Stammlager IV B

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Lagertoreingang des Stammlagers IV B

Das Stammlager IV B (Stalag IV B, auch Stalag IV-B geschrieben) war ein von der Wehrmacht 1939 erbautes Stammlager für Kriegsgefangene im Wehrkreis IV Dresden. Es lag 5 Kilometer nordöstlich von Mühlberg/Elbe nahe dem Bahnhof Neuburxdorf in der preußischen Provinz Sachsen, ab 1944 in der Provinz Halle-Merseburg.

Die Ausmaße des Lagers[Bearbeiten]

Das Lager wurde 1939 von der Wehrmacht auf 30 Hektar für Kriegsgefangene errichtet. Die Gebäude existieren nicht mehr. Nur die Fundamente mit Hinweistafeln sind noch zu sehen. Die Initiativgruppe Lager Mühlberg e. V. dokumentiert Funktion und Aufbau des Lagers. Das Lager war mit Stacheldraht eingezäunt, verfügte über ein Vorlager für die Verwaltung. Durch das eigentliche Lager führte eine Hauptstraße an der zu beiden Seiten insgesamt 40 Unterkunfts-Baracken standen.[1]

Die Kriegsgefangenen[Bearbeiten]

Informationstafel zur Geschichte des Stalag IV B

Nach dem Einmarsch in Polen im September 1939 mussten 17.000 polnische Kriegsgefangenen unter freiem Himmel oder in Zelten im Lager verbringen. Bis 1940 wurden dort belgische, französische, nordafrikanische, serbische, britische und Soldaten aus dem Commonwealth sowie holländische Soldaten festgehalten. Ab 1941 kamen sowjetische, 1943 italienische und 1944 nach der Invasion amerikanische Kriegsgefangene und über 1.500 dänische Polizisten dazu. Nach dem Warschauer Aufstand 1944 kamen Tausende von Polen und nach der Ardennenschlacht im Dezember 1944/Januar 1945 kamen 7.500 Amerikaner dazu. Insgesamt konnten bis zu 16.000 Mann gleichzeitig festgehalten werden. Die Kriegsgefangenen wurden in externen Arbeitskommandos eingesetzt, kamen in andere Lager oder blieben im Lager. Die sowjetischen Soldaten wurden schlecht behandelt.[2]

Soldatenfriedhof Neuburxdorf[Bearbeiten]

Soldatenfriedhof mit Gedenkstätte in Neuburxdorf

Im Lager kamen ca. 3.000 Kriegsgefangene ums Leben. Davon waren 2.350 Sowjetsoldaten. Die sowjetischen Gefangenen wurden nicht entsprechend den Genfer Konventionen behandelt. Die verstorbenen Kriegsgefangenen der meisten Nationen wurden während des Krieges auf dem Friedhof Neuburxdorf in Einzelgräbern bestattet, die Sowjetsoldaten beerdigte man zum großen Teil in Massengräbern. Auf dem Friedhof in Neuburxdorf wurde eine Gedenkstätte für die im Stalag IV B verstorbenen Kriegsgefangenen errichtet.

Die Toten des Stalag IV H[Bearbeiten]

1942 wurde das Stammlager Stalag IV H bei Zeithain dem Mühlberger Lager als Nebenlager unterstellt. Eine große Zahl von Kriegsgefangenen des Stalags IV B wurde bei Krankheit entweder direkt oder aus einem Arbeitskommando heraus in das Stalag IV H überstellt, das als Lazarettlager diente. Dort starben etwa 25.000 bis 30.000 sowjetische Kriegsgefangene und über 900 Kriegsgefangene aus anderen Staaten.

Befreiung des Lagers[Bearbeiten]

Am 23. April 1945 setzten sich die Bewacher des Lagers ab, und die Rote Armee befreite das Lager. Es wurde nicht geschlossen, sondern als Durchgangslager für befreite sowjetische Kriegsgefangene oder Angehörige der Wlassow-Armee benutzt. Diese wurden wegen Vaterlandsverrat hingerichtet oder in Gulags gebracht.[3]

Nach 1945 wurden die meisten Gebeine der beerdigten Kriegsgefangenen exhumiert und in ihre Heimatländer überführt. Die sterblichen Überreste der Sowjetsoldaten bettete man ebenfalls um, und bestattete sie in der Stadt Elsterwerda.

Bekannte Personen im Stalag IV B[Bearbeiten]

Kriegsgefangene

Wachmannschaft

Nach 1945 – Speziallager Nr. 1 Mühlberg[Bearbeiten]

Grabstätten zur Erinnerung an das Speziallager Nr. 1 des NKWD

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Lager als Speziallager Nr. 1 Mühlberg vom sowjetischen NKWD und SMERSCH, vom September 1945 bis 1948, betrieben. Etwa 22.000 Personen wurden in dieser Zeit inhaftiert, von denen etwa 7.000 die Gefangenschaft nicht überlebten. Die Verstorbenen wurden in Massengräbern am Rande des Geländes beerdigt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kilian, Achim: Mühlberg: 1939–1948. Böhlau Verlag. Köln. Weimar. 2001, ISBN 3-412-10201-6
  • Silloray, Florent: Auf den Spuren Rogers. avant-verlag. Berlin. 2013, ISBN 978-3-939080-85-5
  • Swallow, Tom, und Arthur H. Pill: Flywheel: Memories of the Open Road. Fraser Stewart. 1993., ISBN 1-874723-21-4
  • Vercoe, Tony: Survival at Stalag IVB: soldiers and airmen remember Germany’s largest POW camp of World War II. McFarland, 2006, ISBN 0-7864-2404-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stammlager IV B/Speziallager Nr. 1 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. (fr) Laurent Guillet: Il s'appelait Joseph. Editions Laurent Guillet, Limerzel 2011. ISBN 978-2-918588-03-0. S. 103-104, 113. (Lager-Stationen eines französischen Kriegsgefangenen bis zu seinem Tod).
  2. (fr) Laurent Guillet: Il s'appelait Joseph. Editions Laurent Guillet, Limerzel 2011. ISBN 978-2-918588-03-0. S. 104-105. (Lager-Stationen eines französischen Kriegsgefangenen bis zu seinem Tod).
  3. (fr) Laurent Guillet: Il s'appelait Joseph. Editions Laurent Guillet, Limerzel 2011. ISBN 978-2-918588-03-0. S. 131-132. (Lager-Stationen eines französischen Kriegsgefangenen bis zu seinem Tod).

51.44985833333313.281941666667Koordinaten: 51° 27′ N, 13° 17′ O