Starke Reziprozität

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Starke Reziprozität bezeichnet die Tendenz im menschlichen Verhalten, kooperatives Handeln altruistisch – also auf eigene Kosten, ohne selbst einen Vorteil zu erlangen – zu belohnen und von Normen abweichendes, betrügerisches Verhalten altruistisch zu bestrafen.[1]

Menschen verhalten sich oft kooperativ gegenüber nicht genetisch verwandten Fremden. Dieses Verhalten ist auch dann noch zu beobachten, wenn die Wahrscheinlichkeit extrem gering ist, diesen Fremden erneut zu begegnen (siehe Reziproker Altruismus), und Reputation keine Rolle spielt (siehe Indirekte Reziprozität). Ein Beispiel ist, einem unbekannten Taxifahrer in einer großen Stadt im Ausland Trinkgeld zu zahlen. Derartiges Verhalten wurde in vielen kontrollierten ökonomischen Experimenten nachgewiesen (Camerer 2003; Fehr & Fischbacher 2003; Gintis et al. 2003). Weitere Experimente (Fehr et al. 2002), soziale Präferenztheorien (Rabin 1993; Fehr & Schmidt 1999; Dufwenberg & Kirchsteiger 2004; Falk & Fischbacher 2006) und evolutionäre Theorien (Gintis 2000; Henrich & Boyd 2001; Boyd et al. 2003; Bowles & Gintis 2004) haben zudem gezeigt, dass eine bestimmte Form dieses stark reziproken Verhaltens besonders relevant ist für die Etablierung und Aufrechterhaltung von Kooperation zwischen Fremden: starke Reziprozität ist durch das Belohnen kooperativer Handlungen und das Bestrafen unkooperativer Handlungen gekennzeichnet. Als Konsequenz ist starke Reziprozität ein wichtiger Anreiz für die Kooperation zwischen Fremden.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ernst Fehr & Frédéric Schneider (2010): Eyes are on us, but nobody cares: are eye cues relevant for strong reciprocity? Proceedings of the Royal Society B 277, S. 1315–1323. (PDF; 288 kB)