Staatsbürger in Uniform

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Staatsbürger in Uniform ist das Leitbild der Inneren Führung der Bundeswehr und damit der zentrale Aspekt zur Ausgestaltung des Selbstverständnis eines Soldaten. Es ist seit der Gründung der Bundeswehr gültig.

Soldaten der Bundeswehr vor dem Deutschen Bundestag

Begriff[Bearbeiten]

Der Begriff wurde 1952 vom damaligen wehrpolitischen Berater der SPD Friedrich Beermann geprägt und in der Folge vom Amt Blank, das die Wiederbewaffnung vorbereitete, übernommen.

Untrennbar mit dem Leitbild der Bundeswehr und deren inneren Gefüge verbunden sind die geistigen Väter Johann Adolf Graf von Kielmansegg, Ulrich de Maizière und Wolf Stefan Traugott Graf von Baudissin der Reformkonzeption der Inneren Führung. Dass dieses Leitbild nicht unumstritten ist, zeigen immer wieder Besondere Vorkommnisse im Bereich der Inneren Führung. Zuletzt kam es durch den ehemaligen Inspekteur des Heeres, Generalleutnant a. D. Hans-Otto Budde, 2004 in Betrachtung, als er forderte: Der "Staatsbürger in Uniform", der mit seiner Familie in unserer Nachbarschaft wohnte und um siebzehn Uhr dreißig nach Hause kam, hat ausgedient. "Wir brauchen den archaischen Kämpfer und den, der den High-Tech-Krieg führen kann".[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Dieses Leitbild ruht auf der rechtlichen Stellung eines Soldaten in Deutschland und wurde 1956 u.a. durch das Soldatengesetz verpflichtend. Es sollte es ermöglichen, aus Soldaten gute Staatsbürger, vollwertige Soldaten und freie Menschen zugleich zu machen. Die Erfahrungen der Wehrmacht hatten ergeben, dass man als Soldaten nicht den blinden Befehlsempfänger, sondern einen aus Einsicht und Überzeugung handelnden Menschen wollte. „Der Staatsbürger ist also der übergeordnete Begriff über Nichtsoldat und Soldat; vielleicht können wir sagen: Soldat und Nichtsoldat sind zwei verschiedene Aggregatzustände desselben Staatsbürgers.“[2] Um dies zu erreichen, gewährte man den Soldaten das aktive und passive Wahlrecht und praktisch auch eine gewisse Koalitionsfreiheit (siehe dazu: Deutscher Bundeswehrverband); jedoch schließt das Prinzip von Befehl und Gehorsam ein Streikrecht aus und das Vorbringen von Bitten, Beschwerden und Petitionen in Gemeinschaft mit anderen ist verboten. Die Einschränkung der Grundrechte des Soldaten wurde auf das militärisch absolut notwendige Minimum reduziert. Zusätzlich wurde die Pflicht zum Gehorsam auf rechtmäßige militärische Befehle eingeschränkt.

Die Innere Führung und damit das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform gilt für Wehrpflichtige genauso wie für Zeit- und Berufssoldaten. Die Innere Führung bildet mit dem Staatsbürger in Uniform einen wesentlichen Baustein in der Führungskräfteausbildung der Bundeswehr. Sowohl für Offiziere als auch für Unteroffiziere ist die Innere Führung stets Gegenstand laufender Aus- und Weiterbildung. Dabei kommt der Inneren Führung im Spektrum der Ausbildung eine zweifache Rolle zu: Sie ist eigenes Unterrichtsfach und gleichzeitig Anhalt, wie die Ausbildung zu gestalten ist.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolf Graf Baudissin: Soldat für den Frieden, Verlag Piper, München 1969.
  • Ulrich de Mazière: In der Pflicht, Verlag Mittler & Sohn, Bonn 1989.
  • Marc Habenicht: Die Führungsphilosophie der Bundeswehr (Innere Führung) – Eine Idee zur Menschenführung auch für andere Organisationen?...!, Verlag Dr. Kovac, Hamburg, 2012.
  • Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) 10/1 „Innere Führung” [1], 2008 (PDF 1,3 MB)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Welt Online: Bundeswehr braucht archaische Kämpfer, vom 29. Februar 2004
  2. Baudissin, W. (1969), S. 201.
  3. Vgl. Habenicht, M. (2012), S. 32.
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!