Staffel (Limburg)

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50.3947258.038575125Koordinaten: 50° 23′ 41″ N, 8° 2′ 19″ O

Staffel
Höhe: 110–180 m
Einwohner: 2520 (31. Dez. 2011)
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 65556
Vorwahl: 06431
Karte

Staffel als Ortsteil von Limburg

Staffel ist ein Stadtteil der Kreisstadt Limburg im Landkreis Limburg-Weilburg in Hessen. Er grenzt nordwestlich an die Kernstadt Limburg und ist der nach Einwohnerzahl fünftgrößte der acht Stadtteile. Ortsvorsteher ist Dr. Matthias Schellhorn(SPD).[1]

Lage[Bearbeiten]

Turm der katholischen Kirche (rechts) und Fernmeldeturm westlich von Staffel

Staffel liegt nordwestlich der Kernstadt Limburg und wird von ihr durch die Lahn und von der Limburger Brückenvorstadt im Osten durch den Elbbach getrennt. Nach Norden grenzen die Autobahn 3 und die ICE-Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main Staffel von der Nachbarkommune Elz ab. Westlich von Staffel schließt sich das rheinland-pfälzische Gückingen an. Durch den Ort verläuft die Bundesstraße 8. Der östliche Teil der Ortslage wird von einem Industrie- und Gewerbegebiet eingenommen, dessen größter Betrieb ein ehemaliges Werk der Firma Buderus (heute Meierguss Limburg GmbH) mit eigener Werkfeuerwehr ist. Ebenfalls im Osten verlaufen die Gleise der Oberwesterwald- und der Unterwesterwaldbahn mit dem Bahnhof Staffel. Zentraler Platz des alten Ortskerns ist der Schulplatz, an dem sowohl die ehemalige Schule und das ehemalige Rathaus als auch die evangelische Kirche liegen.

Der Ort selbst erstreckt sich vom Lahnufer auf etwa 110 Metern Höhe bis auf etwa 145 Meter im Nordwesten der Besiedlung. Am westlichen Rand der Gemarkung steigt die Landschaft in einer weiteren deutlichen Geländestufe bis auf 180 Meter an. Neben der Siedlungsfläche besteht die Gemarkung hauptsächlich aus der Flussaue der Lahn und Landwirtschaftsflächen.

Geschichte[Bearbeiten]

Ehemaliges Rathaus
Katholische Kirche
Evangelische Kirche
Einfahrt zum ehemaligen Buderus-Werk
Friedhofskapelle

Der Name „Staffel“ leitet sich vom mittelhochdeutschen „stapfel“ ab, was „Stufe“ bedeutet. Vermutlich bezieht sich die Beschreibung auf die stufenförmige Anhöhe nördlich der Lahn, auf der der Ort liegt.

Die erste urkundliche Erwähnung Staffels datiert auf den 6. November 1195. Damals schlichtete Kaiser Heinrich IV. einen Streit zwischen dem Wormser Bischof Heinrich und dem Grafen Walram I. von Nassau. Einer von 20 Bürgen, die in der Urkunde erwähnt wurden, war Dietrich von Staffel.

Für 1367 ist eine Befestigung mit Zäunen und Falltor erwähnt. Staffel gehörte zunächst als Reichslehen zur Grafschaft Diez und ging mit dem Aussterben der Diezer Grafen 1386 an das Haus Nassau über. Bald jedoch splitterte der Besitz zwischen verschiedenen nassauischen Linien, den Herren von Eppstein, denen von Königstein, von Katzenelnbogen und Kurtrier auf. Häufig waren Teile des Orts auch verpfändet. Der zuständige Gerichts- und Amtssitz befand sich meist in Diez. Die Lehnshoheit ging 1441 vom Reich an Kurtrier über.

Eine Brücke über den Elbbach für den Verkehr von Limburg in Richtung Westerwald ist ab 1447 nachgewiesen. 1537 wurde sie erneuert und 1855 durch einen etwas versetzten Neubau ersetzt.

Im Mittelalter existierte neben Oberstaffel, aus dem sich der heutige Ort entwickelte, auch ein Niederstaffel, das „einen Büchsenschuss weit“ in Richtung Diez lag und im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde, möglicherweise bei einer umfassenden Plünderung beider Staffeler Orte 1626 durch kaiserliche Truppen. Eine weitere Wüstung, Scherlingen, ist bis 1347 als bewohnter Ort belegt.

Für 1633 ist ein „gemeines Haus“, wohl der Verwaltungssitz des Schultheißen, verbürgt. 1742 brannte Staffel zur Hälfte ab. Ab 1743 befand sich Staffel wieder unter einer einheitlichen Landeshoheit im Fürstentum Oranien-Nassau, das 1806 im Herzogtum Nassau aufging. Am 1. Juli 1816 wurde Staffel dem nassauischen Amt Limburg zugeordnet. Mit der Gebietsreform in Hessen wurde Staffel am 1. Juli 1974 zum Stadtteil von Limburg.[2]

Staffel hatte lange keine eigene Kirche. Die Einwohner besuchten die Gottesdienste in Limburg und nutzten meist auch die dortigen Friedhöfe. Für die protestantischen Staffeler war zunächst Diez neben dem Verwaltungs- auch der Kirchensitz. Spätestens 1671 war die Mehrheit der Einwohner reformiert. 1683 wurde die erste Kirche geweiht, die mit Unterstützung durch Fürstin Albertine Agnes von Nassau-Diez gebaut worden war. Einen eigenen Pfarrer gab es ab 1701. Im September 1967 fand die Weihe der heutigen katholischen Kirche statt. Schulort war zunächst ebenfalls Diez. Spätestens 1697 gab es eine eigene Schule in Staffel. Ein jüdischer Friedhof, vermutlich für die jüdische Gemeinde von Limburg, befand sich in der Staffeler Gemarkung.

Neben Ackerbau wurde im Mittelalter und in der frühen Neuzeit auch Wein in der Staffeler Gemarkung angebaut. Diese Kultur verschwand im 17. Jahrhundert jedoch ganz. Zahlreiche bürgerliche und adlige Einwohner von Limburg hatten Gärten und Obstbaumgrundstücke im benachbarten Staffel. Bis 1774 bestand ein gemeinsamer Markwald mit Gückingen. Nach dem Anschluss an die Eisenbahn 1870 entstanden 1901 ein Kalkwerk und 1900 die „Karlshütte“, die 1907 an das Gießereiunternehmen Buderus verkauft wurde. Obwohl Limburg kurtrierisches „Ausland“ war, besaßen die Staffeler Bürger das Privileg, ohne Abgaben mit Limburg Handel treiben zu dürfen. 1731 kam es zu einem Grenzstreit, bei dem ein nassauischer Musketier bei Staffel von Limburger Bürgern erschossen wurde.

Die Einwohnerzählungen weisen für 1528 28 Männer im Ort nach, für 1612 30 Familien. 1660 ist von 77 Einwohnern die Rede, 1750 von 136 Einwohnern in 45 Häusern und 1812 von 342 Einwohnern.

Am 6. Juni 1961 hatte Staffel 2086 Einwohner, am 27. Mai 1970 waren es 2387 Einwohner.[2]

Die von Staffel[Bearbeiten]

Haus Staffel am Limburger Domplatz, ursprünglich im Besitz der von Staffel

Staffel war der Ursprungssitz der regional bedeutenden Ritterfamilie von Staffel. Zu ihrem Besitz gehörten unter anderem die Burgen Balduinstein, ab 1517 Burg Falkenstein im Taunus und dazu ab 1431 die halbe und ab 1497 die gesamte Herrschaft Nievern. Das alte Vikariat gegenüber dem Limburger Dom war ursprünglich ein Festes Haus der Familie von Staffel. Dazu kamen ein Turm am Burgberg in Nassau, die Niederburg bei Balduinstein und ein Festes Haus in Fachbach (allesamt heute nicht mehr vorhanden). Im Kloster Arnstein wurde unter Abt Wilhelm von Staffel nach 1359 die Klosterkirche grundlegend umgebaut.

Die Ersterwähnung Staffels von 1195 ist gleichzeitig auch die des Hauses Staffel. Aus verschiedenen Quellen lässt sich schließen, dass die Familie ihren Sitz bereits unter Dietrichs Vater Anselm sowie unter dessen namentlich nicht bekannten Vater in Staffel hatte. Die Männer aus dem Haus Staffel trugen in der frühen Phase fast ausschließlich den Vornamen Heinrich. Das Wappen der Familie zeigte einen meist goldenen und gelegentlich silbernen Nassauer Löwen auf einem blauen Schild mit kleinen goldenen Kreuzen.

Anfangs scheint es sich bei der Familie um Ministeriale der Grafen von Nassau gehandelt zu haben. Bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts tauchen Familienmitglieder jedoch auch als kurtrierische Amtleute auf. Später sind sie auch in katzenelnbogischen und kurmainzischen, jedoch kaum noch in nassauischen Diensten verbürgt. Mit der allgemeinen Verdrängung Adliger aus Verwaltungsämtern durch bürgerliche Juristen taucht in der Mitte des 16. Jahrhunderts der letzte Amtmann aus dem Haus von Staffel auf.

Der jüngere Zweig der Familie verlegte seinen Hauptsitz nach Lorch am Rhein, wo das Geschlecht 1505 im Mannesstamm ausstarb. Sein Besitz, darunter auch ein großer Hof in Staffel, ging größtenteils an die Reichsfreiherrenfamilie vom Stein über. Die ältere Linie der von Staffel hatte ihren Hauptsitz auf Burg Balduinstein. 1522 ist erstmals verbürgt, dass die Familie inzwischen die Zugehörigkeit zur Reichsritterschaft beanspruchte. Ab dem späten 16. Jahrhundert zerfiel in einer Phase von Vormundschaften der staffelsche Besitz, so dass am Ende kaum mehr als Balduinstein übrig blieb. Als letzter Vertreter der Familie von Staffel starb 1683 Philipp Adolf als Domherr in Mainz.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Staffel

Der Bahnhof Staffel liegt an der Oberwesterwaldbahn (Limburg - Westerburg - Altenkirchen). Ferner zweigt hier die Unterwesterwaldbahn (Staffel - Siershahn) ab.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Feuerwehrhaus Staffel

Staffel verfügt über eine Grundschule und eine Kindertagesstätte.

Kultur und Vereine[Bearbeiten]

Ehemalige Schule, heute Kulturzentrum

Der Kulturverein Staffel organisiert Freilicht-Theateraufführungen und Hobbyausstellungen, die "Staffeler Ritterschaft" organisiert mittelalterliche Märkte und der Carnevalsclub gestaltet die Fastnachtssaison.

Der älteste Staffeler Verein ist der Männergesangverein "Harmonie", der 1838 gegründet wurde. Die Freiwillige Feuerwehr Staffel besteht seit 1880 (ihre Jugendfeuerwehr seit 1. Januar 1980), der Turn- und Sportverein seit 1914. Außerdem gibt es einen Schützenverein, den Verein "Freunde von Honduras", einen Hundeverein, den Frauenchor "Mimos", den Tischtennisclub Grün-Weiß und einen Obst- und Gartenbauverein.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johannes König: Matthias Schellhorn neuer Ortsvorsteher in Staffel. Nassauische Neue Presse, 27. Januar 2014, abgerufen am 12. Mai 2014 (text/html, deutsch).
  2. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 369 und 370.

Weblinks[Bearbeiten]