Stannit

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Stannit
Stannite2.jpg
Chemische Formel

Cu2FeSnS4

Mineralklasse Sulfide und Sulfosalze
2.CB.15a (8. Auflage: II/C.06) nach Strunz
02.09.02.01 nach Dana
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin tetragonal-skalenoedrisch 42m[1]
Farbe stahlgrau mit olivgrüner Tönung
Strichfarbe schwarz
Mohshärte 4
Dichte (g/cm3) 4,3 bis 4,5
Glanz Metallglanz
Transparenz undurchsichtig
Spaltbarkeit undeutlich
Bruch uneben, spröd
Habitus derb oder feinkörnige Aggregate, sehr selten als kleine Tetraeder
Zwillingsbildung nach (111)
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten zersetzt sich in HNO3

Stannit, auch bergmännisch als Zinnkies oder Zinn-Kupferglanz bzw. synonym als Stannin, Kassiterolamprit oder Volfsonit bekannt, ist ein Mineral aus der Mineralklasse der Sulfide und Sulfosalze mit der chemischen Formel Cu2FeSnS4. Stannit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem, tritt jedoch meist in derben, körnigen Massen stahlgrauer Farbe auf und bildet nur sehr selten Kristalle in Tetraederform. Durch Substitution können manche Stannite bis zu 2 % Indium enthalten.

Stannit zählt nicht zu den Stannite genannten Salzen der Zinnsäure.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Der Mineralname leitet sich von dem chemischen Element Zinn (lat. stannum) ab, welches in Stannit enthalten ist. Der Abbau von Stannit ist für das 3. Jahrtausend v. Chr. in Tadschikistan belegt. Erstmals chemisch untersucht wurde Stannit 1797 und 1810 von Martin Heinrich Klaproth. Er untersuchte Erz aus St Agnes in Cornwall, was auch als Typlokalität gilt.[2]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der Systematik nach Strunz wird Stannit bei den Sulfiden und Sulfosalzen klassifiziert. Es wird zu den Sulfiden mit einem Verhältnis vom Metall zu Schwefel, Selen oder Tellur von 1:1 gezählt. In der achten Auflage bildete es mit Barquillit, Briartit, Černýit, Famatinit, Ferrokësterit, Hocartit, Kësterit, Kuramit, Luzonit, Permingeatit, Petrukit, Pirquitasit, Rhodostannit, Sakuraiit, Toyohait und Velikit eine Gruppe. In der neunten Auflage werden die Sulfide zusätzlich nach Kationen unterteilt, dort bildet Stannit mt Černýit, Ferrokësterit, Hocartit, Idait, Kësterit, Kuramit, Mohit, Pirquitasit, Stannoidit und Velikit eine Untergruppe der Metallsulfide mit einem Verhältnis von Metall zu Schwefel, Selen oder Tellur von 1:1 und Zink, Eisen, Kupfer oder Silber.

In der Systematik der Minerale nach Dana bildet es mit Černýit, Briartit, Kuramit, Sakuraiit, Hocartit, Pirquitasit, Velikit, Kësterit, Ferrokësterit und Barquillit die Stannit-Untergruppe der Sulfide - einschließlich Seleniden und Telluriden - mit der Zusammensetzung Am Bn Xp, mit (m+n):p=1:1.[3]

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Stannit und Kësterit bilden eine Mischkristallreihe, bei der Eisen und Zink gegeneinander ausgetauscht werden können. Im Stannit überwiegt dabei Eisen, während Kësterit stärker zinkhaltig ist.[4] Zusätzlich ist noch eine seltene zinkhaltige Varietät bekannt. [5]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Stannit ist ein typisches Mineral zinnführender hydrothermaler Gänge, wo es meist untergeordnet neben Kassiterit auftritt. Weitere häufige Begleitminerale sind Sphalerit, Galenit, Arsenopyrit, Chalkopyrit und Pyrit.

Es ist eine größere Zahl Fundorte des Stannites bekannt. Neben der Typlokalität zählen Cínovec in Tschechien, Broken Hill und Zeehan in Australien, Oruro, Chocaya und Cerro Rico in Bolivien, Keystone in den Vereinigten Staaten, Fredericton in Kanada sowie Yizhang in der Volksrepublik China zu den wichtigen Stannit-Lagerstätten.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Stannit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem in der Raumgruppe I42m mit den Gitterparametern a = 5,443 Å und c = 10,73 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Verwendung[Bearbeiten]

Als eigenständiges Erz ist Stannit eher unbedeutend, wird aber beim Abbau von Kassiterit-Lagerstätten mitgefördert. Lokal kann Stannit für die Cu-Produktion von Bedeutung sein.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webmineral - Stannite (englisch)
  2. Martin Heinrich Klaproth: Chemische Untersuchung des Zinnkieses. In: Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralkörper. 5. Band, 1810, S. 228-230 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Liste der Minerale nach Dana bei webmineral.com
  4. Kësterite-Stannite Series bei mindat.org (engl.)
  5. Zincian Stannite bei mindat.org (engl.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Ramdohr P. & Strunz H.: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Aufl. Enke Verlag, Stuttgart 1987. ISBN 3-432-82986-8.
  • Strübel G. & Zimmer S.H. (1991): Lexikon der Minerale. Enke Verlag, Stuttgart. ISBN 3-432-92722-3.
  • Museum Bochum: Bergleute unter Jägern und Sammlern. In: Aid Heft 4-1999 S. 60.
  • Stannit in: Anthony et al.: Handbook of Mineralogy, 1990, 1, 101 (pdf).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stannite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien