Stabsgefreiter

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Stabsgefreiter ist ein militärischer Dienstgrad der Bundeswehr und früherer deutscher Streitkräfte.

Bundeswehr[Bearbeiten]

Stabsgefreiter
Dienstgradabzeichen auf der Schulterklappe der Jacke des Dienstanzuges für Heeresuniformträger der Heeresflugabwehrtruppe. Dienstgradabzeichen auf der Schulterklappe der Jacke des Dienstanzuges für Luftwaffenuniformträger. Ärmelabzeichen am Hemd, weiß für Marineuniformträger (Verwendungsreihe 40er Marinetechnikdienst)

Dienstgradabzeichen[1][A 1]

Dienstgradgruppe Mannschaften[2]
NATO-Rangcode OR-4[3]
Dienstgrad Heer/Luftwaffe Stabsgefreiter
Dienstgrad Marine Stabsgefreiter[4]
Abkürzung (in Listen) StGefr (SG)[5]
Besoldungsgruppe A 5 nach BBesO[6]

Der Dienstgrad Stabsgefreiter wird durch den Bundespräsidenten mit der Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten[4] auf Grundlage des Soldatengesetzes[7] festgesetzt.

Befehlsgewalt und Dienststellungen[Bearbeiten]

In der Bundeswehr ist der Stabsgefreite ein Mannschaftsdienstgrad,[4] der gemäß der Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) 14/5 „Soldatengesetz“ zur Dienstgradgruppe der Mannschaften zählt. Aufgrund der Zugehörigkeit zur Dienstgradgruppe der Mannschaften können Stabsgefreite auf Grundlage des § 4 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund des Dienstgrades“) der Vorgesetztenverordnung niemandem allein auf Grund ihres Dienstgrades Befehle erteilen.[8][9] Wie alle Mannschaftsdienstgrade können sich Stabsgefreite auch in Notlagen nicht selbst zu Vorgesetzten gemäß § 6 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund eigener Erklärung“) der Vorgesetztenverordnung erklären.[10]

Stabsgefreite werden beispielsweise als Kraftfahrer geschützter Fahrzeuge, als besonders geschulter Infanterist (beispielsweise Scharfschütze, MILAN-Lenkschütze oder bei den spezialisierten Kräften), als Streifenführer im Wachdienst oder als Bediener von Waffensystemen (z. B. als Richtschütze gepanzerter Fahrzeuge), als Instandsetzer auch komplizierter technischer Systeme (Bordwaffen, Funkgeräte, optische und elektronische Aufklärungsmittel usw.), oder in Stabsabteilungen eingesetzt. Erfahrene Stabsgefreite sind manchmal Hilfsausbilder oder (dann aber meist nur übergangsweise nach § 5 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund besonderer Anordnung“) der Vorgesetztenverordnung) Gruppen- und Truppführer. Aufgrund ihrer Erfahrung, die meist der Erfahrung von jungen Portepeeunteroffizieren entspricht, sind Stabsgefreite in Stäben häufig mit Aufgaben betraut, die erhebliches Fachwissen und eine hohe Verantwortung bedingen. Aufgrund dieser und ähnlicher Dienststellungen und Aufgabenbereiche können Stabsgefreite in den in der Vorgesetztenverordnung aufgezählten Fällen und in den dort genannten Grenzen allen dienstlich oder fachlich unterstellten Soldaten Befehle erteilen.[8][11]

Ernennung und Besoldung[Bearbeiten]

Maßgebliche gesetzliche Grundlagen für die Ernennung zum Stabsgefreiten trifft die Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) und ergänzend die Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) 20/7. Zum Stabsgefreiten können Zeitsoldaten und beorderte Reservisten der Laufbahnen der Mannschaften ernannt werden.[A 2] Soldaten können 36 Monate nach Eintritt in ein Dienstverhältnis der Bundeswehr zum Stabsgefreiten ernannt werden.[A 3] Der Dienstgrad Stabsgefreiter muss ebenso wie die Dienstgrade Obergefreiter und Hauptgefreiter nicht durchlaufen werden. Daher können Gefreite oder Obergefreite direkt zum Stabsgefreiten befördert werden; Gefreite, Obergefreite und Hauptgefreite können auch direkt zum Oberstabsgefreiten ernannt werden und folglich den Dienstgrad Stabsgefreiter (und ggf. die anderen dazwischenliegenden Dienstgrade) „überspringen“.[A 4] In der Regel haben Stabsgefreite jedoch zuvor im Dienstgrad Hauptgefreiter gedient.[12][13][14][A 5]

Zeitsoldaten im Dienstgrad Stabsgefreiter werden nach der Bundesbesoldungsordnung (BBesO) mit A 5 besoldet.[6] Reservistendienstleistende erhalten stattdessen Wehrsold nach dem Wehrsoldgesetz.[15]

Dienstgradabzeichen[Bearbeiten]

HA OS5 15 Stabsgefreiter PzGren L.svg
Heer
LA OS5 15 Stabsgefreiter L.svg
Luftwaffe
MA OG5 15 Stabsgefreiter L.svg
Marine
Uniformträgerbereich[A 6][1]

Das Dienstgradabzeichen für Stabsgefreite zeigt vier Schrägstreifen auf beiden Schulterklappen bzw. für Marineuniformträger auf den Oberärmeln[A 7].[4][1]

Äquivalente, nach- und übergeordnete Dienstgrade[Bearbeiten]

Den Dienstgrad Stabsgefreiter führen sowohl Heeres-, Luftwaffen- als auch Marineuniformträger.[4] In den Streitkräften der NATO ist der Stabsgefreite zu allen Dienstgraden mit dem NATO-Rangcode OR-4 äquivalent. Gemäß NATO-Rangcode ist der Dienstgrad der Bundeswehr also beispielsweise mit dem Specialist der Streitkräfte der Vereinigten Staaten vergleichbar.[3]

In der Laufbahngruppe der Mannschaften ist der Stabsgefreite gemäß ZDv 20/7 über dem rangniedrigeren Hauptgefreiten und unter dem ranghöheren Oberstabsgefreiten eingeordnet.[14]

Französische Streitkräfte[Bearbeiten]

In Frankreich lautet der entsprechende Dienstgrad Caporal-chef de première class (auch Caporal-chef de 1er classe) und gehört zu der Dienstgradgruppe der Militaires du rang (Mannschaften). Er wurde erst 1999 eingeführt und existiert nur im Heer. Der Caporal-chef de première classe steht unter dem Sergent und über dem Caporal-chef. Von Dienstgradniederen wird er mit Caporal-chef oder auch nur mit chef angesprochen.

Nationale Volksarmee[Bearbeiten]

In der Nationalen Volksarmee und den Grenztruppen der DDR war Stabsgefreiter (OR-3) der höchste Dienstgrad der Mannschaften. Der Äquivalentdienstgrad der Volksmarine war der Stabsmatrose. Die Stehzeit bis zur Beförderung zum nächsthöheren Dienstgrad betrug bis zu einem Jahr und blieb in der Regel nur freiwillig Längerdienenden Soldaten vorbehalten. In der Nationalen Volksarmee wurde der Dienstgrad Stabsgefreiter bis zur Auflösung 1990 geführt.

Reichswehr und Wehrmacht[Bearbeiten]

Der Dienstgrad Stabsgefreiter wurde 1927 in der Reichswehr eingeführt. Im Heer der Wehrmacht wurde er, mit einer Unterbrechung von 1934 bis 1942, bis Kriegsende 1945 verliehen. In der Reichsmarine bzw. Kriegsmarine war er unausgesetzt bis 1945 in Gebrauch. (Siehe auch: NS-Ranggefüge). Die Luftwaffe der deutschen Wehrmacht führte ihn 1944 anstelle des Dienstgrades Hauptgefreiter ein.

Der Stabsgefreite war wie die anderen Gefreitendienstgrade für Angehörige der Mannschaften gedacht, denen die Unteroffizierslaufbahn verschlossen blieb. Sie wurden häufig mit Vertrauensstellungen wie Futter- und Quartiermeister bedacht. In den letzten Kriegsjahren wurden Stabsgefreite aufgrund des Mangels an Unteroffizieren oft als Gruppenführer verwandt.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Links: Dienstgradabzeichen auf der Schulterklappe der Jacke des Dienstanzuges für Heeresuniformträger der Heeresflugabwehrtruppe. Mitte: Dienstgradabzeichen auf der Schulterklappe der Jacke des Dienstanzuges für Luftwaffenuniformträger. Rechts: Ärmelabzeichen am Hemd, weiß eines Marineuniformträgers (Verwendungsreihe 40er Marinetechnikdienst)
  2. Da die Soldatenlaufbahnverordnung den Wechsel von Stabsgefreiten in andere Laufbahnen ermöglicht, gibt es aber auch Soldaten anderer Laufbahnen, die den Dienstgrad Stabsgefreiter führen.
  3. Aktive Soldaten können also in der Praxis nach 36 Monaten Dienstzeit zum Stabsgefreiten ernannt werden. Für Reservisten gilt entsprechend, dass die Beförderung erst 36 Monate nach Eintritt in ein entsprechendes Dienstverhältnis erfolgen kann. Reservisten und aktive Soldaten werden insoweit gleichgestellt, als dass die Ernennung in diesen Dienstgrad für Reservisten nicht früher erfolgt als für Soldaten, die in einem anderen Wehrdienstverhältnis „verblieben sind“. Reservisten werden also in dieser Hinsicht so behandelt, als ob sie ununterbrochen in der Bundeswehr gedient hätten. Die Dienstzeit fällt für Reservisten jedoch insgesamt meist wesentlich kürzer aus, da jeweils nur relativ wenige Tage Wehrdienst beispielsweise in Form von Wehrübungen vor Ernennung in einen höheren Dienstgrad abzuleisten sind.
  4. In der Praxis ist das „Überspringen“ von Dienstgraden sehr selten. Voraussetzung ist, dass die sonstigen Bedingungen der Soldatenlaufbahnverordnung für die Ernennung in einen höheren Dienstgrad insbesondere in Hinblick auf die abgeleistete Dienstzeit erfüllt sind. In der Regel durchlaufen Mannschaften die Dienstgrade in der üblichen Reihenfolge Gefreiter, Obergefreiter, Hauptgefreiter, Stabsgefreiter, Oberstabsgefreiter.
  5. ZDv 20/7 auf Grundlage § 44 der Soldatenlaufbahnverordnung ( Verordnung über die Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten (Soldatenlaufbahnverordnung – SLV). 19. März 2002 (Neugefasst durch Bek. v. 19. August 2011 I 1813. Zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 5 G v. 8. April 2013 I 730, HTML, abgerufen am 25. März 2014).)
  6. Aus Platzgründen verkürzte Bilduntertitel. Gemeint sind jeweils Heeresuniformträger, Luftwaffenuniformträger und Marineuniformträger. Die neben der Aufschiebeschlaufe für Heeresuniformträger abgebildete jägergrüne Flachlitze deutet auf einen Soldaten der Panzergrenadiertruppe, der Infanterie oder der Spezialkräfte hin. Neben den hier auf den Schulterklappen aufgeschoben abgebildeten Aufschiebeschlaufen für die Feldbluse im fünffarbigen Flecktarnmuster gibt es noch etliche weitere Dienstgradabzeichentypen, die im Artikel →„Dienstgradabzeichen der Bundeswehr“ ausführlicher dargestellt werden.
  7. In der Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten werden für Marineuniformträger die Ärmelabzeichen beschrieben. Für einige Anzugarten für Marineuniformträger sind jedoch nach Zentraler Dienstvorschrift 37/10 Schrägstreifen auf beiden Schulterklappen wie für Heeres- und Luftwaffenuniformträger vorgesehen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Stabsgefreiter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hartmut Bagger, Führungsstab der Streitkräfte I 3 , Bundesministerium der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 37/10. Anzugordnung für die Soldaten der Bundeswehr. Juli 1996. Neudruck von Oktober 2008. Bonn 16. Juli 2008, 4 Kennzeichnungen, S. 539 (Neudruck Oktober 2008 ersetzt Erstausgabe von Juli 1996, Digitalisat (PDF; 3,5 MB)).
  2.  Der Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 14/5. Soldatengesetz. DSK AV110100174, Änderungsstand 17. Juli 2008. Bonn 21. August 1978, Dienstgradbezeichnungen in der Bundeswehr, S. B 185 (Nicht zu verwechseln mit dem Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten (Soldatengesetz)).
  3. a b  Agreed English texts. STANAG 2116. NATO standardization agreement (STANAG). NATO codes for grades of military personnel. 5 Auflage. 1992 (Englisch, NATO Rank Codes - 1992 (HTML), abgerufen am 25. März 2014).
  4. a b c d e  Der Bundespräsident (Hrsg.): Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten. BPräsUnifAnO. 14. Juli 1978 (PDF).
  5.  Bundesminister der Verteidigung; Führungsstab der Streitkräfte IV 1 (Hrsg.): Abkürzungen für den Gebrauch in der Bundeswehr - Deutsche Abkürzungen – ZDv 64/10. Bonn 19. Januar 1979 (Stand 17. September 1999, PDF).
  6. a b  Anlage I (zu § 20 Absatz 2 Satz 1) Bundesbesoldungsordnungen A und B. (Bundesbesoldungsordnungen (BBesO) gelten nur für Berufs- und Zeitsoldaten und sind Anlage zum Bundesbesoldungsgesetz (BBesG), HTML, abgerufen am 25. März 2014).
  7.  Der Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten (Soldatengesetz - SG). Bonn 19. März 1956, § 4 Abs. 3 (2) (Neugefasst durch Bek. v. 30. Mai 2005 I 1482. Zuletzt geändert durch Art. 1 G v. 8. April 2013 I 730, PDF, abgerufen am 25. März 2014).
  8. a b  Der Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 14/5. Soldatengesetz. DSK AV110100174, Änderungsstand 17. Juli 2008. Bonn 21. August 1978, Die Vorgesetztenverordnung, S. A 12 1 (Nicht zu verwechseln mit dem Verordnung über die Regelung des militärischen Vorgesetztenverhältnisses (Vorgesetztenverordnung - VorgV)).
  9.  Bundesminister für Verteidigung (Hrsg.): Verordnung über die Regelung des militärischen Vorgesetztenverhältnisses (Vorgesetztenverordnung - VorgV). 4. Juni 1956, § 4 (Zuletzt geändert durch Art. 1 Nr. 2 V v. 7. Oktober 1981 I 1129, HTML, abgerufen am 25. März 2014).
  10.  Bundesminister für Verteidigung (Hrsg.): Verordnung über die Regelung des militärischen Vorgesetztenverhältnisses (Vorgesetztenverordnung - VorgV). 4. Juni 1956, § 6 (Zuletzt geändert durch Art. 1 Nr. 2 V v. 7. Oktober 1981 I 1129, HTML, abgerufen am 25. März 2014).
  11.  Bundesminister für Verteidigung (Hrsg.): Verordnung über die Regelung des militärischen Vorgesetztenverhältnisses (Vorgesetztenverordnung - VorgV). 4. Juni 1956 (Zuletzt geändert durch Art. 1 Nr. 2 V v. 7. Oktober 1981 I 1129, HTML, abgerufen am 25. März 2014).
  12.  Verordnung über die Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten (Soldatenlaufbahnverordnung - SLV). 19. März 2002 (Neugefasst durch Bek. v. 19. August 2011 I 1813. Zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 5 G v. 8. April 2013 I 730, HTML, abgerufen am 25. März 2014).
  13. Beachte auch:  Anlage (zu § 3). Zuordnung der Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten zu den Laufbahngruppen der Mannschaften, der Unteroffiziere und der Offiziere. (Anlage zu § 3 Verordnung über die Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten, HTML, abgerufen am 1. April 2014).
  14. a b  Der Bundesminister der Verteidigung; Abteilung Personal-, Sozial- und Zentralangelegenheiten (Hrsg.): ZDv 20/7. Bestimmungen für die Beförderung und für die Einstellung, Übernahme und Zulassung von Soldatinnen und Soldaten. Bonn 27. März 2002, Art. 635 (DSK AP210100187, Neudruck Januar 2008, PDF, abgerufen am 26. März 2014).
  15. Gesetz über die Geld- und Sachbezüge der Soldaten, die auf Grund der Wehrpflicht Wehrdienst leisten (Wehrsoldgesetz - WSG). In: Gesetze im Internet. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz; juris GmbH, 3. März 1957, abgerufen am 1. November 2014 (pdf, in der Fassung der Bekanntmachung vom 13. August 2008 (BGBl. I S. 1718), das zuletzt durch Artikel 2 Absatz 8 des Gesetzes vom 8. April 2013 (BGBl. I S. 730) geändert worden ist).