Stachelaale

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Stachelaale
Mastacembelus armatus

Mastacembelus armatus

Systematik
Ctenosquamata
Acanthomorphata
Stachelflosser (Euacanthomorphacea)
Barschverwandte (Percomorphaceae)
Ordnung: Kiemenschlitzaalartige (Synbranchiformes)
Familie: Stachelaale
Wissenschaftlicher Name
Mastacembelidae
Bleeker, 1870

Die Stachelaale (Mastacembelidae), auch Pfeilaale genannt, leben mit fast 90 Arten in tropischen und subtropischen Süßgewässern der Alten Welt. Einige Stachelaalarten werden als Speisefische gefangen. Kleinere oder besonders farbige Arten gelangen öfters in den Aquarienfisch-Handel.

Verbreitung[Bearbeiten]

Sie leben vom Stromgebiet von Euphrat und Tigris (Mastacembelus mastacembelus[1]) über Indien und Südostasien bis in den Süden Chinas. In Afrika kommen sie im Kongo, im oberen Sambesi, Okavango, Malawisee und Victoriasee vor. Im ostafrikanischen Tanganjikasee gibt es 13 endemische Arten, die dort einen monophyletischen Artenschwarm bilden, der im Zug einer adaptiven Radiation entstanden ist.[2] Die asiatischen Arten gehen teilweise auch ins Brackwasser. Insgesamt gibt es 39 Arten in Asien und 48 in Afrika.

Aussehen[Bearbeiten]

Stachelaale haben einen aalartigen, manchmal auch bandförmigen, langgestreckten Körper. Der größte Stachelaal ist der Feuer-Stachelaal (Mastacembelus erythrotaenia), der eine Länge von einem Meter erreicht, während der winzige Caecomastacembelus latens aus den Stromschnellen des unteren Kongo nur sieben Zentimeter lang wird. Bei den meisten ist der Körper 15 bis 20 mal so lang wie die Körperhöhe. Einige Arten sind deutlich gedrungener und nur 6 bis 7 mal so lang wie ihr Körper hoch ist. Im Unterschied zu echten Aalen haben sie kurze Rücken- und Afterflossenstacheln, die aber meist nicht durch Flossenmembran verbunden sind. Bauchflossen fehlen. Die Schwanzflosse kann mit der Rücken- und der Afterflosse verschmolzen sein. Die Fische leben benthisch und nachtaktiv, ihre Augen sind schwach, manche sind praktisch blind – der Geruchssinn ist dafür sehr gut entwickelt.

Charakteristisch ist, dass die „Oberlippe“ mit den vorderen Nasenöffnungen zu einem rüsselartigen Fortsatz verlängert ist (daher der Name: von griechisch μάσταξ ‚Maul‘, ‚Schnabel‘, ‚Oberlippe‘, griechisch εv- ‚ein-‘, griechisch βέλος ‚Geworfenes‘, also etwa ‚Fisch, der die Oberlippe vorbewegt, den Rüssel wo hineinsteckt‘) – dafür ist das Prämaxillare nicht vorstreckbar, der dafür sonst zuständige Muskel bewegt hier den "Rüssel" samt seiner knorpeligen Achse. Die hinteren Narinen (Nasenöffnungen) liegen vor den Augen. Das Ectopterygoid gelenkt mit dem Praefrontale, eine sehr ungewöhnliche Artikulation. Prämaxillare und Dentale sind fein bezahnt. Die Kiemenöffnungen liegen vereinigt ventral, ähnlich wie bei den verwandten Kiemenschlitzaalen (Synbranchidae). Die Kiemenbogen sind vom Stachelflosser-Typ (Regan 1912). Der Schultergürtel ist vom Hinterhaupt weit abgerückt. 66 bis 110 Wirbel.

Flossenformel: Dorsale IX-XXXXII/52-131, Anale II-III/30-130, Caudale 19, Pectorale 22.

Verhalten[Bearbeiten]

Alle Stachelaale bevorzugen stark bewachsene Regionen ihrer Wohngewässer, die Arten in den weitgehend vegetationslosen ostafrikanischen großen Seen verstecken sich zwischen Steinen. Sie sind nachtaktiv. Die aalförmigen Arten verbringen den Tag meist eingegraben im Boden, während sich die bandförmigen Arten zwischen Wasserpflanzen verbergen. Zumindest Arten, die Trockenzeiten eingegraben überdauern, sind dann Luftatmer. Stachelaale ernähren sich von Würmern, Kleinkrebsen und kleinen Fischen.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Das Fortpflanzungsverhalten der Stachelaale ist bei einigen Arten durch Beobachtungen in Aquarien bekannt. Der Gürtel-Stachelaal (Macrognathus circumcinctus), eine Art, die in schnell strömenden Gewässern lebt, laicht im Flusskies, die stark klebenden Eier bleiben daran haften. Der Augenfleck-Stachelaal (Macrognathus aculeatus) laicht als Freilaicher in der Nähe der Wasseroberfläche. Die Jungfische halten sich in Bodennähe auf.[3]

Äußere Systematik[Bearbeiten]

Die Stachelaale gehören zur Ordnung der Kiemenschlitzaalartigen (Synbranchiformes). Schwestergruppe der Stachelaale sind die winzigen, wurmartigen Chaudhuriidae, mit denen sie in der Unterordnung Mastacembeloidei vereint werden. Diese ist Schwestergruppe der übrigen Synbranchiformes, also der gemeinsamen Klade von Kiemenschlitzaalen (Synbranchidae) und Stachelröhrenmäulern (Indostomidae). Die Sagitta, ein Otolith im Fischohr, entspricht der der Barschartigen und zeigt die Zugehörigkeit der Stachelaale und aller Kiemenschlitzaalartigen zu den Barschverwandten (Percomorphaceae).

Innere Systematik[Bearbeiten]

Die Stachelaale wurden von R. A. Travers in zwei Unterfamilien unterteilt, die Afromastacembelinae mit den Gattungen Afromastacembelus und Caecomastacembelus, zu denen die afrikanischen Arten gehören, deren Schwanzflosse mit der Rücken- und der Afterflosse zusammengewachsen ist, und die Mastacembelinae mit den Gattungen Macrognathus, Mastacembelus und Sinobdella, zu denen asiatische Arten mit isoliert stehender Schwanzflosse gehören.[4] Diese Systematik hat sich jedoch nicht durchgesetzt, da diese Gattungen keinen monophyletischen Gruppen entsprechen[2], und die Gattungen Afromastacembelus und Caecomastacembelus werden als Synonyme von Mastacembelus angesehen.

Gattungen und Arten[Bearbeiten]

Indischer Zwergstachelaal
(Macrognathus pancalus)
Pfauen-Stachelaal
(Macrognathus siamensis)
Zebra-Stachelaal
(Macrognathus zebrinus)
Feuer-Stachelaal
(Mastacembelus erythrotaenia)
Macrognathus aculeatus,
Mastacembelus unicolor,
Mastacembelus zebrinus,
Mastacembelus pancalus.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph S. Nelson: Fishes of the World. John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7
  • W. A. Gosline (1983): The relationships of the Mastacembelid and Synbranchid fishes.- Jap. J. Ichthyol. 29: 323–328.
  • W. K. Gregory (1933): Fish skulls.- New York Zool. Soc.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mastacembelus mastacembelus auf Fishbase.org (englisch)
  2. a b c d Katherine J. Brown, Lukas Rüber, Roger Bills & Julia J. Day: Mastacelembelid eels support Lake Tanganyika as an evolutionary hotspot of diversification. BMC Evolutionary Biology, 2010, 10:188, doi: 10.1186/1471-2148-10-188
  3. Peter Bucher: Zootierhaltung 5. Fische. Deutsch Harri GmbH, 2005, ISBN 3-8171-1352-8
  4. R. A. Travers (1984): A review of the Mastacembeloidei, a suborder of synbranchiform fishes. Part I: Anatomical descriptions. Bull. Br. Mus. Nat. Hist. (Zool.) 46: 1–133.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mastacembelidae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien