Stadtkino (Wien)
Das Stadtkino ist ein traditionsreiches Kino am Schwarzenbergplatz im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße. Es wurde 1916 als Schwarzenbergkino eröffnet, 1981 als Stadtkino neu gegründet und ist eines der ältesten Programmkinos Wiens. Es übersiedelt 2013 ins Künstlerhaus am Karlsplatz.
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Geschichte[Bearbeiten]
Das heutige Stadtkino wurde 1916 als Schwarzenbergkino im Souterrain eines Gründerzeitgebäudes am Schwarzenbergplatz im Stil der Logenkinos – Kinos, die im Aufbau an die Theaterarchitektur angelehnt sind – eröffnet und bot Platz für 394 Besucher. Das später in den Besitz der Wiener Kinobetreibergesellschaft Kiba übergegangene Kino wurde Ende der 1970er-Jahre Opfer des Kinosterbens und wurde von der Kiba aufgrund kontinuierlicher Verluste 1980 – zu diesem Zeitpunkt auf den Namen Kammerlichtspiele lautend – geschlossen.[1] [2] [3]
Neugründung als Stadtkino[Bearbeiten]
1981 wurde das Kino auf Initiative der städtischen Kulturabteilung, der ehemaligen Z-Bank, der städtischen Kiba und von Franz Schwartz gekauft, renoviert und als Stadtkino wiedereröffnet. Das Fassungsvermögen wurde auf 174 Besucher reduziert. Das Kino sollte von nun an die Lücke zwischen dem Programm des Filmmuseums und dem kommerziellen Kinoprogramm schließen. Es sollte also im Gegensatz zum Filmmuseum nicht auf ein cineastisches Publikum, sondern auf durchschnittliche Kinobesucher abzielen. Diese heute als Programmkino bekannte Ausrichtung eines Kinos war damals noch kaum verbreitet und in Wien einzigartig.[3]
Das Kino zeigte als eines der wenigen Kinos in Österreich in den 80er-Jahren internationales Autorenkino von Regisseuren wie Jim Jarmusch, Aki Kaurismäki, Raymond Depardon, Jean-Marie Straub, Chris Marker und Jane Campion und konnte damit ein großes Publikum erreichen. Filme dieser Regisseure wie Down by Law (Jarmusch), The Piano (Campion) oder Sans soleil (Marker) zählen zu meistbesuchten Filmen des Kinos. Von Mitte der 80er- bis Mitte der 90er-Jahre erreichte das Kino jährlich zwischen 48.000 und 58.000 Besucher – im besten Jahr rund 60.000. Ab Mitte der 90er-Jahre gingen die Zuseherzahlen jedoch zurück.[4]
In den 1990er-Jahren begann das Stadtkino auch als Filmverleih tätig zu werden. Seit 1993 war das Stadtkino eines der vier Festivalkinos der Viennale. Das 1994 eröffnete Filmhaus am Spittelberg wird ebenfalls vom Stadtkino betrieben. Die Stadtkino-Gesellschaft wurde 2001[4] im Zuge der Auflösung der Kiba als Tochter-GmbH vom Verein Viennale übernommen und wird zu einem großen Teil durch Förderungen der Stadt Wien finanziert.[5] Nachdem 2007 bekannt wurde, dass die Kiba die Betriebskosten des Stadtkinos ab 2009 nicht mehr übernehmen werden, übergab Schwartz, nach 27 Jahren, seinen Posten als Geschäftsführer per 1. Jänner 2009 an Claus Philipp.[4]
Standortwechsel in das Künstlerhaus[Bearbeiten]
Ende 2011 wurden Pläne bekannt, das Kino am Schwarzenbergplatz aufzugeben und das Stadtkino in das Kino im Künstlerhaus Wien am Karlsplatz zu übersiedeln. Am 20. Dezember 2012 unterzeichneten die beiden Trägervereine, die Viennale und die Gesellschaft bildender Künstler Österreichs, Künstlerhaus, den vorerst für 20 Jahre angelegten Vertrag mit dem das „Stadtkino im Künstlerhaus“ ab September 2013 seinen Betrieb aufnehmen soll. Ob der bisherige Standort noch für die Viennale 2013 zur Verfügung stehen wird ist noch offen. Bis zur voraussichtlichen Auflösung im Juni 2013 sollen dort noch Filme wie Ulrich Seidls Paradies-Trilogie (Paradies: Liebe, Paradies: Glaube) und Der Glanz des Tages von Tizza Covi und Rainer Frimmel gezeigt werden.[6]
Filmverleih[Bearbeiten]
Seit den 1990er-Jahren ist das Stadtkino auch als Filmverleih in Österreich tätig und hierbei auf internationale Arthouse-Filme spezialisiert. Die jährlich 15 bis 20 verliehenen Filme erreichen zwischen 30.000 und 80.000 Besucher.[7] Der bislang erfolgreichste Film des Stadtkino-Verleihs war Müllers Büro (1986), ein Film der im Stadtkino selbst nicht gezeigt wurde, österreichweit aber 441.000 Kinobesuchen erreichte.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ KinTheTop – III. Landstraße, artminutes – Büro für Wiener Theaterforschung (Seite abgerufen am 11. April 2008)
- ↑ KinTheTop – Schwarzenbergkino, artminutes – Büro für Wiener Theaterforschung (Seite abgerufen am 11. April 2008)
- ↑ a b Gertraud Steiner: Filmbook Austria. Bundeskanzleramt, Wien 1997, S. 121–122
- ↑ a b c Falter: Kino ist, wenn das Silberkorn explodiert. Interview von Michael Omasta und Michael Pekler mit Franz Schwartz und Claus Philipp, Nr. 50/08, S. 26
- ↑ Wolfgang Kralicek, Klaus Nüchtern: Abenteuer Alltag. Falter, Nr. 45/02, 6. November 2002 (Seite abgerufen am 11. April 2008)
- ↑ Der Standard: Stadtkino übersiedelt definitiv ins Künstlerhaus, 20. Dezember 2012
- ↑ Filmwirtschaftsberichte Juni 2006 (PDF) (S. 27), Juni 2007 (PDF) (S. 31) und Dezember 2007 (PDF) (S. 31), Österreichisches Filminstitut, Verleihangaben laut Nielsen EDI (Seiten abgerufen am 11. April 2008)
Weblinks[Bearbeiten]
- www.stadtkinowien.at – Webseite des Stadtkinos
- Stadtkino Verleih in der Internet Movie Database (englisch)
48.19861111111116.377222222222Koordinaten: 48° 11′ 55″ N, 16° 22′ 38″ O