Staatspark Fürstenlager

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Karte von Bensheim mit dem Staatspark Fürstenlager östlich von Auerbach gelegen
Herrenhaus des Fürstenlagers
Brunnenanlage 'Gesundbrunnen' und Wachhaus im Februar 2006
Der Goethebrunnen außerhalb des Fürstenlagers im Jahr 1850
Der Goethebrunnen in Bensheim Hochstädten heute
Wachhaus im Fürstenlager
Die Eremitage im Fürstenlager
Das Innere des Fremdenbaus
Der Freundschaftstempel gegenüber dem Herrenhaus

Das Fürstenlager, auch Fürstenlager Auerbach genannt, wurde um 1790 durch die Landgrafen und Großherzöge von Hessen-Darmstadt in Auerbach, seit 1939 ein Stadtteil von Bensheim an der Bergstraße, als Sommerresidenz der Landgrafschaft errichtet.

In einem etwa 42 Hektar großen Park, mit über 50 exotischen Bäumen und Sträuchern, sind eine Vielzahl von Hofgebäuden in der Art eines Dorfes angeordnet. Der Park ist in Deutschland ein früher englischer Garten, der in eine hügelige Landschaft eingebettet wurde. Das Gartenkunst-Ensemble ist weitgehend in der Originalform erhalten. Heute ist der Park ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet. Der Name stammt aus der Bezeichnung der Residenz durch die Bevölkerung, die hier ihre Herrschaften auf Wiesen lagernd beobachten konnte. Denn der Park war nicht streng abgegrenzt, sondern auch während der „Staatsbesuche“ für die Bevölkerung offen.

Lage[Bearbeiten]

Das kleine stetig ansteigende Seitental des Roßbaches, in dem das Fürstenlager liegt, zweigt in Auerbach, der Bachgasse folgend, nach rechts von der L 3103, die weiter durch das Mühltal in den Odenwald, führt ab. Folgt man dem Tal durch das Fürstenlager hindurch, führt der Weg bis zum Felsberg mit dem Felsenmeer. Von den umliegenden Bergkämmen erblickt man das nahe gelegene Auerbacher Schloss, das Schönberger Schloss sowie die Starkenburg.

In der Bachgasse in Auerbach sind einige Parkmöglichkeiten für Busse und PKWs vorhanden. Von hier sind es etwa 10 Minuten Fußweg ins Fürstenlager. Wer einen Fußweg von ca. 40 Minuten nicht scheut, kann in Hochstädten am Goethebrunnen parken und durch den Wald, an der Eremitage vorbei, ins Fürstenlager laufen.

Die Gebäude der Residenz[Bearbeiten]

Die wichtigsten Gebäude im Staatspark sind:

  • Herrenhaus mit dahinter liegendem Bau für die Kammerherren. Nach der Sanierung von Grund auf befindet sich ab Mai 2014 im Herrenhaus ein Restaurant im Stil eines Landgasthofs.
  • Prinzenbau und Damenbau sind spiegelbildlich an der Hauptachse angeordnet.
  • Wache
  • Meierei
  • Konditoreibau
  • Kavaliersbau
  • Fremdenbau (heute neben der Verwaltung und kleinem Museum auch Standesamt)

Im Park verstreut befinden sich weitere Bauten wie:

  • Gesundbrunnen
  • Eremitage
  • Champignons
  • eine Grotte
  • das Luisendenkmal
  • ein Freundschaftsaltar
  • ein Eiskeller (Tunnel)

Der Goethebrunnen liegt außerhalb der Parkanlage im Hochstädter Tal[1]

Nicht mehr erhalten geblieben sind:

Die meisten Gebäude sind nicht unterkellert.

Bilderansichten[Bearbeiten]

Der Park[Bearbeiten]

Dorfstraße Fürstenlager

Neben dem bereits genannten Mammutbaum sind von der fremdländischen Vegetation noch Sumpfzypressen, Sicheltannen, dunkel blühende Magnolien, Buschkastanien und Ginkgos erwähnenswert. Der Park beginnt am Ende einer bergwärts immer schmaler werdenden typischen Dorfstraße am östlichen Rand der Rheinebene (Bachgasse von Auerbach nach Hochstädten). Die West-Ost-Richtung endet in einer Straßenkehre zu einem engen Nord-Süd-Seitental, dessen Grundweg von einer Allee gesäumt wird. Eine hölzerne Bogenbrücke in asiatischem Stil[3], die über den Auslauf eines Fischteichs zum rechten Hang führt, markiert den Beginn einer heute fast einmaligen Anlage. Die Anlage bildet in ihrem Charakter eine Zwischenlösung zwischen der damaligen regionalen Dorfkultur und den Residenzanlagen der damaligen Zeit. Nach dem Kavaliersbau und der Remise folgt in einer Ausweitung zur Doppelallee der Baumsaal aus Platanen, der in den Sommermonaten dem gesamten Hof den Aufenthalt in seinem Schatten ermöglichte. Hier schließen sich die wichtigsten Wirtschaftsgebäude an.

In einer Erweiterung des Tälchens zu einem Kessel steht neben der Quellfassung das Herrenhaus vor einem kleinen Teich und einer bergwärts laufenden großen Wiese, die von den Exoten gesäumt wird. Die Sequoia, eine Zypressenart, erreicht inzwischen eine Höhe von 53 Meter und wurde vor ca. 150 Jahren als Geschenk des englischen Königshauses, kurz nach dem Import der Baumart nach Europa, den hessischen Landgrafen für ihren Park geschenkt. Hier wurde er in halber Höhe des Hangs angepflanzt. Dieser Mammutbaum ist damit vermutlich der älteste Deutschlands und evtl. auf dem Kontinent. Die Wege erlauben vielfältige Spaziergänge und Blickachsen. Am oberen Rand sind Aussichtspunkte nord- und südwärts entlang der Bergstraße und bis zur Kalmit (Pfalz) im Westen. In der Nähe befinden sich die Burgruine Schloss Auerbach und Schloss Schönberg der Erbacher Grafen. Prägend für die Anlage ist auch die Wegbeziehung zum 5 km entfernten Felsenmeer im Odenwald. Der Hang hinter dem Herrenhaus war als Weinberg angepflanzt. Eine örtliche Wein-Einzellage zeugt heute noch vom historischen Fürstenlager. Fast alle Aussichtspunkte erhielten eine kleine Überbauung oder zumindest Ruhebänke.

Geschichte[Bearbeiten]

1730 wies der Amtsphysikus Johann David auf eine kleine eisenhaltige Quelle im Tal der Roßbach hin. 1739 fanden dort erstmals Grabungen statt, bei denen drei beieinander liegende Quellen gefunden und für den Badebetrieb hergerichtet wurden. 1740 verschlämmte die Quelle. 1766 wurde sie erneut erschlossen. 1767 wurde die bis heute erhaltene rotundenförmige Brunnenfassung des Gesundheitsbrunnen gebaut. 1768 wurden zwei Wohnpavillons gebaut und die ersten Alleen angelegt. Ein weiterer Gesundheitsbrunnen (heute der Goethebrunnen) wurde außerhalb der Parkanlage im Hochstädter Tal errichtet. 1783 besuchten der erkrankte Erbprinz Ludwig und seine Gemahlin Luise zum ersten Mal das Fürstenlager. Nach der Genesung des Prinzen verbrachte das Paar von nun an regelmäßig die Sommermonate im Fürstenlager.[4] Während der Bautätigkeiten zwischen 1790 und 1795 entstanden alle Gebäude, bis auf den Fremdenbau.

Die oberhalb des Fürstenlagers gelegene Auerbacher Bergkirche wurde als Hofkirche genutzt. Durch enge familiäre Beziehungen mit dem Zarenhof kam es zu langen Aufenthalten der Romanows und anderer russischer Fürsten in der Region und im Fürstenlager.

Nach dem Tod des Herzogspaares 1829/30 war die große Zeit des Fürstenlagers vorbei. Der Mineralgehalt der Quelle sank, und es gab nur noch einen eingeschränkten Kurbetrieb. 1918 ging das Fürstenlager in den Besitz des Volksstaates Hessen über. Es wurde vorübergehend zum Lazarett. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier Flüchtlinge untergebracht. 1953 übernahm die Staatliche Schlösser und Gärten Hessen die Verwaltung der Liegenschaften.

Kultur- und kunsthistorisch ist das Fürstenlager in seiner geschlossen erhaltenen Gesamtheit heute von hohem Wert. Die Pläne und Pflanzlisten der Originaleinrichtung und der späteren Veränderungen sind weitgehend komplett erhalten und erlauben die dem Original angepasste Renovierung, die seit einigen Jahren stattfindet. Die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten sanierte für 1,3 Millionen Euro das Herrenhaus und das Umfeld des repräsentativen Gebäudes. Außerdem wird die gesamte Parkanlage nach dem Leitbild eines englischen Landschaftsgartens umgestaltet und die historischen Sichtachsen werden wieder freigelegt.[5]

Der Park ist seit einigen Jahren auch Ort der Festspiele Auerbach[6] und Sommerspiele im Fürstenlager[7].

Frühe Dokumente vom Fürstenlager[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Biller: Burgen und Schlösser im Odenwald. Ein Führer zu Geschichte und Architektur. Schnell und Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1711-2, S. 73–75.
  • Claudia Gröschel: Staatspark Fürstenlager. Edition der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen. 1996. 52 Seiten. ISBN 3-927879-82-7
  • Dieter Griesbach-Maisant: Kulturdenkmäler in Hessen. Theiss, 2004. ISBN 3-8062-1905-2
  • Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, S. 46f., ISBN 3-89214-017-0

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. So belegt eine Urkunde von 1768 im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt (HADIS): Akkurater Grundriss von zwei Gesundheitsbrunnen, der eine im Hochstätter Tal, der andere im Roßbach, beide in der Auerbacher Gemarkung und Umgebung.
  2. Vergleiche die Geschichte der russischen Kapelle in Darmstadt auf der Mathildenhöhe. Das hiesige, bescheidene Holzgebäude ging durch Ameisenfraß verloren.
  3. Vergleiche z. B. die Chinesische Brücke im pfälzischen Schloss Schwetzingen um 1780
  4. Einen Eindruck vom Leben der Familie des Landgrafen im Fürstenlager vermittelt die Erzählung von Ernst Pasqué: Es steht ein Baum im Odenwald, Verlag Wilhelm Heß, Bensheim a.d.B. ohne Jahr.
  5. Annette Kunz: Herrenhaus ab 1. Mai wieder geöffnet. In: Bergsträßer Anzeiger vom 11. April 2014, S. 11
  6. http://www.festspiele-auerbach.de
  7. http://www.pegasus-bensheim.de/leistungen-2/leistungen/index.php

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fürstenlager – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.700258.63345Koordinaten: 49° 42′ 1″ N, 8° 38′ 0″ O