St. Wendel

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt St. Wendel
St. Wendel
Deutschlandkarte, Position der Stadt St. Wendel hervorgehoben
49.4680555555567.1725300Koordinaten: 49° 28′ N, 7° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Saarland
Landkreis: St. Wendel
Höhe: 300 m ü. NHN
Fläche: 113,54 km²
Einwohner: 25.890 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 228 Einwohner je km²
Postleitzahl: 66606
Vorwahlen: 06851, 06854, 06856, 06858
Kfz-Kennzeichen: WND
Gemeindeschlüssel: 10 0 46 117
Stadtgliederung: 16 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schloßstraße 7
66606 St. Wendel
Webpräsenz: www.sankt-wendel.de
Bürgermeister: Peter Klär (kommissarisch)[2] (CDU)
Lage der Stadt St. Wendel im Landkreis St. Wendel
Nonnweiler Nohfelden Freisen Tholey Oberthal (Saar) Marpingen Namborn St. Wendel Rheinland-Pfalz Landkreis Merzig-Wadern Landkreis Saarlouis Landkreis NeunkirchenKarte
Über dieses Bild
Blick auf die Kernstadt (Standort: West-Süd-West)
Blick vom Bosenberg her; im Hintergrund der Schaumberg

St. Wendel ist eine Kreisstadt im Nordosten des Saarlandes. Sie liegt rund 36 km nordöstlich der Landeshauptstadt Saarbrücken und ist nach dem heiligen Wendelin benannt.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

St. Wendel liegt an der Blies am Fuß bzw. westlich des Bosenbergs auf einer Höhe von 286 m ü. NN. (Fruchtmarkt). Höchste Erhebung ist der Bosenberg mit 485 m, die tiefste Stelle mit 260 m ist die Stelle, an der die Blies das Stadtgebiet nach Ottweiler verlässt.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zu St. Wendel gehören die Stadtteile Bliesen, Bubach, Dörrenbach, Hoof, Leitersweiler, Marth, Niederkirchen, Niederlinxweiler, Oberlinxweiler, Osterbrücken, Remmesweiler, Saal, Urweiler, Werschweiler, Winterbach und die Kernstadt St. Wendel.

Klima[Bearbeiten]

Der Jahresniederschlag beträgt 941 mm und liegt damit im oberen Fünftel der von den Messstellen des Deutschen Wetterdienstes erfassten Werte. Über 81 % zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der April; am meisten regnet es im Dezember. Im niederschlagreichsten Monat fällt etwa 1,6mal mehr Regen, als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im mittleren Drittel. In 53 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.

Geschichte[Bearbeiten]

Den Kern der Stadt St. Wendel bildete wahrscheinlich der Hof eines Grundherrn aus der Merowinger Zeit (spätes 6. Jahrhundert) namens Baso. So entstand der Ortsname Basonevillare, d. h. Landgut des Baso. Dieser Name hätte sich in unserer Zeit vermutlich zu Bosenweiler weiterentwickelt – wäre die Wendalinusverehrung nicht gewesen; vgl. die Bezeichnungen für den Ort Bosen, den Bosenberg und die Gewässer Bos, (oder Bosenbach), folglich auch für den späteren Bostalsee, in denen Basos Name noch überlebt hat. Basos Hof lag auf der Schulter des Bosenbergs, zwischen dem Todbach und dem Bosenbach. Mitte des 7. Jahrhunderts kaufte der Bischof von Verdun, Paulus, Basonevillare. Außerdem erbte er von einem fränkischen Adeligen, Adalgisil mit dem Beinamen Grimo, die Stiftung Tholey (damals noch ohne Kloster). Auf diese Weise kam das Gebiet von St. Wendel auf Jahrhunderte zu Verdun. Um 600 lebte hier vermutlich ein Mann, der nach seinem Tod von der Bevölkerung stark verehrt wurde. Daraus entstand der Kult um den heiligen Wendelin (lat. Wendalinus). Infolge dieser Verehrung entwickelte sich in den Jahrhunderten nach seinem Tode eine ausgedehnte Wallfahrt, was schließlich dazu führte, dass der alte Siedlungsname Basonevillare im Laufe des 11. und 12. Jahrhunderts durch St. Wendel ersetzt wurde.

Die Grafen von Blieskastel, deren Besitz sich vom nördlichen Lothringen zu beiden Seiten der Blies quer über den Hunsrück bis nach Bernkastel an der Mosel, dem heutigen Bernkastel-Kues, erstreckte, legten im 10. Jahrhundert in den Bliesniederungen (heute Bereich der Tiefgarage in der Mott) vermutlich eine Wasserburg an, die dem Schutz des aufstrebenden Wallfahrtsortes diente. Diese Wasserburg bestand typischerweise aus einem aufgeschütteten Erdhügel mit einem Wohnturm, umgeben von einem Palisadenzaun und einem Wassergraben. Eine solche Anlage nannte man Motte. Aus dem Vorhandensein des Flurnamens „Mott“ wird in St. Wendel auf diese frühe Burganlage geschlossen; Belege und Anzeichen dafür sind sonst nicht vorhanden.

Im 9. oder frühen 10. Jahrhundert entstand eine Kirche am Standort der heutigen Basilika, in der heute die Reliquie "Heiliger Wendalinus" verwahrt wird. Parallel zur Wallfahrt entstanden mehrere Märkte, u. a. der Wendelsmarkt, der zentrale Markt der gesamten Umgebung für Vieh, Kleidung und Gebrauchsgegenstände. Burg, Hof und Kirche wuchsen erst im 14. Jahrhundert allmählich zusammen.

1326/28 erwarb der Trierer Kurfürst und Erzbischof Balduin von Luxemburg Burg und Dorf St. Wendel. Mit dem Erwerb St. Wendels durch Balduin entwickelte sich die Siedlung sehr bald zu einer mittelalterlichen Stadt. Erster kurtrierischer Amtmann (Burggraf) wurde Jakomin von Monkler. Als Vertreter des Kurfürsten ließ er nach 1328 eine neue Burg errichten. Es wird angenommen, dass auf Erzbischof Balduins Geheiß mit dem Bau der neuen Pilgerkirche begonnen wurde. Auf dem Reichstag zu Nürnberg erhielt Balduin 1332 von Kaiser Ludwig dem Bayern das sog. Sammelprivileg für 29 Städte, Dörfer, Burgen und Kapellen seines Bereichs, die er mit den Rechten, wie sie das Frankfurter Stadtrecht enthielt, ausstatten konnte. Der St. Wendeler Historiker Max Müller hat in seinem Standardwerk über die Geschichte St. Wendels (bis zum Ersten Weltkrieg) diese Urkunde als „Stadtrechtsurkunde für St. Wendel“ interpretiert (diese Fehlinterpretation wirkt weiter, obwohl sie schon zu Müllers Zeiten von Fachleuten als falsch erkannt wurde). St. Wendel wurde im 14. Jahrhundert Stadt, aber eine förmliche Verleihung der Stadtrechte ist nicht bekannt. Balduins Nachfolger, Erzbischof Werner von Falkenstein, ließ 1388 eine 650 Meter lange Mauer rings um die Stadt errichten; den Zugang zur Innenstadt bildete damals ein einziges Tor (heute obere Balduinstraße in Höhe des Salons Bernhard). Zu dieser Zeit lebten etwa 500 Menschen in St. Wendel.

Der heutige Fruchtmarkt war immer schon Marktplatz gewesen; 1440 erhielt er eine Steigerung, als der damalige Erzbischof in Trier den Platz, genannt „Kaff“, der Pfarrei schenkte mit der Maßgabe, dort ein großes Kaufhaus zu errichten; daraus wurde später das erste Rathaus. In den Häusern rund um die Pfarrkirche siedelte sich die mittelständische Bürgerschicht (meist Handwerker und Händler) an. Es bildeten sich Zünfte, die ein Mitspracherecht in der Stadtverwaltung durch die Schöffen erlangten. 1455 entstand das St. Wendeler Hospital als private Stiftung; 1460 wurde unter dem Pfarrherr Nikolaus von Cues die Pfarrkirche fertiggestellt. Mitte des 15. Jahrhunderts war die Einwohnerzahl auf 700 gestiegen.

Im September 1522 erlebte die Stadt die einzige Belagerung ihrer Geschichte durch die Truppen Franz von Sickingens. Nach zwei Tagen Dauerbeschuss auf die Mauer (die aber standhielt) und dreimaligem vergeblichen Sturm durch Sickingens Truppen kapitulierte die kurtrierische Besatzung (60 Reiter). Während Franz nach Trier weiterzog, verblieb sein Sohn Johann in der Stadt. Die Belagerung Triers musste am 14. September erfolglos abgebrochen werden, und Teile des Heeres zogen sich über St. Wendel zurück. Darauf hin erschienen zwei Kompanien trierisches Fußvolk und ein Fähnlein Reiter vor der Stadt und verlangten die Übergabe. In der folgenden Nacht flüchtete Johann von Sickingen durch „eine Bresche in der Stadtmauer“. Diese Stelle, die niemals genau lokalisiert werden konnte, wird heute noch „Sickinger Loch“ genannt (vermutlich gab es dieses Loch in der Mauer gar nicht, da die Mauer nirgends eingestürzt war). An die Belagerung erinnert eine Inschrift und eine eingemauerte Kanonenkugel an einem Strebpfeiler an der Südseite der Wendalinusbasilika, die aber erst 1922 dort angebracht wurde.

1514 und 1589 wurden große Teile der Stadt durch Feuersbrünste in Schutt und Asche gelegt. Fast 50 Jahre später brachten Einquartierungen und Kontributionen (Beiträge zum Unterhalt von Besatzungstruppen) während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) die Stadt an den Rand des Ruins.

Im Französisch-Holländischen Krieg (1672–1697) wurden alle Häuser von französischen Truppen unter dem General Comte de Bissy, dem Nachfolger Turennes, bis auf wenige Ausnahmen niedergebrannt (Lichtmess 1677). Die Stadtmauer wurde geschleift. Auch das alte Rathaus und die kurfürstliche Burg wurden verwüstet.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) wurde die Stadt erneut besetzt und geplündert. Gewerbe und Handel konnten sich lange Zeit nicht mehr erholen. Erst 1714 konnte mit dem Aufräumarbeiten begonnen werden.

Auch im Polnischen Erbfolgekrieg (1733–1736), im Österreichischen Erbfolgekrieg (1741–1748) und im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) marschierten Truppen durch St. Wendel, und es mussten Kontributionen geleistet werden.

Erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts begann die Bürgerschaft wieder aufzuatmen. Die städtebauliche Entwicklung der Stadt war lange gekennzeichnet gewesen durch einen großen Gegensatz zwischen der sehr hohen Wohndichte im mauerumringten Bereich der Altstadt und der geringen Wohndichte außerhalb. Die Stadtmauer verschwand gegen Ende des Jahrhunderts, die Stadt begann sich etwas auszudehnen. Die Gewerbe, vor allem die Woll- und Lederindustrien, lebten von neuem auf. Es gab große Betriebe mit über 100 Webstühlen. Kaufleute aus Saarbrücken und Straßburg deckten hier ihren Bedarf an guten Tüchern, während die Gerbereien ihre Ledererzeugnisse auf die Frankfurter Messe brachten. So bildete sich bald eine wohlhabende Oberschicht, es entstanden zahlreiche prächtige Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude. Der Wendelsdom wurde 1753 mit einer dreistufigen barocken Kuppelhaube versehen. Zudem fanden zahlreiche städtebauliche Maßnahmen statt (zum Beispiel Anlegen von Straßen, Bebauung des Schlossgeländes, Verlegung des Friedhofs von der Basilika vor das Obere Tor der Stadt).

Während der Revolutionskriege hatte St. Wendel ab 1792 unter Plünderung und Einquartierung durch Truppen beider Seiten zu leiden. Die Einführung der Gewerbefreiheit schaffte die alten Zunftordnungen ab, wodurch viele Meister arbeitslos wurden, da es keine Preisbindungen mehr gab und Pfuscher unter Preis arbeiteten. Ab 1798 gehörte der Kanton St. Wendel zum Arrondissement Saarbrücken im Saardepartement. Allmählich kam wieder etwas Wohlstand in die sich langsam, aber stetig ausdehnende Stadt. In der Kelsweilerstraße wurde die untere Stadtpforte abgerissen (1774) und eine Brücke über den Todtbach (1809) sowie in der jetzigen Bahnhofstraße eine Brücke über die Blies gebaut (1820); die Bahnhofstraße in einer frühen Form wurde angelegt. Am 9. Januar 1814 proklamierte Feldmarschall von Blücher in St. Wendel die Wiederaufnahme des freien Handels zwischen dem Saardepartement und dem rechtsrheinischen Gebiet.

1816 erhielt Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld für seine Verdienste in den Befreiungskriegen (gegen Napoleon) die Kantone St. Wendel, Grumbach und Baumholder (zusammen etwa 20.000 Einwohner) zugewiesen. Ab 1819 nannte er dieses Gebiet Fürstentum Lichtenberg, dessen Grenzen sich heute noch weitgehend unverändert in denen des Evangelischen Kirchenkreises St. Wendel wiederfinden. Die herzogliche Regierung war in der Finanz- und Wirtschaftspolitik erfolgreich (im Auftrag des Herzogs, der immer knapp bei Kasse war, versuchte man, die Bevölkerung bis aufs letzte auszupressen, im Gegenzug dafür aber wurden Investitionen unterlassen), doch sie versuchte, die Justiz einer staatlichen Kontrolle zu unterwerfen, in dem sie die Richter und Verwaltungsbeamten in Personalunion besetzte. Das Vertrauen der Lichtenberger in eine unabhängige Rechtsprechung schwand. Nach der Bildung eines Landrates hoffte die Bevölkerung auf eine Mitbestimmung in der Gesetzgebung, Steuerpolitik etc., doch Herzog Ernst entschied in vielen Fällen eigenmächtig, in dem er zum Beispiel den Landrat erst gar nicht mehr einberief. Die Bevölkerung wurde zunehmend unzufrieden, was zu Unruhen führte. Im Zuge der liberalen Bewegung nach dem Hambacher Fest 1832 eskalierten die Auseinandersetzungen. Die Mini-Revolten der Bevölkerung wurden mit Hilfe preußischer Truppen aus Saarlouis niedergeschlagen. 1834 verkaufte der Herzog das Land an das Königreich Preußen. St. Wendel wurde Kreisstadt im Regierungsbezirk Trier, der zur Rheinprovinz gehörte.

Der preußische Staat machte aus St. Wendel einen Garnisonsstandort. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wanderten viele Bürger aus dem St. Wendeler Land nach Amerika aus.

Mitte des 19. Jahrhunderts wuchsen die Stadt St. Wendel und die nahegelegenen Orte Alsfassen und Breiten allmählich zusammen. Die heutige Bahnhofstraße, die nach Niederweiler (im Bereich am heutigen Bahnhof) führte, wurde bebaut und ebenso die Brühl- und die Kelsweilerstraße, die nach Breiten und Alsfassen führten. 1859 schließlich wurden St. Wendel, Alsfassen und Breiten zu der Stadt St. Wendel zusammengeschlossen. Weitere bauliche Maßnahmen: Straßenbeleuchtung, Verlegung des Hospitals in die heutige Hospitalstraße (1818), zweite Friedhofverlegung in die Gemarkung "Sprietacht" in der Werschweilerstraße (1814), Bau der evangelischen Kirche (1841). Die Wirtschaftslage in St. Wendel änderte sich erst 1860 mit der Eröffnung der Rhein-Nahe-Bahn zwischen Bingen und Saarbrücken, wovon die Stadt als Bahnstation und durch den Bau der Eisenbahnwerkstätte profitierte. Damals entstand wieder eine jüdische Gemeinde in St. Wendel. Die Eisenbahnwerkstätte befand sich zuerst gegenüber dem Bahnhof am Tholeyerberg, in den Jahren 1913 bis 1915 wurde sie am Schwarzen Weg, heute Werkstraße, neu errichtet (heute: HIL Heeresinstandsetzungslogistik GmbH).

Missionshaus St. Wendel

1898 begann die 1875 in den Niederlanden gegründete Steyler Missionsgesellschaft (Ordensname: Societas Verbi Divini, SVD) in St. Wendel eine Niederlassung zu errichten; sie kaufte für 350.000 Reichsmark den rund 320 Hektar umfassenden „Langenfelderhof“ (auch "Cettos Hof" genannt) und benannte ihn in "Wendelinushof" um. Vorbesitzer war die damalige Rheinprovinz. Der Hof, dessen Ursprünge auf das 15. Jahrhundert zurückgingen, wurde, neben der Selbstversorgung, eine Ausbildungsstätte für technische und landwirtschaftliche Berufe.

In mehreren Bauabschnitten wurden von 1901 bis 1914 das Missionshaus mit Wohn- und Schultrakten für eine Ausbildung zum Ordensbruder und Ordenspriester errichtet. 1912 wurde die Missionhauskirche vollendet. Über 500 Priester und Brüder wurden hier, bis zur Auflösung und Enteignung durch die Nationalsozialisten, ausgebildet. Von 1941 bis 1945 war das Missionshaus eine Napola, eine Elite-Internatsoberschule für den nationalsozialistischen Führungsnachwuchs. [3]

Um die Jahrhundertwende setzte, als Reaktion auf die Veränderung der Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur, eine umfangreiche Stadterweiterung ein. Dies hatte zur Folge, dass sich zwischen 1910 und 1937 die Wohnbaufläche mehr als verdoppelte. Während der NS-Zeit wurde 1937/38 am westlichen Stadtrand beiderseits der Ausfallstraße nach Winterbach ein großer Kasernenkomplex errichtet; die Eigentümer der benötigten Grundstücke wurden mehr oder minder zwangsenteignet.

Am 19. März 1945 besetzten amerikanische Truppen der Third Army unter General George Patton jr. (10th Armored Division und 80th Infantry Division) die Stadt und richteten unter Captain Stanley R. Jacobs eine vorläufige Militärverwaltung ein. Am 10. Juli 1945 wurde die Stadt von französischen Truppen übernommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte mit dem Wirtschaftswunder noch einmal eine starke Expansion der Wohnbebauung ein. Doch die Rückgliederung an die Bundesrepublik brachte St. Wendel zunächst eine negative Entwicklung, da 1960 mit der traditionsreichen Tabakfabrik Marschall ein großer Arbeitgeber schließen musste. Im Kasernenkomplex an der Tholeyer Straße war von 1951 bis Juli 1999 eine französische Garnison untergebracht.

Trotz aller Kriege war noch in den 1960er Jahren viel historische Bausubstanz im Stadtkern von St. Wendel vorhanden. Unter den Nachkriegsbürgermeistern Franz Josef Gräff und Jakob Feller zerstörten mangelndes Geschichtsbewusstsein und wirtschaftlich orientierte Sanierung jedoch bis Anfang der 1980er Jahre zahlreiche Gebäude. Die Bürgermeister waren als Verfechter der seinerzeit weit verbreiteten Philosophie einer Flächensanierung im Rahmen der Stadtentwicklung bekannt. Während ihrer Amtszeit wurden etliche historisch und städtebaulich wichtige Gebäude in der St. Wendeler Kernstadt abgerissen, um durch moderne Zweckbauten ersetzt zu werden. Dadurch wurde das ursprünglich sehr gut erhaltene Stadtbild im Kernbereich erheblich beschädigt. Spuren der mittelalterlichen Stadt sind nur noch in der Nähe der Wendalinusbasilika zu erkennen.

Von der Flächensanierung war in besonderer Weise der zentrale Platz der Stadt, der Schlossplatz, betroffen. Dort wurde unter Bürgermeister Klaus Bouillon auf der Nordseite die gesamte alte Häuserfront abgerissen und durch historisierende, moderne Bauten ersetzt, die nur in Teilen die ursprüngliche Häuserfront abbilden. Dies bewirkte einen erheblichen Verlust an Authentizität des Platzes.

St. Wendel hat durch die Gebietsreform von 1974, bei der mehrere Dörfer im Umland zum Stadtgebiet gezogen wurden, heute rund 27.000 Einwohner.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörten die heutigen Orte der Stadt zu unterschiedlichen Herrschaften: Fürstbistum Trier, Nassau-Saarbrücken, Pfalz-Zweibrücken; die ehemals naussauischen und pfälzischen Orte sind bis heute überwiegend evangelisch geprägt. Von 1816 bis 1834 gehörte St. Wendel zum Fürstentum Lichtenberg, das dem Herzogtum Sachsen-Coburg unterstand, und anschließend zu Preußen, in dessen Rheinprovinz das Gebiet als Landkreis St. Wendel eingegliedert wurde. Seit 1947 gehören die bis dahin bayerisch-pfälzischen Orte Osterbrücken, Hoof, Niederkirchen, Marth, Saal und Bubach (Landkreis Kusel) zum Landkreis St. Wendel und kamen mit der kommunalen Neugliederung 1974 zur Stadt St. Wendel.

Im Zuge der Umwandlung des Kasernengeländes wurden die Gebäudekomplexe der ehemaligen Kasernen baulich sehr verändert. Der südliche Teil der Kasernen wurde zur Erweiterung des angrenzenden Gewerbegebietes. Auf dem angrenzenden Standortübungsplatz wurde ein zum Verbundsystem der Golfanlagen Weiland gehöriger Golfplatz angelegt.

Am 1. Dezember 2000 wurde der Name Sankt Wendel offiziell in St. Wendel geändert.[4]

Religionen[Bearbeiten]

alter Judenfriedhof in St. Wendel

Während das obere Bliestal inkl. des Hauptorts St. Wendel überwiegend katholisch ist (bis 1784 durften im kurtrierischen Amt St. Wendel nur Katholiken siedeln), weist das weitere Bliestal etwa gleich starke evangelische und katholische Anteile auf. Das Ostertal ist vorwiegend evangelisch geprägt. Im Gebiet der Kernstadt gibt es die beiden katholischen Kirchengemeinden St. Wendelin und St. Anna (die mit anderen katholischen Pfarreien der umliegenden Orte 2011 zu einer Pfarreiengemeinschaft zusammengeschlossen werden) sowie die evangelische Kirchengemeinde. Juden sind in St. Wendel schon im 14. Jahrhundert nachweisbar.[5] Nach ihrer Vertreibung durch den Trierer Erzbischof Otto von Ziegenhain (1418–1430) dauerte es bis 1861 (Samuel Daniel), bis sich hier wieder Juden niederließen. Die jüdische Gemeinde existierte bis zur Zeit des NS-Regimes. Ihre Synagoge (erbaut 1902) befand sich in der Kelsweilerstraße; sie wurde 1938 in Brand gesteckt und 1943 endgültig abgerissen. An der Landstraße nach Baltersweiler an der Abzweigung Elsenbach (Urweiler) befindet sich – schon auf Urweiler Bann – der alte Judenfriedhof der Stadt.

In der Gregor-Wolf-Straße befindet sich eine Kapelle der Neuapostolischen Kirche.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Einwohner[Bearbeiten]

(jeweils zum 31. Dezember)

  • 1979: 28.431
  • 1983: 28.211
  • 1998: 27.324
  • 1999: 27.174
  • 2000: 27.303
  • 2001: 27.296
  • 2002: 27.246
  • 2003: 27.068
  • 2004: 27.106
  • 2005: 27.085
  • 2006: 26.967
  • 2008: 26.582
  • 2010: 26.208
  • 2011: 26.074
  • 2012: 25.977

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 63,4 %
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
62,6 %
22,2 %
8,2 %
3,6 %
3,5 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-2,9 %p
-5,0 %p
+8,2 %p
+0,6 %p
-0,8 %p

Stadtrat[Bearbeiten]

Bei den Kommunalwahlen am 7. Juni 2009 ergab sich folgendes Ergebnis: Vorläufiges amtliches Ergebnis:

Stimmen 2009 Stimmen 2004 Differenz
Anzahl Prozent Anzahl Prozent
Wahlberechtigte 22.102 100,0 22.110 100,0
Wähler 14.019 63,4 13.473 60,9 + 2,5 %
Ungültige 285 2,0 596 4,4 - 2,4 %
Gültige 13.734 98,0 12.877 95,6 + 2,4 %
CDU 8.593 62,6 8.437 65,5 - 3,0 %
SPD 3.043 22,2 3.503 27,2 - 5,0 %
Grüne 483 3,5 550 4,3 - 0,8 %
FDP 488 3,6 387 3,0 + 0,6 %
Die Linke 1.127 8,2 + 8,2 %

Traditionell ist die CDU im Stadtgebiet stärkste Kraft. Sie regierte bisher, mit Ausnahme des Wahljahres 1956 (41,3 %), immer mit absoluter Mehrheit.

Ortsrat[Bearbeiten]

Für den Ortsrat St. Wendel (Kernstadt) ergab sich folgendes amtliches Endergebnis:

  • CDU 75,7 % (10 Sitze)
  • SPD 24,3 % (3 Sitze)
Klaus Bouillon beim Stadtmarathon 2007

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1835–1869: Carl Wilhelm Rechlin,
  • 1869–1893: Carl August Theodor Müller,
  • 1894–1918: Karl Alfred Friedrich,
  • 1919–1920: Heinrich Mettlich,
  • 1921–1935: Emil Flory,
  • 1935–1945: Kurt Eichner, NSDAP
  • 1946–1956: Jakob Fuchs, CVP
  • 1956–1974: Franz Gräff, CDU
  • 1974–1982: Jakob Feller, CDU
  • 1983-2014: Klaus Bouillon, CDU
  • 2014: Peter Klär (kommissarisch), CDU

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

St. Wendel besitzt eine gute Verkehrsanbindung in Nord-Südrichtung. Parallel zur Blies (bzw. Richtung Nord zur Nahe) verlaufen die B 41 und auch die Eisenbahnstrecke 680 in Richtung Birkenfeld und Idar-Oberstein (Nord) bzw. Neunkirchen (Saar) (Süd). Sowohl die Bundesstraße als auch die Eisenbahnstrecke verlaufen weiter bis Bad Kreuznach bzw. Saarbrücken. Die B 41 durchquert das Stadtgebiet kreuzungsfrei als Kraftfahrstraße. Im Stadtgebiet gibt es fünf Anschlussstellen (von Süd nach Nord: St. Wendel-Niederlinxweiler, -Oberlinxweiler, -City, -Winterbach, -Alsfassen). Zwischen den Anschlussstellen Niederlinxweiler und City ist sie dreispurig ausgebaut. In St. Wendel stößt, von Lebach kommend, die B 269 auf die B 41 (an der Anschlussstelle Winterbach) und verläuft gemeinsam mit ihr bis Birkenfeld. Am südöstlichen Rand des Stadtgebietes verbindet die B 420 die Stadt Ottweiler mit der angrenzenden Pfalz.

Wendalinus-Radweg, Anfang bei St. Wendel
Wendalinus-Radweg, Anstieg bei Tholey

Straße[Bearbeiten]

Die nächsten Autobahnen sind von St. Wendel aus jeweils etwa 20 Auto-Minuten entfernt.

Bahn[Bearbeiten]

Nahetalbahn: In St. Wendel halten alle Züge bestehend aus Regionalexpressen und Regionalbahnen. Somit ist eine stündliche Verbindung über die Nahestrecke ins Rhein-Main-Gebiet sowie drei stündliche Verbindungen in die Landeshauptstadt Saarbrücken gewährleistet. Die nächsten Halte der Regionalexpresse sind Türkismühle bzw. Ottweiler. In Richtung Türkismühle enden sie in Mainz Hbf oder Frankfurt am Main Hbf, in Richtung Ottweiler in Saarbrücken Hbf. Neben St. Wendel gibt es noch Haltepunkte in Ober- und Niederlinxweiler, an denen jedoch nur gelegentlich Regionalexpresse halten.

Ostertalbahn: Die St. Wendeler Stadtteile Dörrenbach, Werschweiler, Niederkirchen, Marth und Osterbrücken haben Haltepunkte an der nach Schwarzerden führenden Ostertalbahn. Auf dieser Nebenbahnstrecke wird heute vorwiegend touristischer Museumsbahnbetrieb und sporadisch Güterverkehr abgewickelt.

Bahnstrecke St. Wendel–Tholey: Von St. Wendel aus führte seit 1915 eine einspurige Eisenbahnstrecke über den Stadtteil Bliesen und Oberthal nach Tholey, deren geplante Fortführung bis Lebach unerledigt blieb. 1984 wurde der Personenverkehr auf dieser Strecke eingestellt. Zuerst wurde das Teilstück von Oberthal nach Tholey stillgelegt, später der Rest der Strecke, auf dem noch Güterverkehr stattgefunden hatte.

Mittlerweile ist die gesamte Strecke von St. Wendel bis Tholey zu einem asphaltierten Rad- und Wanderweg ausgebaut, dem Wendalinus-Radweg.

Luftverkehr[Bearbeiten]

Durch die relativ hohe Dichte an Verkehrsflughäfen in der Region ist St. Wendel von vier Flughäfen etwa gleich weit entfernt.

