St. Ursula (Köln)

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St. Ursula in Köln (Ansicht von Westen)

St. Ursula ist eine der zwölf großen romanischen Basiliken in der Altstadt Kölns, deren Erhalt vom Förderverein Romanische Kirchen Köln unterstützt wird. Sie ist der Heiligen Ursula geweiht.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Nach den Ausgrabungsergebnissen der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im 4. Jahrhundert ein Saalbau mit Ostapsis errichtet. Nach der sogenannten Clematiusinschrift auf einer in der Südwand des Chors befindlichen Kalksteinplatte (wohl karolingisch) habe Clematius, einem Gelübde folgend, die Kirche zu Ehren der Märtyrerin Ursula erneuert. Tatsächlich ließ sich für das 6. Jh. die Umgestaltung des spätantiken Coemeterialbaus in eine Kirche anhand der schlüssellochförmigen Amboanlage (Kanzel) nachweisen. In ottonischer Zeit, 9. Jahrhundert, erfuhr die Basilika Umbauten bis sie zur Kirche des aus Gerresheim vor den Ungarn geflüchteten Damenstifts wird (922). Zu dieser Zeit hat die den Vorgängerbau der romanischen Basilika begründenden Märtyrerinnen-Legende Hochkonjunktur. In ihrem Mittelpunkt stand Pinnosa, die eine von den Hunnen ermordete englische Prinzessin gewesen sein soll. Deren Gebeine gingen im 10. Jahrhundert nach Essen und Ursula geriet als Anführerin der Märtyrer-Jungfrauen in dem Mittelpunkt der Verehrung. Dabei bezieht sich der Name Ursula offenbar auf einem im Umfeld der Kirche gefundenen Grabstein einer Achtjährigen des 4. und 5. Jahrhunderts.

Die Legende der Heiligen erhält bei der Entdeckung eines römischen Gräberfeldes 1106 neue Nahrung und in der Folge wird der ottonische Bau zur romanischen Emporenbasilika umgebaut. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts erhält der Kirchenbau dann seinen gotischen Chor. Ebenfalls vor 1300 wurde das Marienschiff als zweites Seitenschiff südlich angebaut, das im 15. Jahrhundert umgestaltet wurde. 1608 wird der stämmige Westturm um eine barocke Haube ergänzt. Der Innenraum wurde in dieser Zeit ebenfalls barock gestaltet und es kommt zur Einrichtung der Goldenen Kammer für die zur Kirche gehörenden Reliquienschätze. 1802 wurde das seit dem 10. Jahrhundert bestehende Damenstift im Rahmen der Säkularisierung aufgehoben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Basilika zu weiten Teilen wieder in den ursprünglichen romanischen Zustand zurückgebaut. Aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammen im Inneren der Kirche weitere Ausstellungsdetails. So ist das Bronzeportal an der Westseite von Theo Hefermann aus dem Jahre 1959. 1920 erhielt die Kirche zeitgleich mit St. Gereon durch Papst Benedikt XV. den Titel einer Basilica minor.

[Bearbeiten] Ursula-Legende

Kölner Wappen

Bemerkenswert ist die den Ursprung der Basilika begleitende Legende um die Hl. Ursula. Von ihr gibt es zahlreiche Variationen, deren wesentliche Elemente übereinstimmen. Unter anderem verbinden sich in ihr Berichte über frühe Märtyrer-Jungfrauen und die Legende der Pinnosa. Dem Kern der Legende nach soll Ursula mit elf Gefährtinnen rheinaufwärts unterwegs gewesen sein. Aus diesen elf Jungfrauen werden dann im Laufe der Geschichte elftausend (vielleicht vor dem Hintergrund der Skelettfunde im benachbarten römischen Gräberfeld und dem im Mittelalter schwunghaften Reliquienhandel). Ihre Schiffsreise führte sie bis Basel, von wo aus sie zu Fuß nach Rom pilgerten. Der sie empfangende Papst Cyriakus schloss sich ihnen für die Rückreise an. In Mainz wurde Ursulas Bräutigam Aetherius schließlich getauft und von dort gelangte die Gesellschaft zu dem von den Hunnen belagerten Köln. Da die Jungfrauen die Ehe mit den nichtchristlichen Hunnen verweigerten, wurden sie und ihre Gefährten ermordet.

