Staatliches Hofbräuhaus

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Staatliches Hofbräuhaus in München
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Rechtsform Landesbetrieb
Gründung 1589
Sitz Muenchen Kleines Stadtwappen.svg München
Leitung Michael Möller
Mitarbeiter 119 (2013)[1]
Umsatz 44,4 Mio. EUR (2013)[1]
Branche Brauerei
Website www.hofbraeu-muenchen.de

Die Brauerei Staatliches Hofbräuhaus in München (auch: Hofbräu München) ist ein Landesbetrieb (Wirtschaftsunternehmen) des Freistaates Bayern mit Sitz in München-Riem (Hofbräuallee 1). Sie ist ferner Eigentümer der Gaststättenbetriebe Hofbräuhaus am Platzl, Hofbräukeller und Hofbräu-Festzelt, die alle verpachtet sind. Die Brauerei produzierte 2013 317.956 hl Bier.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Situation des Brauwesens in Bayern im ausgehenden Mittelalter[Bearbeiten]

In Bayern war bis zum ausgehenden Mittelalter der Wein eindeutig das Volksgetränk. Weinanbau wurde in Altbayern entlang der Donau, aber auch entlang der Flusstäler von Isar, Rott und Inn betrieben. Rege war auch der Weinhandel mit dem österreichischen Donauraum und Südtirol. Dem Bier kam dagegen nur eine wirtschaftliche Randbedeutung zu. Erst im 13. und 14. Jahrhundert nehmen die Hinweise auf neue gewerbliche Braustätten zu. Es entstanden erste Klosterbrauereien nachgewiesen in den niederbayerischen Klöstern Niederalteich und Metten. Auch der Aufschwung der Städte führte zu Neugründungen im gewerblichen Brauwesen wie etwa für die Heilig-Geist-Spitäler in Landshut (1252) und München (1286). Ende des 14. Jahrhunderts begann in München eine nennenswerte Gründungswelle als zwischen 1390 und 1397 sieben Brauereigründungen erfolgen. Im Gegensatz hierzu hatte sich in Norddeutschland im Zuge der Hanse bereits im 14. Jahrhundert eine florierende Brauwirtschaft entwickelt. Ende des 16. Jahrhunderts zeichnet sich aber auch in Bayern eine andere Entwicklung ab: Der Weinanbau ging zurück und das Braugewerbe schaffte den Durchbruch zu einem der führenden Gewerbe im Nahrungsmittelbereich. Als Grund hierfür wird oft die Klimaveränderung genannt, die Mitteleuropa zwischen 1570 und 1610 mit einer anhaltenden Phase von sehr kalten Sommern erlebte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass eine Veränderung der Trinkgewohnheiten hin zu mehr Qualität entscheidend war. Der einfache und billige Bayernwein war nicht mehr gefragt und der hochqualitative Wein aus südlicheren Gegenden hingegen teuer. Gleichzeitig verbesserte sich die Qualität beim Bier deutlich. Noch im 14. Jahrhundert wurden dem Bier verschiedene Zusätze wie Wacholder, Harz oder Laserkraut zugesetzt. Dieser Praxis bereiteten die Wittelsbacher Herzöge im 15. Jahrhundert durch Brauordnungen und Reinheitsgebote ein Ende. So ist für die Stadt Landshut eine Brauordnung aus dem Jahr 1409 bekannt. Darauf basierend erließ Herzog Albrecht IV. am 30. November 1487 eine für München geltende Brauordnung. 1493 erließ Herzog Georg der Reiche ein weitgehend der Münchner Brauordnung gleichlautendes Gesetz für das Teilherzogtum Bayern-Landshut. Beide Ordnungen, die Münchner und die für Bayern-Landshut, wurden die Vorlage für das Bayerische Reinheitsgebot, das die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. auf dem Ingolstädter Landtag 1516 veröffentlichen ließen.[2]

Herzog Wilhelm V: Gründung des Hofbräuhauses am Alten Hof[Bearbeiten]

Herzog Wilhelm V (1548–1626) war von 1579 bis 1597 Herzog von Bayern. Seine Prinzenzeit verbrachte er auf der Burg Trausnitz in Landshut. Dort erlebte er, dass Missernten immer wieder ein totales Brauverbot erzwangen. So auch in den Jahren von 1571–1580. Doch der Landshuter und Münchner Hof mussten nicht auf ihr Bier verzichten. Es wurde ein starkes Spezialbier, das sogenannte „Ainpockisch-Bier“, aus dem norddeutschen Einbeck importiert. Diese Importe waren allerdings sehr teuer. Herzog Wilhelm V. war ein großer Förderer der Künste und der katholischen Kirche. Von 1583 bis 1590 errichteten die Jesuiten mit Unterstützung Wilhelms die Münchner Michaelskirche und ein Kollegiengebäude, das Wilhelminum. Diese Unterstützung brachte Wilhelm zwar den Beinamen „der Fromme“ ein, sein Herzogtum aber an den Rand des Bankrotts. Eine der notwendigen Sparmaßnahmen der Hofhaltung Wilhelms V. war die Errichtung eines eigenen Brauhauses, des Hofbräuhauses. Die Vorbereitungen dazu liefen im Jahr 1589 auf Hochtouren: Anfang September wurde Heimeran Pongratz, zuvor im Benediktinerkloster von Geisenfeld in der Hallertau beschäftigt, als erster Braumeister des Hofbräuhauses verpflichtet. Am 27. September legte die Hofkammer Herzog Wilhelm den offiziellen Bauantrag vor. Im Frühjahr 1591 konnten die Bauarbeiten im damaligen Hennen- und Badehaus des „Alten Hofes“ abgeschlossen werden. Der herzogliche Hof in München konnte von nun an mit eigenem Braunbier versorgt werden.[3] [4]

Kurfürst Maximilian I: Ausbau des Hofbräuhauses[Bearbeiten]

1597 dankte Herzog Wilhelm V ab und gab die Regierungsgeschäfte in die Hände seines Sohnes Maximilian I, der von 1597 bis 1651 regiert. Maximilian war Bayerns letzter Herzog und erster Kurfürst. Die Kurwürde erhielt er 1623. Maximilian ging in die bayerische Geschichte ein, als der Monarch, der Bayern den Weg zu einem frühmodernen Staat der Neuzeit ebnete. Einer seiner wichtigsten Erfolge bestand darin, die bei seinem Regierungsantritt bedrohlich angespannte finanzielle Situation Bayerns gemeistert zu haben. 1596 stand das Herzogtum vor dem Staatsbankrott. Einen bedeutenden Beitrag dazu leistete auch das Brauwesen und hier genau das Weiße Brauwesen. Weißbier war ursprünglich für das mittelalterliche Brauwesen in Bayern zunächst ohne Bedeutung. Erst im späten 15. Jahrhundert fand das Weißbier Einzug über die Oberpfalz in den niederbayerischen Raum. 1548 verlieh Herzog Wilhelm IV. der Familie der Degenberger, einem Herrschergeschlecht aus dem Bayerischen Wald, das Privileg im nordostbayerischen Raum, Weißbier zu brauen und zu verkaufen. Ein Passus im Vertrag sicherte zu, dass im Falle des Aussterbens der Degenberger, das Weißbierprivileg wieder an die Wittelsbacher zurückfallen sollte. Dieser Fall trat im Juni 1602 mit dem Tod von Hans Sigmund von Degenberg ein. Maximilian ließ sich aber schon Jahre zuvor regelmäßig über die positive Entwicklung der Erträge aus dem Weißen Brauwesen informieren. Am 1. August 1602 übernehmen die Wittelsbacher die Degenberger Weißbierbrauereien, obwohl noch nicht alles Rechtsstreitigkeiten mit den Erben beseitigt waren. Erst im Februar 1607 konnte ein Vertrag mit den Erben geschlossen werden, der auch den Verkauf aller Weißbierbraustätten wie Zwiesel, Schwarzach und Linden an Maximilian I. regelte. Parallel hierzu begann Maximilian mit der Errichtung eigener herzoglicher weißer Brauhäuser. Bereits ab Oktober 1602 gab es in München erste Brauversuche mit Weißbier. Zuerst wurde im Tag- und Nachtwechsel mit dem Braunbier in den Räumlichkeiten des alten Hofbräuhauses am Alten Hof gebraut. Durch den schnellen Erfolg, wurde bald ein Neubau für ein weißes Brauhaus notwendig. Im Januar 1607 starteten die Bauarbeiten dafür in der Graggenau an dem Platz, der später „Am Platzl“ genannt werden sollte. Bereits in den Jahren 1661–1665 musste das Weiße Hofbräuhaus bereits wieder umgebaut und erweitert werden. Fast 200 Jahre bis 1798 hatten die Wittelsbacher das von Maximilian I. gegründete Weißbiermonopol unter sich, das dem fürstlichem Staatshaushalt eine unverzichtbare Geldquelle sicherte. Ein weiteres Vorrecht das exklusiv dem Hofbräuhaus zukam und das Maximilian wiederum eine lukrative Einnahmequelle sicherte, war das Bockbier. Der Braumeister Elias Pichler braute 1614 das erste Münchner Bockbier im Hofbräuhaus. Pichler wurde eigens aus Einbeck abgeworben, um ein Bier mit hoher Stammwürze zu brauen, das an den Geschmack des Einbecker Bieres erinnerte. Das nach „Ainpockhischer Art“ gebraute Bier erfreute sich bald größter Beliebtheit. Aus „Ainpöck“ wurde in der Münchner Mundart der „Bock“. Das Bockbier durfte ab Ende April nur wenige Wochen gebraut werden, und so gab man ihm den Namen „Maibock“. Bis 1818 war es das alleinige Vorrecht des Hofbräuhauses, Bockbier zu brauen.[5] [6][7]

