U-Bahn-Station Karlsplatz

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Karlsplatz
U-Bahn Wien.svg
U-Bahn-Station in Wien
Karlsplatz
Alte Stadtbahnstation Karlsplatz
Basisdaten
Bezirk: Innere Stadt, Wieden
Eröffnet: 1978
Gleise (Bahnsteig): 6 (Seitenbahnsteig, Mittelbahnsteig)
Stationskürzel: KP
Nutzung
Linie(n): U1 U2 U4
Umsteigemöglichkeiten: Karlsplatz:
Lokalbahn Wien-Baden 1 62 4A 59A N46 N49 N60 N62

Kärntner Ring, Oper:
Lokalbahn Wien-Baden D 1 2 62 71 2A 59A N25 N38 N46 N49 N60 N62 N66 N71 N75 Wieselbus L Regionalbus 360

Fahrgäste: 233.000/Tag[1]

Die Station Karlsplatz, ursprünglich als Station „Akademiestraße“ bezeichnet, wurde 1899 als Bestandteil der Wiener Stadtbahn eröffnet. Mit der am 25. Februar 1978 erfolgten Eröffnung des ersten, vom Reumannplatz her kommenden U-Bahn-Teilstücks der U1 wurde der Karlsplatz gleichzeitig auch U-Bahn-Station und ist heute der größte Verkehrsknoten der Wiener Linien.[2]

Lage[Bearbeiten]

Durch ihre Lage im Zentrum der Stadt ist die Station von zahlreichen wichtigen Punkten umgeben: Am Ausgang der im Zuge der Bauarbeiten für die U-Bahn nach Süden zum Resselpark verlängerten Opernpassage befindet sich das Hauptgebäude der Technischen Universität, der Resselpark und die Karlskirche und am nördlichen Ausgang das Operngebäude, der Eingang zur Fußgängerzone Kärntner Straße und zahlreiche hochpreisige Hotels. Durch die unterdessen weit verzweigten Passagen sind außerdem die Oper, die Secession und der Naschmarkt, das Künstlerhaus und der Musikverein gut erreichbar.

Geschichte[Bearbeiten]

Stadtbahn[Bearbeiten]

Stadtbahnzug in der noch offenen Station (1970)
Baustelle Karlsplatz Ecke Kärntner Straße 1970

Die Station Karlsplatz stellte architektonisch einen Sonderfall im Stadtbahnnetz dar: Die oberirdischen Bauten der ursprünglich oben offenen Station bestehen aus zwei mit Ornamenten reich verzierten, einander gegenüberliegenden Pavillons. Im Gegensatz zu den anderen Stationen wurden sie vom Architekten Otto Wagner als Stahlskelettbau mit vorgehängten Marmorplatten ausgeführt und im damals sehr modernen Jugendstil dekoriert, die Blumenornamente gestaltete Joseph Maria Olbrich. Von jedem Pavillon führte ursprünglich nur ein Stiegenabgang zu je einem der beiden versetzt angelegten Seitenbahnsteige.

U-Bahn[Bearbeiten]

Die Umstellung der Wientallinie auf U-Bahn-Betrieb in den Jahren 1976 bis 1981 brachte einen Totalumbau der unterirdischen Anlagen der Station mit sich. Die Pavillons hätten im Zuge des U-Bahn-Baus ursprünglich entfernt werden sollen, wurden nach Protesten aber renoviert und zwei Meter über dem damaligen Straßenniveau wieder aufgebaut. Der westliche Pavillon beherbergt heute eine Außenstelle des Wien Museums mit einer Ausstellung über das Werk Otto Wagners und an seiner Rückseite einen Zugang zur U-Bahn-Station, ein direkter Zugang zu den Bahnsteigen ist heute nicht mehr möglich. Der östliche Zugang wird heute als Café genutzt.

