Stadt ohne Maske

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Filmdaten
Deutscher Titel Stadt ohne Maske
Die nackte Stadt
Originaltitel The Naked City
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1948
Länge 96 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Jules Dassin
Drehbuch Malvin Wald
Albert Maltz
Produktion Mark Hellinger
Musik Frank Skinner
Miklós Rózsa
Kamera William H. Daniels
Schnitt Paul Weatherwax
Besetzung

Stadt ohne Maske, auch Die nackte Stadt (Original: The Naked City), ist ein in Schwarzweiß gedrehter US-amerikanischer Film noir von Jules Dassin aus dem Jahr 1948. Stadt ohne Maske zählt, neben Filmen wie Geheimagent T und Kennwort 777, zum Subgenre des semidokumentarischen Film noir.[1] Die von 1958 bis 1963 produzierte amerikanische Fernsehserie Gnadenlose Stadt basiert auf dem Film.

Handlung[Bearbeiten]

Eine junge Frau, Jean Dexter, wird von zwei Männern in ihrem New Yorker Apartment ermordet. Ihre Haushälterin findet sie tot in der überlaufenden Badewanne. Leutnant Muldoon und seine Kollegen von der Mordkommission der New Yorker Polizei entdecken bald, dass Dexter betäubt und dann ertränkt wurde. Die Polizei sucht die Mörder des Opfers, das, wie sich herausstellt, mit einer Diebesbande in Verbindung stand, die sich auf Schmuck spezialisiert hatte. Von Ruth Morrison, ebenso wie Dexter ein Model, führt die Spur zu Frank Niles, der mit Ruth verlobt ist, aber heimlich auch mit Jean Dexter liiert war. Muldoon entdeckt, dass sich die meisten Aussagen Niles' als Lügen erweisen.

Bald danach wird Muldoon klar, dass Niles und Dexter über die gesellschaftlichen Kontakte des Arztes Dr. Stoneman eine Reihe von Einbrüchen organisierten, die von den Ganoven Backalis und Garza ausgeführt wurden. Über einen Streit um zu geringe Anteile der beiden Ganoven kommt es zu dem Mord an Dexter. Anschließend schlägt Garza seinen Mittäter Backalis nieder und wirft ihn in den Hudson.

Nachdem Backalis tot aufgefunden wird, gelingt es dem jungen Polizisten Jimmy Halloran, Garza über seine Eigenart als harmonika-spielender Akrobat in seinem Versteck ausfindig zu machen. Obwohl Garza ihn zunächst und niederschlägt, kann sich Holloran an der Verfolgung Garzas beteiligen. Garza gelingt es, mit der Hochbahn zu fliehen, wird dann aber auf einer Brücke gestellt. Von der Polizei eingekreist, klettert er immer höher auf einen Brückenpfeiler und stürzt nach einem Schusswechsel mit den Beamten in die Tiefe.

Hintergrund[Bearbeiten]

Stadt ohne Maske entstand im Sommer 1947 vollständig „on location“ (=am Handlungsort statt im Filmstudio). Dassin genoss weitestgehende Freiheiten, obwohl Produzent Mark Hellinger (Rächer der Unterwelt, Zelle R 17) zunächst Einwände gegen das Drehen außerhalb der Studios gehegt hatte. Da Co-Autor Albert Maltz jedoch im Zuge der gegen linke Filmkünstler gerichteten Kampagnen der McCarthy-Ära Berufsverbot erhielt, fielen seine „humanistischen“ Ambitionen wie die Bebilderung kontrastierender ökonomischer Lebensstandards der Schere zum Opfer.[2]

Hellinger sprach noch selbst den Voice-over des Films ein, starb aber vor der Premiere im Alter von nur 44 Jahren.

Stadt ohne Maske wurde am 3. März 1948 in New York uraufgeführt.[3][4] Am 29. November 1949 startete der Film in den deutschen Kinos. Am 12. April 1962 wurde er in der BRD unter dem neuen Titel Die nackte Stadt wiederaufgeführt.[5]

Dassin konnte noch einen weiteren Film (Gefahr in Frisco) in den USA drehen, erhielt dann wegen seiner früheren Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei wie Maltz Berufsverbot und emigrierte Anfang der 1950er Jahre nach Europa.[6]

Kritiken[Bearbeiten]

„Ein fantasievoll zusammengestellter Blick auf das Leben auf New Yorks Straßen […] Das Drama ist größtenteils oberflächlich und nicht mehr als ein konventionelles ‚Stück aus dem Leben‘ – eine routinierte und wenig aufschlussreiche Episode in der täglichen Polizeiarbeit. […] Immerhin hat Herr Hellinger innerhalb dieses Themenspektrums ansehnliche Arbeit in diesem, seinem letzten Werk, abgeliefert, das spontan und nicht einstudiert daherkommt.“

Bosley Crowther, The New York Times[7]

„Von William Daniels […] mit einem wunderbaren Auge für Raum, Größe und Licht fotografiert. Ein visuell majestätisches Finale. Ansonsten rühselig und naiv.“

James Agee[8]

„Die unspektakuläre Handlung bietet Regie und Kamera Gelegenheit, an Originalschauplätzen authentisch, detailliert und sehr eindringlich das facettenreiche Bild der Riesenstadt zu zeichnen.“

Lexikon des Internationalen Films[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1949 wurde Stadt ohne Maske mit dem Oscar für die Beste Kamera (William H. Daniels) und den Besten Schnitt (Paul Weatherwax) ausgezeichnet. Autor Malvin Wald wurde für die Beste Originalgeschichte nominiert.

2007 wurde der Film als „kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsam“ in das National Film Registry der Library of Congress aufgenommen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg Seeßlen: Kino der Angst. Geschichte und Mythologie des Film-Thrillers, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1980, ISBN 3-499-17350-6, S. 120–121.
  2. Brian Neve: Film and Politics in America. A Social Tradition. Routledge, Oxon 1992, S. 120–121, 150.
  3. Stadt ohne Maske in der Internet Movie Database.
  4. Stadt ohne Maske auf Turner Classic Movies.
  5. a b Stadt ohne Maske im Lexikon des Internationalen Films.
  6. Zusatzmaterial auf der DVD-Veröffentlichung von Night and the City, Criterion Collection, USA 2005.
  7. „[…] a fancifully selective observation of life in New York's streets, police stations, apartments, tenements, playgrounds, docks, bridges and flashy resorts. […] The drama is largely superficial, being no more than a conventional „slice of life“ — a routine and unrevealing episode in the everyday business of the cops. […] There are countless more fascinating facets to this city than the work of cops with crime and countless more striking characters in it than genial detectives and mumbling crooks. However, within that range of interest, Mr. Hellinger has done a vivid job in this, his appropriate valedictory, which comes to you spontaneous and unrehearsed.“ – Rezension in der New York Times vom 5. März 1948, abgerufen am 25. Dezember 2012.
  8. „Photographed by William Daniels […] with a lovely eye for space, size, and light. A visually majestic finish. Otherwise, mawkish and naive.“ – James Agee: Agee on Film. Criticism and Comment on the Movies. Modern Library, New York 2000 (EA 1964), ISBN 978-0-375-75529-3, S. 299.