Stalin-Denkmal (Prag)

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Das Stalin-Denkmal und der Sockel von Westen gesehen.
Zustand heute mit Metronom

Das Stalin-Denkmal (Stalinův pomník) in Prag wurde nach einer 5½-jährigen Bauzeit 1955 eingeweiht und bereits 1962 wieder gesprengt. Es war die weltgrößte Darstellung Josef Stalins.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Denkmal wurde auf einem riesigen mit Granit verblendeten Betonsockel im Letná-Park errichtet. Das 15,5 Meter hohe und 22 Meter lange Denkmal stellte neben Stalin zwei Reihen von Tschechen und Russen dar. Die Grundsteinlegung erfolgte am 22. Dezember 1949 durch Antonín Zápotocký und die Einweihung am 1. Mai 1955. Geschaffen wurde das Monument vom Bildhauer Otakar Švec und dem Architekten-Ehepaar Jiří Štursa (1910–1995) und Vlasta Štursová-Suková (1912–1982). Mit den beiden projektierte er noch in der Zeit vor der nationalsozialistischen Okkupation an derselben Stelle ein Monument für T. G. Masaryk. Švec erhielt Drohbriefe von tschechischen Bürgern und stand unter der Beobachtung der Regierung und der Geheimpolizei. Einen Monat vor der Fertigstellung nahmen er und seine Frau Vlasta Švecová, die ebenfalls am Projekt beteiligt war, sich das Leben.

Die Entstalinisierung durch Nikita Chruschtschow und das aufkommende Tauwetter begannen kurz nach der Fertigstellung des Denkmals. Für die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei wurde das Riesendenkmal (12 x 20 x 15,5 m) immer mehr zum Problem. Schließlich wurde es 1962 unter Geheimhaltung und Ausschluss der Öffentlichkeit durch die Armee mit 800 kg Sprengstoff und 1650 Zündern zerstört. Der Abriss des 17 Millionen Kilogramm schweren Objekts kostete rund 4,5 Millionen Kronen, nachdem die Erstellung zuvor 140 Millionen tschechische Kronen verschlungen hatte.

1990 sendete aus einem Bunker in der Nähe des Fundaments der Piratensender Radio Stalin. Später wurde in diesem Bunker der erste Rockclub Prags eingerichtet. 1991 errichtete Vratislav Karel Novák auf dem Sockel des Denkmals ein riesiges Metronom. Auch für Werbeaktionen von Michael Jackson und Václav Klaus wurde die Anlage genutzt.

Über die Zukunft des Geländes ist noch nicht entschieden. So wird unter anderem die Errichtung eines Aquariums erwogen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Cainer: Žulový Stalin. Osudy pomníku a jeho autora. ARSCI, Praha 2008, ISBN 978-80-86078-86-1 (tschechisch).
  • Duncan J. D. Smith: Nur in Prag: Ein Reiseführer zu sonderbaren Orten, geheimen Plätzen und versteckten Sehenswürdigkeiten. 2. Auflage. Brandstätter, Wien 2012, ISBN 978-3-85033-135-7.

Weblinks[Bearbeiten]

50.09472308388914.415988326111Koordinaten: 50° 5′ 41″ N, 14° 24′ 58″ O