stadtTheater walfischgasse

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Der Eingang des Theaters

Das stadtTheater walfischgasse ist ein Theater im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt in der Walfischgasse 4.

Im Oktober 1959 entstand in der Walfischgasse 4 unter der Leitung von Gerhard Bronner das Neue Theater am Kärntnertor, das in der Tradition des früheren Kärntnertortheaters stand, das bereits 1709 am Standort des heutigen Hotel Sacher erbaut wurde. Dort wurden vor allem Opern und Ballette aufgeführt. Das Theater wurde dann nach einer wechselvollen Geschichte 1870 demoliert. Nach Bronner teilten sich zwei Ensembles die Örtlichkeiten, eines geführt von Hans Gratzer, das andere von Dieter Haspel. 1978 übernahm Helmut Siderits das Theater und benannte es in Kleine Komödie um. Er spielte dort bis 2003 internationale Boulevardkomödien.

Im Jahr 2004 folgte Anita Ammersfeld als Leiterin des nunmehrigen stadtTheater walfischgasse. Sie führte eine grundlegende Modernisierung des Theaters und seiner Räumlichkeiten durch. Das stadtTheater mit dem theaterCercle als zusätzliche Spielstätte und Ort der Begegnung nahm im Frühjahr 2005 seinen Betrieb auf.

Geschichte[Bearbeiten]

Mit dem Kabarett-Programm Dachl über’m Kopf eröffnete Gerhard Bronner im Oktober 1959 in der Walfischgasse 4 in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Opernhauses sein Neues Theater am Kärntnertor. Auch der Name des Theaters war Programm, erinnerte er doch an das ursprüngliche Kärntnertortheater, das 1709 ungefähr an der Stelle des heutigen Hotel Sacher erbaut und zunächst vom damaligen großen Volksschauspieler Joseph Anton Stranitzky geführt wurde. 1761 bei einem Brand zerstört, wurde die Bühne 1763 neu aufgebaut und als kaiserliches Hoftheater wieder eröffnet. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden in dem Theater erstmals ausschließlich Ballette und italienisch- und deutschsprachige Opern aufgeführt. 1870 wurde das Haus allerdings vollständig demoliert – annähernd zeitgleich (1861–1869) war auf dem benachbarten Baugrund das heutige Staatsoperngebäude entstanden.

Das Team Michael Kehlmann, Carl Merz, Helmut Qualtinger und Gerhard Bronner hatte 1952 unter dem Titel Brettl vor’m Kopf sein erstes Kabarett-Programm im Kleinen Theater im Konzerthaus herausgebracht. Das Novum dieser Truppe: die Kabarettisten waren Bühnendarsteller, Autoren, Komponisten und Musiker in Personalunion. 1956 stießen statt Kehlmann Georg Kreisler und Peter Wehle zu der Truppe – das Programm Blattl vor’m Mund entstand. Louise Martini verstärkte als Ensemblemitglied die namenlose Gruppe. Gespielt wurde inzwischen im Intimen Theater in der Liliengasse.

Als 1958 keine Bühne gefunden werden konnte, traten die Künstler im Fernsehen auf – und eroberten damit neue Publikumsschichten. Davon profitierte natürlich auch das von Bronner 1959 in der Walfischgasse eröffnete Neue Theater am Kärntnertor. Bronner schrieb in dieser Zeit legendäre Stücke wie Der g’schupfte Ferdl, Der Halbwilde, Der Bundesbahnblues oder Der Papa wird’s scho richten. Doch interne Streitigkeiten führten bereits 1961 zur Auflösung des Ensembles.

Bronner machte dennoch weiter. Einerseits holte er die Grazer Kabarett-Truppe Würfel mit dem Programm Weh dem, der rügt an sein Haus. Andererseits ließ er damals weitgehend Unbekannte wie Herwig Seeböck, Peter Lodynski, Dolores Schmidinger, Marianne Mendt, Felix Dvorak oder Lore Krainer seine Bühne erobern. Sie alle wurden später Publikumsmagneten. Außerdem zogen wieder Opernklänge in das Haus ein: die Gesellschaft für Musiktheater führte Anfang der sechziger Jahre 50 Mal Georg Philipp TelemannsPimpinone“ in der Walfischgasse auf. Uraufgeführt wurden in dem nach Ende des Zweiten Weltkrieges neu errichteten Gebäude – das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an dieser Adresse von Baron Moritz von Todesco erbaute Palais wurde bei einem Luftangriff am 12. März 1945 zerstört – auch die ersten Opern von Iván Eröd, Ingomar Grünauer und István Zelenka.

1966 schloss Gerhard Bronner die Bühne. Ein Kartellverband nutzte nun die Räumlichkeiten für Veranstaltungen. 1969 spielte unter der Geschäftsführung von Felix Dvorak das Kabarettensemble "Der Würfel" die Revue "Spuren im Schmäh". Und von Zeit zu Zeit brachte die „Gesellschaft für Musiktheater“ etwas auf die Bühne, beispielsweise ein Ernst Krenek-Ballet, bei dem Mitglieder des Staatsopernballets mitwirkten. Bemühungen, in der Walfischgasse ein „Studio der Staatsoper“ einzurichten, verliefen allerdings im Sand. 1973 wurde das Haus dann wieder zur regelmäßig bespielten Bühne. Zwei Truppen teilten sich fortan bis 1977 die Adresse: Hans Gratzers Werkstatt und Dieter Haspels Cafétheater (später in Ensemble Theater umbenannt). Geboten wurde unter anderem eine Auseinandersetzung mit Bertolt Brecht (beispielsweise Im Dickicht der Städte und Baal) und die kritische Aufarbeitung von Klassikern, wie etwa Germinal nach Émile Zola. Es spielten unter anderem Hagnot Elischka, Axel Anselm, Axel Klingenberg oder Mario Scanzoni und Hermann Killmeyer.

1978 verwandelte sich das Neue Theater am Kärntnertor schließlich mit der Übernahme durch Helmut Siderits in die Kleine Komödie. Siderits spezialisierte sich auf internationale Boulevardkomödien. Einer der größten Erfolge wurde Die Mausefalle von Agatha Christie, die in der Spielzeit 1978/79 neun Monate lang gespielt und 1993/94 in einer neuen Inszenierung wieder auf die Bühne in der Walfischgasse gebracht wurde. Immer wieder konnte Siderits für sein Haus Publikumslieblinge wie Gusti Wolf, Peter Minich, Gunther Philipp, Cissy Kraner, Waltraut Haas oder Erwin Strahl verpflichten. 2003 musste Siderits seine Bühne, die zunehmend mit Auslastungsschwierigkeiten und Finanzproblemen zu kämpfen hatte, schließen.

Das aktuelle stadtTheater walfischgasse[Bearbeiten]

Das stadtTheater wurde am 20. April 2005 mit der Eigenproduktion „Freunde, das Leben ist lebenswert“ von Charles Lewinsky eröffnet. Am Spielplan stehen unter anderem politisch-satirische Stücke mit gesellschaftlicher Relevanz sowie modernes Musiktheater und anspruchsvolles österreichisches Kabarett. Für die Eigenproduktionen des Hauses haben bereits Autoren wie Charles Lewinsky, Felix Mitterer, Peter Turrini, Lida Winiewicz, Peter Patzak und Rupert Henning Uraufführungen für das stadtTheater geschrieben. Die Eigenproduktionen bestehen vor allem aus Uraufführungen, sowie deutschsprachigen und österreichischen Erstaufführungen. Als Gastspielhaus bemüht sich das stadtTheater auch regelmäßig Produktionen andere Bühnen oder freier Theatergruppen des deutschsprachigen Raumes zu zeigen.

Neben der großen Bühne mit einem Fassungsvermögen von 271 Plätzen verfügt das stadtTheater auch über eine zweite, kleinere Spielstätte, den theaterCercle, der für Lesungen, Solo-Performances oder Konzerte genutzt wird.

Am 5. September 2010 feierte das stadtTheater walfischgasse sein 5-jähriges Bestehen mit einem großen Fest mit Künstlern wie Herman van Veen, Charles Lewinsky, Peter Turrini und Silke Hassler und anderen.

Zu den Gastspiel-Highlights der letzten Jahre zählten die ausverkauften Konzertreihen „Unter 4 Augen“ und Bevor ich es vergesse mit Herman van Veen und Edith Leerkes, The Tiger Lillies live in Concert, An Intimate Evening With Marianne Faithfull das Stück „Im Zweifel für den Angeklagten“ mit Christian Kohlund, „Novecento - Die Legende vom Ozeanpianisten“ mit Thomas Borchert, sowie Oskar und die Dame in Rosa mit Doris Kunstmann und Die Legende vom heiligen Trinker mit Ernst Konarek.

Eigenproduktionen (seit 2005)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

48.20336111111116.371027777778Koordinaten: 48° 12′ 12″ N, 16° 22′ 16″ O