Stadion (Adelsgeschlecht)

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Wappen derer von Stadion

Das schwäbische Uradelsgeschlecht der Herren, Freiherrn und Grafen von Stadion stammt ursprünglich aus Graubünden in Rhatien. Es zählte zum Hochadel.[1] Das Geschlecht ist 1908 im Mannesstamm erloschen.

Überblick zur Geschichte[Bearbeiten]

Das Geschlecht stammte aus Graubünden und erwarb im 13. Jahrhundert Besitz in Schwaben. Es erscheint erstmals urkundlich am 9. September 1197 mit Heinricus de Lapide.[2] Nach dem Herrensitz in Oberstadion benannt, ist es am 13. Mai 1270 mit dem Ritter Waltherus de Stadegun nachweisbar.[3]

Im 14. Jahrhundert erwarben die in habsburgischen Diensten stehenden Stadion erneut Besitz in Graubünden. Der von den Habsburgern eingesetzte Meier des Damenstift Säckingen in Glarus, Walter von Stadion, ein Enkel des 1270 in Schwaben erwähnten Ritters, missbrauchte seine Macht, wodurch es zu einem offenen Konflikt kam. 1352 zogen die Glarner aus, erschlugen Walter von Stadion und zerstörten die stiftseigene Burg in Näfels. Walters Bruder Ludwig von Stadion († 1364) war österreichischer Landvogt in Schwaben, seine Frau Agnes von Frielingen war Stifterin des Augsburger Augustinerklosters. Die Enkel Ludwigs teilten den Besitz 1392 unter sich auf: Johann der Reiche († 1458) war württembergischer Landhofmeister und Begründer der schwäbischen Linie, sein Bruder Konrad († 1439) begründete die elsässische Linie.

Gräfliche Familie in den 1780ern vor Schloss Warthausen

Die schwäbische Linie mit Sitz in Oberstadion stand in Diensten Württembergs, blieb jedoch zur Zeit der Reformation katholisch und trat danach in österreichische Dienste. Die Linie starb 1693 aus, ihre Güter fielen an die elsässische Linie.

Die elsässische Linie brachte mit Christoph von Stadion (1478–1543) einen Fürstbischof von Augsburg hervor und in den nachfolgenden Generationen Domkapitulare in Augsburg, Basel, Mainz, Würzburg und Bamberg. Johann Caspar von Stadion (1567–1641) war Deutschmeister, vier seiner Neffen waren als Domkapitulare Unterstützer Johann Philipps von Schönborn bei dessen Bischofswahl, was ab 1643 zu einer großen Verbundenheit der Häuser Stadion und Schönborn führte. Ein fünfter Neffe, Johann Christoph von Stadion (1610–1666), war würzburgischer Oberamtmann in Treuberg. Sein Sohn Johann Philipp von Stadion (1652–1741) war kurmainzischer Großhofmeister, wurde 1686 zum Reichsfreiherren, 1705 zum Reichsgrafen erhoben. 1696 erwarb er die Herrschaft Warthausen, 1705 die Herrschaft Thannhausen. Infolge des Erwerbes der reichsunmittelbaren Herrschaft Thannhausen wurde er mit 3. Mai 1708 in das schwäbische Reichsgrafenkollegium aufgenommen. Nach diesen beiden Orten nannten sich die 1741 durch Teilung entstandenen Linien, die 1890 bzw. 1908 ausstarben. Erben wurden die Grafen von Schönborn-Buchheim.

Standeserhebungen[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 1520 (durch Christoph von Stadion, Fürstbischof von Augsburg) Erbtruchseßen des Stiftes Augsburg. Erhebung in den Reichsfreiherrnstand für die Brüder Johann Philipp, Georg Heinrich und Christoph Rudolph, Wien 25. April 1668. Böhmisches Inkolat (Wien 31. Dezember 1696) für Johann Philipp Freiherr von Stadion. Erhebung in den Reichsgrafenstand mit einer Wappenbesserung, Wien 1. Dezember 1705 für die genannten Brüder Georg Heinrich und Johann Philipp (auf Warthausen und Thannhausen), dem Begründer der böhmischen Linie, die sich in die Fridericianische und in die Philippinische Linie verzweigte und mit Philipp Franz Joseph Graf von Stadion (* Gersdorf bei Graz, † als K.K. Dragoner-Oberleutant in Innsbruck am 13. September 1908 in Kauth (Kouty), Kreis Pilsen in Böhmen) als letzter Fideikomißherr erloschen ist. Aufnahme in das schwäbische Reichsgrafenkollegium am 3. Mai 1708 wegen des Besitzes Thannhausen, welcher 1806 mediatisiert wurde. 1756 Großes Palatinat für Friedrich Graf von Stadion mit dem Titel Erlaucht für den Familienchef (primogenitur) durch Bundestagsbeschluss vom 18. August 1825 und 13. Februar 1829 mit Familienvertrag vom 14. Dezember 1768 und Famlienstatut des Standesherrlichen Hauses datiert Wien 17. Mai 1830.