Diese Legende hatte eine erhebliche Ausstrahlungskraft und die in der Basilika verehrten Reliquien verloren im religiösen Leben Kölns und der die Stadt besuchenden Pilger erst dann ihre Vorrangstellung, als die Gebeine der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln überführt wurden.

Beide Heiligenverehrungen waren bildgebend für das Kölner Wappen: Die drei Kronen im oberen Feld symbolisieren die Drei Könige, elf Flammen stehen stellvertretend für die elf(tausend) Märtyrerinnen der Ursula-Legende. Neben den Heiligen Drei Königen und St. Gereon ist die Hl. Ursula Stadtpatronin Kölns.

[Bearbeiten] Baubeschreibung und Ausstattung

St. Ursula ist die älteste niederrheinische dreischiffige Emporenbasilika. Die westliche Hauptfassade, der massive Westturm mit barocker Haube, die anschließende Vorhalle und das Langschiff sind romanisch geprägt. Beim Chor handelt es sich um einen frühgotischen Anbau. Die Basilika erlitt im Zweiten Weltkrieg erhebliche Schäden, die erst 1972 behoben waren. Trotz nachhaltiger Verluste handelt es sich um eine relativ reich ausgestattete Kirche, der ihr romanischer Ursprung deutlich anzusehen ist. In der Vorhalle ist eine um 1420 datierte steinerne Pietà erhalten. Bemerkenswert sind weiterhin die im südlichen Seitenschiff stehenden Skulpturen, wie die Hl. Ursula als Schutzmantelheilige (1465) mit der ikonografischen Anmutung von Mariendarstellungen. Aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt der im nördlichen Querschiff stehende St.-Ursula-Sarkophag. Aus der Zeit um 1500 stammen die im südlichen Querraum aufgestellten Figuren von St. Johannes und St. Maria. Die steinerne Madonna und St. Nikolaus sind aus der Zeit um 1330 datiert. Auf den Emporen des Hauptschiffs sind Reliquien-Büsten aufgestellt. In ihm stehen am gotischen Hochaltar die Schreine der Ursula und des Aetherius. Im Chor befindet sich auch der Bilderzyklus der Ursula-Legende (um 1456 aus der Schule Stephan Lochners). Die Darstellung besteht aus 24 Tafeln mit 30 Bildern. Eindrucksvoll ist die seitlich der Vorhalle gelegene Goldene Kammer. Hier sind viele Reliquienbüsten aus der Zeit zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert aufgereiht; die Wände sind bis in die Deckengewölbe mit Mustern aus Knochen geschmückt.

Die Basilika wurde im Dezember 2004 nach über fünfjähriger Renovierung wieder eröffnet. Das im 15. Jahrhundert errichtete Marienschiff und der sogenannte Äbtissinnenchor sind wieder zugänglich. Im Osten des Marienschiffs wurde 2005 die vom Architekturbüro Kister/Scheidhauer geplante zweite Goldene Kammer eröffnet. Es handelt sich um eine Gedenkstätte für Märtyrer des 20. Jahrhunderts, vorwiegend Opfer des NS-Regimes, deren Gebeine zumeist verloren gegangen sind.

[Bearbeiten] Glocken

Die sechs Glocken goss Hans Hüesker (Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock) aus Gescher im Jahre 1962. Das Geläut gehört zu den größten der Stadt. In der Turmlaterne hängt ein Glockenspiel der Glockengießerei Eijsbouts (Asten). Jeden Freitag um 15 Uhr erinnert Glocke 2 an die Todesstunde Christi. Zum Angelus um 12:00 und 18:00 Uhr ertönen zunächst 3x3 Schläge auf Glocke 2 (Marienglocke), dann läutet Glocke 6 nach. Das Vollgeläut ertönt nur an Hochfesten.

Nr. Name Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
(16tel)
1 Ursula 1792 3500 a0 +3
2 Maria 1506 2100 c1 +3
3 Cunibertus 1340 1400 d1 +3
4 Henricus 1140 940 f1 +2
5 Hermann Joseph 1010 650 g1 +3
6 Hedwig 900 430 a1 +3

[Bearbeiten] Weitere Bilder

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: St. Ursula (Köln) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

50.945756.9543055555555Koordinaten: 50° 56′ 45″ N, 6° 57′ 15″ O

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