Stadel (Herrieden)

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49.22861111111110.443888888889438Koordinaten: 49° 13′ 43″ N, 10° 26′ 38″ O

Stadel
Stadt Herrieden
Höhe: 438 m ü. NN
Einwohner: 117 (31. Jul. 2005)
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Postleitzahl: 91567
Vorwahl: 09804
Stadel
Ortsmitte mit der Kapelle „Unsere Liebe Frau und St. Wendelin“

Stadel ist ein Ortsteil der Stadt Herrieden im Landkreis Ansbach des Regierungsbezirkes Mittelfranken.

Geografie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt westlich der Altstadt von Herrieden. Im Westen von Stadel schließt sich der Stadler Wald an. Südlich des Ortes fließt der Moosgraben, ein rechter Zufluss der Altmühl.

Geschichte[Bearbeiten]

Stadel entstand vermutlich im 8./9. Jahrhundert, als sich Bauern nach und nach um einen gemeinsam genutzten Stadel (= Scheune) ansiedelten. Das älteste Salbuch des Kollegiatstiftes Herrieden von 1288 bezeichnete Stadel als eines von neun Stiftsämtern; der Amtmannshof bezog Nutzungen von Höfen und Gütern in Elbersroth, Gimpertshausen, Gräfenbuch, Schönau, Stadel und Stegbruck.[1] Amt und Hof gingen im 15. Jahrhundert ebenso wie Güter derer von Lentersheim in Stadel an den bischöflichen Stuhl von Eichstätt über, der den Hof zu Lehen gab. Gegen Ende des Alten Reiches, 1802, gab es in dem Dorf 14 Haushalte, die sämtlich dem eichstättischen Oberamt Herrieden-Wahrberg untertan und in die Pfarrei Herrieden eingepfarrt waren.[2]

Im neuen Königreich Bayern (1806) wurde Stadel dem Steuerdistrikt Aurach im Landgericht und Rentamt Herrieden angegliedert. Das Dorf bestand aus 22 Familien mit insgesamt 124 Personen.[3] Infolge des Gemeindeedikts von 1818 bildete Stadel mit dem Weiler Schönau eine selbstständige Gemeinde im Landgericht Herrieden des Bezirksamts (und späteren Landkreises) Feuchtwangen. 1867 hatte die Gemeinde 156 Einwohner, davon 129 im Ort Stadel selber, der zu dieser Zeit 39 Gebäude aufwies.[4] Ein amtliches Verzeichnis von 1876 führt dagegen nur 126 Einwohner an, aber 51 Gebäude.[5]

Um 1950 gab es im Dorf Stadel 15 landwirtschaftliche Anwesen.[6] 1961 hatte das Dorf 69 Einwohner in 15 Wohngebäuden, der Weiler Schönau 30 Einwohner in sieben Wohngebäuden.[7] Im Zuge der Gebietsreform ließ sich die Gemeinde Stadel 1972 nach Herrieden im Landkreis Ansbach eingemeinden.[8]

Mehrere große Fachwerkscheunen bestimmen noch heute das Ortsbild.

Baudenkmäler [9][Bearbeiten]

  • Katholische Ortskapelle Unsere Liebe Frau und St. Wendelin, Saalraum, massiver Satteldachbau, 1727 anstelle einer im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Vorgängerkapelle errichtet, mit Dachreiter von 1948; mit Altarbildern und Kreuzwegstationen des frühen 19. Jahrhunderts[10]
  • Kirchenwegfeld: Golgathagruppe, um 1910; im Kreuzfeld nordöstlich des Ortes an der Stelle einer Hinrichtung von 600 Flagellanten im Jahr 1382/83[11]
  • Haus Nr. 1: ehemalige Zehntscheune des ehemaligen Amtmannshofes, eingeschossiges Gebäude mit Steildach, massiv, mit Fachwerkgiebel, 18. Jahrhundert, renoviert 1860; Scheune, Satteldachbau mit Fachwerkkniestock und Fachwerkgiebel, erste Hälfte 19. Jahrhundert
  • Haus Nr. 2: Scheune, eingeschossiger Satteldachbau, Fachwerk, wohl spätes 18. Jahrhundert
  • Haus Nr. 7: Scheune, eingeschossiger Satteldachbau, Fachwerk, wohl um 1800
  • Haus Nr. 9: Scheune, eingeschossiges Gebäude mit Steildach, Fachwerk, wohl um 1800, verändert
  • Haus Nr. 10: Scheune, eingeschossiges Gebäude mit Steildach, Fachwerk, 18./19. Jahrhundert
  • Haus Nr. 14: Stattliche Fachwerkscheune, Walmdach, um 1800
  • Rothfeld: Grenzstein, Wappenrelief mit Ansbacher und Eichstätter Wappen, um 1600; 700 Meter südöstlich am Waldrand
  • Von Stadel nach Stegbruck: Kriegerdenkmal, in Bildstockform mit Kreuzigungsrelief, 1914/18, nach 1944; am Ortsausgang Richtung Stegbruck
  • Von Stadel nach Stegbruck: Grenzbaum, seit 17. Jahrhundert Grenzzeichen zwischen Gemarkung Stadel und Heuberg, mit Gusseisenkruzifix des 19. Jahrhunderts; 700 Meter außerhalb des Ortes Richtung Stegbruck

Einwohnerentwicklung der Gemeinde Stadel[Bearbeiten]

  • 1910: 142 [12]
  • 1933: 119
  • 1939: 136 [13]
  • 1987: 93 (nur Stadel)[14]
  • 2005: 117 (nur Stadel)

Stadler Wald[Bearbeiten]

Das über 100 Morgen große Waldgebiet, das sich nordwestlich bis südöstlich von Stadeln hinzieht, gab immer wieder Anlass zu rechtlichen Auseinandersetzungen. Um den Wald ranken sich mehrere Sagen und Legenden. Heute ist er im Besitz des Freistaates Bayern. Nutzungsrechte haben die Bauern von Stadel, Schönau und Stegbruck.[15]

Modellflugplatz[Bearbeiten]

Südöstlich von Stadel befindet sich ein größerer asphaltierter Modellflugplatz, der 1972 eingeweiht wurde.[16]

Straßennetz von Stadel

Verkehr[Bearbeiten]

Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Stegbruck, Aurach und nach Elbersroth zur Kreisstraße AN 36.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martha Spanheimer: Altgemeinde Stadel. In: Herrieden an der Altmühl, Herrieden 1982, S. 232-237
  • Manfred Jehle: Ansbach. Historischer Atlas von Bayern I 35, 2 Bde., München 2009
  •  Johann Kaspar Bundschuh: Geographisches statistisch-topographisches Lexikon von Franken. Band 5. Stettinische Buchhandlung, Ulm 1802, Sp. 389–391, DNB 790364328.
  •  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 461.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spanheimer, S. 232
  2. Bundschuh, Bd. 5, Sp. 389-391; Jehle, Bd. 1, S. 120, 290, 510
  3. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise ... enthaltenen Ortschaften, Ansbach 1818, S. 87
  4. Joseph Heyberger: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon, München 1867, Sp. 1026
  5. Kgl. Statistisches Bureau in München (Bearb.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern, München 1876, Sp. 1192
  6. Spanheimer, S. 232
  7. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961, München 1964, Spalte 778
  8. Wilhelm Volkert (Hrsg.), S. 461
  9. Baudenkmäler in Herrieden (PDF-Datei; 163 kB)
  10. Spanheimer, S. 236
  11. Spanheimer, S. 233 f.
  12. http://www.ulischubert.de/geografie/gem1900/gem1900.htm?mittelfranken/feuchtwangen.htm
  13. http://geschichte-on-demand.de/bay_feuchtwangen.html
  14. http://gov.genealogy.net/ShowObjectSimple.do?id=STADELJN59FF
  15. Spanheimer, S. 235
  16. Spanheimer, S. 237