Wappen[Bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in Schwarz drei mit dem Haken abwärts gekehrte goldene Wolfsangeln übereinander. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein gold bequastetes rotes Kissen, darauf eine mit den Haken nach oben gekehrte goldene Wolfsangel, besteckt mit einem natürlichen Pfauenwedel. Wegen des übereinstimmenden das Stammwappens gilt eine Verwandtschaft mit den Geschlechtern von Pflummern, von Salmendingen und den vielfach verzweigten Herren vom Stain als wahrscheinlich.

Das gräfliche Wappen aus dem Jahr 1705 ist geviert mit dem Stammwappen als Herzschild. 1 und 4 in Schwarz, (später auch in Blau) drei pfahlweise gestellte goldene Tannenzapfen (Thannhausen); 2 und 3 in Silber ein schwebendes, ausgebogenes rotes Tatzenkreuz. Grafenkrone mit drei gekrönten Helmen, rechts mit schwarz- bzw. blau-goldenen Decken ein wachsender großer goldener Tannenzapfen; in der Mitte mit schwarz-goldenen Decken das Kleinod des Stammwappens; links mit rot-silbernen Decken ein (manchmal mit einem roten Kreuz belegter) vorn silberner, hinten roter geschlossener Flug. Schildhalter: Rechts ein auswärts sehender, rotbezungter goldener Löwe, links ein ebensolcher goldener Wolf.

Das rote Tatzenkreuz wurde der Familientradition nach in das Grafenwappen aufgenommen zur Erinnerung an den Hochmeister des Deutschen Herren-Ritterordens und den Fürsten des Heiligen Römischen Reichs Johann Kaspar von Stadion, belehnt Prag am 5. Februar 1628, kaiserlicher Hofkriegsrats-Präsident und FZM, * 1567, † Ammern in Thüringen am 21. Januar 1641, zu Grabe gelegt in Mergentheim.

Historische Wappenbilder[Bearbeiten]

Namensträger[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 4. S. 224-227, Bd. 35, S. 368-375, und Bd. 54, S. 427-429.
  • Roman von Prochazka: Genealogisches Handbuch erloschener böhmischer Herrenstandfamilien, Stammfolge Stadion Seite 303 bis 308, Neustadt an der Aisch 1973, ISBN 3 7686 5002 2
  • Stadion von und zu Tannhausen, Grafen J. Siebmacher´s Grosses Wappenbuch, Band 30, Die Wappen des böhmischen Adels, Neustadt an der Aisch 1979, Seite 172, Wappentafel 76
  • Genealogisches Handbuch der fürstlichen Häuser, Bd. II, 1953, S. 151-152, und Bd. VI, 1961, S. 328-329 (=Genealogisches Handbuch des Adels, Bde. 3 und 25).
  • Kneschke, Ernst Heinrich (Hrsg.) (1867), Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Bd. VIII, S. 584-585.
  • Lamp, Hans (1940), Die Kirche in Oberstadion: Die Beziehungen der Familie von Stadion zur Kirche in Oberstadion und zu anderen Kirchen in Schwaben, besonders in der Herrschaft Oberstadion. Tübingen: Dissertation.
  • Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Der Alb-Donau-Kreis. 2 Bde. Sigmaringen: Thorbecke, 1999, hier Artikel Oberstadion, Bd. 2, S. 765–772. ISBN 3-7995-1351-5.
  • Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 3, S. 242-243.
  • Schwarzmaier, Hansmartin, Jörg Martin und Wilfried Schöntag (Berab.) (2007), Aus dem Archiv der Grafen von Stadion: Urkunden und Amtsbücher des Gräflich von Schönborn'schen Archivs Oberstadion. Konstanz und Eggingen: Edition Isele (=Documenta Suevica, Bd. 14).
  • Schwennicke, Detlev (Hrsg.) (1981), Europäische Stammtafeln. Neue Folge Bd. IV. Standesherrliche Häuser I. Marburg: J. A. Stargardt, Tafeln 156–160 (Die (Grafen von) Stadion).
  • Stiefenhofer, Dominikus (1880), Chronik der gräflichen Familie von Stadion. Oberstadion: Typoskript.
  • Wurzbach, Constantin von (1878), Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Bd. 37. Wien.
  • Mann, Jörg (1989): Bönnigheim und die Reichsgrafen von Stadion, in: Ganerbenblätter 12, 1989
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XIII, Band 128 der Gesamtreihe, S. 507-509, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2002, ISSN 0435-2408

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roman von Prochazka: Genealogisches Handbuch erloschener böhmischer Herrenstandsfamilien, Stammfolge Stadion Seite 303 bis 308, Beschreibung des Stammwappens und des gräflichen Wappens vom Jahr 1795, mit umfangreichen weiteren Quellenangaben, Neustadt an der Aisch,1973 ISBN 3 7686 5002 2
  2. Württembergisches Urkundenbuch II, 323
  3. Württembergisches Urkundenbuch VII, 95.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stadion (Adelsfamilie) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien