Starnberg

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Starnberg, zum nach ihr benannten Schiff auf dem Starnberger See siehe Starnberg (Schiff).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Starnberg
Starnberg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Starnberg hervorgehoben
47.99722222222211.340555555556588Koordinaten: 48° 0′ N, 11° 20′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Starnberg
Höhe: 588 m ü. NHN
Fläche: 61,77 km²
Einwohner: 22.497 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 364 Einwohner je km²
Postleitzahl: 82319
Vorwahl: 08151
Kfz-Kennzeichen: STA, WOR
Gemeindeschlüssel: 09 1 88 139
Adresse der
Stadtverwaltung:
Vogelanger 2
82319 Starnberg
Webpräsenz: www.starnberg.de
Bürgermeisterin: Eva John (BMS)
Lage der Stadt Starnberg im Landkreis Starnberg
Ammersee Starnberger See Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Fürstenfeldbruck Landkreis Landsberg am Lech Landkreis München Landkreis Weilheim-Schongau München Andechs Berg (Starnberger See) Feldafing Gauting Gilching Herrsching am Ammersee Inning am Ammersee Krailling Pöcking Seefeld (Oberbayern) Starnberg Tutzing Weßling Wörthsee (Gemeinde)Karte
Über dieses Bild
Blick vom See auf die Stadt und das Schloss Starnberg
Die Kirche St. Joseph, auf dem Schlossberg gelegen, ist das zweite Wahrzeichen der Stadt.
Blick über Starnberg auf den Starnberger See

Starnberg ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises innerhalb des Regierungsbezirks Oberbayern. Starnberg liegt rund 25 km südwestlich von München am Nordende des Starnberger Sees und ist ein Ausflugs- und Erholungsort.

Geschichte[Bearbeiten]

948/957 wird Starnbergs heutiger Stadtteil Achheim erstmals urkundlich als „Ouiheim“ erwähnt. Der Name „Starnberch“ findet sich dagegen erst 1226. Er bezieht sich auf eine nördlich von Ouiheim gelegene Siedlung. 1244 folgt die erstmalige Erwähnung von „Starnberch Castrum“, einer Burg, die sich zu diesem Zeitpunkt im Besitz der Grafen von Andechs-Meranien befindet. Der Name soll von dem 1208 erwähnten Ritter Wernher Miles de Starnberk, einem Ministerialen der Grafen von Andechs-Meranien stammen, dessen Geschlecht auf der Starnberger Burg gesessen haben soll. Nach der Entmachtung der Andechs-Meranier war die Burg ab 1246 im Besitz der Wittelsbacher Herzöge.[2]

Mit der zunehmenden Bedeutung der nahe gelegenen Stadt München als Residenzstadt des Teilherzogtums Bayern-München wandelte sich im 15. Jahrhundert die ursprüngliche Funktion der alten Veste als Verteidigungsanlage zur Sommerresidenz der Münchener Hofgesellschaft. Prunkvolle Neubauten und Gartenanlagen ließen über die Jahre ein Jagd- und Lustschloss entstehen, das – besonders unter Herzog Albrecht V. – in den Sommermonaten mit Konzerten, glänzenden Festen und Jagden zum Mittelpunkt des höfischen Lebens wurde.

Die reizvolle Lage des Schlosses am Würmsee (1962 umbenannt in Starnberger See) führte schon ab 1490 zum Aufbau eines Schiffparks. Seinen Höhepunkt fand er mit dem Bau des Bucentaur, einem Prunkschiff, das Kurfürst Ferdinand Maria 1662 für seine Gemahlin Henriette Adelaide nach venezianischem Vorbild bauen ließ. Zu den legendären Seefesten und Seejagden, die bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts auf diesem Flaggschiff der höfischen Flotte stattfanden, waren Gäste aus ganz Europa geladen. Der Münchener Hof bevorzugte nun allerdings die Schlösser in Berg und Possenhofen, die sich für das barocke Zeremoniell, für Feuerwerke und Illuminationen besser eigneten. Das Starnberger Schloss, dessen Räume während des Dreißigjährigen Krieges verwüstet und nur zum Teil wieder hergestellt worden waren, verlor als Sommerresidenz seine Bedeutung. Erst am Anfang des 19. Jahrhunderts fand es eine neue Verwendung. Neben dem Landgericht beherbergte es nun auch die Amtsstuben des Rentamtes und des Forstamtes.

Das heutige Starnberg wuchs aus zwei benachbarten Siedlungen zusammen, die von sehr unterschiedlichen Wirtschaftszweigen geprägt waren. Im alten, südlich des Schlosses gelegenen Dorf, dessen Name sich von Ouiheim über Aham zu Achheim wandelte, war traditionell die Fischerei zuhause. Im nordöstlich des Schlosses gelegenen Nieder-Starnberg (um den heutigen Tutzinger-Hof-Platz) hatten sich hauptsächlich Handwerker und Bedienstete des Münchner Hofes angesiedelt. Begünstigt durch die 1854 eröffnete Eisenbahnstrecke München–Starnberg entwickelte sich die bis dahin kleine Gemeinde im 19. Jahrhundert zum bedeutendsten Ort am See, dem 1912 die „Allerhöchst genehmigte Einreihung der Landgemeinde Starnberg in die Klasse der Städte mit städtischer Verfassung“ zugesprochen wurde.

Stadtentwicklung[Bearbeiten]

Starnberg, Dampfschiff-Fahrt 1901.jpg

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entdeckten begüterte Familien die Schönheit der Landschaft rund um den Starnberger See und ließen sich am Seeufer die ersten Villen als Sommersitz erbauen. Unter ihnen war Baurat Johann Ulrich Himbsel, der sich 1827 in Leoni ansiedelte und der als Gründer der Dampfschifffahrt auf dem Starnberger See den eigentlichen Anstoß für die sprunghafte Entwicklung des Dorfes Starnberg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab. Himbsel sah sehr früh die wirtschaftliche Bedeutung, die sich aus einer Verknüpfung von nahe gelegener Großstadt und freier, unberührter Natur ergeben mußte. Nach langem vergeblichen Bemühen unter Ludwig I. erhielt er jedoch erst 1848 von Max II. die Erlaubnis zum Bau eines Dampfschiffs und einer Eisenbahnlinie zwischen München und Starnberg. Drei Jahre später lief der für 300 Passagiere gebaute Salondampfer „Maximilian“ in Starnberg vom Stapel und zahlreiche Münchner Ausflügler, die mit Kutschen und Stellwagen durch den Forstenrieder Park anreisten, nahmen diese neue Möglichkeit der Freizeitgestaltung begeistert an. Um eine bessere Auslastung des Schiffes zu erzielen, begann Himbsel auf eigene Kosten mit dem Ausbau der Bahnstrecke München–Starnberg.[3] 1854 wird die Linie mit einem Festzug eröffnet, der in der Hauptstadt des Königreichs Bayern startet und in einer kleinen Landgemeinde mit 65 verstreut liegenden Anwesen endet, die der zeitgenössische Schriftsteller Heinrich Noë so beschreibt:
„Das Dorf Starnberg als Aufenthaltsort hat übrigens auch noch andere Nachtheile... Ich rate jedem, der den See bereisen will, sich dort nicht eine Minute länger aufzuhalten, als es die Beziehungen des Verkehres mit Eisenbahn oder Dampfschiff mit sich bringen, denn er findet in dem Nest keinen Gegenstand zum Sehen, wohl aber in der Regel einen zum Ärgern.“
Dies hatte wohl auch Himbsel so gesehen, denn er legte den Gleisstrang so, dass die Ausflügler auf kürzestem Weg von seiner Bahn sein Dampfschiff erreichen konnten. Ein Umstand, der bis heute die Gemüter erregt, weil die städtebaulich ungünstige Lage des Bahndamms die Stadt vom See abtrennt.

