Stahlhelm

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Dieser Artikel behandelt die militärische Kopfbedeckung; zu dem Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten siehe dort.

Ein Stahlhelm ist eine aus Stahl bestehende militärische Kopfbedeckung, die primär Schutz vor Granatsplittern bieten soll. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs führten die Armeen der europäischen Großmächte derartige Helme ein. Im engeren Sinne sind mit der Bezeichnung Stahlhelm nur die deutschen Formen dieses Helmtyps gemeint, jedoch hat sich der Begriff mittlerweile für jeden aus Stahl hergestellten militärischen Helm durchgesetzt. Der Helm wird manchmal auch nach dem Französischen General Louis Adrian Adrianhelm genannt.

Entwicklung[Bearbeiten]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, gehörten zur militärischen Ausrüstung der kriegführenden Staaten Kopfbedeckungen, die keinen Schutz vor Gewehrkugeln oder Granatsplittern boten. Auf deutscher Seite fand die lederne Pickelhaube Verwendung, die seit 1842 gebräuchlich war und lediglich Säbelhieben standhalten sollte. Andere Einheiten der Kontingentstruppen des Reiches sowie ausländische Armeen verwendeten Tschakos, Mützen, Kappen usw. Bereits im Herbst 1914 erfolgte an der Westfront der Übergang zum Stellungskrieg, in dem sich die feindlichen Armeen in ausgedehnten Grabensystemen gegenüberstanden. Seit Anfang 1915 ging man dazu über, Sturmangriffe der Infanterie durch stundenlanges Artilleriefeuer vorzubereiten. Dabei verwendete man vor allem Splitter- und Schrapnellgeschosse, die eine verheerende Wirkung gegen Menschen entfalten. Innerhalb kurzer Zeit stieg der Anteil der Verwundungen, die durch Granatsplitter verursacht worden waren, auf fast 80 Prozent. Etwa ein Viertel dieser Verwundungen waren Kopfverletzungen und somit fast immer tödlich, zudem wurden zahlreiche Soldaten grausam verstümmelt.

Frankreich[Bearbeiten]

Adrian-Helm

Bereits im Dezember 1914 ließ der französische General Adrian einige Soldaten probehalber mit Stahlkappen (s.g. Hirnpfannen) ausstatten, die unter dem „Képi“ getragen den Kopf schützen sollten. Versuche ergaben, dass diese Stahlkappen im Gebrauch etwa zwei Drittel aller Granatsplitter widerstanden. Aufgrund dieser Erfahrungen ordnete die französische Regierung die Massenproduktion dieser Stahlkappen an. Bis März 1915 wurden 700.000 Stück produziert und sofort im Feld eingesetzt. Parallel dazu entwickelte man auf französischer Seite einen noch effektiveren Kopfschutz, welcher aufgrund der schweren Kämpfe in der Champagne von Februar bis März 1915 notwendig geworden war. Man begann mit der Produktion des „Adrian“-Helms, der im Juli 1915 erstmals an der Front zum Einsatz kam.

Der „Adrian“ bestand aus 1 mm dickem Stahl und verfügte über eine Krempe, die auf der Vorderseite breiter als auf der Rückseite des Helms war. Die Helmglocke wurde mit einem niedrigen Kamm versehen. Der „Adrian“ wurde in 70 Arbeitsschritten angefertigt und in drei verschiedenen Größen ausgeliefert. Bis zum Herbst 1917 erreichte die tägliche Produktionszahl an „Adrians“ 7500 Stück. Die Armeen Belgiens, Russlands, Rumäniens, Italiens und Serbiens übernahmen bis 1917 den „Adrian“. Durch die Einführung des „Adrian“ wurde die britische Militärführung dazu ermutigt, ebenfalls einen derartigen Kopfschutz entwickeln zu lassen.

Brodie-Helm (MK I)

Großbritannien, Kanada, USA[Bearbeiten]

Kanadischer Stahlhelm, Typ Mk II

Im Sommer 1915 entwickelte der britische Ingenieur John Brodie den Mk-I-Helm, der eine starke Ähnlichkeit mit einer Variante des mittelalterlichen Eisenhuts aufwies. Brodie war sich dieser Analogie bewusst, doch ging es ihm bei der Entwicklung eines Stahlhelms um die Vereinfachung des Herstellungsprozesses. Der Mk I „Brodie“ wurde in nur einem Arbeitsschritt gefertigt, nämlich per Tiefziehen aus einer Stahlplatte. Großer Wert wurde auf die Auskleidung des Mk I mit Futterstoff gelegt, der die Übertragung der Wucht eines auftreffenden Granatsplitters auf den Kopf des Helmträgers dämpfen sollte. Da die Ausstattung der britischen Soldaten mit Stahlhelmen als äußerst dringlich eingestuft wurde, verzichtete man auf ausgiebige Versuche zur Feststellung der Schutzwirkung des Mk I. Der Helm schützte nur vor langsam heranfliegenden Granatsplittern, war aber dafür mit einem Gewicht von 750 Gramm bequem zu tragen.

Im November 1915 wurde der Mk I „Brodie“ erstmals in nennenswerter Anzahl an der Front eingesetzt. Zunächst erhielten nur die Soldaten in den vordersten Frontlinien einen Mk I. Es war nicht unüblich, dass in den Monaten unmittelbar nach der Einführung des Mk I nur jeder zehnte Soldat einer britischen Einheit über einen solchen Helm verfügte. Der Helm wurde von den britischen Frontsoldaten als Tin Hat (Blechhut) bezeichnet. Als 1917 die USA in den Krieg eintraten, erwarben sie zunächst Mk-I-Helme von ihrem britischen Verbündeten. Seit Anfang 1918 produzierten die USA mit dem M1917 einen eigenen Helmtyp, bei dem es sich jedoch nur um eine Variante des Mk I handelte.

Deutsches Reich[Bearbeiten]

Herstellungsprozess Stahlhelm M16
Deutscher Stahlhelm M1916 mit Buntfarbenanstrich von 1918
Buntfarbenanstrich 1918

Da sich die deutsche Armee bei der Entwicklung eines effektiven Kopfschutzes zögerlich verhielt, gingen manche Einheiten seit 1915 dazu über, provisorische Helme herzustellen. Die im felsigen Gebiet der Vogesen stationierte „Armee-Abteilung Gaede“ verzeichnete erheblich mehr durch Stein- und Granatsplitter verursachte Kopfverletzungen als Truppen in anderen Frontabschnitten. Die Artilleriewerkstatt der Armeeabteilung entwickelte einen Helm, der aus einer mit Stoff gefütterten Lederkappe bestand. Auf der Vorderseite der Kappe wurde eine 6 mm dicke Stahlplatte angebracht, die nicht nur die Stirn, sondern auch Augen und Nase schützte. Der Gaede-Helm wog zwei Kilogramm und war knapp ein Jahr lang in Gebrauch, bis er nach der Einführung des Helmes M16 eingezogen wurde.

Mit seinem Schreiben vom 15. August 1915 an den Armeearzt der 2. Armee regte der Marinegeneralarzt Prof. Dr. August Bier, damals beratender Chirurg beim XVIII. Armee-Korps an der Westfront, zur Vermeidung von Schädel- und Hirnverletzungen die Entwicklung eines deutschen Stahlschutzhelmes an. Vorangegangen war ein Gespräch zwischen ihm und dem Prof. Dr.-Ing. Friedrich Schwerd von der Technischen Hochschule Hannover (Enkel des Wissenschaftlers Friedrich Magnus Schwerd), der damals als Hauptmann bei der Etappeninspektion der 2. Armee tätig war. In diesem Gespräch versicherte der Techniker Schwerd dem Arzt Bier, dass es möglich sei, einen einstückigen Helm aus vergütetem Chrom-Nickel-Stahl bzw. aus einem ähnlich legierten Stahl mit Augen- und Nackenschutz herzustellen. Der Chef des Generalstabes des Feldheeres, General Erich von Falkenhayn, befürwortete den Vorschlag und gab ihn an das Preußische Kriegsministerium weiter. Bereits am 4. September 1915 wurde Prof. Schwerd nach Berlin gerufen und nahm an einer Sitzung teil, in der er seine Vorschläge zur technischen Realisierung eines deutschen Stahlschutzhelmes vortrug. Im Dezember wurden erste Exemplare des Helmes an der Front erfolgreich getestet. Es folgte die Anordnung der Massenproduktion, Ende Januar 1916 lieferte dann das Eisenhüttenwerk Thale/Harz die ersten 30.000 Helme. General von Falkenhayn ließ die Stahlhelme ab Februar an die Fronteinheiten verteilen. Zu Beginn der Schlacht um Verdun waren manche der dort kämpfenden deutschen Einheiten bereits mit den neuen Helmen ausgerüstet.

Der aus Chromnickelstahl bestehende deutsche Stahlhelm wurde offiziell als Stahlschutzhelm, Modell 1916 oder kurz M1916 bezeichnet. Der M1916 wurde in sechs Arbeitsschritten aus einer Stahlplatte gefertigt, die 1,1 mm dick war. Es war vorgesehen, dass fünf Prozent aller Stahlhelme – vorzugsweise die der MG-Schützen – mit einer zusätzlichen, 1 cm dicken Platte, dem sogenannten Stirnpanzer, zum Schutz der Stirnpartie ausgestattet würden. Dies konnte aufgrund des Rohstoffmangels nicht realisiert werden, zudem war die Stirnplatte bei den Soldaten unbeliebt, da der Helm im vorderen Bereich durch die Stirnplatte überlastet wurde, was während Körperbewegungen zu einem Überkippen des Helms nach vorne führte. Die Stirnplatte wurde oftmals zweckentfremdet und zur Verstärkung der Grabenwände benutzt. Die Verbündeten Österreich-Ungarn und Bulgarien übernahmen nach kurzer Zeit den M1916, und auch die Piloten der deutschen Jagdflugzeuge gingen 1917 dazu über, anstatt der ledernen Fliegerkappe den M1916 zu tragen.

Da die tiefe Krempe an den Seiten und im Nacken des M1916 das Hörvermögen des Helmträgers durch Rauschen beeinträchtigte, wurde sie bei einem Sondermodell des seit 1918 produzierten M1918 an der Ohrenpartie ein Stück ausgeschnitten. Das Modell M1918 wurde jedoch bis Kriegsende nur in geringen Stückzahlen hergestellt und erreichte die kämpfende Truppe nicht mehr im vorgesehenen Maße; ebenso wenig wie eine Ausführung ohne den nach vorn gezogenen Schirm (ähnlich der türkischen Exportversion) für die Besatzungen von Panzerfahrzeugen, da hier der Schirm bei der Waffenbedienung und der Beobachtung durch Sehschlitze hinderlich war.

Sowohl der M1916 als auch der M1918 wurden wie fast alles Kriegsmaterial nach einer Vorschrift der Obersten Heeresleitung ab Juli 1918 mit einem Tarnanstrich, der offiziell Buntfarbenanstrich hieß, versehen. Es wurden dazu großflächige scharfeckige Farbfelder in rostbraun, ockergelb und grün aufgetragen, die durch dicke schwarze Linien voneinander getrennt waren. Die Farben waren matt und wurden mit dem Pinsel aufgetragen. Aufgesprühte Farben sind erst seit den 1930er-Jahren belegt. So wie der „Adrian“ und der „Brodie“ sorgte der deutsche Stahlhelm dafür, dass die Zahl der Kopfverletzungen innerhalb kurzer Zeit deutlich sank. Die Schutzwirkung war aufgrund der tieferen Passform und des (eventuell erst bei späteren Modellen) gehärteten Stahls im Vergleich etwa zum französischen Modell besser.

Für die türkischen Streitkräfte wurde eigens eine abgewandelte Form entworfen, bei der der markante weit vorgezogene Augenschirm und die im Bereich der Ohren herabgezogene Krempe fehlte. Diesen Helm konnte der moslemische Soldat zum Gebet aufbehalten. Etwa 5400 Stück wurden offenbar seit 1918 produziert und, wie Fotos zeigen, zumindest teilweise in die Türkei geliefert. Einige fanden anscheinend auch bei deutschen Freikorpsverbänden in der Nachkriegszeit Verwendung.

Bei vielen Soldaten war eine starke Identifikation mit dem Stahlhelm gegeben, der als Symbol für eine soldatische Gemeinschaft und als Bindeglied zwischen mittelalterlichen Ritterhelmen und der modernen Kriegsführung betrachtet wurde. So verwundert es nicht, dass sich der im Dezember 1918 gegründete Bund der Frontsoldaten, der schnell zum Sammelbecken demokratiefeindlicher Kräfte wurde, nach dem Stahlhelm benannte.

Herstellerliste WK1-Stahlhelme (Kürzel)[Bearbeiten]

Gebrüder Bing A.G., Nürnberg = G.B.N. – F.C. Bellinger, Fulda = B.F. – Gebrüder Gnüchtel A.G., Lauter i/Sa. = G. – Vereinigte Deutsche Nickelwerke, Schwerte i/Westf. = Ni. – R. Lindenberg A.G., Remscheid-Hasten = „Glockensymbol“ L. – Herm. Weissenburger & Co., Stuttgart-Cannstatt = W. – C. Thiel & Söhne, Lübeck = T.J. – Eisenhüttenwerk Thale A.G., Thale a/Harz = E.T. – Eisenhütte Silesia, Paruschowitz Oberschlesien = Si. – Siemens & Halske A.G., Siemenstadt bei Berlin = verschlungenes Symbol S und H – Körting & Mathissen, Stuttgart = kleines Dreieck + K – Berndorf, Österreich = Bär-Symbol bzw. „B“ auf Helmglockendach

Österreich-Ungarn[Bearbeiten]

Bedingt durch die hohe Anzahl von Kopfverletzungen durch Granat- oder Steinsplitter kam es 1916 zur Einführung von Stahlhelmen bei der k.u.k. Armee. Erste österreichische Helmmuster von der Berndorfer Metallwarenfabrik waren jedoch nicht zufriedenstellend. In Verwendung kam schließlich der Stahlhelm „nach deutschem Muster“, der von 1916 bis 1918 mit deutschen Maschinen von österreichischen Firmen erzeugt wurde. Im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum sind sowohl der Berndorfer Stahlhelm als auch die „deutschen“ Exemplare zu besichtigen.[1]Ebenfalls wurden, zumindest zu Ausbildungszwecken, erbeutete italienische Stahlhelme des französischen Musters eingesetzt.

Zwischen den Kriegen[Bearbeiten]

Auch nach dem Ende des Krieges besaß der Stahlhelm, Modell 1916, eine starke Symbolkraft und war mit dem Alltag in der Weimarer Republik untrennbar verbunden. Nicht nur bei den zahlreichen Treffen und Aufmärschen ehemaliger Frontsoldaten, sondern auch bei feierlichen Anlässen ohne militärischen Hintergrund war es nicht unüblich, dass Teilnehmer des Ersten Weltkriegs einen Stahlhelm trugen. Die in den 1920er-Jahren erschienenen Bildbände über den Ersten Weltkrieg waren oftmals stark auf die Symbolik des Stahlhelms ausgerichtet. Ebenso verwendeten einige der nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen neuen europäischen Staaten (Finnland, Lettland, CSR) den deutschen M1916.

Während die USA, Großbritannien und Frankreich die Weiterentwicklung des Stahlhelms nach dem Ende des Ersten Weltkriegs vernachlässigten und ihre Armeen weiterhin den M1917, den Mk I und den „Adrian“ verwendeten, führten die autoritären Regime Italien und Deutschland in den 1930er-Jahren neue Helme ein. Die Armee des faschistischen Italien führte 1933 den M1933 ein, der an eine vereinfachte Form des deutschen M1916 erinnerte. Auch die Sowjetunion, die nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland aufrüstete, führte neue Helme ein.

Im Rahmen der vom NS-Regime betriebenen Aufrüstung der Wehrmacht wurde ab 1935 der M35-Stahlhelm produziert. Die Form des M35 entsprach im Wesentlichen der des M16, doch war der M35 kleiner und leichter. Insbesondere der Augenausschnitt und der Nackenschirm wurden eingekürzt, die Befestigungsbolzen für den Stirnschutz (gleichzeitig Belüftung) wurden durch Belüftungsbuchsen ersetzt. Der M35 wurde in fünf Größen hergestellt, die zwischen 800 Gramm und 1,2 Kilogramm wogen. Eine Fertigung aus Molybdänstahl erhöhte die Festigkeit um 15 Prozent. 1936 wurden zusätzlich der Fallschirmjägerstahlhelm und ein Fliegerstahlhelm für das fliegende Personal der Luftwaffe eingeführt.

Für die Herstellung des deutschen Stahlhelmes hatten die zunächst Albert Ottenheimer als Hauptaktionär, später zum Otto-Wolff-Konzern gehörenden EHW Thale – Eisen- und Hüttenwerke AG, Thale/Harz – im heutigen Sachsen-Anhalt das weitgehende Monopol; ihre Helme waren mit dem Kennzeichen ET versehen. Später kamen noch weitere Hersteller hinzu: Q = F. W. Quist GmbH, Metallwarenfabrik, Esslingen/Neckar; SE = Sächsische Emaillier- und Stanzwerke AG, vorm. Gebr. Gnüchtel, Lauter/Sachsen; FS und EF = Emaillierwerk AG, Fulda/Hessen, und NS = VDN – Vereinigte Deutsche Nickelwerke AG, Schwerte/Ruhr.

In der Sowjetunion wurde 1936 ein neuer Helmtyp eingeführt, der Elemente des deutschen M1918 und des „Adrian“ vereinte. Im selben Jahr wurde im Deutschen Reich erstmals ein Helm hergestellt, der speziell für Fallschirmjäger konzipiert worden war. Dieser entsprach dem M1935, jedoch nahezu ohne Nackenschirm und verfügte über ein besonders starkes Innenfutter. In Großbritannien wurde der Mk I 1936 geringfügig modifiziert und fortan als Mk II bezeichnet.

Amerikanischer Stahlhelm, Typ M1
Deutscher Stahlhelm, Typ M40 ohne Innenfutter
Kanadischer Stahlhelm, Typ Mk III

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden auf alliierter Seite Bemühungen unternommen, verbesserte Stahlhelme zu entwerfen. Als erstes wurde das War Department der USA aktiv. Es verweigerte die Unterzeichnung eines Vertrags über die Produktion von zwei Millionen weiteren M1917-Helmen und gab die Entwicklung eines neuen Helmtyps in Auftrag. Ein ursprünglich bevorzugter Entwurf wurde wieder verworfen, da dieser eine zu große Ähnlichkeit mit dem deutschen Stahlhelm aufwies und fatale Verwechslungen im Kampf befürchtet wurden. Dies führte zur Entwicklung des M1-Helmes, dessen Ausgabe an die Truppen am 9. Juni 1941 angeordnet wurde. Der M1 wog 1,3 Kilogramm und wurde in 27 Arbeitsschritten hergestellt. Bis zum Kriegsende wurden 22 Millionen M1-Helme und 33 Millionen dazugehörige Futterschichten produziert. Für die US-amerikanischen Fallschirmjäger wurde der M2 eingeführt, bei dem es sich um einen M1 mit dickerem Innenfutter und stärkerem Kinngurt handelte. Auch die Rote Armee führte 1941 einen neuen Helmtyp ein, der auf dem italienischen M1933 basierte.

Die britische Armee führte erst Ende 1943 mit dem Mk III einen neuen Stahlhelm ein. Dieser verfügte über einen langen Nackenschirm, war mit einem Gewicht von 1,1 Kilogramm etwa 100 Gramm schwerer als der Mk II und besser ausbalanciert als das Vorgängermodell. Es wurden jedoch nur wenige britische und kanadische Einheiten bis zum Ende des Krieges mit dem Mk III ausgestattet.

Seit 1943 wurden die Mannschaften der US-amerikanischen Bomber durch Helme des Typs M3 geschützt. Diese Stahlhelme waren mit Leder überzogen und ließen die Ohrenpartie weitgehend unbedeckt, um das Tragen von Kopfhörern zu ermöglichen. Es folgte der identisch geformte M4, der jedoch mit einem preiswerteren Überzug aus Khaki versehen wurde. Das Nachfolgemodell M4A2 schützte die Ohrenpartie durch hochklappbare Metallwangenstücke. Bei dem geringfügig modifizierten M5 handelte es sich um den letzten Helmtyp, der von den amerikanischen Bomber-Mannschaften des Zweiten Weltkriegs getragen wurde. Die U.S. Army Air Force wurde von 1943 bis zum Kriegsende mit insgesamt 393.000 Helmen beliefert. Diese Helme trugen, zusammen mit Splitterwesten, dazu bei, dass die Verwundungsquote unter den Bomber-Piloten innerhalb weniger Monate um 61 Prozent sank.

Auch der deutsche Stahlhelm wurde im Zweiten Weltkrieg nochmals überarbeitet. Dem Basismodell M35 mit genieteten Luftlöchern folgte der M40 mit gestanzten Luftlöchern. Beim Modell M42 (1942) entfiel aus Gründen der schnelleren und einfacheren Produktion der in den Vormodellen gebördelte Rand und er wurde aus Siliziummanganstahl hergestellt.

Noch während des Zweiten Weltkriegs wurde der M45 entwickelt. Obwohl Adolf Hitler die Neuentwicklung eines Stahlhelmes bereits verboten hatte, wurde aufgrund einer Denkschrift der Heeressanitätsinspektion, in der auf die zunehmende Zahl von Kopfverletzungen und andere Mängel der bisherigen deutschen Helmmodelle M35 und M40 verwiesen wurde, im Jahre 1942 vom Heereswaffenamt – unter Umgehung des Rüstungsministeriums – die Entwicklung genehmigt.

Die Arbeiten wurden in der Chemisch-Technischen Reichsanstalt vom Institut für Wehrtechnische Werkstoffkunde Berlin (Leiter Prof. Dr.-Ing. Fry und Sachbearbeiter Dr. Hänsel) durchgeführt. In die engere Erprobung kamen vier Modelle: „A“ = ein leicht veränderter Helm 35, „B“, „B/II“ und „C“. Der erfahrene Hersteller von Stahlhelmen, die Eisen- und Hüttenwerke AG Thale/Harz, die mit der Herstellung der Versuchsmuster beauftragt worden war, legte von sich aus zusätzlich den „Vorschlag Thale“ vor, der als Abänderung des Modells „B“ unter Leitung des Ober-Ingenieurs Erich Kisan entwickelt worden war. Bei den Beschuss- und Truppenerprobungen erwiesen sich die beiden „B“-Modelle als die besten. Die Ergebnisse wurden in einer Denkschrift zusammengefasst und im Herbst 1944 dem Führerhauptquartier vorgelegt. Trotz der positiven Beurteilung der Helme sowie der großen Einsparungen an Material und Arbeitszeit lehnte es die Einführung eines neuen Helmmodells ab – offensichtlich aus logistischen Gründen und aus Gründen der Tradition.

Als man ab 1944 dazu überging, die letzten Reserven, die meist nur aus alten Männern und Kindern bestanden, zu mobilisieren, wurden Stahlhelme in Kindergröße eingeführt.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben Stahlhelme weltweit bis in die 1970er-Jahre im Einsatz. Durch die Einführung moderner Aramid-Werkstoffe wie Kevlar wurde der Stahlhelm jedoch schrittweise verdrängt, auch wenn er in mehreren Mitgliedsstaaten der NATO und des Warschauer Pakts bis in die 1990er-Jahre hinein vor allem in Staaten mit Wehrpflicht gebräuchlich war. In den Armeen diverser Entwicklungsländer werden nach wie vor Stahlhelme verwendet.

Deutsche Demokratische Republik[Bearbeiten]

NVA-Truppen mit M56

Die Stahlhelme M54 und M56 der DDR basierten auf dem M45, der noch während des Zweiten Weltkrieges entwickelt worden war.

Mitte der 1950er-Jahre wurde auf Grundlage dieser zehn Jahre zurückliegenden Entwicklung der Stahlhelm M56 in der DDR eingeführt. Es gab zwei Ausführungen: zum einen den recht bekannten, bis 1990 in der NVA verwendeten Stahlhelm M56 (Gerät 604 im internen Schriftverkehr) und einen fast baugleichen, aber auf der Oberseite wie bei früheren Modellen der Wehrmacht abgeflachten Stahlhelm, der nach dem Krieg als M54 in geringer Stückzahl produziert und an Einheiten der Kasernierte Volkspolizei ausgegeben wurde.

Im Vergleich zu anderen Stahlhelmen stand der M56 weit vom Kopf ab – dadurch bestand erhöhte Gefahr, mit dem Rand des Helmes hängenzubleiben, beispielsweise beim Sprung in einen Graben. Halswirbelverletzungen wären die wahrscheinliche Folge eines derartigen Hängenbleiben mit dem Helm gewesen. Um dieses Verletzungsrisiko zu verringern, war der Helm so ausgelegt, dass sich die Glocke vom Futter (welches am Kopf verblieb) ablöste, wodurch der Helm vom Kopf abgetrennt wurde. Helm sowie Futter blieben unbeschädigt und konnten wieder zusammengesetzt werden.

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

Nach der Gründung der Bundeswehr im Jahre 1955 wurde ab Juni 1956 zunächst ein in Belgien hergestellter leicht veränderter amerikanischer Stahlhelm M1 ausgegeben, der kurze Zeit später jedoch in Deutschland nachgebaut wurde. Im Gegensatz zu den ausgereiften einteiligen deutschen Stahlhelmen M35 bis M42 mit dem Innenfutter M31 bot das zweiteilige amerikanische Konzept weniger Schutz und konnte aufgrund von Konstruktionsmängeln dem Träger während des Schießens, Anschleichens oder anderen im Ernstfall lebensbedrohlichen Situationen leicht über die Augen rutschen. Das Problem wurde rasch erkannt. Anfragen der Industrie noch 1957 zu einer Rückkehr zum deutschen Stahlhelm M35 wurden jedoch abgelehnt, da dieser nach Meinung damaliger Verantwortlicher „zu viele grade Flächen“ gehabt haben soll und somit ihrer Meinung nach den Anforderungen nicht mehr entsprach.[2] Diese Argumentation wurde politisch jedoch nicht durchgehend vertreten, da der 1951 aufgestellte paramilitärisch organisierte Bundesgrenzschutz (BGS) mit seinem Gefechtshelm M35/53 direkt auf den einteiligen deutschen Stahlhelm M35 bis M42 zurückgriff. Ergebnis der Gespräche war ein Kompromiss. Das bewährte einteilige Helmkonzept wurde wieder aufgegriffen, gleichzeitig aber an der politischen Entscheidung für den US-Stahlhelm nicht gerüttelt. Zudem sollten Schwächen beim Stahl der Kalotte beseitigt werden. Im August 1958 erteilte der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß die Genehmigung zur Einführung eines einteiligen Helms, dessen Futter vom BGS-Helm übernommen wurde und damit dem Innenfutter M31 der Reichswehr bzw. Wehrmacht wieder sehr ähnlich war.

Durch die Einführung moderner Werkstoffe wurde der Stahlhelm technisch überholt. Man entschied, einen Helm aus einer Aramidfaser zu projektieren, der nicht schwerer als 1,4 kg sein sollte. Die Entwicklung orientierte sich an dem Ende der 1970er-Jahre eingeführten PASGT-Helm (Personal Armor System for Ground Troops) der US-Army, der aus 29 Lagen Kevlar bestand. Da dieser moderne US-Helm bewusst die bewährte Form des deutschen Stahlhelms M35 aufgriff und modern interpretierte, gab auch der neue deutsche Gefechtshelm, der am 15. Januar 1992 eingeführt wurde, die alte amerikanische Linienführung auf und näherte sich optisch dem M35 an.

Der Schutz eines modernen Helmes gegen Durchschlag hängt unter anderem vom Geschossdurchmesser und dem Auftreffwinkel ab. Bei einem 7,62-mm-Geschoss beträgt die absorbierte Energie etwa 770 Joule und für ein 5,56-mm-Geschoss etwa 420 Joule.[3] Kugelsicher sind diese Helme damit auch heute nicht. Ältere Helm-Konstruktionen liegen jedoch deutlich schlechter. In Einzelfällen kann ein Helm allerdings ein verirrtes Geschoss aus großer Entfernung oder einen ansonsten tödlichen Querschläger in der Tat abhalten.

Vereinigte Staaten von Amerika[Bearbeiten]

Der M1-Helm wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch bis in die 1970er-Jahre von der U.S. Army verwendet.

US-Soldaten mit PASGT-Helm

Erst Ende der 1970er-Jahre wurde der M1 in der U.S. Army durch den aus Kevlar bestehenden PASGT-Helm abgelöst. Die Amerikaner verweisen bei dieser Neuentwicklung darauf, sich als Vorbild den Baseballhelm genommen zu haben. Es wurde von Seiten der Bundeswehr jedoch belegt, dass der deutsche Stahlhelm M35 die Formgebung beeinflusst hat[4]. Aufgrund dieser Ähnlichkeit trägt der PASGT-Helm bei der amerikanischen Armee auch den Spitznamen „Fritz“. Im Moment ist die Army dabei, noch im Dienst befindliche Modelle des alten PASGT mit einer sogenannten „4-Point-Suspension“ nachzurüsten. Ähnlich wie beim Kevlarhelm der Bundeswehr besitzt diese einen zusätzlichen Nackenriemen, der den Helm stabilisiert.

Nach einer für Helme relativ kurzen Verwendungsdauer wurde der PASGT-Helm nun in der Army vom Advanced Combat Helmet (ACH), einer leicht abgewandelten Version des MICH TC-2000 Combat Helmet abgelöst; auch die Form des ACH ist angelehnt an die des M35. Außerdem ist er der Standardhelm der Air Force Security Forces und Air Force Special Operations Command geworden.

Bei U.S. Marine Corps und U.S. Navy wurde 2004 der Lightweight Helmet als Nachfolger des PASGT-Helm eingeführt und hat diesen bis 2009 abgelöst. Dieser ähnelt in der Form sehr dem PASGT-Helm, ist aber leichter.

Lediglich bei einigen Einheiten der Nationalgarde und Reservisten wird der PASGT-Helm weiter verwendet.

Großbritannien[Bearbeiten]

Ende der 1970er-Jahre ging die britische Armee mit der Einführung des GS Mk6 ebenfalls zur Verwendung von Helmen aus Polyamidfasern über, die besseren Schutz und geringeres Gewicht als die zuvor üblichen Stahlhelme bieten.

Allerdings wurden hier anstatt Aramidgewebe Fasern aus britischem „ballistischem Nylon“ verwendet, d. h. aus Nylongewebe „Nylon 6.6“ von 840 den bis 1680 den (entspricht ca. 93,3 tex bis 186,6 tex) in 2×2- oder 2×3-Leinwandbindung.[5]

Der neu eingeführte GS-Mk6A-Helm besteht aus einem Gemisch aus ballistischem Nylon und Kevlar.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stahlhelm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Stahlhelm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludwig Baer (Hrsg.): Vom Stahlhelm zum Gefechtshelm. Eine Entwicklungsgeschichte von 1915 bis 1994. 2 Bände (Bd. 1: 1915–1945. Bd. 2: 1945–1994.). Baer, Neu-Anspach 1994, ISBN 3-9803864-0-6 (Bd. 1), ISBN 3-9803864-1-4 (Bd. 2).
  • Johannes Denecke: Tarnanstriche des deutschen Heeres 1914 bis heute. Bernard & Graefe, Bonn 1999, ISBN 3-7637-5990-5.
  • Jürgen Kraus: Stahlhelme vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Friedrich Schwerd, dem Konstrukteur des deutschen Stahlhelms zum Gedächtnis (= Veröffentlichungen des Bayerischen Armeemuseums. Bd. 8, ZDB-ID 553886-5). Sonderausstellung. Bayerisches Armeemuseum, Ingolstadt 1984.
  • Otto Peter Lang: Enzyklopädie deutscher Helme. Band 1: Deutsche Stahl-, Tropen- und Lederhelme 1916–1946. Grabenpanzer, Schutzmaske, M 16 – M 42, Sanitätstruppe, fremde Soldaten im deutschen Heer, Panzerfahrerhelm, Tropenhelme, historische Fotos. Weishaupt, Gnas 2005, ISBN 3-7059-0206-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfried Rauchensteiner: Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Fotos, Manfred Litscher. Styria, Graz u. a. 2000, ISBN 3-222-12834-0, S. 69.
  2. Wehr und Wirtschaft. 1957, ISSN 0043-2113, S. 57.
  3. Siegfried F. Hübner: Scharfschützen Schießtechnik. Die Schießausbildung der Scharfschützen gestern und heute. 2 Bände. WSV-Verlag, Nürnberg 1999, ISBN 3-923995-16-4 (Nur für den Dienstgebrauch).
  4. Seiten der Bundeswehr zum Stahl- und Kunststoffhelm
  5. Ballistic properties of composite materials for personell protections MRL Technical Report MRL-TR-89-6 by J.R. Brown and G.T. Egglestone 1989
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Dieser Artikel wurde am 7. Dezember 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.