Staatliche Bibliothek Neuburg an der Donau

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Staatliche Bibliothek Neuburg an der Donau
Gründung 1803
Bestand 54.000 Bände
Bibliothekstyp wissenschaftliche Regionalbibliothek
Ort Neuburg an der Donau
ISIL DE-150
Leitung Gerhard Robold
Website www.sbnd.de/
Die Staatliche Bibliothek Neuburg an der Donau. Das 1730/31 als Betsaal der „Bruderschaft zur schmerzhaften Mutter Gottes unterm Kreuz“ nach Plänen von Franz Moritz von Loew erbaute Gebäude wird seit 1804 als Bibliothek genutzt.

Die Staatliche Bibliothek Neuburg an der Donau (SBND) ist die Regionalbibliothek des Freistaates Bayern für den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen.

Als wissenschaftliche Bibliothek steht sie allen Interessenten aus der Region für wissenschaftliche Zwecke sowie der beruflichen Arbeit und der Fortbildung zur Verfügung.

Zum Sammelauftrag der Bibliothek gehört die Beschaffung, bibliografische Erschließung und Archivierung von Publikationen über den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen (bzw. die ehemaligen Landkreise Neuburg und Schrobenhausen) und das Herzogtum Pfalz-Neuburg.

Bestand und Nutzung[Bearbeiten]

Die Bibliothek verfügt über einen Bestand von ca. 53.500 Medien, davon ca. 35.000 Bände gedruckter Altbestand mit Erscheinungsjahr bis 1900, über 8.500 Non-Book-Materialien und knapp 200 laufend gehaltene Zeitschriften und Zeitungen. Der jährliche Zugang beträgt rund 500 Medien. Die Bibliothek stellt 12 Lese- und Arbeitsplätze, davon 3 Computerarbeitsplätze mit Internetzugang.

Kongregationssaal[Bearbeiten]

Im ehemaligen Kongregationssaal der Marianischen Männerkongregation, in deren früherem Gebäude die Bibliothek untergebracht ist, ist die Einrichtung der Klosterbibliothek des ehemaligen Zisterzienserklosters Kaisheim aus der Zeit um 1730 eingebaut. Dort ist auch ein Teil der Altbestände aufgestellt.

Alte Drucke und Rara[Bearbeiten]

Die Neuburger Buchbestände stammen größtenteils aus den Klöstern Kaisheim (Zisterzienser), Obermedlingen (Dominikaner), Maria Mödingen (Dominikanerinnen). Weitere Bestände entstammen den Klöstern Oberalteich, Niederalteich, Pielenhofen, Dietramszell und Raitenhaslach sowie Bestände der ehemaligen Neuburger Hofbibliothek. Hinzu kamen 1822 rund 10.000 Bände aus dem einstigen Jesuitenkolleg Neuburg.

Besonders zahlreich sind Bestände aus den Fachgebieten Theologie, Allgemeine Geschichte, Kirchengeschichte, Historische Hilfswissenschaften, sowie Geographie (insbesondere Reisebeschreibungen), Jurisprudenz, Philosophie, Philologie und Naturwissenschaften vertreten.

Darüber hinaus besitzt die Bibliothek 440 Inkunabeln und als einen kostbaren Sonderbestand die Bibliothek des berühmten Augsburger Humanisten Hieronymus Wolf mit ca. 600 Bänden. Aus der ehemaligen Bibliothek des Neuburger Pfalzgrafen und späteren Kurfürsten Ottheinrich befinden sich 26 sehr wertvolle Bände im Bestand.

Unter all diesen wertvollen Beständen befinden sich Drucke, die nur einmal in Deutschland vorhanden sind.

Elektronische Bibliothek[Bearbeiten]

Der Neuburger Katalog (InfoGuide) enthält über 192.000 Titeldaten (Stand: 28. Dezember 2012) – darunter über 87.000 E-Medien (E-Journals im Volltext, E-Books und Online-Datenbanken sowie knapp 13.000 Digitalisate) - mit Bestandsnachweisen der am Neuburger Verbund beteiligten Bibliotheken (Anzahl der Medieneinheiten):

  • Staatliche Bibliothek: 48.170 (2009 - 2014: Retrokonversion des Altbestands)
  • Bibliothek des Stadtarchivs: 230
  • Bibliothek des Descartes-Gymnasiums: 22.423
  • Bibliothek der Ernst-Toller-Gesellschaft: 1.235 (vollständig)
  • Bibliothek des Historischen Vereins: 8.840
  • Bibliothek des Studienseminars: 5.661

Insgesamt sind 86.559 Medieneinheiten verzeichnet. Die Benutzung erfolgt ausschließlich über die Staatliche Bibliothek.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Zuge der Säkularisation wurden in Bayern zahlreiche regionale Bibliotheken gegründet, wie z. B. im oberpfälzischen Amberg. So wurde ein Vorschlag der Landschaft der Provinz Neuburg von 1802 aufgegriffen, und am 28. April 1803 die damalige Provinzialbibliothek Neuburg als zentrale Bibliothek für Schulen und Verwaltung durch Kurfürst Max IV. Joseph gegründet.

Wegen eklatanter Raumnot und der daraus resultierenden unsachgemäßen Unterbringung ließ das Königliche Ministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten im März 1909 insgesamt 134 Handschriften und 88 Inkunabeln dauerhaft an die Königliche Hof- und Staatsbibliothek nach München überführen.

1975 Außenrenovierung des Bibliotheksgebäudes. 1979/84 Um- und Ausbau (Magazin mit Kompaktregalanlage und Lesesaal) sowie Innenrenovierung des Gebäudes einschließlich des historischen Bibliothekssaals. In dieser Zeit eingeschränkter Betrieb in den Räumen des einstigen Staatsarchivs Neuburg. 1985 offizielle Wiedereröffnung.

Seit 1985 Teilnahme am Bibliotheksverbund Bayern (BVB). 1993 Erweiterung der Öffnungszeiten von 10 auf 14 Wochenstunden (bei 1,5 Planstellen für die gesamte Bibliothek). Kooperation mit wissenschaftlichen Bibliotheken Neuburger Institutionen: Descartes-Gymnasium (seit 1994), Historischer Verein, Ernst-Toller-Gesellschaft, Studienseminar (jeweils seit 1997). 2003 Gründung des Vereins Freunde und Förderer der Staatlichen Bibliothek (Provinzialbibliothek) Neuburg an der Donau. 2004/05 Einführung des lokalen Bibliothekssystems SISIS-Sunrise von OCLC PICA.

Leitung[Bearbeiten]

Ehrenamtliche Leitung (1803–1975)[Bearbeiten]

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Nebenamtliche Leitung (1976–2002)[Bearbeiten]

  • Hermann Köstler (1976–1977)
  • Ernst R. Hauschka (1978–1988)
  • Helga Unger (1988–2002)

Örtliche Leitung (1983–2002)[Bearbeiten]

  • Christian Oertel (1983–1984)
  • Rüdiger May (1985–1988)
  • Ralph Zaffrahn (1989–1992)
  • Gerhard Robold (1992–2002)

Hauptamtliche Leitung (seit 2003)[Bearbeiten]

  • Gerhard Robold (seit 2003)

Literatur[Bearbeiten]

  • Bettina Wagner (Hrsg.): Bibliotheken in Neuburg an der Donau. Sammlungen von Pfalzgrafen, Mönchen und Humanisten. Harrassowitz, Wiesbaden 2005, ISBN 3-447-05197-3
  • Gerhard Robold und Helga Unger: Die Staatliche Bibliothek Neuburg an der Donau. Information durch Kooperation. In: BFB 27 (1999), S. 225 - 239
  • Rüdiger May: Neuburg (Donau) 1. Staatliche Bibliothek (Provinzialbibliothek). In: Bernhard Fabian (Hrsg.): Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Bd. 12. Bayern I - R, hrsg. v. Eberhard Dünninger. Olms-Weidmann, Hildesheim 1996, ISBN 3-487-09586-6
  • Gerhard Robold (Red.): Hans Kilian. Buchdrucker im Dienste Ottheinrichs und der Reformation. Ausstellung der Staatlichen Bibliothek (Provinzialbibliothek) vom 9. September bis 30. Oktober 1994 in der Städtischen Galerie im Rathausfletz, Neuburg an der Donau. Bickel, Schrobenhausen 1994, ISBN 3-922803-82-2
  • Edgar Lehmann: Klosterbibliothek Kaisheim, in: Bibliotheksräume der deutschen Klöster in der Zeit des Barock, Katalog, Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 1996, S. 454 - 457, ISBN 978-3871571725
  • Franz Xaver Portenlänger: Das Kaisheimer Bibliotheksgestühl in der Provinzialbibliothek zu Neuburg a.d. Donau, in: Neuburger Kollektaneenblatt, Jb. 191, 1978, S. 71 - 114

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Staatliche Bibliothek Neuburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.73742911.177937Koordinaten: 48° 44′ 14,74″ N, 11° 10′ 40,57″ O