Königreich Bayern[Bearbeiten]

1806 wurde Bayern Königreich und das Hofbräuhaus „Königliches Hofbräuhaus“. Am 1. Januar 1806 erfolgte in München die Proklamation von König Maximilian I. Joseph. Zu dieser Zeit wurde im Hofbräuhaus fast ausschließlich Braunbier gebraut. Die Trinkgewohnheiten hatten sich in den letzten Jahrzehnten entscheidend verändert. Der Weinkonsum ging beständig zurück und Bayern war endgültig zum Bierland geworden. Auch beim Biergeschmack zeichnete sich eine Wende ab: Man trank jetzt lieber Braunbier als Weißbier. Ab 1802 wurde im Hofbräuhaus deshalb fast ausschließlich Braunbier gebraut. 1808 zog die Braunbierbrauerei schließlich aus Platzgründen vom Alten Hof in die größeren Räume des Weißen Hofbräuhauses am Platzl. Als sein Vater König Maximilian I. Joseph inthronisiert wurde, war der auf Ludwig Karl August getaufte und spätere König Ludwig I. neunzehn Jahre alt. Vier Jahre später im Oktober 1810 heiratete der Kronprinz Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Am 12. Und 13. Oktober fanden dazu die Feierlichkeiten in der Münchner Innenstadt statt. Das Bürgermilitär plante als Beiprogramm der Hochzeitsfeierlichkeiten ein Pferderennen, das am 17. Oktober auf einer Freifläche im Westen der Stadt am Sendlinger Berg vor dem Dorf Sendling veranstaltet wurde. Unmittelbar danach wurde das Gelände nach der Braut „Theresens-Wiese“ benannt. Bereits wenige Jahre später wurde daraus die Theresienwiese. Das Pferderennen von 1810 war die Geburtsstunde des Münchner Oktoberfestes. 1825 folgte Ludwig seinem Vater Maximilian I. auf den Thron. Wenige Jahre danach sollte er für sein Hofbräuhaus am Platzl eine gewichtige Entscheidung treffen. Anfang des 19. Jahrhunderts fanden sich immer mehr Gäste im Hofbräuhaus ein, was den Stadtbrauern und den Münchner Wirten ein Dorn im Auge war. 1815 wurde sogar dagegen geklagt. 1828 verfügte König Ludwig I., den sogenannten „Minuto-Verschleiß“, um die „Gastung“ im Hofbräuhaus selbst einzuführen. Damit war die Bewirtung im Hofbräuhaus gestattet und das Jahr 1828 wurde zur Geburtsstunde für den heutigen Hofbräuhausbetrieb. Ludwig dankte im Revolutionsjahr 1848 ab und übergab den Thron an seinen Sohn Maximilian. Maximilian II. sah sich weiterhin mit den Klagen der Münchner Privatbrauereien und Wirte wegen des erfolgreichen Hofbräuhauses konfrontiert. Kurzzeitig dachte der König deshalb darüber nach, das Hofbräuhaus zu privatisieren, was allerdings einen Sturm der Entrüstung im Volk hervorrief. So beschloss Maximilian II. das Hofbräuhaus an den bayerischen Staat zu verkaufen.

Unter Ludwig II. ließ der Brauereidirektor Johann Nepomuk Staubwasser 1879 das Hofbräu Markenzeichen HB mit Krone beim Landgericht München anmelden. Kurz darauf erfolgte auch die Anmeldung beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin „allein für die Firma Königliches Hofbräuhaus München“. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es eng im Hofbräuhaus. Gaststätte und Brauerei teilten sich die ohnehin beengten Verhältnisse. Prinzregent Luitpold von Bayern beschloss 1893, die Brauerei auszugliedern und an die Innere Wiener Straße im Stadtteil Haidhausen zu verlegen. Am 10. August 1896 konnte der erste Biersud in der neuen Braustätte angesetzt werden. Für das Hofbräuhaus am Platzl gab es andere Pläne. Der junge Chemnitzer Architekt Max Littmann wurde von der königlichen Baubehörde ausgewählt, um das Hofbräuhaus als Bierpalast größer, heller und moderner zu gestalten. Nach einem Jahr Umbau- und Neubauarbeiten wurde das neue Hofbräuhaus im Stil der Neorenaissance am 22. September 1897 feierlich eröffnet. Die von Max Littmann konzipierte äußerliche Form hat es bis heute behalten.[8] [9][10][11]

Erster und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Mit dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) begannen schwierige Jahre für das Hofbräuhaus. Die schwierige wirtschaftliche Situation, Exportstopp sowie die Kontingentierung von Getreide und Kohle führten zu einem dramatischen Rückgang der Umsatzzahlen. 1918 wurde im Rahmen der Novemberrevolution die Wittelsbacher Monarchie abgesetzt. Am 8. November 1918 rief Kurt Eisner, Schriftsteller und Journalist, Gründungsmitglied der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands), Bayern zum Freistaat aus. Am Palmsonntag, den 13. April 1919 wurde im Festsaal des Hofbräuhauses von Betriebs- und Soldatenräten die Kommunistische Räterepublik ausgerufen. Knapp ein Jahr später, am 24. Februar 1920, benannte sich ebenfalls im Festsaal des Hofbräuhauses die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) in NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) um. Gleichzeitig wurde auch das neue Parteiprogramm verkündet. Der damals noch unbekannte Adolf Hitler trat an diesem Abend als Redner auf. Unmittelbar nach dem Machtantritt Hitlers, begannen die Nationalsozialisten ab 1934 jeden 24. Februar an die Parteigründung zu erinnern und den Jahrestag im Hofbräuhaus zu feiern. Dem Maler Hitler diente das Hofbräuhaus bereits in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg als Motiv. Hier fand er auch Käufer für seine Bilder. Am 4. November 1921 fand die sogenannte „Feuertaufe der SA“ im Hofbräuhaus statt. Die Sturmabteilung (SA) traf im Festsaal auf sozialistische Arbeiter, die versuchten die Versammlung zu sprengen. Es kam zu einer Saalschlacht mit Verletzen auf beiden Seiten. Am 25. Februar 1939 schrieb der Stellvertreter des Führers Martin Bormann an den bayerischen Ministerpräsidenten Ludwig Siebert, dass der Führer Adolf Hitler anordnete, dass das Hofbräuhaus künftig nicht mehr den Zusatz „königlich“ führen dürfte. Die offizielle Bezeichnung sollte vielmehr künftig „Das Hofbräuhaus zu München“ lauten. Das Hofbräuhaus wurde tatsächlich umbenannt, jedoch in „Staatliches Hofbräuhaus“.

In den Kriegsjahren des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 wurde das Hofbräuhaus durch Luftangriffe fast völlig zerstört. In der Nacht zum 25. April 1944 fielen die ersten Bomben, drei weitere Luftangriffe sollten folgen. Der Betrieb wurde in der Ruine aufrechterhalten. Auch die Brauerei in der Inneren Wiener Straße wird Ziel der Bombenangriffe. 60 Prozent der Sudstätten werden dabei zerstört.[12] [13][14][15]

Neuanfang und Wiederaufbau[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der fast völligen Zerstörung des Hofbräuhauses am Platzl begann nach 1945 der Neuanfang. Im Herbst 1945 übernahm Valentin Emmert als erster Wirt nach dem Krieg die Hofbräuhaus-Ruine. Notdürftig flickte er die zerstörten Räume wieder zusammen, so dass der Gastronomie-Betrieb aufrechterhalten werden konnte. Anfangs gab es Dünnbier gegen die Vorlage von Brotmarken, doch bereits 1948, noch vor der Währungsreform, wurde das erste Faschingsfest im Hofbräuhaus mit prominenten Gästen gefeiert, darunter Theodor Heuss, der 1949 der erste Präsident der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland werden sollte. In den 1950er Jahren begann auch der Wiederaufbau des Hofbräuhaus-Gebäudes. Rechtzeitig zur 800-Jahrfeier Münchens wurde die Renovierung des Festsaales fertig und der Maibockanstich konnte vor 2000 geladenen Gästen gefeiert werden. Bis das gesamte Hofbräuhaus wiederaufgebaut war, sollte es bis 1965 dauern. Auch das erste Oktoberfest nach dem Zweiten Weltkrieg konnte bereits 1949 stattfinden. 1950 war ein Meilenstein in der Oktoberfestgeschichte, denn zum ersten Mal eröffnete der Oberbürgermeister der Stadt München, Thomas Wimmer, mit dem Anzapfen des ersten Fasses im Schottenhamel-Zelt auch offiziell das Oktoberfest mit dem legendären „O´zapft is“. 1950 und 1951 wurde mit Steinkrügen und Oktoberfestbier von Hofbräu München angezapft. Die Familie Schottenhamel konnte sich in diesen Jahren nicht mit der Spaten-Brauerei auf den Bierpreis einigen und bezog kurzerhand die benötigte Biermenge vom Hofbräu. Ab 1952 war Hofbräu auch mit einem eigenen Festzelt auf dem Oktoberfest vertreten. Zum Jahr der Olympischen Sommerspiele in München 1972 wurde auf dem Oktoberfest das neue Hofbräu-Festzelt vorgestellt, die damals größte Festhalle auf der Wiesn. Bei einer Länge von 82 und einer Breite von 62 Metern überdachte sie eine Fläche von 5.084 Quadratmetern, zu denen noch etwas mehr als 2.000 Quadratmeter Biergarten kommen. Sie bot knapp 10.000 Oktoberfest-Besuchern Platz.[16] [17]

Die moderne Brauerei[Bearbeiten]

In den 1980er Jahren wurde seit fast einhundert Jahren in der Brauerei an der Inneren Wiener Straße in Haidhausen Hofbräu Bier gebraut. Es zeigte sich aber auch deutlich, dass das Gelände der Brauerei zu klein geworden war und auch nicht mehr den technischen Anforderungen für einen modernen Brauereibetrieb entsprach. Pläne dazu, die Brauerei an den Stadtrand zu verlegen, hatte der Freistaat bereits seit Anfang der 1980er Jahre gemacht. In den Jahren 1987/88 wurde nach modernsten Gesichtspunkten der Technik und des Umweltschutzes der neue Betrieb des Staatlichen Hofbräuhauses in München-Riem errichtet. Gerade rechtzeitig, denn ein schwerer Brand am 6. April 1987 in der Hofbräu Mälzerei machte einen schnellen Umzug in den Rohbau erforderlich. Am 23. November 1988 erfolgte die feierliche Einweihung des 76 Millionen Mark teuren Neubaus. Ein eigener Tiefbrunnen zur Brauwassergewinnung, optimale Verkehrsanbindung an Schiene und Straße sowie eine maschinelle Ausstattung auf dem neuesten Stand der Technik machten aus der auf eine Jahreskapazität von 250.000 Hektolitern ausgelegten Hofbräuhaus-Sudstätte eine der modernsten Brauereien Europas. Um die steigende Nachfrage im In- und Ausland befriedigen zu können, musste die Brauerei bereits sieben Jahre nach ihrer Erbauung erweitert werden: Zu den 51 bereits bestehenden Lagertanks kamen im August 1995 vier neue mit einer Gesamtkapazität von 6.720 Hektolitern dazu. Am 1. September 2000 fand ein Führungswechsel in der Geschäftsleitung von Hofbräu München statt. Dr. Michael Möller löste Albert Riedl als Direktor des Staatlichen Hofbräuhauses ab. 2001 wurde Hofbräu München nach der EG-Öko-Audit-Verordnung (EMAS) zertifiziert. 2003 trat das Unternehmen dem Umweltpakt Bayern bei. 2007 feierte Hofbräu München 400 Jahre Biertradition im Hofbräuhaus am Platzl. 1607 wurde das Hofbräuhaus in der damaligen Graggenau als Weißes Brauhaus an der Stelle gebaut, die heute am Platzl heißt. Zu diesem 400-jährigen Geburtstag überreichte der damalige bayerische Staatsminister der Finanzen, Prof. Dr. Kurt Faltlhauser, symbolisch die Figurine des Braugehilfen Julius, der bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges auf dem Nordgiebel des berühmten Hofbräuhaus-Erkers stand und durch die Bombenangriffe Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde. 2008, zum 850. Geburtstag Münchens, kehrte die Statue des Braugehilfen Julius, benannt nach seinem Schöpfer, dem Bildhauer Julius Jordan (1864–1907), nach 60 Jahren wieder an ihren alten Platz zurück. Mit seinen 2,60 Metern Höhe und in leuchtendem Bronzeton ist er von weitem gut zu sehen und macht ein Stück Münchner Geschichte wieder lebendig. 2011 wurde die Brauerei um acht neue Tanks im Gär- und Lagerkeller erweitert und die Braukapazität um zusätzliche 90.000 Hektoliter erhöht. 2013 begann mit dem Bau eines neuen Logistikzentrums das größte bisherige Bauprojekt auf dem Brauereigelände in München Riem.[18][19][20]

Zunehmende Internationalisierung[Bearbeiten]

1987 wurde die erste Lizenz für Hofbräubier an die südenglische Brauerei Hall & Woodhouse vergeben. 1989 kam die finnische Brauerei Olvi Oy dazu, 1993 die ungarische Brauerei Kanizsa, die 1994 von den South African Breweries (SAB) übernommen wurde. Einen weiteren Partner fand Hofbräu München 1994 in der bayerischen Schwesterprovinz Shandong in China mit der Brauerei Laizhou. 1988 eröffnete in Tokyo, Japan, das erste von Hofbräu München lizenzierte Hofbräuhaus-Restaurant. 1995 entstand ein weiteres Hofbräuhaus im österreichischen Rattenberg. 1996 wurde am Flughafen in Bangkok in Thailand eine HB-Gasthausbrauerei eröffnet. Mit der Eröffnung des Hofbräuhauses Dubai 1999 begann die Erfolgsgeschichte des heutigen Franchisegeschäftes. 2003 gelang der Brauerei mit der Gründung des Hofbräuhauses Newport in Kentucky der Sprung nach USA. Ebenfalls 2003 fasste Hofbräu München mit dem Hofbräuhaus Jiangyin bei Shanghai Fuß in China. 2004 folgten das Hofbräuhaus Las Vegas, 2006 das Hofbräuhaus Seoul, 2007 das Hofbräuhaus Shanghai in Pudong, 2009 das Hofbräuhaus Pittsburgh und 2013 das Hofbräuhaus Chicago. [21] [22][23]

Produkte[Bearbeiten]

Die Brauerei produziert neun Biersorten und exportiert ihre Produkte in zahlreiche Länder weltweit.

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hofbräuhaus am Platzl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Beteiligungsbericht des Freistaates Bayern 2014, abgerufen am 20. März 2015
  2. Gattinger, Karl: Das Weißbiermonopol der Wittelsbacher unter Maximilian I. von Bayern 1598–1651, München 2007, S. 39–43.
  3. Altenbockum, Annette von: Das Münchner Hofbräuhaus: Das Wirtshaus, das Bier und weitere Glaubenssätze, München 2008, S. 16–18.
  4. Verein Münchener Brauereien e. V. (Hrsg.): Das Münchner Reinheitsgebot von 1487, Festschrift zum 500jährigen Jubiläum, München 1987, S. 46, 93.
  5. Altenbockum, Annette von: Das Münchner Hofbräuhaus: Das Wirtshaus, das Bier und weitere Glaubenssätze, München 2008, S. 21–23.
  6. Gattinger, Karl: Bier und Landesherrschaft. Das Weißbiermonopol der Wittelsbacher unter Maximilian I. von Bayern 1598–1651, München 2007, S. 61–70.
  7. Kirchner, Bernd H. D. (Hrsg.): Das Hofbräuhaus am Platzl in München: 1897–1997: 100 Jahre in seiner heutigen weltberühmten Gestalt, Pöcking/Starnberg 1997, S. 23.
  8. Landeshauptstadt München (Hrsg.): 175 Jahre Oktoberfest 1810–1985, Festschrift, München 1985, S. 11–13.
  9. Altenbockum, Annette von: Das Münchner Hofbräuhaus: Das Wirtshaus, das Bier und weitere Glaubenssätze, München 2008, S. 24–33.
  10. Dering, Florian & Eymold, Ursula (Hrsg.): Das Oktoberfest 1810–2010. Offizielle Festschrift der Landeshauptstadt München, München 2010, S. 16–22.
  11. Bernd H. D. Kirchner (Hrsg.): Das Hofbräuhaus am Platzl in München: 1897–1997: 100 Jahre in seiner heutigen weltberühmten Gestalt, Pöcking/Starnberg 1997, S. 26–32.
  12. Altenbockum, Annette von: Das Münchner Hofbräuhaus: Das Wirtshaus, das Bier und weitere Glaubenssätze, München 2008, S. 34–35.
  13. Bauer, Richard; Hockerts, Hans Günter; Schütz, Brigitte; Till, Wolfgang und Ziegler, Walter (Hg.): München – Hauptstadt der Bewegung. Bayerns Metropole und der Nationalsozialismus, München 2002, S. 12.
  14. Stattreisen München (Hg.): Spaziergänge in die Vergangenheit Münchens. 18 Touren für Genießer, Cadolzburg 2013, S. 47.
  15. Weyerer, Benedikt: München 1919–1933. Stadtrundgänge zur politischen Geschichte, München 1993, S. 100f.
  16. Altenbockum, Annette von: Das Münchner Hofbräuhaus: Das Wirtshaus, das Bier und weitere Glaubenssätze, München 2008, S. 37.
  17. Dering, Florian & Eymold, Ursula (Hrsg.): Das Oktoberfest 1810–2010. Offizielle Festschrift der Landeshauptstadt München, München 2010, S. 13, 179.
  18. http://www.welt.de/regionales/muenchen/article124069775/Geheimnis-um-mysterioeses-Loch-im-Gehweg-gelueftet.html Stand 16. Oktober 2014.
  19. http://www.hallo-muenchen.de/hallo-verlag/verlagsnews/hallo-rundgang-hofbraeu-muenchenhalbzeit-grossen-logistik-erweiterung-3304295.html Stand 16. Oktober 2014.
  20. Kirchner, Bernd H. D. (Hrsg.): Staatliches Hofbräuhaus in München. Unternehmens-Portrait 1990–1996, Pöcking/Starnberg 1996, S. 43.
  21. Kirchner, Bernd H. D. (Hrsg.): Staatliches Hofbräuhaus in München. Unternehmens-Portrait 1990–1996, Pöcking/Starnberg 1996, S. 63–78.
  22. http://www.spiegel.tv/filme/hofbraeuhaus-las-vegas/ Stand 16. Oktober 2014.
  23. http://www.tz.de/muenchen/stadt/neues-hofbraeuhaus-chicago-eroeffnet-2741821.html Stand 16. Oktober 2014.