Staatliches Hofbräuhaus

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Staatliches Hofbräuhaus in München
Logo des Hofbräuhauses
Rechtsform Landesbetrieb
Gründung 1589
Sitz Muenchen Kleines Stadtwappen.svg München
Branche Brauerei
Website www.hofbraeu-muenchen.de

Die Brauerei Staatliches Hofbräuhaus in München (auch: Hofbräu München) ist ein Landesbetrieb (Wirtschaftsunternehmen) des Freistaates Bayern mit Sitz in München-Riem (Hofbräuallee 1). Sie ist ferner Eigentümer der Gaststättenbetriebe Hofbräuhaus am Platzl, Hofbräukeller und Hofbräu-Festzelt, die alle verpachtet sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Situation des Brauwesens in Bayern im ausgehenden Mittelalter[Bearbeiten]

In Bayern war bis zum ausgehenden Mittelalter der Wein eindeutig das Volksgetränk. Weinanbau wurde in Altbayern entlang der Donau, aber auch entlang der Flusstäler von Isar, Rott und Inn betrieben. Rege war auch der Weinhandel mit dem österreichischen Donauraum und Südtirol. Dem Bier kam dagegen nur eine wirtschaftliche Randbedeutung zu. Erst im 13. und 14. Jahrhundert nehmen die Hinweise auf neue gewerbliche Braustätten zu. Es entstanden erste Klosterbrauereien nachgewiesen in den niederbayerischen Klöstern Niederalteich und Metten. Auch der Aufschwung der Städte führte zu Neugründungen im gewerblichen Brauwesen wie etwa für die Heilig-Geist-Spitäler in Landshut (1252) und München (1286). Ende des 14. Jahrhunderts begann in München eine nennenswerte Gründungswelle als zwischen 1390 und 1397 sieben Brauereigründungen erfolgen. Im Gegensatz hierzu hatte sich in Norddeutschland im Zuge der Hanse bereits im 14. Jahrhundert eine florierende Brauwirtschaft entwickelt. Ende des 16. Jahrhunderts zeichnet sich aber auch in Bayern eine andere Entwicklung ab: Der Weinanbau ging zurück und das Braugewerbe schaffte den Durchbruch zu einem der führenden Gewerbe im Nahrungsmittelbereich. Als Grund hierfür wird oft die Klimaveränderung genannt, die Mitteleuropa zwischen 1570 und 1610 mit einer anhaltenden Phase von sehr kalten Sommern erlebte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass eine Veränderung der Trinkgewohnheiten hin zu mehr Qualität entscheidend war. Der einfache und billige Bayernwein war nicht mehr gefragt und der hochqualitative Wein aus südlicheren Gegenden hingegen teuer. Gleichzeitig verbesserte sich die Qualität beim Bier deutlich. Noch im 14. Jahrhundert wurden dem Bier verschiedene Zusätze wie Wacholder, Harz oder Laserkraut zugesetzt. Dieser Praxis bereiteten die Wittelsbacher Herzöge im 15. Jahrhundert durch Brauordnungen und Reinheitsgebote ein Ende. So ist für die Stadt Landshut eine Brauordnung aus dem Jahr 1409 bekannt. Darauf basierend erließ Herzog Albrecht IV. am 30.11.1487 eine für München geltende Brauordnung. 1493 erließ Herzog Georg der Reiche ein weitgehend der Münchner Brauordnung gleichlautendes Gesetz für das Teilherzogtum Bayern-Landshut. Beide Ordnungen, die Münchner und die für Bayern-Landshut, wurden die Vorlage für das Bayerische Reinheitsgebot, das die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. auf dem Ingolstädter Landtag 1516 veröffentlichen ließen.[1]

Herzog Wilhelm V: Gründung des Hofbräuhauses am Alten Hof[Bearbeiten]

Herzog Wilhelm V (1548-1626) war von 1579 bis 1597 Herzog von Bayern. Seine Prinzenzeit verbrachte er auf der Burg Trausnitz in Landshut. Dort erlebte er, dass Missernten immer wieder ein totales Brauverbot erzwangen. So auch in den Jahren von 1571-1580. Doch der Landshuter und Münchner Hof mussten nicht auf ihr Bier verzichten. Es wurde ein starkes Spezialbier, das sogenannte „Ainpockisch-Bier“, aus dem norddeutschen Einbeck importiert. Diese Importe waren allerdings sehr teuer. Herzog Wilhelm V. war ein großer Förderer der Künste und der katholischen Kirche. Von 1583 bis 1590 errichteten die Jesuiten mit Unterstützung Wilhelms die Münchner Michaelskirche und ein Kollegiengebäude, das Wilhelminum. Diese Unterstützung brachte Wilhelm zwar den Beinamen „der Fromme“ ein, sein Herzogtum aber an den Rand des Bankrotts. Eine der notwendigen Sparmaßnahmen der Hofhaltung Wilhelms V. war die Errichtung eines eigenen Brauhauses, des Hofbräuhauses. Die Vorbereitungen dazu liefen im Jahr 1589 auf Hochtouren: Anfang September wurde Heimeran Pongratz, zuvor im Benediktinerkloster von Geisenfeld in der Hallertau beschäftigt, als erster Braumeister des Hofbräuhauses verpflichtet. Am 27. September legte die Hofkammer Herzog Wilhelm den offiziellen Bauantrag vor. Im Frühjahr 1591 konnten die Bauarbeiten im damaligen Hennen- und Badehaus des „Alten Hofes“ abgeschlossen werden. Der herzogliche Hof in München konnte von nun an mit eigenem Braunbier versorgt werden.[2] [3]

Kurfürst Maximilian I: Ausbau des Hofbräuhauses[Bearbeiten]

1597 dankte Herzog Wilhelm V ab und gab die Regierungsgeschäfte in die Hände seines Sohnes Maximilian I, der von 1597-1651 regiert. Maximilian war Bayerns letzter Herzog und erster Kurfürst. Die Kurwürde erhielt er 1623. Maximilian ging in die bayerische Geschichte ein, als der Monarch, der Bayern den Weg zu einem frühmodernen Staat der Neuzeit ebnete. Einer seiner wichtigsten Erfolge bestand darin, die bei seinem Regierungsantritt bedrohlich angespannte finanzielle Situation Bayerns gemeistert zu haben. 1596 stand das Herzogtum vor dem Staatsbankrott. Einen bedeutenden Beitrag dazu leistete auch das Brauwesen und hier genau das Weiße Brauwesen. Weißbier war ursprünglich für das mittelalterliche Brauwesen in Bayern zunächst ohne Bedeutung. Erst im späten 15. Jahrhundert fand das Weißbier Einzug über die Oberpfalz in den niederbayerischen Raum. 1548 verlieh Herzog Wilhelm IV. der Familie der Degenberger, einem Herrschergeschlecht aus dem Bayerischen Wald, das Privileg im nordostbayerischen Raum, Weißbier zu brauen und zu verkaufen. Ein Passus im Vertrag sicherte zu, dass im Falle des Aussterbens der Degenberger, das Weißbierprivileg wieder an die Wittelsbacher zurückfallen sollte. Dieser Fall trat im Juni 1602 mit dem Tod von Hans Sigmund von Degenberg ein. Maximilian ließ sich aber schon Jahre zuvor regelmäßig über die positive Entwicklung der Erträge aus dem Weißen Brauwesen informieren. Am 1. August 1602 übernehmen die Wittelsbacher die Degenberger Weißbierbrauereien, obwohl noch nicht alles Rechtsstreitigkeiten mit den Erben beseitigt waren. Erst im Februar 1607 konnte ein Vertrag mit den Erben geschlossen werden, der auch den Verkauf aller Weißbierbraustätten wie Zwiesel, Schwarzach und Linden an Maximilian I. regelte. Parallel hierzu begann Maximilian mit der Errichtung eigener herzoglicher weißer Brauhäuser. Bereits ab Oktober 1602 gab es in München erste Brauversuche mit Weißbier. Zuerst wurde im Tag- und Nachtwechsel mit dem Braunbier in den Räumlichkeiten des alten Hofbräuhauses am Alten Hof gebraut. Durch den schnellen Erfolg, wurde bald ein Neubau für ein weißes Brauhaus notwendig. Im Januar 1607 starteten die Bauarbeiten dafür in der Graggenau an dem Platz, der später „Am Platzl“ genannt werden sollte. Bereits in den Jahren 1661-1665 musste das Weiße Hofbräuhaus bereits wieder umgebaut und erweitert werden. Fast 200 Jahre bis 1798 hatten die Wittelsbacher das von Maximilian I. gegründete Weißbiermonopol unter sich, das dem fürstlichem Staatshaushalt eine unverzichtbare Geldquelle sicherte. Ein weiteres Vorrecht das exklusiv dem Hofbräuhaus zukam und das Maximilian wiederum eine lukrative Einnahmequelle sicherte, war das Bockbier. Der Braumeister Elias Pichler braut 1614 das erste Münchner Bockbier im Hofbräuhaus. Pichler wurde eigens aus Einbeck abgeworben, um ein Bier mit hoher Stammwürze zu brauen, das an den Geschmack des Einbecker Bieres erinnerte. Das nach „Ainpockhischer Art“ gebraute Bier erfreute sich bald größter Beliebtheit. Aus „Ainpöck“ wurde in der Münchner Mundart der „Bock“. Das Bockbier durfte ab Ende April nur wenige Wochen gebraut werden, und so gab man ihm den Namen „Maibock“. Bis 1818 war es das alleinige Vorrecht des Hofbräuhauses, Bockbier zu brauen.[4] [5][6]