Während der Planungs- und Bauperiode wurden feste Stufen und Rolltreppen noch für ausreichend als Verbindung zwischen den Stockwerken gehalten. Erst später wurden die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern, Behinderten und Personen mit Kinderwagen erkannt, so dass die älteren U-Bahn-Stationen mit Liftanlagen nachgerüstet wurden. 1995 wurde der Bahnsteig der U4 mit einem Lift zur ein Stockwerk höher gelegenen Opernpassage ausgestattet[3], 1996 folgten je ein Aufzug zu jedem der beiden Bahnsteige der U2.[4]

Einen medienwirksamen Baubeginn am Karlsplatz gab es nicht, als offizieller Baubeginn wird der 3. November 1969 angegeben. Wesentlich publikumswirksamer war es, als am 18. August 1973 am Karlplatz zwei U-Bahn-Waggons mittels Kranwagen auf die Gleise der U1 abgesenkt wurden (Wägen 2003 & 3003, Ende 2011 ausgemustert und verschrottet[5]). Die mächtige Baugrube war auch Drehort für den 1973 gedrehten Film Scorpio, der Killer. Obwohl 1978 offiziell zunächst nur die Teilstrecke Reumannplatz–Karlsplatz eröffnet wurde, fuhren die leeren U-Bahn-Züge bereits bis zur Station Stephansplatz. Grund dafür war, dass es am Karlsplatz keine Wendeanlage gab und die Station Stephansplatz wiederum für die Passagiere noch nicht freigegeben war.

Während der Umbauarbeiten der ehemaligen Stadtbahnstrecke trafen hier ab 15. August 1978 die aus Hütteldorf kommende Stadtbahn und die aus Richtung Heiligenstadt kommende U4 aufeinander. Passagiere, die über den Karlsplatz hinweg fahren wollten, mussten hier auf dem gemeinsamen Perron umsteigen. Dieser war entlang des U-Bahn-Gleises mittels Holzplanken auf das notwendige Einstiegsniveau erhöht. Mit der Verlängerung der U4 zur Meidlinger Hauptstraße am 26. Oktober 1980 wurde die Station Karlsplatz eine reine U-Bahn-Station.[6]

Die U2 entstand aus der Unterpflasterstraßenbahnstrecke unter der so genannten „Lastenstraße“ (auch „Zweierlinie“ genannt), deren Straßenbahntrasse tiefer gelegt worden waren. An die Station Karlsplatz wurde der Ustraba-Tunnel mittels einer 400 Meter langen Neubaustrecke angeschlossen. Außerdem wurde eine Wendeanlage in der Länge von 200 Metern Richtung Musikvereinsgebäude errichtet. Die Gesellschaft der Musikfreunde legte vorsorglich Widerspruch dagegen ein, da durch die Bauarbeiten und den späteren U-Bahn-Betrieb Lärmbelästigungen befürchtet wurden. Im Hinblick auf die im Mai 2008 erfolgte Verlängerung der U2 zum Ernst-Happel-Stadion und dem damit einhergehenden Einsatz von Langzügen wurde in den Jahren 1999 bis 2001 die Wendeanlage der U2, die sich unter dem Karlsplatz im Bereich des Musikvereins befindet, umgebaut. Zeitgleich wurde der Musikverein unterirdisch umgebaut und erweitert. Aufgrund der beschlossenen weiteren Verlängerung der U2 über den Rennweg nach Süden wird in den 2010er Jahren in Zusammenhang mit einer Unterquerung des Wienflusses ein weiterer Umbau dieses Abschnitts notwendig werden.[7]

Nur kurze Zeit, vom 7. bis zum 25. September 1981, bestand die Linie U2/U4. Diese schlug auf der damaligen U4-Strecke zwischen Hietzing und Heiligenstadt über ein für diesen Zweck nicht vorgesehenes Verbindungsgleis einen Bogen über die Strecke der U2. Da sich diese Spontanidee nicht bewährte und den Fahrplan durcheinanderbrachte, wurde diese Linienvariante nach kurzer Zeit wieder eingestellt.[8]

Die Station Karlsplatz[Bearbeiten]

Unterirdische Anlagen im Bereich Karlsplatz

Die Station Karlsplatz ist bis heute der größte Verkehrsknoten der Wiener Linien. Die Opernpassage wird von rund 300.000 Passanten täglich benutzt,[9] mit 233.000 Fahrgästen pro Tag zählt die U-Bahn-Station Karlsplatz zu den meistfrequentierten Wiens.[1] Hier kreuzen sich die Linien U1, U2 und U4 der U-Bahn Wien. Es gibt Umsteigegelegenheiten zur Badner Bahn, den Straßenbahnlinien 1 und 62 sowie zu den städtischen Buslinien 4A und 59A. Darüber hinaus halten an der nahe gelegenen Station Kärntner Ring, Oper, die durch eine rund 200 m lange unterirdische Passage zu Fuß erreichbar ist, zusätzlich die Straßenbahnlinien D, 2 und 71 sowie die Buslinie 3A und die von den Wiener Lokalbahnen betriebene Regionalbuslinie 360.

Die Bahnsteige der U1 sind als Mittelbahnsteige angeordnet und liegen mit 24,63 Meter unter dem Niveau der Kärntner Straße an der tiefsten Stelle der Station.[10] Die Gleise der Linie U1 führen in zwei getrennten Röhren zur Station Karlsplatz. Zwei Ebenen darüber liegt mit Seitenbahnsteigen die derzeitige Endstation der U2. Die Anlagen der U4 befinden sich als Mittelbahnsteig direkt unter der unterirdischen Fußgängerpassage.

Leitstelle[Bearbeiten]

Mit der Errichtung der U-Bahn-Station Karlsplatz wurde auch die für die Überwachung des U-Bahn-Betriebs notwendige Leitstelle errichtet. Der stetige Ausbau des Streckennetzes und neu hinzugekommene Überwachungsaufgaben brachten die Leitstelle Karlsplatz an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Ab 2006 wurde diese etappenweise in einen Neubau auf dem U-Bahn-Betriebsbahnhof in Erdberg verlegt.[11]

Ausgestaltung[Bearbeiten]

An der Oberfläche wird der Bereich der Station von den beiden Stadtbahn-Pavillons optisch bereichert. Im unterirdischen Geflecht von Passagen rund um den Karlsplatz befinden sich vier Werke der U-Bahn-Kunst:

In der Karlsplatzpassage befindet sich seit 2003 der 16 Meter lange Fries „Unisono di colori“ der Künstlerpaares Ernst Friedrich und Eleonor Friedrich. Er besteht aus einem rhythmischen Wechselspiel verschieden gestalteter hochrechteckiger Felder, die sich sowohl im Material als auch in der Gestaltung der Oberfläche sowie in der Farbigkeit voneinander absetzen.[12]

In der Westpassage – das ist Gang von der Kärntnertorpassage zum Ausgang Secession – wurde 2005/2006 die „Medieninstallation Pi“ des kanadische Künstlers Ken Lum errichtet. Auf einer Länge von 130 Metern werden neben der Kreiszahl Pi auf spiegelnden Vitrinen 16 unterschiedliche statistische Daten – hier factoids genannt – durch Leuchtdioden in Echtzeit angezeigt. So sollen soziale und ökonomische Fakten erfahrbar werden, wobei der Betrachter durch die verspiegelte Wand in die Anzeige einbezogen wird. Produziert wurde die Installation vom Wissenschaftszentrum Wien in Kooperation mit den Wiener Linien.[13]

Seit Anfang 2012 sind die Wände des Verteilergeschoßes der U1 und U2 mit einer grafischen Installation „Ohne Titel“ des Multimediakünstlers Peter Kogler verkleidet. Ein tapetenartiges Netzwerk aus computergenerierten Röhrenformen an den Wänden scheint die Grenzen der Architektur aufzulösen und mit ihren dynamisch verspannten Strukturen auf die Transferfunktion des Raumes für die Passanten anzuspielen. Nicht zufällig erinnern die geometrischen Röhrenformen auch an abstrahierte organische Kapillarsysteme oder an die mikroskopische Struktur kristalliner Materie – aber auch an ein U-Bahn-System.[14]

An den Wänden der Kärntnertorpassage befindet sich seit September 2013 die Installation „Ohne Titel“ des Tiroler Künstlers Ernst Caramelle. Die 70 x 3 Meter große Wandmalerei auf ist auf acht Felder verteilt, die jeweils mit einfachen räumlichen Konstellationen besetzt sind. Felder mit frontalen und solche mit perspektivisch verzerrten Ansichten wechseln einander ab. Das Gefühl von Erweiterung und Rhythmisierung wird noch dadurch gesteigert, dass sich die Wandmalerei schwach in der gegenüberliegenden, gleich großen Milchglaswand spiegelt, während zusätzlich eingesetzte Spiegel beim Vorübergehen einzelne Details momentan aufblitzen lassen.[15]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Kos, Günter Dinhobl (Hrsg.): Großer Bahnhof. Wien und die weite Welt. Czernin, Wien 2006, ISBN 3-7076-0212-5 (Sonderausstellung des Wien-Museums 332), (Ausstellungskatalog, Wien, Wien-Museum, 28. September 2006 – 25. Februar 2007)
  • Alfred Horn: Wiener Stadtbahn – 90 Jahre Stadtbahn – 10 Jahre U-Bahn. Bohmann Druck- und Verlagsgesellschaft m.b.H. & Co.KG, Wien 1988, ISBN 3-7002-0678-X
  • Wolfgang Kaiser: Die Wiener Straßenbahnen – Vom „Hutscherl“ bis zum „Ulf“. GeraMond-Verlag, Wien 2004, ISBN 3-7654-7189-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: U-Bahn-Station Karlsplatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b derStandard.at – Stephansplatz hat die meisten U-Bahn-Fahrgäste, aufgerufen am 5. November 2011
  2. http://www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink?SEITE=%2F2006%2F0824%2F012.html
  3. https://www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink?SEITE=%2F2004%2F0428%2F011.html
  4. https://www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink?SEITE=%2F1996%2F0918%2F014.html
  5. Wagen 3003 am Schrottplatz, Fotoalbum der Wiener Linien auf Facebook, 4. Jänner 2012
  6. http://xover.htu.tuwien.ac.at/~tramway/stvkr-a-wiki/index.php/Linie_U4_%28Wien%29
  7. Verlängerung der U2 ins Arsenal
  8. http://xover.htu.tuwien.ac.at/~tramway/stvkr-a-wiki/index.php/Linie_U2/U4_%28Wien%2C_1981%29
  9. http://oesterreich.orf.at/wien/stories/104495
  10. Jetzt rascher durch's moderne Wien. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 25. Februar 1978, S. 17.
  11. http://www.wien.gv.at/vtx/vtx-rk-xlink?SEITE=020060724007
  12. Gerbert Frodl in Johann Hödl (Hrsg): Wiener U-Bahn-Kunst. Wiener Linien, Wien 2011, ISBN 978-3-200-02173-0, S. 35 ff.
  13. Roland Schöny in Johann Hödl (Hrsg): Wiener U-Bahn-Kunst. Wiener Linien, Wien 2011, ISBN 978-3-200-02173-0, S. 29 ff.
  14. Peter Kogler: U-Bahn-Station Karlsplatz auf www.koer.or.at, abgerufen am 29. Oktober 2013
  15. Ernst Caramelle: Installation „Ohne Titel“ auf www.koer.or.at, abgerufen am 29. Oktober 2013
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48.20009166666716.370408333333Koordinaten: 48° 12′ 0″ N, 16° 22′ 13″ O