Stadtspital Triemli

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Das Stadtspital Triemli oder Triemlispital in Zürich ist das drittgrösste Krankenhaus im Kanton Zürich und eine Dienstabteilung des Gesundheits- und Umweltdepartements der Stadt Zürich.

Das Bettenhaus / Hauptgebäude, aus Richtung der Tram-Haltestelle Triemli

Lage[Bearbeiten]

Das 1970 eröffnete Stadtspital Triemli ist eines der wenigen markanten Hochhäuser im Stadtteil Wiedikon (Kreis 3), auf dem Gebiet des Quartiers Friesenberg. Im Gegensatz zur Innenstadt liegt der Spitalkomplex (463 m ü. M.) rund 60 Meter über dem Niveau des Zürichsees, im Südwesten der Stadt Zürich, unmittelbar am Fuss des Uetlibergs.

Einzugsgebiet[Bearbeiten]

Einzugsgebiet mit Stadt Zürich und links der Limmat angrenzenden Gemeinden

Das Triemli ist das drittgrösste Spital im Kanton und die zweitgrösste Notfallabteilung, zu deren Einzugsgebiet die Stadt links der Limmat und die Gemeinden links von Zürichsee und Limmat sowie die angrenzenden Gebiete gehören. Das städtische Einzugsgebiet umfasst 172'000 Personen, der weitere Umkreis rund 360'000 (Stand 2011).

Das Triemli unterhält Verträge mit benachbarten 'Zuliefererspitälern' in den Kantonen Glarus, Graubünden, Schwyz, Uri, Zug, Schaffhausen und Zürich.

Organisation[Bearbeiten]

Das Triemli ist ein öffentliches Spital für alle Versicherungsklassen des KVG.

In der schweizerischen Spitallandschaft hat es den Status eines Zentralspitals mit überregionalem Wirkungskreis und einer umfassenden medizinischen, pflegerischen und therapeutischen Dienstleistungspalette. Das Stadtspital Triemli verfügt inklusive Frauenklinik Maternité über insgesamt 262 Patientenzimmer, aufgeteilt in 112 Einer-, 76 Zweier-, 5 Dreier- und 69 Viererzimmer, mit insgesamt 557 Betten (Stand 2008).

Im Berichtsjahr 2006 wurden 14'313 Operationen (nach CHOP, ICD-9-CM[1]) durchgeführt, 165'770 Pflegetage stationär (Bettenbelegung 86.7%) und weitere 6'349 in der Intensivstation vermerkt. 122'118 Patienten sind ambulant behandelt worden. Der spitaleigene Sozialdienst betreute 3'903 Personen. Aus der Spitalapotheke stammen 34'705 Kilogramm Arzneien (Pulver, Kapseln, flüssig und in Form von Infusionen) in Eigenherstellung, und das Zentrallabor hat unter anderem 406'174 stationäre und 179'478 ambulante Untersuchungen durchgeführt. Erfasst sind 541'988 durch die Spitalküche zubereitete Mahlzeiten.[2]

Kliniken und Institute[Bearbeiten]

Dem Spitalkomplex sind zehn Kliniken, fünf Institute, integrierte Facharztabteilungen und Kompetenzzentren angegliedert.

Zugang Notfallstation, im Vordergrund ein Rettungshubschrauber der REGA

Nach einer Erneuerungsetappe stehen im Triemli zehn Operationssäle zur Verfügung.

Kliniken[Bearbeiten]

Die "Maternité“ ist seit Januar 2005 organisatorisch als Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe ins Stadtspital Triemli integriert. Als eine der grössten Frauenkliniken des Kantons Zürich betreut die Maternité Triemli in ihrer Gynäkologieabteilung jährlich rund 2'500 Patientinnen, die Gebärabteilung jährlich über 1'500 Neugeborene.

Institute[Bearbeiten]

Kompetenzzentren[Bearbeiten]

Insbesondere im Bereich der Spitzenmedizin arbeitet das Herzzentrum Triemli eng mit dem Universitätsspital Zürich zusammen. Über die einzelnen Fachdisziplinen hinweg wird spitalübergreifend die interdisziplinäre Zusammenarbeit gepflegt. Als Kompetenzzentren des Stadtspitals Triemli gelten insbesondere:

Sanität Zürich (SRZ), Stützpunkt Triemli, Rettungswagen
Sanität Zürich (SRZ), Stützpunkt Triemli
  • Notfallversorgung und Intensivpflege
Das Triemlispital betreibt eines der drei grossen Notfall-Kompetenzzentren im Kanton Zürich, gemeinsam mit dem Universitätsspital und dem Kantonsspital Winterthur. Das Triemli betreut über 24'000 Notfälle im Jahr und ist vor allem für die Bevölkerung im südlichen Kantonsteil und in den angrenzenden Gebieten tätig.
Einer der beiden städtischen Rettungswagen-Stützpunkte der Sanität Zürich (Schutz & Rettung Zürich) befindet sich auf dem Triemli-Areal.
Die Abteilung Schutz und Rettung Zürich (SRZ) ist die grösste zivile Rettungsorganisation der Schweiz und wie die beiden Stadtspitäler eine Verwaltungsabteilung der Stadt Zürich.
  • Herzzentrum
mit Kardiologie, Herzchirurgie, interventioneller Radiologie und Gefässchirurgie.
mit Tumorchirurgie, medizinischer Onkologie, Radio-Onkologie und Pathologie
mit Traumatologie, Orthopädie und Neurochirurgie
in enger Zusammenarbeit mit der Frauenklinik Maternité und ihrer Klinik für Kinder und Jugendliche.

Das Dermatologische Ambulatorium leistet konsiliarische Dienstleistungen und wird für die ärztliche Verordnung bei stationären Patienten mit Haut- oder Geschlechtskrankheiten beigezogen.

Lehr- und Bildungsauftrag[Bearbeiten]

Als öffentliches Spital ist das Triemli ein akademisches Lehrspital[3] der Universität Zürich.

Dem damit verbunden Lehr- und Bildungsauftrag wird mit Kursen, Vorlesungen und Lehrveranstaltungen, wozu auch die klinische Forschung und Entwicklung zu zählen sind, nachgekommen. Weitere mit dem Auftrag als Lehrspital verbundene Aufgaben des Triemlispitals sind die Förderung des interdisziplinären Austauschs, der Wissenstransfer zwischen beruflicher Praxis und universitärer Theorie, Förderung der beruflichen Kompetenz angehender Fachkräfte und die vernetzte Zusammenarbeit mit anderen Spitälern und Bildungsinstitutionen.

Berufe[Bearbeiten]

Mitarbeitende[Bearbeiten]

2'393 Mitarbeitende – davon rund 730 im Bereich Pflege und 839 in den medizinischen Fachbereichen – aus rund 35 Nationen und in 30 verschiedenen Berufen[2] sind im Spital beschäftigt (Stand 2006). Unterstützung leisten weitere 140 Personen im Freiwilligeneinsatz mit individuellen Betreuungsaufgaben.[4]

Berufsausbildungen[Bearbeiten]

Personalhochhäuser mit REGA-Hubschrauber

Das Triemli ist nebst seinen Aufgaben als Lehrspital[3] der Universität auch ein Ausbildungsspital, das seinen Bildungsauftrag nach Erkenntnissen in Pädagogik und Androgogik[5] wahrnehmen will.

Jährlich absolvieren rund 100 Lernende eine berufliche Ausbildung oder Teilpraktika als Assistenzärzte, Fachleute Physiotherapie, Ergotherapie, Med. Laborant SRK, Biomed. Analytiker HF, Fachleute med.-techn. Radiologie, Koch/Köchin, Hauswirtschaft, Kaufleute, Pflegefachfrau/-mann HF / FH , Hebamme, Fachangestellte Gesundheit (FAGE), Techn. Sterilisationsassistenz und Pflegeassistenz.

Weiterbildung und Fachschulen[Bearbeiten]

Berufsbegleitende Weiterbildungen erfolgen in Intensivpflege und Reanimation, Anästhesie, Operationspflege und Notfallpflege.

Als Spezialgebiete sind zudem Wundmanagement, Diabetesberatung und Schmerzbekämpfung im Lehrplan.

Weitere Ausbildungsstätten des Triemlis waren:

  • Physiotherapieschule Triemli: aufgelöst (seit ca. 2010 an der ZHAW Winterthur).
  • Schule für Notfall- und Intensivpflege Triemli: ebenfalls aufgelöst (neu als ZINA beim Universitätsspital).

Gebäude[Bearbeiten]

Die Anlage des Triemlispitals umfasst, nebst dem weit sichtbaren Bettenhochhaus / Haupttrakt, die Krankenpflegeschule Zürich, Altersheim und Pflegewohngruppen Triemlipark, die Flachbauten der Kliniken/Schulen und die Frauenklinik Maternité samt Zentrum Inselhof sowie die drei markanten Personalhochhäuser.

Spitalkomplex (von links nach rechts): Personalhäuser, Flachbauten Kliniken/Schulen, Haupttrakt/Bettenhochhaus, Zentrum Inselhof, Maternité (März 2008)

Das Bettenhaus des Stadtspitals Triemli gilt mit knapp 70 Metern Höhe als eines der wenigen Hochhäuser in Zürich, mit einer guten Aussicht auf die Stadt und über den Zürichsee.

Unweit des eigentlichen Spitalkomplexes stehen talseitig drei Personalhochhäuser, die gleichzeitig mit dem Spitalbauten in Betrieb genommen wurden. Die Zimmer des Personalhauses A sind mehrheitlich an die Mitarbeiter des Spitals vermietet, während die nach heutigen Massstäben sehr kleinen Einzelzimmer des Personalhauses B seit den 1990er-Jahren sukzessive in Büros, Besprechungsräume, Labors und eine Kinderkrippe für das Spitalpersonal umgenutzt worden sind. Die Zimmer im Personalhaus C sind ausschliesslich an Spitalexterne vermietet. Darüber hinaus befindet sich im Personalhaus C vorübergehend ein Altersheim sowie im Eingangsgeschoss ein Kindergarten.

Der Architekturwettbewerb für ein neues Bettenhaus (Haupttrakt) ist abgeschlossen. Das Projekt und der benötigte Kredit über 290 Mio. Franken sind von den Stimmberechtigten der Stadt Zürich mit 89,7 Prozent Ja-Stimmen gutgeheissen worden. Das bestehende Bettenhaus wird für Ärztebüros, Verwaltungsräume, Untersuchungs- und Therapieräume umgenutzt und zusammen mit dem 'Rückbau' der drei Personalhochhäuser bis voraussichtlich 2018 realisiert.

Bereits modernisiert und erweitert wurde der Behandlungstrakt, mit einem zusätzlichen Untergeschoss, einer Verlängerung des Gebäudes nach Süden und hellen Innengestaltung. Ebenfalls ausgebaut ist die Notfallstation, in der Vorrealisierungsphase ist die Erweiterung und Ausrüstung der Intensivstation nach neuesten medizinischen Standards.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ursprung der beiden Stadtspitäler Waid und Triemli geht auf die grosse Spitalbettennot zurück, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unhaltbare Ausmasse annahm. Nachdem über mehrere Jahrzehnte hinweg keine politische Einigung möglich war, übernahm die Stadt Zürich mit den zwei schweizweit einmaligen Grossprojekten die Initiative.

Zur Versorgung der Region Zürich Nord eröffnete 1953 das Stadtspital Waid (heute 300 Betten), 1970 folgte für die Bevölkerung links der Limmat das Stadtspital Triemli, das zudem auch überregionale Dienstleistungen erbringt (heute 557 Betten).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Schweizerische Operationsklassifikation (CHOP) ist eine Übersetzung und Anpassung der US-amerikanischen Klassifikation ICD-9-CM, Volume 3. Die Ausgaben des Bundesamts für Statistik (BFS) sind in zwei unterschiedlichen Versionen gratis erhältlich, mit einem systematischen oder einem alphabetischen Verzeichnis.
  2. a b Quelle: Stadtspital Triemli, Zahlen und Fakten 2006 (Stand 31. Dezember 2006)
  3. a b Die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (CRUS) hält u.a. zu den Aufgaben eines Lehrspitals fest: «Die klinische Weiterbildung ist auf die Nähe der Spitzenmedizin und ein ausreichendes Patient/innenpotenzial („kritische Masse“) angewiesen. Neben den Universitätsspitälern spielen eine Vielzahl von nichtuniversitären Lehrspitälern eine wesentliche Rolle. Die Medizinischen Fakultäten wirken aufgrund eines expliziten oder impliziten Leistungsauftrages am strukturierten Teil der Weiterbildung mit. Formell tragen die Universitäten hingegen keine Verantwortung.». Quelle: Hochschulmedizin 2008, Konzept zur Reform der medizinischen Lehre und Forschung an den Universitäten der Schweiz, verabschiedet von der CRUS am 16. Januar 2004.
  4. Freiwilligenarbeit im Triemlispital
  5. Androgogik bedeutet „Erwachsene führen“, abgeleitet von griech. andros für „Mann“, „Erwachsener“
  6. Quelle: Website Operation Zukunft zur baulichen Gesamterneuerung des Stadtspitals Triemli

Literatur[Bearbeiten]

  • Stadtspital Triemli, Zürich-Wiedikon: Erweiterung und Umbau Behandlungstrakt, 1999–2007. Hsg. Stadt Zürich, Hochbaudepartement, Amt für Hochbauten der Stadt Zürich, 2007.
  • Schweizerische Operationsklassifikation (CHOP), ICD-9-CM. Volume 3, Version 10.0, 2008, BFS, Neuchâtel 2007, ISBN 978-3-303-14116-8.
  • Festschrift zur Eröffnung des Stadtspitals Triemli. Zürich 1970.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stadtspital Triemli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.3658518.497768Koordinaten: 47° 21′ 57″ N, 8° 29′ 52″ O; CH1903: 680003 / 246652