Die Brauerei besteht seit 1589 und war ursprünglich im Hofbräuhaus am Platzl beheimatet; Wilhelm V., Herzog von Bayern, initiierte eine eigene Brauerei, da das Bier in der Stadt München für viel Geld gekauft und unter anderem aus Einbeck importiert werden musste. Aus dieser fürstlichen Verbindung leitet sich noch heute die Berechtigung für die weitere Nutzung des Präfix Hof im Firmennamen und dessen Betriebe ab. Im Jahr 1852 übergab König Maximilian II. das Hofbräuhaus in das Eigentum des bayerischen Staates.[7] Aus Platzmangel am alten Ort wurde der Braubetrieb 1896 an die Innere Wiener Straße in Haidhausen verlagert, das Hofbräuhaus am Platzl zur reinen Gaststätte umgestaltet. Der Hofbräukeller in Haidhausen ist letzter Zeuge dieses zweiten Produktionsstandortes. Nach dem Großbrand in der Brauerei 1987 ist sie seit 1988 in München-Riem an der Hofbräuallee ansässig und produziert dort jährlich ca. 300.000 hl Bier.

Produkte[Bearbeiten]

Hofbräu München Original

Die Brauerei produziert neun Biersorten und exportiert ihre Produkte in zahlreiche Länder weltweit.

Bilder[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gattinger, Karl: Das Weißbiermonopol der Wittelsbacher unter Maximilian I. von Bayern 1598-1651, München 2007, S. 39-43
  2. Altenbockum, Annette von: Das Münchner Hofbräuhaus: Das Wirtshaus, das Bier und weitere Glaubenssätze, München 2008, S. 16-18
  3. Verein Münchener Brauereien e.V. (Hrsg.): Das Münchner Reinheitsgebot von 1487, Festschrift zum 500jährigen Jubiläum, München 1987, S. 46, 93
  4. Altenbockum, Annette von: Das Münchner Hofbräuhaus: Das Wirtshaus, das Bier und weitere Glaubenssätze, München 2008, S. 21-23
  5. Gattinger, Karl: Bier und Landesherrschaft. Das Weißbiermonopol der Wittelsbacher unter Maximilian I. von Bayern 1598-1651, München 2007, S. 61-70
  6. Kirchner, Bernd H. D. (Hrsg.): Das Hofbräuhaus am Platzl in München: 1897-1997: 100 Jahre in seiner heutigen weltberühmten Gestalt, Pöcking/Starnberg 1997, S. 23
  7. Paul Brandt: Das Münchner Hofbräuhaus. Dachau: Bayerland, 1997, ISBN 3-89251-232-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hofbräuhaus am Platzl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien