. Das Stift wurde aber dann 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst und kam in Besitz der Stadt. Es wurde 1807 geräumt. 1816 richtete die Armee dort ein Monturmagazin ein.

Die Wiederbelebung von St. Stephan entstand aus dem Wunsch der Bürger in der Paritätischen Reichsstadt Augsburg, den zusammengelegten Schulen St. Anna (evangelisch) und St. Salvator, ein ehemaliges katholisches Jesuitenkolleg, wieder ihre Selbständigkeit zu ermöglichen.[1] Ein Bürger stiftete 30.000 Gulden, der Bischof Ignaz Albert von Riegg unterstützte die Initiative und schließlich genehmigte König Ludwig I. den Ankauf des Gebäudes des ehemaligen Damenstifts, um die katholische Studieneinrichtung unterzubringen. Die Eröffnung fand am 20. November 1827 statt, dabei übernahm die Einrichtung das Patrozinium St. Stephans. König Ludwig I. untersagte aber die Wiederzulassung der Jesuiten und übertrug die Gründung statt dessen dem Benediktinerorden, den er damit in Bayrisch-Schwaben restaurierte.

Als erster Abt wurde der ehemalige Ottobeurer Pater Barnabas Huber berufen und am Ostermontag, dem 20. April 1835 benediziert, die erste Benediktion seit der Säkularisation in Bayern und ganz Deutschland. Zusammen mit Bischof Riegg reiste Abt Barnabas nach Wien und nachdem sie dort die Erlaubnis erhalten hatten, durch Benediktinerklöster in ganz Österreich und der Schweiz, um Mönche für den Konvent und den Schulunterricht zu werben. Sie gewannen 19 österreichische und 3 schweizerische Patres und konnten noch 5 Patres aus dem 1830 wieder gegründeten Kloster Metten erhalten. Am 5. November 1835 fand die Konstituierung des Klosters St. Stephans statt. Dabei wurden auch fünf Novizen eingekleidet und das Kloster Ottobeuren als Priorat wieder errichtet. Ottobeuren und Metten wurden St. Stephan unterstellt. Weder für die Neugründung, noch für die Berufung und Weihe des Abtes wurde eine päpstliche Genehmigung eingeholt. Die Dotation als finanziellem Grundstock des Klosters stiftete König Ludwig I. mit 46.000 Gulden aus seinem Privatvermögen, auch dies war nicht mit dem Papst abgesprochen.

Zur Unterbringung und Betreuung von Voll- und Tageszöglingen wurde 1828 das Studienseminar St. Joseph eröffnet. Seit 1835 leiteten Benediktiner dieses Seminar, das 1874/76 durch Neubau und Ankauf von zwei Häusern und 1907/09 abermals erweitert wurde. Nach der zeitweiligen Schließung während des Zweiten Weltkriegs wurde das Studienseminar 1947 wiedereröffnet und 2005 in dieser Form geschlossen. Seitdem existiert nur es noch als Tagesinternat.[2]

Die unterschiedlichen Herkünfte und Traditionen der Patres führte in den Anfangsjahren zu verschiedenen Schwierigkeiten und disziplinarischen Problemen, was sich auch noch fortsetzte, als das Kloster sich aus nachgezogenen Patres zusammensetze. Die Studienanstalt umfasste eine Lateinschule, das eigentliche Gymnasium, ein Lyzeum (später Philosophische Hochschule bis 1969) und Internat. Die Einrichtungen sehen sich ausdrücklich in der pädagogischen Tradition des Jesuitenkollegs, nicht der ehemaligen benediktinischen Abtei St. Afra und Ulrich.

Die im Zweiten Weltkrieg 1944 zerstörten Gebäude wurden von 1950 bis 1966 wieder aufgebaut.[3]

Gegenwart[Bearbeiten]

Derzeit bewohnen 14 Benediktiner das Kloster, sie arbeiten als Lehrer am Gymnasium bei St. Stephan, im Tagesinternat St. Joseph, in der Erwachsenenbildung, im Gästehaus St. Benedikt, in der außerordentlichen Seelsorge, sowie in pflegerischen und handwerklichen Tätigkeiten. Der Gemeinschaft steht seit 2006 zunächst als Prior-Administrator und seit Mai 2009 Abt Theodor Hausmann vor.

Berichte von körperlichen Misshandlungen und sexuellen Missbrauch[Bearbeiten]

Der Komponist Wilfried Hiller trat im April 2013 als Betroffener an die Öffentlichkeit und warf Benediktinern des Internats St. Joseph schwere Züchtigungen und sexuellen Missbrauch vor.[4] Im Januar 2014 bestätigte der Schauspieler Michael Lerchenberg diese Anschuldigungen aus eigener Erfahrung. Auch er sei davon betroffen.[5]

Äbte[Bearbeiten]

(Quelle: [6] und [7])

Klimamessungen[Bearbeiten]

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann in Augsburg die Messung und Beobachtung des Wetters. Von 1812 an bis 1837 maß und beobachtete Augustin Stark in seinem Wohnturm beim Kloster St. Stephan täglich Wetterelemente. Diese veröffentlichte er jährlich als „Meteorologisches Jahrbuch“. [8]

Nach dem Tod Augustins führten die Mönche die Messungen bis zum heutigen Tage fort. Im Jahre 1866 wurde von der Bayerische Akademie der Wissenschaften ein bayernweites Beobachtungsnetz initiiert, welches in der Tradition der „Societas Meteorologica Palatina“ stand. In dieses Netz war auch die Station in St. Stephan als Säkularstation integriert. Da der Standort nie gewechselt wurde, steht eine solide Messreihe von Augsburger Wetterdaten zur Verfügung. Diese homogene Messreihe ist eine der längsten in Europa und vergleichbar mit der des Meteorologischen Observatoriums auf dem Hohen Peißenberg. Einzig nach dem Luftangriff auf Augsburg im Februar 1944 waren die Messungen auf Grund zerstörter Instrumente für eine Woche unterbrochen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Soweit nicht anders angegeben, beruht die Darstellung der Neugründung auf: Manfred Weitlauff: Ignaz Albert von Riegg, Bischof von Augsburg(1824–1836). In: Lech-Isar-Land Heimatkundliches Jahrbuch 2011, herausgegeben vom Heimatverband Lech-Isar-Land e.V., Weilheim i.Obb. 2011, Seiten 39–74, 61–63
  2. [tt_news=3996&tx_ttnews[backPid]=113&cHash=d7e04575caEintrag im Augsburger Stadtlexikon]
  3. siehe angegebene Website Klöster in Bayern im Haus der Bayerischen Geschichte, Menüpunkt Geschichte
  4. Ich wurde im Internat St. Stephan missbraucht Augsburger Allgemeine vom 8. April 2013.
  5. Augsburger Allgemeine: Missbrauch im Internat: „Ich glaube beiden und bitte um Vergebung!“, 19. Januar 2014 (online)
  6. Eintrag im Ordenslexikon Liste:Äbte von Augsburg (St. Stephan) von ORDEN online, Stand vom 1. April 2009
  7. Website der Abtei, Zeittafel
  8. Siegmund GüntherStark, Augustin. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 35, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 487 f.

48.37563697222210.899349444444Koordinaten: 48° 22′ 32″ N, 10° 53′ 58″ O