Stadtprozelten

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Stadtprozelten
Stadtprozelten
Deutschlandkarte, Position der Stadt Stadtprozelten hervorgehoben
49.7852777777789.4122222222222134Koordinaten: 49° 47′ N, 9° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Miltenberg
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Stadtprozelten
Höhe: 134 m ü. NHN
Fläche: 10,84 km²
Einwohner: 1546 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 143 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97909
Vorwahl: 09392
Kfz-Kennzeichen: MIL
Gemeindeschlüssel: 09 6 76 158
Stadtgliederung: 3 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstr. 132
97909 Stadtprozelten
Webpräsenz: www.stadtprozelten.de
Bürgermeisterin: Claudia Kappes (CSU)
Lage der Stadt Stadtprozelten im Landkreis Miltenberg
Aschaffenburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Main-Spessart Hohe Wart (Spessart) Gemeindefreies Gebiet Forstwald Gemeindefreies Gebiet Hohe Berg Collenberg Dorfprozelten Altenbuch Wörth am Main Weilbach (Bayern) Sulzbach am Main Stadtprozelten Schneeberg (Unterfranken) Rüdenau Röllbach Obernburg am Main Niedernberg Neunkirchen (Unterfranken) Mönchberg Mömlingen Miltenberg Leidersbach Laudenbach (Unterfranken) Klingenberg am Main Kleinwallstadt Kleinheubach Kirchzell Hausen (bei Aschaffenburg) Großwallstadt Großheubach Faulbach Eschau (Unterfranken) Erlenbach am Main Elsenfeld Eichenbühl Bürgstadt Amorbach Amorbach Hessen Baden-WürttembergKarte
Über dieses Bild

Stadtprozelten ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg und Sitz der gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft.

Luftbild 2008

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Stadtprozelten liegt am südlichen Rand des Spessarts und am Main inmitten der südlichen Seite des sogenannten Mainvierecks.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Stadtprozelten hat drei amtlich benannte Ortsteile[2]:

Der Stadtteil Neuenbuch liegt 2 km vom Stadtzentrum entfernt (49° 48′ 17″ N, 9° 24′ 32″ O49.8048208872229.4087549572222).

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Markt
Eschau
Gemeinde
Altenbuch
Gemeinde
Dorfprozelten
Nachbargemeinden Gemeinde
Faulbach
Stadt
Wertheim


Name[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name setzt sich aus dem mittelhochdeutschen Wort brat, das Braten oder Fleisch bedeutet und dem althochdeutschen selde für Haus zusammen. Bratselde bedeutet demnach etwa soviel wie Ort, an dem Reisende speisen können; etwa eine Herberge. Der Zusatz Stadt wurde zur Unterscheidung von Dorf- und Langenprozelten hinzugefügt.[3] Der Anfangsbuchstabe des ursprünglichen Namens ist auch heute noch im Stadtwappen enthalten.

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[3]

  • 1127 Bratselede
  • 1150 Brahtselde
  • 1200 Bratseleden
  • 1287 Brotselden
  • 1379 Brotselden dy stat
  • 1478 Statpoczselten
  • 1617 Stattprodtselden
  • 1625 Stadtprodselden
  • 1675 Stadt Prozelden
  • 1832 Stadtprozelten

Geschichte[Bearbeiten]

Stadtprozelten wurde 1287 erstmals urkundlich als Stadt erwähnt. Nachdem 1632 Schweden den Ort geplündert hatten, mussten die Bewohner über den Winter 1634/35 die kaiserlichen Truppen des Hauptmanns Paur versorgen, was sie über 6.000 Gulden kostete.[4] Das ehemalige kurmainzische Amt wurde 1803 ein Teil des dalbergischen Fürstentums Aschaffenburg (ab 1810 Departement des Großherzogtums Frankfurt) und kam 1814 an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Im Jahre 1862 wurde das Bezirksamt Marktheidenfeld gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Stadtprozelten lag. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Stadtprozelten war nun eine der 47 Gemeinden im Landkreis Marktheidenfeld (Kfz-Kennzeichen MAR). Mit Auflösung des Landkreises Marktheidenfeld im Jahre 1972 kam Stadtprozelten in den neu gebildeten Landkreis Miltenberg (Kfz-Kennzeichen MIL).

650 Jahre Stadtrechte wurden im Jahr 2005 gefeiert. Die erste urkundliche Nennung ist tatsächlich jedoch noch nicht zweifelsfrei geklärt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1977 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Neuenbuch eingegliedert.[5]

Politik[Bearbeiten]

Rathaus von Stadtprozelten

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat von Stadtprozelten hat 12 Mitglieder. Zusätzlich gehört ihm die Bürgermeisterin (oder der Bürgermeister) an.

Wahljahr CSU SPD FWG Gesamt
2008 8 4 n.a. 12 Sitze
2002 5 2 5 12 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: In Silber eine rote Burg mit Torturm und blauen Dächern, über dem Tor der goldene Buchstabe B; beiderseits des Turmhelms die strahlende, gesichte goldene Sonne und ein gesichter goldener Halbmond.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Henneburg auf dem Kühlberg in Stadtprozelten, Bayern.
  • Die Stadt wird überragt von der Burgruine Henneburg auf dem Kühlberg.
  • Das Spital wurde wahrscheinlich durch Elisabeth von Hohenlohe um 1320 gestiftet.
  • Das Gebäude der Spitalverwaltung stammt aus dem 14. Jahrhundert und wird seit dem 18. Jahrhundert als Post- und Schulhaus verwendet.
  • Pfarrkirche im gotischen Stil war ehemals Spitalkirche. Sie wurde um 1800 zur Pfarrkirche erhoben. Das Interieur entspricht noch weitestgehend dem ursprünglichen Baustil.
  • Das Rathaus wurde 1520 erbaut; der Treppenturm wurde 1621 hinzugefügt. Der Erker sitzt auf zwei toskanischen Säulen.
  • Der Benefiziatenbau war wahrscheinlich Pfarrhaus bis um 1811.
Apotheke Stadtprozelten
  • Die Apotheke wurde nach 1811 am Platz der abgetragenen Georgenkapelle errichtet.
  • Ämtergebäude aus der Zeit um 1600; Mainzer Verwaltungsgebäude, im 19. Jh. Landgericht, dann Sparkasse
  • Ehemaliges Gefängnis aus dem 19. Jahrhundert
  • Reste der spätmittelalterlichen Stadtmauer
  • Forsthaus, 1854 erbaut im „Neuen Münchner byzanthinischen Stil“

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Auftritt der Stadtprozeltener Schäfflertanzgruppe beim historischen Stadtfest im Juli 2005
Schäfflertanz

Der Schäfflertanz wird traditionsgemäß alle sieben Jahre aufgeführt. Die Schäfflergruppe, möglicherweise die größte Deutschlands und die einzige in weiß und blau, besteht aus weit über 60 bis 90 Akteuren, d.h. Oberschäffler, Weinglasschwenker, Tänzer, Clowns, Kellner und den Jungen, die den Karren ziehen. Da der Tanz ein Gruppentanz ist, ist die Zahl der ausschließlich männlichen Tänzer immer ein Vielfaches von acht.

Diese Tradition datiert auf das Pestjahr 1517, als in München die Angehörigen der Schäfflerzunft als erste wieder auf die Straßen gingen, um Lebensfreude zu verbreiten.

Etwa ab 1830 brachten Schäfflergesellen (Handwerker wie Fassbinder, Fassmacher, Böttcher oder Küfer, die Holzfässer für Bier, Wein etc. hergestellt haben) den Tanz auch in andere Orte wie z.B. nach Eggenfelden, Frontenhausen, Geiselhöring, Mainburg, Mühldorf, Murnau, Kelheim, Landshut, Partenkirchen und Wasserburg.

1887 wurde der Schäfflertanz erstmals in Stadtprozelten aufgeführt. Die nächsten Termine fallen auf die Jahre 2013, 2020, 2027 usw.

Doude Moo

Der Ursprung geht auf die Zeit zurück, als während der Pest die Leichen aus den Häusern geholt wurden. Die Leichensammler riefen bei ihrem Gang durch den Ort "Hejo - doude Moo - moje kommd en annern droo" (Hallo, toter Mann, morgen kommt ein anderer dran).

Heutzutage freuen sich die Kinder, dass bei diesem Umzug aus allen Häusern Süßigkeiten auf die Straße geworfen werden, wenn zuvor eine Strohpuppe aus dem Ort hinausgetragen und verbrannt wurde. Doude Moo findet immer an einem Sonntag, drei Wochen vor Ostern statt.

Die Veranstaltung wird in offiziellen Kreisen "Todemo" genannt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Stadtprozelten hat einen Bahnhof an der Maintalbahn, also der Bahnstrecke Aschaffenburg–Wertheim.

Kurioses[Bearbeiten]

Stadtprozelten

Nach J. Heyberger, Christian Schmitt und August Wilhelm von Wachter müssen sich die Stadtprozeltener "Geißhockler" titulieren lassen, weil die armen Schelme in den gefährlichen Tagen des Hochwassers ihre Ziegen huckepack die Höhen hinauf auf die Grasplätze tragen müssen.

Neuenbuch

In den Spessarttälern wurden Stuben mit dem Kienspan beleuchtet. Für das teure Petroleum war bei der ärmeren Bevölkerung kein Geld vorhanden. In Neuenbuch wurden sie "Kieknörzli" genannt. Diese Dialektbezeichnung war Anlass für den Spitznamen - Ortsnecknamen.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111127/111528&attr=OBJ&val=1707
  3. a b  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 212.
  4. Georg Veh: Von unfähigen Lehrern und »halsstarrigen Flecken«. In: Wertheimer Zeitung vom 19./20. Januar 2013
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 751.
  6. Werner Trost Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer Landkreis Miltenberg 2003

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stadtprozelten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien