Stanisław Barańczak

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Stanisław Barańczak mit Ehefrau Anna (1995)

Stanisław Barańczak (* 13. November 1946 in Posen; † 26. Dezember 2014 in Newton) war ein polnischer Dichter, Übersetzer und Literaturwissenschaftler. Er schrieb auch unter Pseudonymen wie Barbara Stawiczak, Feliks Trzymałko & Szczęsny Dzierżankiewicz, Hieronim Bryłka, J. H., Jan Hammel, Paweł Ustrzykowski, S. B., Sabina Trwałczańska und Tomasz Niewierny.

Leben[Bearbeiten]

Stanisław Barańczak gilt neben Ryszard Krynicki als einer der bedeutendsten Dichter der Nowa Fala (Neue Welle). Nach dem Abitur absolvierte er ein Studium der Polonistik an der Adam-Mickiewicz-Universität in seiner Heimatstadt Posen, wo er anschließend auch über Literaturtheorie promovierte und unterrichtete. Gleichzeitig arbeitete er in den Redaktionen verschiedener, z. T. im Untergrund erscheinender Zeitschriften. Als Mitglied des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und ein Publikationsverbot über ihn verhängt.[1]

1981 emigrierte er in die USA und wurde im selben Jahr zum Professor für slawische Literaturen an der Harvard University berufen. Infolge einer Parkinson-Erkrankung musste er seinen Lehrstuhl 1997 aufgeben.[2] 1983 war er Mitbegründer der in Paris erscheinenden Zeszyty Literackie (Literarische Hefte) und von 1986 bis 1990 Chefredakteur von The Polish Review (Polnische Rückschau). Bis zuletzt war er Mitarbeiter der Zweimonatszeitschrift Teksty Drugie (Die anderen Texte).

Barańczak übersetzte Werke von Ossip Mandelstam, Joseph Brodski, John Donne, William Shakespeare, Emily Dickinson, Andrew Marvell, Philip Larkin, James Merrill, Robert Frost, Charles Simic und anderen Dichtern ins Polnische. 1972 wurde er mit dem Kościelski-Preis ausgezeichnet, 1999 erhielt er für den Gedichtband Chirurgiczna precyzja (Chirurgische Präzision) den Nike-Literaturpreis, die bedeutendste literarische Auszeichnung in Polen.

Die Kinderbuchautorin Małgorzata Musierowicz ist eine Schwester von Stanisław Barańczak. Er starb im Alter von nur 69 Jahren in seinem Haus in Newtonville, einem Stadtteil des Bostoner Vorortes Newton.[3]

Werke[Bearbeiten]

Gedichte in deutscher Übersetzung sind in folgenden Anthologien enthalten:

  • Karl Dedecius (Hrsg.) Ein Jahrhundert geht zu Ende: polnische Gedichte der letzten Jahre. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-518-11216-3.
  • Karl Dedecius (Hrsg.) Panorama der polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Band I.2. Ammann, Zürich 1996, ISBN 3-250-50001-1.
  • Sergiusz Sterna-Wachowiak (Hrsg.) Polnische Lyrik aus 100 Jahren. Ins Deutsche übertragen von Joseph Retz. Merlin-Verlag Meyer, Gifkendorf 1997, ISBN 3-926112-63-8.

In polnischer Sprache sind folgende Gedichtbände erschienen:

  • Korekta twarzy (1968)
  • Jednym tchem (1970)
  • Dziennik poranny (1972)
  • Ja wiem, że to niesłuszne (1977)
  • Sztuczne oddychanie (1978)
  • Tryptyk z betonu, zmęczenia i śniegu (1980)
  • Atlantyda i inne wiersze z lat 1981–1985 (1986)
  • Widokówka z tego świata (1988)
  • Podróż zimowa (1994)
  • Chirurgiczna precyzja (1998)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Polnischer Dichter Baranczak gestorben. In: Süddeutsche Zeitung vom 29. Dezember 2014, S. 10.
  2. Polnischer Dichter und Dissident Baranczak ist tot, Deutschlandradio Kultur, 27. Dezember 2014
  3. Nie żyje Stanisław Barańczak, Gazeta Wyborcza, 26. Dezember 2014 (poln.)

Weblinks[Bearbeiten]