Stadtmöbel

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Sitzbank (hier von Ayşe Erkmen), am Heizkraftwerk Berlin-Mitte
Telefonzelle und Abfalleimer in Schnaittach
Stadtmöblierung aus den 1960er Jahren in der Innenstadt Dresdens

Der Begriff Stadtmöbel (auch Straßenmöbel) ist der Oberbegriff für einige Gegenstände im Außenbereich, des öffentlichen und privaten Stadtraums, auf Plätzen oder auch in Parkanlagen, die vergleichbar dem klassischen Mobiliar den Stadtraum möblieren und zweckgebunden sind.

Ein Stadtmöbelstück bietet Funktionen, die im öffentlichen Raum benötigt werden (beispielsweise Abtrennungen), oder es ist ein Gegenstand, welcher der Information oder Werbung, dem Verweilen, Erholen oder Spielen dient. Eine überbordende Stadtmöblierung wird von Planern und Architekten aus gestalterischen Gründen auch kritisch bewertet.

Definitionen[Bearbeiten]

Mit dem Begriff Stadtmöbel werden Objekte und Einrichtungen im öffentlichen Raum bezeichnet, die im Gegensatz zu Gebäuden und anderen baulichen Anlagen eine Dimension haben, die näher an der Größenordnung von Möbelstücken sind als an der von Architektur, und die teilweise ähnliche Funktionen haben wie klassische Möbel. Verglichen mit Mobiliar im Innenraum sind deren Dimensionen jedoch zum Teil deutlich größer.

Oft ist es reines Zweckmobiliar, andererseits häufig einem bewussten Gestaltungsanspruch der jeweiligen Kommune entsprungen. In größeren Städten unterliegen sie teilweise einem Image tragenden Formenkanon, mit deren Entwicklung Architekten und Designer beauftragt werden mit dem Zweck einer Corporate Identity und zur kulturellen Darstellung.

Die Einteilung in bestimmte Stadtmöbelgruppen ist nicht eindeutig und kann nach verschiedenen Kriterien erfolgen. Eine Abgrenzung zu den Immobilien fällt bei einer Reihe der Stadtmöbel schwer, da das meiste Stadtmobiliar aus funktionellen Gründen fest montiert ist, damit ebenfalls immobil bleibt und kein Möbelstück im klassischen Sinne darstellt. Zwei typisch deutsche Anlagen im Straßenraum, die oft als Beispiel für Stadtmöbel angeführt werden, sind die Litfaßsäule und das Pissoir in Form des Berliner „Café Achteck“. Bei diesen Immobilien wird das Abgrenzungsproblem offenkundig. Eine übliche WC-Anlage oder ein Kiosk können nicht als Stadtmöbel angesehen werden, auch ein Wasserspeier kann nur feststehend (immobil) montiert sein, da er einen festen Anschluss an das Wasserversorgungssystem benötigt.

Ausschlussdefinitionen für Stadtmöbel[Bearbeiten]

Nicht zum Stadtmobiliar zu zählen sind feste Bestandteile der Straßenanlage, wie Bordkantensteine, Gehwegplatten, Asphaltdecken, Gullydeckel oder Schallschutzwände. Hingegen werden Beleuchtungskörper, Lichtzeichenanlagen oder Verkehrszeichen oft als Stadtmöbel verstanden, obwohl sie notwendige Ausstattung der Straßenanlage sind und dem Verkehrsfluss dienen.

Nicht zu den Straßenmöbeln gerechnet werden jedoch technische Einrichtungen wie Hydranten, Telefonverteilkästen, Transformatoren, Stromauslässe, Briefkästen, Taxi-Säulen, Überwachungskameras oder Beschallungsanlagen. Schüttgutboxen, Glas- und Papiercontainer dürften ebenfalls nicht als Stadtmobiliar anzusehen sein. Es wird jedoch des Öfteren versucht, diese Infrastrukturgegenstände durch ortsbezogene designerische Gestaltung harmonisch in das Stadtbild einzufügen und ihnen damit den Charakter von Stadtmobiliar zu geben oder auch Werbeeinnahmen zu generieren.

Keine Stadtmöbel sind alle oberirdischen baulichen Anlagen im öffentlichen Raum, die selbstständig benutzbar und überdacht sind, von Menschen betreten werden können und geeignet oder bestimmt sind, dem Schutz von Menschen, Tieren oder Sachen zu dienen, sowie von einiger Beständigkeit und mit dem Erdboden fest verbunden sind (Gebäude nach den Definitionen der Landesbauordnungen). Damit können Kioskanlagen, Buswartehallen, WC-Anlagen, Pissoirs, Überdachungen (z. B. einer Einkaufszone oder eines Bahnhofeingangs) oder überdachte Fahrradabstellanlagen nicht als Stadtmöbel kategorisiert werden.

Werbe-Stadtmöbel-Ausstellung der Unternehmen Wall, Ströer und JC Decaux in Hamburg

Nutzung für Werbezwecke[Bearbeiten]

In den letzten Jahren werden unter diesem Begriff zunehmend größere Objekte und auch Gebäude verstanden. Dabei werden oft in Public Private Partnership Dienstleistungsfunktionen kommunaler Einrichtungen mit den Interessen privater Werbeagenturen und Investoren verknüpft. Dies gilt zum Beispiel für Wartehallen, Straßenbahnsteigdächer, öffentliche Telefone und Toiletten. Stadtmöbel werden auch allein für Werbezwecke geschaffen, wie die Litfaßsäule, Mega-Light-Boards und Recyclingbehälter mit hinterleuchteter Plakat-Werbung.

Die Werbewirtschaft hat Interesse an Stadtmöbeln, mit denen gleichzeitig Werbeeinnahmen generiert werden können. Um die Aufstellung und die Nutzungsrechte der Außenwerbung von Stadtmöbeln hat sich ein eigener Industriezweig entwickelt. Die lokalen Werberechte auf öffentlichem Grund und Boden werden von den Kommunen vergeben. Sie schließen mit den Außenwerbern zumeist langfristige Verträge. Diese sehen typischerweise für den Stadtmöblierer die Pflicht zum Aufbau und der Instandhaltung der entsprechenden Einrichtungen vor, wie die von öffentlichen WC-Anlagen. Als Gegenleistung darf dieser die Werbeflächen vermarkten. Je nach Attraktivität und Menge der Werbeflächen erhält die Kommune auch Geld vom Stadtmöblierer oder muss diesen für seine Leistungen bezahlen. Laufzeiten dieser Verträge von 10 bis 15 Jahren sind in Anbetracht der zu tätigenden Investitionen durchaus üblich. Solche Einrichtungen im öffentlichen Raum sind die Wall-Kioske, die von der Wall AG zur kostenlosen Nutzung aufgestellt werden und für Aufstellung und Unterhaltung aus deren Werbeeinnahmen finanziert sind.

Beispiele von Stadtmöbeln[Bearbeiten]

Zum Gestalten des Verkehrsflusses, dem Abtrennen von Bereichen oder allgemein dem Schutz der Bürger dienen Geländer, Pfosten, Absperrketten, Schranken oder Leit- und Schutzzäune. Weitere Stadtmöbel für diesen Zwecke sind Poller oder allgemeiner Absperrelemente. Auch Baumschutzeinrichtungen und Fahrradständer oder Parkbügel gehören zu dieser Gruppe. Eine weitere Funktion ist die Versorgung mit allgemein zugänglichen Dingen des Konsums wie Verkaufsautomaten, Trinkbrunnen und Wasserpumpen, wobei letztere besonders auch für die Notwasserversorgung dienen. Der Aufrechterhaltung der allgemeinen Ordnung dienen Abfallkörbe. Um die Parkmöglichkeiten zu strukturieren oder zeitlich zu begrenzen werden Parkautomaten aufgestellt.

Der Information von Bürgern dienen Informationstafeln und Stadtpläne, Schau- und Mitteilungskästen und die vorzugsweise an Säulen angebrachten Hinweisschilder. Andere der Information dienende Möbelstücke sind Normaluhren, Sonnenuhren und Wettersäulen. Oft sind diese kunstvollen Einrichtungen mit Werbung verbunden. Gesondert und ausschließlich für Werbung werden Werbetafeln und Litfaßsäulen sowie Plakatwände genutzt. Einer Zwischenstellung zwischen allgemeiner Information und gesonderter Werbung haben Stand- und Wandvitrinen. Außer einer allgemeinen Information sind für Zwecke der Kommunikation mit Behörden oder für den Notfall im Stadtraum Notrufsäulen und Brandmelder und allgemeiner Telekommunikationseinrichtungen oder Informationssäulen (Info-Point) vorhanden. Speziellere Aufgaben vermitteln Aussichtsteleskope oder Großbildschirme für Public Viewing.

Einer allgemeinen kulturellen Funktion zum Verweilen, Erholen oder Spielen dienen Sitzgelegenheiten, Pflanzkästen und -kübel, Pergolen. Auch Brunnen, Spielgeräte, Fahnenmasten oder Sprunginseln sind vorzugsweise dafür geeignet. Eindeutiger als Kultur im Stadtraum sind Denkmale und Skulpturen zuzuordnen.

Bekannte Architekten und Designer[Bearbeiten]

Feuermelder nach einem Design von Pieter Lucas Marnette im Stil der Amsterdamer Schule

Der österreichische Architekt Luigi Blau hat in Wien Arbeiten im Rahmen der Stadtmöblierung entworfen, u.a. Sitzbänke, Blumenkübel und Kleidercontainer. Im Garten des Museums Het Schip in Amsterdam zeigt eine Ausstellung verschiedene Stadtmöbel im Stil der Amsterdamer Schule, unter anderem von Pieter Lucas Marnette (1888–1948) und Anton Kurvers (1889–1940).

Normen[Bearbeiten]

Vom Deutschen Institut für Normung e. V. ist die die DIN EN 13198 (Stand Juli 1998) „Betonfertigteile – Straßenmöbel und Gartengestaltungselemente“ entwickelt worden. Das Dokument legt die Leistungsanforderungen an vorgefertigte Straßenmöbel und Gartengestaltungselemente aus Beton fest. Definitionen für Straßenmöbel sind darin nicht beschrieben. Vorgefertigte nichttragende Produkte und Zubehörteile können in öffentlichen und privaten Bereichen eingesetzt werden. Die DIN EN 13198 gilt zudem nicht für Pflastersteine, Gehwegplatten, Bordsteine, Zäune, Entwässerungskanäle, Sicherheitsbarrieren oder Schallschutzwände, die ihrerseits keine Stadtmöbel sind.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Street furniture – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien