Stade Vélodrome

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Stade Vélodrome
Logo des neuen Stade Vélodrome
Das im Umbau befindliche Stade Vélodrome im August 2013
Das im Umbau befindliche Stade Vélodrome im August 2013
Daten
Ort FrankreichFrankreich Marseille, Frankreich
Koordinaten 43° 16′ 11,3″ N, 5° 23′ 45,3″ O43.2698055555565.3959222222222Koordinaten: 43° 16′ 11,3″ N, 5° 23′ 45,3″ O
Eigentümer Stadt Marseille
Baubeginn 28. April 1935
Eröffnung 13. Juni 1937
Erstes Spiel Olympique Marseille - AC Torino 2:1
Renovierungen 1984, 1998, 2011–2014
Oberfläche Naturrasen
Architekt Henri Ploquin
Kapazität 48.000 Plätze (Saison 2013/14)
67.000 Plätze (nach dem Umbau)
Spielfläche 105 x 68 m
Verein(e)
Veranstaltungen

Das Stade Vélodrome ist ein gegenwärtig im Umbau befindliches Stadion in Marseille, Frankreich und hatte bis dahin eine Kapazität von 60.301 Zuschauern. Während der Saison 2013/14 ist das Stadion für 48.000 Besucher zugelassen, bevor es fertiggestellt 67.000 Plätze bieten soll.[1] Damit ist es das größte Stadion in Frankreich, in dem ein Verein spielt. Noch größer ist nur das französische Nationalstadion, das Stade de France in Saint-Denis. Das Stade Vélodrome gehört der Stadt Marseille und ist die Heimat der Fußballer von Olympique Marseille. Es ist außerdem noch eine Spielstätte der französischen Rugbynationalmannschaft und war Austragungsort bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 und der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2007. Zudem war das Stadion Spielstätte bei den Weltmeisterschaften 1954, 1972 und 1975 im Rugby League.

Geschichte[Bearbeiten]

Das ursprüngliche Stadion mit 30.000 Plätzen wurde für die Fußball-Weltmeisterschaft 1938 gebaut und am 13. Juni 1937 eingeweiht. Für die Weltmeisterschaft 1998 wurde das Stadion renoviert und auf seine jetzige Größe erweitert. Obwohl die namengebende Radrennbahn zwischen Tribünen und Spielfeld im Zuge dieses Umbaues abgerissen wurde, wurde seine traditionelle Bezeichnung beibehalten.

Im Dezember 2005 wurde durch den Bürgermeister von Marseille ein Modell für eine erneute Erweiterung der Kapazität auf 80.000 Zuschauer vorgestellt.[2] Diese Pläne stießen aber auf starke Kritik in der Bevölkerung, da die Baukosten als zu hoch angesehen wurden. Aufgrund dieser Kritik und ungesicherter Finanzierung wurden die Pläne gestoppt. Beim Champions-League-Spiel Marseille gegen den FC Liverpool am 11. Dezember 2007 war das Stade Vélodrome erstmals komplett ausverkauft (60.031 Zuschauer); bis dahin stand der Rekord bei 58.897 aus dem Jahr 2004.

Ausbau zur Europameisterschaft 2016[Bearbeiten]

Für die Fußball-Europameisterschaft 2016 soll das Stade Vélodrome überdacht und auf rund 67.000 Plätze erweitert werden.[3] Mit dem Bau wurde im März 2011 begonnen, die Fertigstellung des Stadions soll im Sommer 2014 erfolgen. Zusätzlich soll bis 2016 eine neue „Mantelbebauung“ mit einem Einkaufszentrum errichtet werden.

Im Sommer 2009 stimmte der Stadtrat trotz erheblicher Bedenken mehrheitlich einem Vertrag zu, wonach dies in Form einer öffentlich-privaten Partnerschaft zwischen Marseille und einem Konsortium namens Arema geschehen sollte, das sich aus den Bauunternehmen GFC Construction (eine Tochterfirma von Bouygues), Eiffage und Vinci zusammensetzt und einen Teil der Finanzierung – zu diesem Zeitpunkt wurden die Gesamtkosten auf 120 bis 160 Mio. Euro beziffert – bereitstellt, zu der die hoch verschuldete Stadt alleine nicht in der Lage gewesen wäre. Allerdings hatte sich bereits 2010 herausgestellt, dass die Gesamtkosten sich tatsächlich auf 267,5 Mio. Euro belaufen würden; davon müssen die öffentlichen Hände (vom französischen Staat über die verschiedenen regionalen Gebietskörperschaften bis zur Kommune) 135 Mio. zuzüglich dem auf etwa 30 Mio. Euro geschätzten Verzicht auf Baugenehmigungsgebühren aufbringen, Arema hingegen lediglich gut 100 Mio. Euro. Als Gründe der Kostenexplosion wurden die Bedingung, dass der Umbau bei laufendem Spielbetrieb durch Olympique Marseille erfolgen müsse, der Wunsch nach einem angrenzenden zusätzlichen, kleinen Stadion und die ursprünglich ebenfalls nicht eingeplante Berücksichtigung einer erdbebensicheren Bauweise genannt.[4]

Dafür, dass Arema für die Baukosten finanziell in Vorlage tritt, erhält das Konsortium von 2013 bis zum Jahr 2044 jährlich 23,5 Mio. Euro, insgesamt also beinahe 730 Mio. Euro, aus dem Verkauf der Namensrechte, den Eintrittsgeldern diverser Veranstaltungen, sowie – so beabsichtigt es zumindest die Stadtverwaltung – vom Hauptmieter Olympique Marseille; dann müsste die klamme Kommune nichts dazubezahlen. Für den Verein würde dies ab Fertigstellung des Stadions eine jährliche Mietzahlung von 8 Mio. Euro bedeuten, mithin mehr als fünf Mal so viel wie bisher (1,5 Mio. Euro pro Jahr). Dazu ist der Verein, der an der Vertragsgestaltung im Vorwege nicht beteiligt worden war, nicht bereit. Er weist zudem darauf hin, dass er während der Umbauphase einen massiven Rückgang der Einnahmen aus den Eintrittsgeldern hinzunehmen hat: betrug die mittlere Zuschauerzahl bei Punktspielen in der Saison 2010/11 noch gut 51.000 Besucher, ist sie in der Saison 2012/13 auf etwas über 33.000 zurückgegangen. Über die dreijährige Bauphase hochgerechnet, entspricht dies einem Einnahmeminus von rund 30 Mio. Euro abzüglich der 4,35 Mio., die Olympique einspart, weil es währenddessen lediglich symbolische 50.000 Euro pro Jahr Miete an die Stadt bezahlen muss.[5]

Galerie[Bearbeiten]

Panorama[Bearbeiten]

Innenraumpanorama des Stadions am 19. Oktober 2010 beim Spiel der UEFA Champions League gegen MŠK Žilina (1:0)

Literatur[Bearbeiten]

  • Dossier „Vélodrome, la bombe à retardement“ („Das Vélodrome, die Zeitbombe“) in France Football vom 30. April 2013, S. 18–25

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stade Vélodrome – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vélodrome : 48.000 places pour 2013-14 (französisch)
  2. Bilder des damaligen Stadionentwurfs
  3. Modell des Stadions (französisch)
  4. Vélodrome, la bombe à retardement, S. 20
  5. Vélodrome, la bombe à retardement, S. 22 und 24