Staatliche Graphische Sammlung München

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Staatliche Graphische Sammlung)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Staatliche Graphische Sammlung in München gehört zu den wichtigsten Grafik-Sammlungen der Welt und ist neben den Kupferstichkabinetten von Berlin und Dresden die bedeutendste Einrichtung dieser Art in Deutschland. Sie beherbergt einen Bestand von über 400.000 Blatt aller Epochen der Zeichenkunst und Druckgraphik vom 15. Jahrhundert bis zur Moderne.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge der Sammlung gehen auf das 1758 gegründete Kupferstich- und Zeichnungskabinett des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz im Mannheimer Schloss zurück. 1794 wurde es vor der anrückenden französischen Armee in Sicherheit gebracht und nach München überführt. Während der Säkularisation 1803 konnte der Bestand erheblich vergrößert werden. 1839 wurden erstmals Teile der Sammlung als Kupferstich-Kabinett in der Alten Pinakothek der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1874 erhielt das Kabinett den Status eines selbstständigen Museums und wurde 1905 in Königliche Graphische Sammlung umbenannt. 1917 Umzug in die Neue Pinakothek, wo die Sammlung bis 1944 untergebracht war. Nach der Zerstörung dieses Gebäudes im Zweiten Weltkrieg und den dadurch erlittenen Verlusten wurde sie 1949 provisorisch als Staatliche Graphische Sammlung im Münchner Haus der Kulturinstitute in der Katharina-von-Bora-Straße 10 untergebracht, wo sie sich noch heute befindet. Der geplante Umzug in einen Neubau wurde 2005 auf unbestimmte Zeit verschoben. 2002 erhielt die Graphische Sammlung eigene Ausstellungsräume in der neu erbauten Pinakothek der Moderne. Im Jahr 2008 feierte die Einrichtung mit einer umfangreichen Sonderausstellung ihren 250. Geburtstag.

Direktor der Staatlichen Graphischen Sammlung München ist derzeit Michael Semff.

Bestand[Bearbeiten]

Die Graphische Sammlung besitzt 350.000 Druckgraphiken und 45.000 Zeichnungen, darunter sind Werke folgender Künstler:

Gebrüder Asam; Georg Baselitz; Max Beckmann; Joseph Beuys; Salvador Dalí; Otto Dix; Albrecht Dürer; Max Ernst; Anselm Feuerbach; Caspar David Friedrich; Vincent van Gogh; El Greco; Matthias Grünewald; Olaf Gulbransson; Ignaz Günther; Jörg Immendorff; Wassily Kandinsky; Paul Klee; Gustav Klimt; Käthe Kollwitz; Roy Lichtenstein; Max Liebermann; René Magritte; Édouard Manet; Andrea Mantegna; Franz Marc; Henri Matisse; Pius Ferdinand Messerschmitt; Michelangelo; Edvard Munch; Emil Nolde; Albert Oehlen; Claes Oldenburg; Pablo Picasso; Rembrandt; Peter Paul Rubens; Carl Spitzweg; Leonardo da Vinci; Andy Warhol

Im Jahre 2010 überließ der griechische Reeder George Economou der Kunstsammlung rund 500 druckgraphische Blätter von Otto Dix, die seit den 1930er Jahren von dem Berliner Kunsthändler Josef Nierendorf und dessen Stiefsohn Florian Karsch zusammengetragen worden waren, als Leihgabe. Karsch ist auch der Verfasser des 1971 erschienenen Werkverzeichnisses der dixschen Druckgraphik. Karsch hatte bem Verkauf der Graphiken im Jahre 2009 festgelegt, dass diese 10 Jahre lang der Öffentlichkeit in Deutschland zugänglich bleiben. Der Freistaat Bayern hat sich inzwischen ein Vorkaufsrecht einräumen lassen.[1]

Abteilungen[Bearbeiten]

Die Graphische Sammlung gliedert sich in fünf Hauptabteilungen:

  • Konservator für deutsche Kunst (15.–18. Jahrhundert)
  • Konservator für niederländische Kunst (15.–18. Jahrhundert)
  • Konservator für italienische und französische Kunst (15.–18. Jahrhundert)
  • Konservator für Kunst des 19. Jahrhunderts
  • Konservator für Kunst des 20./21. Jahrhundert

Um die Möglichkeit von öffentlichen Präsentationen und die Instandhaltung der Kunstwerke zu gewährleisten, unterhält die Einrichtung eigene Werkstätten:

Der Bestand der Sammlung, der wegen der Lichtempfindlichkeit der Kunstwerke sonst nur in Wechselausstellungen gezeigt wird, kann in einem Studiensaal eingesehen werden. Für Interessenten werden einzelne Werke reproduziert. Zudem besteht die Möglichkeit, in Privatbesitz befindliche Graphiken in ihrer künstlerischen Bedeutung begutachten zu lassen.

Ausstellungen[Bearbeiten]

Die Ausstellungen der Graphischen Sammlung finden (wenn nicht anders angegeben) in der Pinakothek der Moderne statt.

2006

2007

2008

2009

  • Die Gegenwart der Linie – Eine Auswahl neuerer Erwerbungen des 20. und 21. Jahrhunderts
  • Hermann Obrist – Skulptur, Raum, Abstraktion um 1900
  • Karl Bohrmann – Wiederholungen 1993/94. Eine Schenkung aus Privatbesitz
  • Daniel Hopfer – Ein Augsburger Meister der Renaissance

2010

2011

  • Emil Nolde – Aquarelle
  • Feininger aus Havard – Zeichnungen, Aquarelle und Fotografien
  • Der Raum der Linie – Amerikanische Zeichnungen und Skulpturen ab 1960 aus einer Privatsammlung
  • Ellsworth Kelly – Plant Drawings

2012

  • Zeichner in Rom – 1550–1700
  • Der Zeichner Karl Arnold
  • Max Weiler – Der Zeichner
  • „Monsieur Daumier, Ihre Serie ist reizvoll!“ – Die Stiftung Kames

2013

  • Schaustelle (Provisorium)
  • Andy Warhol – Zeichnungen der 1950er Jahre
  • Bettler, Diebe, Unterwelt – Leonaert Bramer illustriert spanische Romane

2014

Literatur[Bearbeiten]

  •  J.B. Obernetter (Hrsg.): Facsimiles nach seltenen Stichen, Radirungen und Handzeichnungen älterer Meister aus dem Königl. Kupferstich-Cabinet zu München nach Anordnung des königl. Conservators F. Rothbart. Commissions-Verlag, 1876.
  •  Wilhelm Schmidt (Hrsg.): Handzeichnungen alter Meister im königlichen Kupferstich-Kabinett zu München. Verlags-Anstalt für Kunst und Wissenschaft, München 1884-1893.
  •  Heinrich Pallmann: Die Königl. Graphische Sammlung zu München 1758-1908. Bruckmann, München 1908.
  •  Otto Weigmann: Ein Kapitel kgl. Bayerischer Kunstpflege. Sachs, München 1913.
  •  Peter Halm, Bernhard Degenhart, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Hundert Meisterzeichnungen aus der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Prestel Verlag, München 1958.
  •  Dieter Kuhrmann (Hrsg.): Zeichnungen aus der Sammlung des Kurfürsten Carl Theodor. Ausstellung zum 225jährigen Bestehen der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Staatliche Graphische Sammlung München, München 1983.
  •  Michael Semff (Hrsg.): Ein Bildhandbuch - A Visual Handbook: Staatliche Graphische Sammlung München. Staatliche Graphische Sammlung München, München 2002, ISBN 3-927803-36-7.
  •  Michael Semff, Kurt Zeitler (Hrsg.): Künstler zeichnen - Sammler stiften. 250 Jahre Staatliche Graphische Sammlung München. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2008, ISBN 978-3-7757-2179-0.
  •  Von Dürer bis de Kooning. 100 Meisterzeichnungen. Die Staatliche Graphische Sammlung München zu Gast in New York. Ausstellungskatalog Morgan Library and Museum, New York. Hirmer Verlag, München 2012, ISBN 978-3-7774-5521-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Staatliche Graphische Sammlung München – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. FAZ vom 17. Dezember 2010, Seite 33: Der ganze Dix soll es sein

48.14444444444411.566666666667Koordinaten: 48° 8′ 40″ N, 11° 34′ 0″ O