St. Stephani (Bremen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Blick von der Schlachte
St. Stephani um 1734
Kronleuchter (17. Jh.)
Chor mit Glasfenstern von Erhart Mitzlaff (1967)
Beckerath-Orgel (1965)
Kirchraum im Nordschiff

Die Kirche St. Stephani ist eine am westlichen Ende der bremischen Altstadt gelegene Pfarrkirche. Sie bildet den städtebaulichen Mittelpunkt des altstädtischen Stephaniviertels, welches nach völliger Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut wurde.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte und Architektur

Die Kirche wurde um 1050 von Erzbischof Adalbert von Bremen vor den Toren der Stadt gegründet. Erzbischof Adalbert II. erhob sie 1139 zur Stifts- und Pfarrkirche. Ein Jahrhundert später musste sie unter Gebhard II. nach einem Brand erneuert werden. Ende des 14. Jahrhunderts wurde sie zu einer Hallenkirche umgebaut. Seit 1856 prägt der spitze, 72 Meter hohe neugotische Südturm der Kirche die Silhouette der Stadt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus widersetzte sich die Gemeinde den Eingriffen der sogenannten Deutschen Christen. Anstelle des mundtot gemachten Gemeindevorstands bildete sich 1934 ein „Bruderrat“ aus zwei Frauen und drei Männern, die alle der Bekennenden Kirche angehörten. Ihr schlossen sich beide Pastoren, Wiard Rosenboom und Dr. Gustav Greiffenhagen (Vater von Martin Greiffenhagen) sowie viele Gemeindemitglieder an. Pastor Greiffenhagen wurde zeitweilig suspendiert und in „Schutzhaft“ genommen. Nach dem frühen Tod von Pastor Rosenboom 1937 wurde an dessen Stelle Pastor Fritz Schipper „illegal“ eingestellt: Er wurde weder vom deutschchristlichen Landesbischof noch von der Landeskirche anerkannt, sondern von der Gemeinde bezahlt.

Bei Bombenangriffen 1944 wurde die Kirche stark beschädigt. Das südliche Hallenschiff wurde danach nicht wiederhergestellt. Das nördliche Hallenschiff wurde nach dem Krieg vom Mittelschiff abgetrennt und als Gemeindekirche wieder instandgesetzt. Das Mittelschiff wurde zwischen 1947 und 1959 unter Leitung des Architekten Arthur Bothe neu aufgebaut, die östlichen Seitenschiffjoche zum Querhaus zurückgewandelt. Der ebenfalls schwer beschädigte Südturm wurde unter Vereinfachung seiner Spitze wiederhergestellt.

Am Heiligabend 1992 wurden drei neue Bronzeglocken eingeläutet. Sie stammen aus der Glockengießerei der Gebrüder Rinker in Sinn und tragen die Namen: Schöpfung (Ton: d´, 1520 kg), Frieden (Ton: e´, 1074 kg) und Gerechtigkeit (Ton: g´, 689 kg).[1]

[Bearbeiten] Orgel

Nach dem Brand der Kirche 1754 wurde 1763 der Orgelbauer Heinrich Wilhelm Eckmann mit einem Orgelneubau beauftragt. Er vollendete 1768 hier sein größtes Werk, das drei Manuale, Pedal und 45 klingende Stimmen besaß.[2] Der geschnitzte Orgelprospekt dazu wurde 1768 von „Snitker“ Johann Krusebecker geschaffen. Die Orgel wurde 1907 durch einen völligen Neubau der Orgelbaufirma Walcker Cie (Ludwigsburg) ersetzt, wobei der spätbarocke Orgelprospekt erhalten blieb. Teile dieses Prospektes konnten vor der Zerstörung der Kirche 1944 ausgelagert werden und befinden sich in der Obhut des Landesamtes für Denkmalpflege.[3]

1965 bekam die Kirche ein neues Instrument aus der Hamburger Orgelbauwerkstatt Beckerath.[4]

