Stachus

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Karlsplatz
Stachus
Muenchen Kleines Stadtwappen.svg
Platz in München
Karlsplatz
Stachus in München (2009)
Blick in Richtung Osten
Basisdaten
Ort München
Ortsteil Altstadt
Angelegt 1791/92
Neugestaltet 1970/72 (Errichtung der Fußgängerzone)
Hist. Namen Neuhauser-Tor-Platz (1791-1797)
Einmündende Straßen Lenbachplatz, Neuhauser Straße, Sonnenstraße, Adolf-Kolping-Straße, Schlosserstraße, Bayerstraße, Schützenstraße, Prielmayerstraße
Bauwerke Karlstor, Justizpalast
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Individualverkehr, ÖPNV
Platzgestaltung Springbrunnen (Bernhard Winkler, 1972)

Der Karlsplatz, auch Stachus genannt, ist ein Platz in München.

Geschichte[Bearbeiten]

Neuhauser Tor mit Stadtgraben und vorgelagertem Rondell

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Der Karlsplatz liegt an einer Stelle, über die im Mittelalter die Salzstraße führte, die Herzog Heinrich der Löwe von Föhring nach München verlegt hatte und der die Stadt München ihre Existenz und ihren Wohlstand verdankte. Beim Bau der zweiten Stadtmauer in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde hier ein Stadttor errichtet, das 1302 erstmals urkundlich erwähnt und nach dem Ort, zu dem die Straße als Nächstes führte, Neuhauser Tor genannt wurde.[1] Im 15. Jahrhundert wurde dieses Tor verstärkt und erhielt ein Vortor mit zwei flankierenden Seitentürmen, das heute noch erhalten ist und den Abschluss des Platzes nach Osten bildet. Ebenfalls im 15. Jahrhundert wurde vor dem Tor ein Vorwerk in Form eines Rondells errichtet, dessen Fundamente beim Ausbau des Stachusuntergeschosses und der U-Bahn wiederentdeckt wurden.[2] Im 17. Jahrhundert wurde eine Wallbefestigung um München herum gelegt, dabei wurde anstelle des Rondells eine Bastion des Walls auf dem heutigen Karlsplatz errichtet.

Geschichte als Platz[Bearbeiten]

Am 18. März 1791 befahl Kurfürst Karl Theodor, die Bastion vor dem Neuhauser Tor zu schleifen und die Zufahrt zu dem Tor neu zu gestalten. Im August begannen die entsprechenden Arbeiten.[3]

Namensgebung[Bearbeiten]

Karlsplatz-Rondell im 19. Jahrhundert

Auf dem Gelände Ecke Sonnenstraße/Bayerstraße, wo heute der Kaufhof steht, stand im 18. Jahrhundert ein Haus, das seit 1710 im Besitz der Familie Föderl war, die dort und in dem dazugehörigen Garten Bier ausschenkten. Seit 1728 ist dort ein Mathias Eustachius Föderl, genannt „Eustachi“, als Wirt verzeichnet. Nach ihm erhielt die Gastwirtschaft den Namen „Stachus“, der als Stachus-Wirt und Stachus-Garten auch noch bezeugt ist, nachdem der Betrieb von einer anderen Familie übernommen worden war. Von der Gastwirtschaft wurde der Name „Stachus“ dann auf den Platz übertragen, an dem sie lag.[4] Allerdings war Eustachi Föderl offensichtlich im 19. Jahrhundert nicht mehr bekannt, so dass man nach anderen Erklärungen für den Namen suchte. So leitete z. B. Felix Joseph Lipowski 1815 in seinen Urgeschichten von München den Namen Stachusgarten von „der Herren Stachelschüssen“ ab, einer mittelalterlichen Schießstätte für Pfeilschützen vor dem Neuhauser Tor.[4][5]

Nach seiner Anlage 1791 hieß der Platz offiziell nach dem an ihm gelegenen Tor zunächst „Neuhauser-Tor-Platz“, ähnlich wie heute noch der Isartorplatz und der Sendlinger-Tor-Platz. Nachdem das Neuhauser Tor im Juli 1792 zu Ehren des bayerischen Kurfürsten Karl Theodor in Karlstor umbenannt worden war, behielt der Platz zunächst seinen alten Namen, erst im Februar 1793 ist der Name „Karls-Thor-Platz“ belegt. Am 27. April 1797 genehmigte Karl Theodor die Umbenennung des Platzes in Karlsplatz.[4][6] Dass der Pfälzer Kurfürst bei den Münchnern äußerst unbeliebt war, ist vielleicht ein Grund dafür, dass der alte Name „Stachus“ weiter in Gebrauch blieb, er ist in München sogar Bestandteil der elektronischen U-Bahn-Ansage, während das offizielle „Karlsplatz“ von Münchnern überhaupt nicht verwendet wird.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Stachus war sehr verkehrsreich, bis sein Ostteil mit der Neuhauser Straße, die am Karlstor beginnt und am Färbergraben endet (die Fortführung des Straßenzugs zum Marienplatz heißt Kaufingerstraße), in eine Fußgängerzone umgewandelt wurde. Dies wird durch die Münchner Redewendung „Da geht’s ja zu wie am Stachus“ belegt. Auf die nach wie vor präsente Funktion als Knotenbahnhof spielt die höfliche Bitte an, einer, der einem auf den Fuß gestiegen ist, möge doch bitte nächstesmal am Stachus umsteigen.

Die den Platz begrenzenden Rondellbauten wurden in den Jahren 1796 bis 1802 erbaut. 1899 bis 1902 wurden sie durch Gabriel von Seidl aufgestockt und umgebaut. Dabei wurden die inneren Abschlussbauten, die vor den Seitentürmen des Karlstors lagen, abgerissen, so dass das Karlstor vom Platz aus frei sichtbar wurde.

In direkter Sichtachse an der Sonnenstraße gegenüber dem Karlstor befindet sich das Hotel Königshof. Auf der nord-westlichen Seite wurde der Platz zunächst durch den Alten Botanischen Garten begrenzt. An dieser Stelle wurde im Jahr 1891 der Justizpalast errichtet. An der Südwestseite, wo sich früher der Stachusgarten befand, steht heute der von dem Architekten Theo Pabst entworfene Kaufhof.

Der Brunnen wurde 1970 im Zuge des Baus der Münchner S-Bahn eingerichtet; in dieser Zeit entstanden auch das unter dem Platz liegende Einkaufszentrum – das Stachusbauwerk, das größte Untergrundbauwerk Europas,[7] und der unterirdische U- und S-Bahnhof Karlsplatz (Stachus). Der Entwurf des Springbrunnes stammt von Bernhard Winkler (1972). Nachts wird der Brunnen von 28 Leuchten angestrahlt.

2005 wurden die unterirdischen baulichen Anlagen (außer Bahnanlagen) − das Stachusbauwerk − von der Landeshauptstadt München an die Stadtwerke München verkauft. Diese fand mit der LBBW einen Investor, der diese Anlagen bis zum Jahr 2009 für insgesamt 30 Millionen Euro renovieren wollte.

Seit Februar 2007 wird das Einkaufszentrum unter dem Namen „Stachus Passagen“ von der LBBW Immobilien GmbH betrieben. Diese führte im gleichen Jahr einen Architekturwettbewerb zur Modernisierung und zum Umbau durch, aus dem das Münchner Architekturbüro Allmann Sattler Wappner als Sieger hervorging.[8] Im Frühsommer 2011 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen.[9]

Für das Stachusbauwerk hat die Stadtverwaltung bereits 1971 die Stachusbauwerk-Satzung erlassen, nach der dort (zum Beispiel) weder genächtigt, Alkohol konsumiert, gebettelt, musiziert oder gesessen werden darf.

Die McDonald’s-Filiale im südlichen Rondellbau ist eine der umsatzstärksten weltweit; in der ersten Jahreshälfte 2006 war sie die umsatzstärkste aller Filialen.[10]

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Lehnbruch: Ein neues München. Stadtplanung und Stadtentwicklung um 1800. Forschungen und Dokumente. Buchendorf 1987
  •  Helmuth Stahleder: Haus- und Straßennamen der Münchner Altstadt. Hugendubel, München 1992, ISBN 3-88034-640-2, S. 171, 605ff.
  • Helmuth Stahleder; Richard Bauer, Stadtarchiv München (Hrsg.): Chronik der Stadt München. Dölling und Galitz Verlag, München, 2005
  • Karl Stankiewitz: Der Stachus – Wo München modern wurde. MünchenVerlag, 122 S., 2007. ISBN 3-937090-14-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stachus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stahleder: Chronik, Bd. 1, S. 67
  2.  Michael Weithmann: Burgen in München. Stiebner Verlag, München 2006, ISBN 3-8307-1036-4, S. 135.
  3. Stahleder, Chronik, Bd. 3, S.407, 410
  4. a b c Stahleder: Haus- und Straßennamen, S. 171
  5. Felix Joseph Lipowski: Urgeschichten von München. II. Theil, München, 1815, S. 466, 470 (online)
  6. Stahleder:Chronik, Bd. 3, S. 453
  7. muenchen.de: Das Stachusbauwerk
  8. http://www.stachus-passagen.com/allgemeines.html
  9. http://www.stachus-passagen.de/stachusnewsdetail/items/stachus-passagen-feierten-das-ende-der-umbauarbeiten.html
  10. McDonald’s steigert seinen Umsatz

48.13916666666711.565833333333Koordinaten: 48° 8′ 21″ N, 11° 33′ 57″ O