St. Theresia (München)

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St.Theresia
Turm der Pfarrkirche St. Theresia

St. Theresia ist eine römisch-katholische Pfarr- und Klosterkirche der Unbeschuhten Karmeliten im Münchener Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg. Sie wurde in den Jahren 1922 bis 1924 nach Entwürfen des Architekten Franz Xaver Boemmel im Stil des Neobarock errichtet.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Der Bau der Kirche geht auf die Initiative der Karmeliten zurück, die seit 1921 die Wiedererrichtung einer Ordensniederlassung in München betrieben. Da die Gebäude des alten Karmelitenklosters in der Altstadt nach der Säkularisation 1802 entweder zerstört oder einer neuen Nutzung zugeführt worden waren, wies man den Brüdern den heutigen Standort der Kirche zur Besiedelung zu (heute Dom-Pedro-Straße 39-41). 1922 begannen die Bauarbeiten der Klostergebäude unter Leitung von Baumeister Jung nach Plänen Franz Xaver Boemmels. Der Grundstein der Kirche wurde am 22. Oktober 1922 gelegt, die Schlussweihe vollzog der Erzbischof von München und Freising Kardinal Faulhaber am 14. Dezember 1924; die Fertigstellung der Innenausstattung zog sich allerdings noch bis ins Jahr 1935 hin. Aus Anlass des 300. Jahrestages ihrer Heiligsprechung erhielt die Kirche das Patrozinium der Karmelitin Theresia bzw. Teresa von Ávila. Am 1. Januar desselben Jahres richtete die Erzdiözese die heutige Pfarrei ein, deren seelsorgerische Betreuung nach langen Verhandlungen mit der Ordensleitung in Rom den Karmeliten übertragen worden war.

Architektur[Bearbeiten]

Maße[Bearbeiten]

  • Außenhöhe des Langhauses: 31 m
  • Innere Länge des Langhauses: 38 m
  • Innere Breite des Langhauses: 18 m (mit Abseiten: 24 m)
  • Lichte Innenhöhe des Langhauses: 21 m
  • Turmhöhe: 62 m

Lage und Außenbau[Bearbeiten]

Die Kirche liegt in exponierter Lage an der Landshuter Allee und musste aus städtebaulichen Gründen nach Süden gerichtet werden. Die hohe, schmale Kubatur des Langhauses mit seinen hoch liegenden Fenstern und den niedrigen Anräumen, die sich in der Art eines Umgangs um den Chor herumziehen, verleihen dem Bau eine basilikale Erscheinung. Die Nordfassade ist hinter die Flucht der Dom-Pedro-Straße zurückgesetzt, wodurch ihre repräsentative Wirkung gesteigert wird. Sie wird durch flache Wandpilaster in drei vertikale Achsen und durch weit auskragende Gesimsbänder in drei horizontale Geschosse gegliedert. Die Mittelachse schwingt durch die Vermittlung konkaver Mauerstücke vor und enthält das Hauptportal sowie das große Nordfenster mit bekrönendem Segmentgiebel. Darüber erhebt sich ein reich profilierter Volutengiebel, der das Wappen des Karmelitenordens im Relief enthält. Die Langhauswände und der eingezogene, in fünf Achteckseiten geschlossene Chor sind durch schlichte Wandpilaster, Gesimse und dekorative Fenstereinfassungen aus Stuck bereichert. Das Obergeschoss des Glockenturms an der Nordseite des Chors verfügt hingegen über reiche korinthische Eckpilaster und eine kräftige Gesimsgliederung; den Abschluss bildet eine geschnürte Zwiebelhaube mit abgeschrägten Ecken über Volutenansätzen und bekrönender Laterne.

Inneres[Bearbeiten]

St. Theresia von Innen

Das Langhausinnere der Theresienkirche präsentiert sich als weitläufiger Saal. Die Seitenwände besitzen einen zweiteiligen basilikalen Aufbau aus Arkaden- und Obergadenzone; flache korinthische Wandpilaster teilen das Langhaus in sechs Joche, wobei das nördliche vollständig von der Orgelempore mit geschwungener Brüstung eingenommen wird, die auf zwei toskanischen Säulen ruht. Unter der Empore befinden sich beidseitig die die Eingangshallen der Seitenportale. Die Pilaster strahlen im Langhaus oberhalb des umlaufenden, verkröpften Gebälks Gurtbögen aus. Diese spannen zwischen sich eine korbbogige Stichkappentonne in Rabitzkonstruktion auf, die mit farbig gefasstem Rahmenstuck versehen sind. Die Raumgestaltung lehnt sich zwar an die bei den Karmeliten verbreiteten Schemata der Basilika und der Wandpfeilerkirche an. Allerdings öffnen sich die Arkaden des Langhauses von St. Theresia lediglich in gegeneinander abgemauerte Abseitenkapellen.

Den Übergang zum Chorraum bildet ein kurzes Vorchorjoch mit ausgerundeten Südecken. Breite Pilasterbündel, ein Stuckrahmen mit beidseitigen Volutenansätzen und eine bekrönende Kartusche mit dem Wappen des Karmeliterordens zeichnen den Chorbogen aus. Im eingezogenen, ausgeschiedenen Chor setzt sich die Gliederung des Langhauses fort. Da das Chorrund von niedrigen Anbauten umgeben ist, erfolgt die Belichtung ausschließlich durch längsovale Okuli in der Apsiskalotte.

Ausstattung[Bearbeiten]

Die fast vollständig erhaltene bauzeitliche Innenausstattung unterscheidet sich von der eng an originalen barocken Vorbildern orientierten Architektur durch die freiere Anwendung der Schmuckformen, die Einflüsse des Jugendstils erkennen lassen. Dies trifft insbesondere auf den Hochaltar mit flankierenden Leuchterengeln von Georg Schreiner (1926) zu, der durch seinen blockhaften Aufbau besticht. Über dem Tabernakel enthält der Retabel ein Hochrelief mit der Heiligen Theresia im Zentrum, beidseitig begleitet von Engeln mit Symbolen, die sich auf die Vita der Kirchenpatronin beziehen. Bei den beiden Seitenaltären (1927) im Vorchorjoch handelt es sich um reich skulptierte, säulenlose Aufbauten mit großformatigen Gemälden von Martin von Feuerstein.

Kanzel
Altar von St. Theresia
Jesus an der Geißelsäule

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel

Die Orgel wurde von dem Orgelbauer 1976 von Wilhelm Stöberl gebaut. Der Prospekt und einige Register stammen noch von der Vorgänger-Orgel, die Willibald Siemann 1924 gebaut hatte. Das Instrument hat 42 Register auf drei Manualen und Pedal und ist im französisch-romantischen Stil disponiert. Die Spieltraktur und die Koppeln sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch.. Das Pedalregister 32' ist ein akustisches Register. Das Instrument verfügt über einen Spieltisch, der in Anlehnung an Spieltische des Orgelbauers Aristide Cavaillé-Coll erbaut wurde.[1]

I Hauptwerk C–g3
1. Prinzipal
2. Flaute (S)
3. Oktave
4. Rohrflöte (S)
5. Oktave
6. Mixtur V
7. Cornet
8. Bombarde 16´
9. Trompete
II Brustwerk C–g3
10. Gedackt (S)
11. Prinzipal
12. Flöte
13. Prinzipal
14. Quinte 11/3´
15. Scharff IV
16. Vox Humana
17. Krummhorn
Tremulant
III Schwellwerk C–g3
18. Bordun 16´ (S)
19. Prinzipal (S)
20. Gambe (S)
21. Gedackt (S)
22. Prinzipal
23. Traversflöte (S)
24. Nasat 22/3´
25. Nachthorn
26. Terz 13/5´
27. Mixtur III
28. Dulzian 16´
29. Trompete (S)
30. Oboe (S)
Tremulant
Pedalwerk C–g3
31. Prinzipal 32´
32. Subbass 16´ (S)
33. Violon 16´ (S)
34. Oktavbass (S)
35. Cello (S)
36. Gedeckt
37. Choralbass (S)
38. Flöte
39. Hintersatz 22/3´
40. Posaune 16´ (S)
41. Trompete (S)
42. Schalmey
  • Anmerkung
(S) = originales Register von Willibald Siemann (1924)

Glocken[Bearbeiten]

Im Turm finden sich fünf Bronzeglocken. Vier davon stammen aus der Glockengießerei Glockengießerei Johann Hahn aus Landshut. Eine weitere Glocke wurde später durch die Glockengießerei Rudolf Perner aus Passau ergänzt, und somit das ursprüngliche Salve-Regina-Motiv aufgefüllt. Die kleinste Glocke ist ein Überrest des ersten Geläuts von 1924 und stammt ebenfalls aus Landshut.

Nr. Name Gussjahr Gießer Masse (kg) Nominal
1 1948 Glockengießerei Johann Hahn des1
2 1977 Glockengießerei Rudolf Perner es1
3 1948 Glockengießerei Johann Hahn f1
4 1948 Glockengießerei Johann Hahn as1
5 1923 Glockengießerei Johann Hahn b1

Literatur[Bearbeiten]

  • Paulinus Schöning: Kloster und Kirche St. Theresia in München, Eigenverlag, München, o. J.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Informationen zur Orgel

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Theresia (München) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.15911388888911.537994444444Koordinaten: 48° 9′ 33″ N, 11° 32′ 17″ O