Stadtpfarrkirche St. Jakob (Cham)

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Stadtpfarrkirche St. Jakob

Die Stadtpfarrkirche St. Jakob ist eine katholische Pfarrkirche in der Stadt Cham in der Oberpfalz.

Äußeres[Bearbeiten]

Die Kirche am Marktplatz ist romanischen Ursprungs. Ihre Fundamente in massivem Bruchsteinmauerwerk und auch die Unterbauten der Türme gehören dem 13. Jahrhundert an. Der nördliche Turm wurde nicht ausgebaut sondern mit dem Rathaus verbunden. Der eingezogene Chor entstand 1394 bis 1411. Die gotischen, zweimal abgesetzten Streben, sind erhalten. Das Langhaus hatte ursprünglich sechs Joche. 1894/95 wurde es um zwei Joche nach Westen erweitert.

Die drei Türen entstanden um 1700. An der Südseite des Chores stellt ein lebensgroßes Gemälde des einheimischen Kunstmalers Georg Achtelstetter den Kirchenpatron Jakobus der Ältere dar.

Inneres[Bearbeiten]

Innenraum der Stadtpfarrkirche

Das Innere wurde im Jahr 1750 durch den Kirchenmaler Johann Gebhard und seinen Sohn Otto Gebhard mit Fresken und Stuck ausgestattet. Das Deckengemälde im Chor zeigt das Martyrium des Apostels Jakobus, umgeben von den Bildnismedaillons der vier Evangelisten. Das Deckengemälde des Langhauses stellt das Eingreifen des hl. Jakobus in die Schlacht bei Tolosa zwischen Christen und Sarazenen dar. Im Bild haben Vater und Sohn Gebhard signiert. Das Deckengemälde über der Empore wurde erst im Jahr 1900 von Waldemar Kolmsperger gemalt. Es zeigt die Rettung aus einem Schiffbruch durch die Hilfe des hl. Jakobus.

Die Einrichtung im Stil des Rokoko wurde um 1850 größtenteils entfernt. Nur der Aloisiusaltar mit reichem Muschelwerk (um 1760, einst Tabernakel des Hochaltars) sowie die Jakobusfigur über dem einstigen Seiteneingang und die wiederaufgefundenen Stuhlwangen stammen aus dieser Zeit. Die neuromanische Einrichtung schuf 1848–1852 der Münchner Bildhauer Johann Petz. Sie wurde nach der letzten Erweiterung 1894/95 durch die jetzige Ausstattung im Stil des Neubarock ersetzt.

Hoflieferant A. Schoyerer fertigte zunächst nach den Entwürfen von Professor Leonhard Romeis die beiden Seitenaltäre. Die Statuen des hl. Wolfgang und des hl. Emmeram am Josephi-Altar (links) und der seligen Alruna und der hl. Theresa am Herz-Jesu-Altar (rechts) schuf Thomas Buscher aus München. Der Sebastians- und der Marienaltar mit Gemälden von Waldemar Kolmsperger dem Jüngeren entstanden kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914. Die Figuren der Heiligen Karl Borromäus, Otto, Georg und Florian schuf um 1910 Thomas Buscher. Von ihm stammen ebenso die 1896 entstandenen Figuren an der Hochwand des Kirchenschiffes mit den Heiligen Franz Xaver, Antonius, Anna und Monika.

Der Hochaltar kam während des Krieges zur Aufstellung. Er wurde von Architekt A. Bachmann, München, entworfen und von dem Chamer Hoflieferanten A. Schoyerer sowie dem Chamer Bildhauer Ludwig Egen und dem Chamer Malermeister und Vergolder Thomas Brunner und seinem Sohn Karl ausgeführt. Das Relief in der Mitte stellt die Verklärung des Herrn dar. Die beiden Apostelfiguren fertigte M. Roider in Regensburg.

Die Kanzel aus dem Jahr 1911 ist ebenfalls ein Werk der Chamer Meister Schoyerer, Egen und Brunner. Sie trägt zahlreiche vergoldete Schnitzereien. Der Barbaraaltar am Seiteneingang rechts ist als Kriegergedächtnisstätte gewidmet.

Eine Statue der Mater Dolorosa aus dem 18. Jahrhundert kam bei der Restaurierung 1961/62 vom Kalvarienbergkirchlein in die Pfarrkirche.

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel mit reichem Schnitzwerk und zwei gedrehten Säulen wurde 1720 von Barthelmene Poos aus Koblenz gebaut. 1898 baute die Firma Binder und Sohn, Regensburg, eine vergrößerte Orgel in das erweiterte Gehäuse ein. Eine neue Orgel erbaute ab 1965 die Firma Ludwig Eisenbarth, Passau. Am 22. Januar 1967 fand im Rahmen eines Festgottesdienstes die Orgelweihe statt. Das neue Werk, aufgeteilt in drei Manuale und Pedal, zählte 37 klingende Register und 2884 Pfeifen. Bei den umfangreichen Kirchenrenovierungsarbeiten im Jahr 2005 wurde die Orgel neu aufgebaut und um einige Register erweitert. Sie hat jetzt 43 Register und 3213 Pfeifen.[1] Im Dezember 2005 fand die Weihe der jetzigen Orgel statt.

I Hauptwerk C–a3

1. Bordun 16'
2. Principal 8'
3. Tibia 8'
4. Gedeckt 8'
5. Octave 4'
6. Rohrflöte 4'
7. Octave 2'
8. Kornett V (ab g0) 8'
9. Mixtur V-VI 11/3'
10. Trompete 8'
II Brustwerk C–a3
11. Koppelflöte 8'
12. Harfpfeife 8'
13. Principal 4'
14. Blockflöte 4'
15. Quinte 22/3'
16. Waldflöte 2'
17. Terz 13/5'
18. Quinte 11/3'
19. Zimbel IV 1'
20. Musette 8'
Tremolo
III Schwellwerk C–a3
21. Pommer 16'
22. Principal 8'
23. Holzflöte 8'
24. Viola 8'
25. Vox caelestis 8'
26. Geigenprincipal 4'
27. Traversflöte 4'
28. Nazard 22/3'
29. Nachthorn 2'
30. Mixtur V 2'
31. Fagott 16'
32. Trompette harm. 8'
33. Hautbois 8'
34. Clairon 4'
Tremolo
Pedal C–f1
35. Principalbaß 16'
36. Subbaß 16'
37. Quinte 102/3'
38. Octavbaß 8'
39. Gedeckt 8'
40. Choralbaß 4'
41. Hintersatz V 22/3'
42. Posaune 16'
43. Trompete 8'
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln (mechanisch): II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
    • Superoktavkoppeln: III/III, III/I
    • Suboktavkoppeln: III/III, III/I

Zugleich wurde 1965 ebenfalls von Eisenbarth in die linke Seite vor dem Hochaltar eine Chororgel eingebaut, die mit acht klingenden Stimmen dem barocken Klangideal nachempfunden ist und für Chorkonzerte konzipiert ist. Das Orgelgehäuse schuf die Fa. Schoyerer, Cham. Diese Orgel hat einen eigenen Spieltisch im Altarraum, ist aber auch von der Hauptorgel aus spielbar.

Manual C–a3
44. Rohrgedeckt 8'
45. Salizional 8'
46. Holzprincipal 4'
47. Principal 2'
48. Mixtur III 1'
Pedal C–f1
49. Subbaß 16'
50. Violon 8'
51. Choralbaß 4' + 11/3'

Glocken[Bearbeiten]

In beiden Weltkriegen wurden die Glocken der Stadtpfarrkirche beschlagnahmt. Die größte der heutigen fünf Glocken ist St. Jakob mit 2.600 Kilo, die Gefallenenglocke wiegt 1.500 Kilo und die Josefsglocke 600 Kilo. Diese neuen Glocken erhielten am 4. Mai 1946 durch Weihbischof Höcht ihre feierliche Weihe. Die Glocke Maria Hilf, genannt Frauenglocke mit 24 Zentnern, stammt aus dem Jahr 1796 und wurde von Josef Spanagl, Straubing, gegossen. Sie kehrte nach langer Irrfahrt wieder in den Turm der Pfarrkirche zurück. Die kleinste Glocke ist die vier Zentner wiegende alte Sterbeglocke. Die Töne der Glocken sind b°, des, es, ges und as.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Xaver Gsellhofer: Stadtpfarrkirche St. Jakob Cham, Schnell, Kunstführer Nr. 134 (1936), 3. neubearbeitete Aufl. 1976, Verlag Schnell & Steiner, München und Zürich

Nachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.pfarrei-cham.de/pages/pfarrkirche.php

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stadtpfarrkirche St. Jakob (Cham) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.21770923221412.665369510651Koordinaten: 49° 13′ 4″ N, 12° 39′ 55″ O