Bis zum internationalen Flughafen Frankfurt am Main beträgt die Entfernung 159 km. Für die Allgemeine Luftfahrt existiert in der Nachbargemeinde Marpingen der Flugplatz Marpingen.

Ortsansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • Industrie: Medizintechnik (Fresenius Medical Care), Elektronik, HIL Heeresinstandsetzunglogistik GmbH (vorher: Systeminstandsetzungszentrum)
  • Manufaktur: Stamer Gruppe mit den Firmen Stamer Musikanlagen GmbH und Music&Sales und den Marken Hughes&Kettner, HK Audio und MindPrint: Gitarrenverstärker, Beschallungssysteme.
  • Handel: Sitz der Globus SB-Warenhaus Holding, deren Gründer Franz Bruch (1801-1865) aus Zweibrücken stammte. Er lernte den Kaufmannsberuf bei der St. Wendeler Kaufmannsfamilie Cetto und übernahm 1829 deren Geschäft. Daraus entstanden 150 Jahre später die Globus-Betriebe.

Gerichte[Bearbeiten]

St. Wendel verfügt über ein Amtsgericht, das zum Landgerichts- und OLG-Bezirk Saarbrücken gehört.

Schulen[Bearbeiten]

Allgemeinbildende Schulen[Bearbeiten]

  • Grundschulen: Nikolaus-Obertreis-Schule, Grundschule Bliesen, Grundschule Oberlinxweiler, Grundschule Niederkirchen
  • Gemeinschaftsschule: Erweiterte Realschule St. Wendel
  • Gymnasien: Arnold-Janssen-Gymnasium, Cusanus-Gymnasium, Gymnasium Wendalinum
  • Volkshochschule der Stadt St. Wendel
  • Volkshochschule des Landkreises St. Wendel

Berufsbildende Schulen und Fachschulen[Bearbeiten]

  • Dr. Walter Bruch-Schule mit dem Kaufmännischen Berufsbildungszentrum des Landkreises St. Wendel, dem Sozialpflegerischen Berufsbildungszentrum des Landkreises St. Wendel und dem Technisch-Gewerblichen Berufsbildungszentrum des Landkreises St. Wendel.
  • Fachschule für Altenpflege
  • Fachschule für Krankenpflege
  • Berufsfachschule für Kosmetik und medizinische Fußpflege
  • Fortbildungsakademie der Wirtschaft
  • Musikschule im Landkreis St. Wendel e. V.
  • Fun Music School
  • Saar-Technikum HTL, Staatlich anerkannte Ersatzschule, Fachschule für Technik, Fachrichtungen: Maschinen-, Elektro- und Bautechnik

Förderschulen[Bearbeiten]

  • Helene Demuth Schule, Förderschule Lernen des Landkreises St. Wendel, Sonderpädagogisches Förderzentrum
  • Wingertschule, Förderschule soziale Entwicklung

Kindergärten[Bearbeiten]

  • Kinderhaus St. Wendelin (Stiftung HOSPITAL)
  • Kindertagesstätte Rasselbande e. V.
  • Ev. Kindergarten Niederkirchen
  • Ev. Kindergarten Niederlinxweiler
  • Kath. Kindergarten Niederlinxweiler
  • Kath. KiTa St. Remigius
  • Kindertageseinrichtung St. Anna
  • Kindertagesstätte Winterbach
  • Protestantischer
  • Städtischer
  • Lebenshilfe St. Wendel
  • Waldorfkindergarten

Feuerwehr[Bearbeiten]

Die St.Wendeler Feuerwehr ist eine Freiwillige Feuerwehr. Sie wurde 1865 gegründet. Am 16. Dezember 1978 wurde die Feuerwache an ihrem derzeitigen Standort eingeweiht. Am 11. Mai 1983 wurde die Kreiseinsatzzentrale eröffnet und alarmierte bis zur Übergabe an die Integrierte Leitstelle in Saarbrücken am 30. Januar 2014 Einheiten der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes im gesamten Landkreis. Die Feuerwehr leistet auch überörtliche Hilfe – sie deckt den Brandschutz für 16 Ortschaften ab und übernimmt mit Sonderfahrzeugen Aufgaben im gesamten Kreis.[7]

Kultur[Bearbeiten]

Museen

  • Stadtmuseum St. Wendel im Mia Münster Haus. In dem Museum, entworfen von dem renommierten Architekten Hanns Schönecker, werden jährlich etwa 5 Wechselausstellungen mit Werken von Künstlerinnen und Künstlern gezeigt, die in irgendeiner Weise mit dem Saarland „zu tun“ haben (zum Beispiel Bildhauer, die sich an der Straße der Skulpturen (siehe unten) beteiligt haben, oder Professoren der Kunsthochschule Saarbrücken, aber auch regional bekannte Künstler). Außerdem gibt es eine ständige Ausstellung von Werken der St. Wendeler Künstlerin Mia Münster und eine stadtgeschichtliche Abteilung mit unter anderem Wissenswertem zum Volksheiligen Wendelinus, Namensgeber der Stadt St. Wendel. Aber der Akzent liegt auf der Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts: Werke des Pastellmalers Nikolaus Lauer, die tragische Geschichte der Herzogin Luise von Sachsen-Coburg und Gotha, Stammmutter der Windsors (Mutter des Prinzen Alberts, Ehemann der Königin Victoria von Großbritannien), Musik des in St. Wendel geborenen Komponisten Philipp Jakob Riotte, der zu seiner Zeit fast bekannter war als Mozart.
  • Missions- und völkerkundliches Museum (Steyler Missionare)
  • Heimatmuseum in Dörrenbach. In dem kleinsten St. Wendeler Stadtteil Dörrenbach ist ein Museum für dörfliche Alltagskultur eingerichtet, das die Lebensweise der früheren bäuerlichen Dorfbevölkerung dokumentiert.

Kulturelle Projekte / Veranstaltungen

Leo Kornbrust
Teil der Skulpturenstraße bei Namborn
  • Straße der Skulpturen (St. Wendel). 1971 initiierte der St. Wendeler Bildhauer Leo Kornbrust das mittlerweile europaweit bekannte „Internationale Steinbildhauersymposion St. Wendel“, in dessen Verlauf zahlreiche Großplastiken internationaler Künstler/innen entstanden. 1979 wurden diese und weitere neue Großplastiken im natürlichen Umfeld der „Damra“ zu einer „Straße der Skulpturen“ angeordnet, die Kornbrust als Hommage an den von ihm verehrten Künstlers Otto Freundlich und dessen Idee einer „Straße des Friedens“ verstanden wissen wollte. Einer der bekanntesten und international renommiertesten Teilnehmer war der österreichische Künstler und Ideengeber für das Konzept der Skulpturenstraßen Karl Prantl.
  • Wendelswoche. Ab etwa dem 11. Jahrhundert pilgern Anfang Oktober zahlreiche Gläubige zum Grab des heiligen Wendalinus in der Wendalinusbasilika. Parallel zur Wallfahrt entstand der Wendelsmarkt, der zentrale Markt der gesamten Umgebung für Vieh, Kleidung und Gebrauchsgegenstände. Die Wendelswoche bildet den traditionellen Höhepunkt der ganzjährigen Verehrung des Volksheiligen.
  • Oster- und Weihnachtsmarkt. Seit einigen Jahren veranstaltet die Stadtverwaltung die beiden Märkte, die sich beim Publikum inzwischen über die Landesgrenze hinaus einen guten Ruf erworben haben, da sie sich im Gegensatz zu zahlreichen kommerziellen Märkten einen eigenständigen, lebendigen Charakter bewahrt haben.
  • WND JAZZ. Jährlich im September findet ein internationales Jazz-Festival statt, dessen Besonderheit das Zusammentreffen der einheimischen Jazz-Szene mit international renommierten Stars ist.
  • Internationaler Wettbewerb der Straßenzauberer. Jährlich Mitte August treffen sich an einem Wochenende internationale Straßenzauberer zu einem Wettbewerb auf drei Aktionsflächen in der Innenstadt. Den Abschluss bildet am Sonntagabend eine große Open-Air-Gala, bei der die Sieger auftreten.
  • Open-Air-Galerie St. Wendel. Zahlreiche Wandfassaden an Häusern der Stadt zieren klassische Motive von Künstlern wie Albrecht Dürer, August Macke, Salvador Dalí und Jan Vermeer. Die Fassadengemälde sind Teil einer Open-Air-Galerie, die die beiden einheimischen Künstler Klaus Riefer und Christof Thome geschaffen haben.[8]

Sport[Bearbeiten]

St. Wendel war Veranstalter der Cyclocross-Weltmeisterschaften 2005 und 2011.

Über die Grenzen Deutschlands hinaus wurde St. Wendel durch die Motorradrennen von 1950–1964 bekannt, bei der alle Motorradweltmeister der damaligen Zeit an den Start gingen.

Darüber hinaus richtete St. Wendel die Dreiband-Weltmeisterschaft 2006 und 2008 aus.

Seit 2007 findet jährlich der St.-Wendel-Marathon statt.

Seit 2011 findet jährlich ein international beachtetes World Class Meeting der Werfer-Elite in der Leichtathletik statt.[9]

Ebenfalls bekannt ist St. Wendel wegen der fast jährlich stattfindenden Supermoto-Veranstaltungen auf der Wendelinuspark-Rennstrecke.

Gastronomie[Bearbeiten]

Felsenmühle im Winter

Vermutlich ältestes Gasthaus ist das Restaurant „Zum Ochsen“, dessen Entstehungsgeschichte als Gaststätte bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts reichen soll; tatsächlich wird in alten Urkunden aus dem Jahre 1637 ein Gasthaus „Zum Ochsen“ genannt. Für den Restaurantbetrieb wurde das Ambiente der alten Metzgerei beibehalten.

Aus dem gleichen Jahrhundert stammt das Gebäude der „Felsenmühle“ im Ortsteil Alsfassen. Auch es wurde zu einem Restaurantbetrieb mit Original-Ausstattungen aus früheren Jahrhunderten ausgebaut.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Wendalinusbasilika
Die viermanualige Klais-Orgel der Wendelinusbasilika
Blick über den Schlossplatz auf die evangelische Kirche
Die zweimanualige Vier-Orgel der evangelischen Stadtkirche St.Wendel
Blick über den Schlossplatz auf das Rathaus
Altes Rathaus

Park / Grünflächen[Bearbeiten]

Schwimmbäder[Bearbeiten]

  • Hallenbad

Das Wendelinusbad, ein Hallenbad-Neubau im Konversionsgelände Wendelinuspark, öffnete am 19. März 2008 für den allgemeinen Schwimmbetrieb. Das Wendelinusbad ist ein Familienbad mit 25 Meter Schwimmbecken, Lehrschwimmbecken und Wassergewöhnungs-Bereich für Säuglinge und Kleinkinder.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Wendelin (6.–7. Jahrh.), legendärer Stadtpatron
  • Franz Ernst von Hame (* 27. Juli 1699; † 11. Februar 1770), kurtrierischer Amtmann, Hofrath und Stadtschultheis
  • Nikolaus Lauer (* 21. Juli 1753; † 29. April 1824), Porträtmaler (Pastell) und Begründer einer Malerschule in St. Wendel
  • Wilhelm Joseph Castello (* 16. November 1758 Kastellaun; † 24. April 1830 Trier), katholischer Priester in St. Wendel; Modernisierer der hiesigen Volksschulen
  • Pierre Antoine François Huber (* 20. Dezember 1775; † 26. April 1832), französischer Brigadegeneral unter Napoléon Bonaparte, Baron d´Empire. Sein Name wurde an der Westseite des l´Arc de Triomphe de l´Étoile in Paris verewigt.
  • Philipp Jakob Riotte (* 17. August 1776; † 20. August 1856), Komponist und Kapellmeister
  • Johannes Steininger (* 19. Januar 1794; † 11. Oktober 1874 Trier), Historiker, Geologe, Lehrer von Karl Marx am Gymnasium zu Trier
  • Carl Philipp Cetto (* 31. Mai 1806; † 31. März 1890), Politiker und Unternehmer
  • Nikolaus Hallauer (* 8. Dezember 1803; † 14. November 1887 Metz), Rechtsanwalt und Hambacher, Beteiligter am „Aufruhr” von 1832, der zum Verkauf des Fürstentums Lichtenberg an Preußen führte
  • Helene Demuth (* 31. Dezember 1820; † 4. November 1890), Haushälterin und (mit Friedrich Engels) Nachlassverwalterin von Karl Marx
  • Nicola Marschall (1829–1917), deutsch-amerikanischer Künstler, hat die erste Flagge der Südstaaten, die „Stars and Bars“, entworfen
  • Anton Adolph Schmoll genannt Eisenwerth (1834–1918), Architekt
  • Marie Brugger (* 23. März 1860; † ?), Schriftstellerin
  • João Batista Becker (* 24. Februar 1870 in Winterbach; † 15. Juni 1946), deutsch-brasilianischer Prälat der römisch-katholischen Kirche und Erzbischof von Pôrto Alegre
Siegmund Nimsgern

Literatur[Bearbeiten]

  • Julius Bettingen: Geschichte der Stadt und des Amtes St. Wendel, St. Wendel 1865.
  • Max Müller: Die Geschichte der Stadt St. Wendel. Von ihren Anfängen bis zum Weltkriege. St. Wendel 1927.
  • Nikolaus Obertreis: Stadt und Land des Hl. Wendalin. Ein Heimatbuch für Schule und Haus. Saarbrücken 1927.
  • St. Wendel – 650 Jahre Stadt. Hg. von der Kreisstadt St. Wendel. St. Wendel 1982.
  • Rudolf Kretschmer: Geschichte der Stadt St. Wendel 1914–1986, St. Wendel 1986.
  • Elmar Landwehr: Die Geschichte der CASINO-Gesellschaft zu St. Wendel von 1855–1935. St. Wendel 1999.
  • St. Wendel. Das neue Bild einer alten Stadt; hg. von der Kreisstadt St. Wendel; im Eigenverlag der Stadt St. Wendel, 1992.
  • Georg Lauer, Franz J. Gräff: St. Wendel – Alte Bilder erzählen, Sutton Verlag, Erfurt 2000, ISBN 3-89702-202-8.
  • Werner Prawdzik, Karsten Mayer, Leo Bach: Hundert (100) Jahre Missionshaus St. Wendel. 1898–1998. Kirche, Kunst, Künstler, Steyler, Nettetal 2001, ISBN 3-8050-0425-7.
  • Reimund Benoist, Günter Stoll und andere: Familienchronik für Dörrenbach, Werschweiler und Wetschausen (1672–2002). Die Dürrenbacher Pfarrer und ihre Familien (1364–2002), Pirrot, St. Wendel 2002, ISBN 3-930714-82-5.
  • Georg Lauer: St. Wendel in alten Ansichten, Sutton Verlag, Erfurt 2004, ISBN 3-89702-764-X.
  • Roland Geiger u. Gerd Schmitt: Alsfassen und Breiten – Beiträge zur Ortsgeschichte, St. Wendel 2004.
  • Manfred Peter: Der heilige Wendelin – Die Geschichte eines faszinierenden Lebens, Verlag Burr, Otzenhausen 2005, ISBN 3-9806866-5-5.
  • Roland Geiger: St. Annenbronn – Die Geschichte der ehemaligen St. Annenkapelle im Bereich des heutigen Golf-Kurzplatzes (Tee 2), St. Wendel 2005.
  • Roland Geiger: Spaziergang durch St. Wendel, St. Wendel 2005 (das Heft zur Stadtführung).
  • Roland Geiger: Erhielt St. Wendel 1332 Stadtrechte?, St. Wendel 2007.
  • Roland Geiger: St. Wendel – eine bedeutende Stadt, Aktuelles und Historisches in und um St. Wendel, St. Wendel 2010
  • Roland Geiger: Die alte Stadt, St. Wendel 2011 (St. Wendel erkundet anhand einer alten Karte von 1900).
  • Roland Geiger: Die Magdalenenkapelle, St. Wendel 2011 (Geschichte des ältesten Gebäudes in St. Wendel).
  • Roland Geiger: Wie die Zeit vergeht. St. Wendel damals und heute, St. Wendel 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Wendel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Saarland.de – Fläche und Bevölkerung – Stand: 31.12.2013 (Basis Zensus 2011) (PDF; 0,03 MB) (Hilfe dazu)
  2. Rhein-Zeitung: Klaus Bouillon wird saarländischer Innenminister, 4. November 2014
  3. Werner Prawdzik SVD, (Hrsg.) 100 Jahre Missionshaus St. Wendel. 1898-1998, Bd. 2, Nettetal 2000
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2000
  5. Stephan Molitor: Zur Geschichte der Juden im spätmittelalterlichen St. Wendel. In: Damit es nicht vergessen wird. Beiträge zur Geschichte der Synagogengemeinden des Kreises St. Wendel (=Veröffentlichungen des Adolf-Bender-Zentrums e.V. 1), hrsg. von Michael Landau. St. Wendel 1988, S. 31-44.
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 810.
  7. Homepage Freiwillige Feuerwehr St. Wendel, Menüpunkt „Allgemein“ (aufgerufen am 25. April 2009)
  8. ipunkt-wandart.com
  9. Sportportal. unter Sankt-Wendel.de. Abgerufen am 10. August 2012.

Koordinaten[Bearbeiten]

  1. Freibad Sankt Wendel 49° 27′ 45″ N, 7° 11′ 4″ O49.4623797.184415