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten

Zerstörungen und Umbauten haben von der künstlerischen Ausstattung früherer Jahrhunderte kaum etwas übrig gelassen. Bruchstücke des geschnitzten Orgelprospektes von 1768, der an Schönheit die von St. Martini und St. Ansgarii noch übertraf, können kaum restauriert werden.[5] Gerettet wurden drei kostbare Messingkronen mit Inschriften und einem Gewicht bis zu 500 kg – gestiftet von frommen Nachbarn, Handwerkern und Schiffern im 17. und frühen 18. Jahrhundert.[6]

Aus etwa 10.000 farbigen Glasstücken besteht das sechsteilige Fenstermosaik der Altarwand, das der Fischerhuder Künstler Erhart Mitzlaff 1967 unter dem Gesamtthema „Alte und Neue Welt“ geschaffen hat.

[Bearbeiten] Heutige Bedeutung

Die Anzahl der Gemeindemitglieder ist seit den 1950er-Jahren von 6.000 auf 1.500 Personen gesunken. Neben anderen Faktoren hat dazu insbesondere die Abwanderung aus der Stadtmitte in die Vororte beigetragen. Zum 1. Januar 2009 haben sich die beiden ehemals selbständigen Gemeinden, St. Michaelis und St. Stephani, zu einer Gemeinde zusammengeschlossen – zur „St. Michaelis - St. Stephani Gemeinde in Bremen“.[7]

Im Jahre 1884 wurde der erste St.Stephani-Chor gegründet. Er gehört damit zu den ältesten großen Chören der Hansestadt Bremen. Aus dieser Tradition und den Veränderungen der letzten Jahre erwuchs die heutige Bremer Kantorei St. Stephani, ein moderner, leistungsfähiger Konzert- und Kirchenchor mit einem breitgefächerten Repertoire.[8]

Die Gemeinde ist sowohl im kirchlichen Kernbereich wie auch hinsichtlich darüber hinausgehender Veranstaltungen sehr aktiv. Hervorzuheben sind regelmäßige Kirchenmusikkonzerte und das Projekt „Kulturkirche“.

[Bearbeiten] Bekannte ehemalige Pastoren

[Bearbeiten] Kulturkirche

Ab dem 1. Januar 2007 wird das Hauptschiff der Kirche zur ersten Kulturkirche in Bremen. Die Gemeinde benutzt für den Gottesdienst das Nordschiff, wie sie es schon in der Zeit nach der Zerstörung bzw. dem ersten Wiederaufbau bis 1967 tat.

[Bearbeiten] Seemannsheim

Als Kirche für die Seefahrer ist neben dem Gemeindezentrum das Seemannsheim der Deutsche Seemannsmission und deren Verwaltung.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Claus Heitmann: Von Abraham bis Zion. Edition Temmen, 2000, S.42–43, ISBN 3-86108-619-0
  2. www.orgelbau-ostfriesland.de – Die Restaurierung der Eckmann Orgel erbaut 1773 zu Amdorf
  3. Dr. Rolf Kirsch: Teile des ehemaligen Orgelprospektes des Snitkers Johann Krusebecker von 1768. Landesamt für Denkmalpflege, Bremen
  4. www.die-orgelseite.de – Bremen: Kulturkirche St. Stephani
  5. www.bremen-tourismus.de – St. Stephani
  6. Hans Scheidulin, Werner Kloos, Jürgen Wittstock: St. Stephani in Alte Kirchen in und um Bremen. Verlag Karl Schünemann, Bremen.
  7. www.kirche-bremen.de – St. Michaelis - St. Stephani Gemeinde
  8. www.bremen.de – Bremer Kantorei St. Stephani

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Kategorie: St. Stephani – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

53.0808333333338.7938888888889Koordinaten: 53° 4′ 51″ N, 8° 47′ 38″ O

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen