Aktienfonds

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Standardwertefonds)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Aktienfonds ist ein Investmentfonds, der ausschließlich oder zum überwiegenden Teil in Aktien investiert. Er kann global als internationaler Aktienfonds investieren oder Aktien aus speziellen geographischen (Regionen, Länder) oder wirtschaftlichen (Branchen) Bereichen zusammenfassen. Auch die Abbildung eines bestimmten Börsenindexes ist möglich.

Anlagekonzepte[Bearbeiten]

  • Branchenfonds investieren in einzelne oder mehrere Wirtschaftssektoren. Zu nennen sind insbesondere Rohstoffe und Energiewerte, Biotechnik und Pharma, Nahrungsmittel, Versorgungsunternehmen, Finanzwerte, Telekommunikation und Medien, Technik, Ökologie sowie Konsum. In Deutschland sind in Branchenfonds ca. 13,3 Milliarden Euro angelegt (Stichtag: 30. September 2009[1]).
  • Regionale Fonds konzentrieren sich auf Regionen (z. B. Nordamerika, Europa, Fernost) oder einzelne Länder (z. B. Deutschland, Indien).

Auch die Kombination beider Ausprägungen ist möglich. Davon unabhängig gibt es auch Fonds, die sich ethischen Maßstäben unterwerfen und beispielsweise nicht in Aktien von Firmen investieren, die besonders umweltzerstörend agieren, die Waffen produzieren oder die der Atomwirtschaft angehören. Auch für gläubige Moslems wurden spezielle Fonds aufgelegt, die den Regeln der Scharia konform investieren, also beispielsweise weder in die Alkoholwirtschaft noch Banken, die Zinsen von ihren Schuldnern nehmen.[2]

Generell gilt, dass die Risiken (aber auch seine Chancen) eines Fonds mit der Spezialisierung wachsen, da die Fondsmanager in schwierigen Zeiten für diese Spezialisierung nicht in andere Aktien investieren dürfen und generell weniger breit aufgestellt sind. Gerade Branchenfonds gelten als risikoreich.[3]

Unterscheidungskriterien[Bearbeiten]

Investmentprozess (Einzeltitelauswahl):

  • Beim Bottom-Up, auch Stock-Picking genannt, liegt der Fokus auf der konkreten Einzeltitelauswahl. Branchen- oder regionale Streuung wird hier nur als langfristiges Instrument zur Risikostreuung eingesetzt.
  • Beim Top-Down-Verfahren bewerten Fondsmanager Märkte und ihre Perspektiven und suchen in den favorisierten Branchen oder Regionen dann nach Einzeltiteln.

Anlagestil (Anlagephilosophie)

  • Beim Blend- oder Core-Ansatz werden sowohl Wachstums- als auch Substanzwerte berücksichtigt. Die Fondsmanager wenden je nach Marktsituation flexibel den Growth- oder Value-Ansatz an, um von beiden zu profitieren.
  • Beim Growth-Ansatz stehen die Wachstumsaussichten der Unternehmen im Mittelpunkt der Titelauswahl. Wachstum bedeutet in diesem Fall, dass Umsatz, Gewinn oder Cash Flow pro Aktie schneller wachsen als bei anderen Unternehmen der Branche.
  • Beim Value-Ansatz steht hingegen eine günstige Bewertung und die Stabilität des Investments im Vordergrund. Value-orientierte Fondsmanager suchen und investieren in der Regel in Aktien, die sie als vom Markt unterbewertet einstufen, meist verbunden mit hoher Dividendenrendite.

Unternehmensgröße[Bearbeiten]

Einige Investmentfonds haben sich auf kleine Firmen (Small Caps) andere auf Börsenschwergewichte spezialisiert. Investitionen in hochkapitalisierte Börsenschwergewichte (man spricht hier auch von Blue Chips), die zum Beispiel bereits in Aktienindizes wie dem DAX an der Frankfurter Wertpapierbörse oder dem Dow Jones Euro Stoxx 50 enthalten sind, sind in der Regel mit weniger Risiko behaftet. In unruhigen Börsenzeiten ist ein schneller Verkauf dieser Werte aufgrund des großen Marktes einfacher.

Chancen und Risiken[Bearbeiten]

Aktienfonds sind für Sparer mit dem primären Ziel Wertsteigerung interessant. Höheren Chancen, falls die betreffende Branche eine haussierende (positive) Börsenphase verzeichnet, stehen im Fall einer Baisse (sinkende Kurse) gegebenenfalls Verluste entgegen. Aufgrund der breiten Anlagestreuung eines Aktienfonds ist die Anlage in Aktienfonds jedoch weit weniger risikoreich als eine Direktanlage in einzelne Aktien. Außerdem kann der Anleger seinen Aufwand an Fachwissen, Zeit und entsprechendem Vermögen im Vergleich zur Direktanlage geringer halten.

Chancen und Risiken von Aktienfonds werden teilweise durch den Einsatz von Derivaten erhöht oder gesenkt. Bei Garantiefonds wird das Verlustrisiko durch einen garantierten Rückkaufswert zu einem festen Datum reduziert. Bei 130/30-Fonds wird durch den Einsatz von Derivaten eine Hebelwirkung erzielt und auch das eingehen von Short-Positionen ermöglicht.

Für den Anleger ebenfalls wichtig ist die Währung der Aktien, in die der Fonds investiert. Notiert ein Teil der Aktien in einer fremden Währung, besteht ein Währungsrisiko. Es kann so zu Wechselkursverlusten, aber auch zu zusätzlichen Gewinnen aus der Entwicklung des Devisenkurses kommen. Die Währung, in der der Fonds selbst notiert, hat hingegen keinen Einfluss auf das Währungsrisiko. Ein in Euro notierter Fonds, der in US-amerikanische Aktien investiert, unterliegt so für Anleger aus der Euro-Zone einem Währungsrisiko, für US-Anleger jedoch nicht.

Auch dem Fondsvolumen sollte Aufmerksamkeit geschenkt werden. So ist es für sehr große Fonds schwierig, genügend hochkapitalisierte Anlageobjekte zu finden, um den Vergleichsindex dauerhaft zu schlagen. Aber auch eine gewisse Mindestgröße sollten Investmentfonds aufweisen, um ein optimales Managen zu ermöglichen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Aktienfonds – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  1. Absatzstatistik des BVI: http://www.bvi.de
  2. Focus-Online: Islam-Fonds mit Allahs Wohlgefallen
  3. http://www.boerse-frankfurt.de/DE/index.aspx?pageID=44&NewsID=201#subnavi1