Stadtvillen aus der Zeit um 1900

Mit dem nun vorhandenen Anschluß nach München veränderte sich Alt-Starnberg auf eine sehr schnelle und beeindruckende Weise. Die Möglichkeit, in der Stadt zu arbeiten und am See zu leben, führte in den kommenden Jahren zu einem regelrechten Bauboom. Die Stadtvillen und Landhäuser, die sich Professoren, Advokaten, Künstler und Kaufleute jetzt bauen ließen, sollten nicht mehr nur als Sommersitz dienen, sie waren der Hauptwohnsitz der Familien.[4] Gleichzeitig entwickelte sich der Ortskern. Die an der regen Bautätigkeit gut verdienenden einheimischen Baufirmen und Handwerker errichteten sich hier neue Wohnhäuser. Auch die Baulücken an der alten Weilheimer Landstraße (heute Hauptstraße) füllten sich langsam und ließen die beiden unterhalb des Burgberges liegenden Siedlungskerne Achheim und Nieder-Starnberg zusammenwachsen. Mit der um 1870 begonnenen Erschließung der „Au“ entstanden die neuen Villenviertel an der Maximilianstraße und der Kaiser-Wilhelm-Straße. Die verbesserte Infrastruktur – 1890 begann man mit der Kanalisation und 1897 nahm das erste Elektrizitätswerk der Gemeinde seinen Dienst auf – zog weitere Bauwillige an, deren Villen und Parkanlagen auf den umliegenden Hügeln das Bild der Landschaft völlig veränderten. Im Jahre 1900 waren aus den einst 65 Anwesen 384 geworden in denen 4.531 Menschen lebten.

Blick vom Undosa auf den Starnberger See

Auch der Ausflugsverkehr hatte sich dank der Bahnlinie sehr stark entwickelt.[5] Nach dem Krieg 1870/71 beförderte der Dampfer „Maximilian“ in drei Jahren eine Million Fahrgäste. 1872 wurde das Dampfschiff „Ludwig“ in Betrieb genommen. Ihm folgten die Dampfer „Bavaria“ (1878), „Wittelsbach“ (1886) und Luitpold (1890). Die zur Versorgung der Ausflügler entstandenen Wirtshäuser reichten bald nicht mehr aus, denn mehr und mehr Gäste wollten nicht nur eine Landpartie unternehmen, sondern ihren Urlaub in Starnberg verbringen. So entstanden bis zur Jahrhundertwende neben Pensionen auch große, elegante Hotels, die durch ihr Erscheinungsbild und das dort logierende hochgestellte Publikum dem Ort den Flair eines Seebades verliehen.[5] Für Unterhaltung sorgten Segelregatten, Promenadenkonzerte und vor allem eine luxuriös ausgestattete Badeanstalt. Aus ihr ging 1905 als besondere Attraktion das „Undosa“ hervor, das erste Wellenbad Deutschlands. 1911, auf dem Höhepunkt von Starnbergs Zeit als Seebad und Erholungsort, wurden 1.268 Kurgäste mit 42.000 Übernachtungen und 2.870 Durchreiseübernachtungen registriert.

Maximilianstraße, das neue Zentrum der Stadt

An die Atmosphäre Starnbergs in der Zeit um die Jahrhundertwende erinnert heute nur noch wenig. Der Erste Weltkrieg hatte eine Zeitenwende eingeläutet. Wohlhabende Gäste kamen nur noch vereinzelt, und Sommerurlauber, die Ruhe und Erholung suchten, bevorzugten Orte, die abseits des Tagesausflugsverkehrs lagen. Da sich aufgrund der kurzen und intensiven Entwicklungsgeschichte vom kleinen Dorf zur Stadt (1912) nie ein eigentlicher Stadtkern entwickeln konnte, veränderten die notwendig gewordenen Abrisse vieler alter Gebäude und die im Stil einer neuen Zeit entstandenen Bauten das Gesicht Starnbergs besonders nachhaltig.

Die heutige Kreisstadt Starnberg hat sich vom Touristenort zu einem breit gefächerten Wirtschaftsstandort und zum kulturellen Zentrum des ihn umgebenden Fünfseenlands entwickelt. Die Kernstadt (ohne die eingemeindeten Ortsteile) ist inzwischen bei etwas mehr als 11.000 Einwohnern angelangt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die Flurgröße Starnbergs betrug bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts lediglich 6,81 km². 1803 kam zwar das Mühlthal hinzu, das bis zur Säkularisation dem Kloster Schäftlarn angehört hatte, der eigentliche Zuwachs der Fläche auf die heutige Größe von 61,77 km² erfolgte jedoch erst in den 1970er Jahren. Am 1. Januar 1972 wurde Hanfeld angegliedert, und am 1. Mai 1978 folgte anlässlich der Gemeindegebietsreform die Eingliederung von sechs weiteren ehemals selbständigen Gemeinden mit den bisher von ihnen verwalteten Gebieten.

Ortsteile der Stadt Starnberg mit dem Jahr der Eingliederung und der eingebrachten Flurgröße:[6][7]

Hadorf (1978, 6,93 km²)
Hanfeld mit Mamhofen (1972, 5,58 km²)
Leutstetten mit Einbettl, Schwaige und Oberdill (1978, 5,86 km²)
Percha mit Buchhof, Selcha und Heimathshausen (1978, 6,07 km²)
Perchting mit Landstetten, Jägersbrunn und Sonnau (1978, 11,36 km²)
Rieden, Mühlthal und Petersbrunn (1803, 3,51 km²)
Söcking (1978, 8,17 km²)
Wangen mit Fercha, Schorn, Unterschorn und Wildmoos (1978, 7,49 km²)

Bilder aus den eingemeindeten Ortschaften und Weilern[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Verlauf der Bevölkerungsentwicklung[8]
Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1970 1987 2003 2012
Einwohner 1.693 2.433 4.531 6.878 8.291 14.157 18.036 19.411 22.556 22.497

Politik[Bearbeiten]

Rathaus der Stadt Starnberg

Bürgermeister[Bearbeiten]

Seit dem 1. Mai 2014 ist Eva John (BMS) Erste Bürgermeisterin der Stadt Starnberg. Sie wurde als Nachfolgerin von Ferdinand Pfaffinger (UWG) in das Amt gewählt.
Das Amt der Zweiten Bürgermeisterin hat Martina Neubauer (Bündnis 90/Die Grünen) und das des Dritten Bürgermeisters Gerd Weger (CSU) inne.

Stadtrat[Bearbeiten]

Sitzverteilung im Stadtrat
Jahr CSU BMS SPD Grüne FDP BLS WPS UWG gesamt Wahlbeteiligung
2014 7 5 2 3 2 2 5 4 30 56,3 %
2008 8 - 3 3 2 8 - 6 30 58,8 %
2002 12 - 4 2 2 5 - 5 30 57,5 %

BLS = Bürgerliste Starnberg     BMS = Bündnis Mitte Starnberg     WPS = Wählergemeinschaft Pro Starnberg     UWG = Unabhängige Wählergemeinschaft

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 17,618 Millionen Euro, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 4,781 Millionen Euro.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Seit 1977 unterhält Starnberg eine aktive Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Dinard. Jährlich reist eine Delegation von Bürgern in die jeweils andere Stadt. Zwischen beiden Städten werden Schüleraustausche organisiert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Top 10 der größten Unternehmen (2013)[9][Bearbeiten]

  • Volksbank Raiffeisenbank Starnberg-Herrsching-Landsberg eG
  • MERCURA CAPITAL GmbH
  • Kreiskrankenhaus Starnberg GmbH
  • REZA Beteiligung und Verwaltung GmbH
  • Wohnbau Meitinger Grundstücksverwaltungs GmbH & Co. KG
  • ROFIN-BAASEL Lasertech GmbH & Co. KG
  • PARI MEDICAL HOLDING GmbH
  • Providus GmbH
  • Westpoint Office Center GmbH & Co. Bürovermietungs KG
  • IVW Immobilien Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG

Kaufkraft[Bearbeiten]

Die Stadt Starnberg und der zugehörige Landkreis Starnberg standen laut GfK Marktforschung viele Jahre an der Spitze der Kaufkraftstatistik.[10] Mit 26.312 Euro Pro-Kopf-Kaufkraft lag er 2004 53 Prozent über dem gesamtdeutschen Durchschnitt. Laut der neuesten GFK-Kaufkraft-Studie für 2013 hat der Landkreis Starnberg mit einem verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen von 30.509 € erstmals seit 2008 wieder die Spitzenposition vom Hochtaunuskreis bei Frankfurt übernommen.

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 82, im produzierenden Gewerbe 1.450 und im Bereich Handel und Verkehr 2.193 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 4.271 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 6.647. Im verarbeitenden Gewerbe gab es drei Betriebe, im Bauhauptgewerbe 40 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 59 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1.754 ha, davon waren 868 ha Ackerfläche und 882 ha Dauergrünfläche. Ein wichtiger Arbeitgeber ist Houdek, einer der größten Nahrungsmittelproduzenten des Freistaats.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Starnberg liegt an der Bundesstraße 2, die zwischen München und Starnberg durch eine Autobahn ersetzt wurde (Übergang in die B 2 am Ende der Starnberger Bundesautobahn 952, die von der Bundesautobahn 95 MünchenGarmisch-Partenkirchen abzweigt). Da der gesamte Autoverkehr an das Westufer des Sees und in den Landkreis WeilheimSchongau durch Starnberg läuft, ist das Verkehrsaufkommen durch die Stadt entsprechend hoch. Die Situation auf der Hauptverkehrsstraße wird dadurch verschärft, dass auch fast der gesamte innerstarnberger Verkehr auf die Bundesstraße fixiert ist und Alternativrouten im Ort durch Verkehrsberuhigung oder andere Maßnahmen entweder verbaut oder unattraktiv gemacht werden. Ein Straßentunnel unter dem Ortszentrum wird seit den 1980er Jahren diskutiert, 2013 erfolgte die Zusage, vorbereitende Baumaßnahmen sollen noch im selben Jahr beginnen.[11]

Bahnverkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof am See – ein städtebauliches Problem

1854 eröffneten die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen eine Bahnstrecke von München nach Starnberg, die 1865 nach Tutzing und Weilheim verlängert wurde. Die Bahnstrecke wurde gebaut, um den Ausflugsverkehr aus München und zu den Dampfschiffen auf dem See zu fördern. Sie verläuft deshalb zwischen Stadt und See, um ein einfaches Umsteigen von der Bahn auf die Schiffe zu ermöglichen. Allerdings wurde die Stadt dadurch urban vom Wasser abgeschnitten. Zum Bauzeitpunkt war der sumpfige Uferbereich in Staatsbesitz und konnte deshalb nach Trockenlegung ohne teure Übernahme von bereits vergebenen Grundstücken bebaut werden. Die städtebaulichen Auswirkungen dieser Entscheidung wurden erst Jahrzehnte später deutlich.[12]

Seit 1972 ist Starnberg an das Netz der S-Bahn München angeschlossen. Neben dem viergleisigen Bahnhof Starnberg von 1854, der direkt am Seeufer liegt, existiert seit dem 10. Juni 2001 der neue Haltepunkt Starnberg Nord. Beide Stationen werden im 20-Minuten-Takt durch die Linie S6 von Tutzing nach München Ost bedient, die in der Hauptverkehrszeit weiter nach Zorneding fährt. In der Hauptverkehrszeit halten zudem stündlich Regionalbahnen von München Hauptbahnhof über Tutzing nach Kochel am alten Bahnhof Starnberg.

Busverkehr[Bearbeiten]

In Starnberg verkehren folgende Regionalbuslinien im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV).

Linie Linienverlauf
950 Starnberg Nord – Starnberg Bahnhof – Perchting – OberaltingFriedingHerrsching
951 Starnberg Nord – Starnberg Bahnhof – Perchting – Andechs – Herrsching
955 Starnberg Nord – OberbrunnHochstadtWeßling – Neugilching – Gilching-Argelsried
959 Starnberg Nord – Söcking – Hanfeld – Starnberg Nord
960 Starnberg Nord – Söcking – Starnberg Bahnhof – Starnberg Nord
961 HohenschäftlarnWangen – Starnberg Nord – BergMünsing – Ammerland
962 Starnberg Nord – Starnberg Bahnhof – Maising – Perchting – Hadorf – Starnberg Bahnhof – Starnberg Nord
963 Starnberg Nord – Wangen – Leutstetten – Starnberg Nord
964 Starnberg Nord – Starnberg Bahnhof – PossenhofenPöckingTraubing
975 Starnberg Nord – Berg – FarchachWolfratshausen
Hafen und Werft der Bayerischen Seenschifffahrt

Bayerische Seenschifffahrt[Bearbeiten]

Die Bayerische Seenschifffahrt hat in Starnberg außer dem Anlegesteg einen Hafen mit angegliederter Werft, wo der Betriebsteil Starnberger See mit etwa 30 Mitarbeitern die sechs auf dem Starnberger See verkehrenden Fahrgastschiffe betreut, darunter den Katamaran MS Starnberg mit 54 m Länge und Platz für 800 Personen.

Bildung[Bearbeiten]

Kindergärten und Schulen[Bearbeiten]

Taucherplattform der Bundeswehr zur Pioniertaucherausbildung auf dem Starnberger See

Taucherausbildungszentrum Percha[Bearbeiten]

In Ortsteil Percha befindet sich direkt am Starnberger See seit 1960 das Taucherausbildungszentrum Percha, eines von zwei Taucherausbildungszentren der Bundeswehr zur Ausbildung von Heerestauchern. Im Zentrum werden vor allem Pioniertaucher ausgebildet. Zum Ausbildungszentrum gehören zwei gelegentlich auf dem offenen See schwimmende Ausbildungsplattformen, die vor allem der Ausbildung im Tieftauchen für die Pioniertaucher dienen. Bei Bedarf werden auch Taucher des Technischen Hilfswerkes ausgebildet.

Sport[Bearbeiten]

Die Stadt Starnberg bietet auf ihrer Website eine Liste mit über fünfzig Vereinen, in denen sich Menschen zu gemeinsamen sportlichen Aktivitäten zusammengeschlossen haben. Besonders hervorzuheben sind hier acht Turn- und Sportvereine mit einem reichhaltigen Angebot unterschiedlichster Sportarten, unter denen sich auch ausgefallenere Sparten wie etwa Square Dance befinden. Überregional bekannt ist die Fußballmannschaft des TSV Perchting-Hadorf, die 2014/15 in der A-Klasse und die des F.T. Starnberg 09, die in der Kreisklasse spielt.

Dass sich das Sportschießen großer Beliebtheit erfreut, zeigt sich daran, dass in Starnberg sieben Schützenvereine beheimatet sind.

Die größte Anzahl verschiedener Clubs bezieht sich jedoch auf den Starnberger See. Sie wurden teilweise – wie etwa der Münchener Ruder- und Segelverein "Bayern" von 1910, der Münchner Yacht-Club oder der Bayerische Yacht-Club – schon zu Zeiten gegründet, als Starnberg noch ein Seebad war. Der Initiative dieser Vereine sind in den Sommermonaten viele Regatten mit internationaler Besetzung zu verdanken.

Eine weitere Möglichkeit zur sportlichen Betätigung bieten zwei 18-Loch Golfplätze. Einer von ihnen befindet sich im Ortsteil Hadorf. Seine Besonderheit besteht darin, dass im Winter bei entsprechender Witterung auf der weiten Fläche Loipen gespurt werden, die auch Langläufern das Ausüben ihres Sports ermöglichen.

Fahrsport-Turnier in Starnberg-Landstetten

In den ländlichen Gebieten der Stadt spielt der Pferdesport eine große Rolle. 2010 standen beim Viehbestand 462 Rindern 409 Pferde gegenüber. Hinzu kommt noch die Pensionspferdehaltung, die durch die Übernahme von Diensten wie Füttern, Misten und Einstreuen auch Reitern mit städtischem Wohnsitz das Halten eines Pferdes erlaubt.

Tennisplätze und ein Wasserpark stehen für die Menschen zur Verfügung, die lieber im privaten Umfeld Sport betreiben. Radler und Skater nutzen die vielfach vorhandenen geteerten Wirtschaftswege, Wanderer und Jogger hingegen lieben für ihre Ausflüge das Mühlthal und die im westlichen Teil der Stadt gelegenen Moränenhügel.

Kultur[Bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Landratsamt – 1989 ausgezeichnet mit dem Deutschen Architekturpreis.
Seepromenade im Winter

Bauwerke[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Seepromenade
  • Schlossgarten
  • Siedlungskern Achheimviertel
  • Siedlungskern Tutzinger-Hof-Platz

Patenschaft[Bearbeiten]

Starnberg ist die Patenstadt des Unterseebootes U 34 der Deutschen Marine, stationiert auf dem Marinestützpunkt Eckernförde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bürgermeister Starnbergs[Bearbeiten]

  • 1844-1845 Alois Ludwig Deiglmeier, Apotheker
  • 1845-1850 Simon Popp
  • 1850 Schonger, Apotheker
  • 1870-1898 Ludwig Rupprecht
  • 1898 Franz Xaver Rettenberger, Handelsmann
  • 1898-1906 Karl Emslander, Bierbrauer
  • 1906-1913 Franz Xaver Rettenberger, Handelsmann
  • 1913-1919 Jakob Tresch, Kaufmann
  • 1919-1921 Josef Fischhaber, Baumeister
  • 1921-1933 Josef Jägerhuber, Kaufmann, Ehrenbürgermeister ab April 1933
  • 1933-1943 Franz Buchner, Vermessungsbeamter
  • 1943-1945 Dr. Hans Deuschl, Arzt
  • 1945-1946 Karl Goldaté, Schuldirektor
  • 1946-1950 Otto Gaßner, Baumeister
  • 1950-1960 Eduard Süskind, Bankdirektor, Ehrenbürgermeister ab April 1933
  • 1960-1969[14] Dr. Rudolf Widmann, Rechtsanwalt, später Mitglied des bayerischen Landtags und Landrat des Landkreises Starnberg
  • 1969-2002 Heribert Thallmair, Rechtsanwalt, Ehrenbürger ab 2003
  • 2002-2014 Ferdinand Pfaffinger
  • 2014- Eva John

Vielen der ehemaligen Bürgermeister wurde die Ehre zuteil, dass eine Straße im Stadtgebiet nach ihnen benannt wurde.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere der Stadt verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Liste der Ehrenbürger von Starnberg

Literatur[Bearbeiten]

  • Starnberger Stadtgeschichte (9 Bände). Kulturverlag Stadt Starnberg.
  • Astrid Amelungse-Kurth, Annette Kienzle: Kulturspaziergang durch Starnberg. Kulturverlag Starnberg, 2006, ISBN 978-3-935736-15-2.
  •  Otto Michael Knab, Hans Zellner, Hans Beigel, Stadt Starnberg (Hrsg.): Heimatbuch Stadt Starnberg. Starnberg 1972, DNB 730500314.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Starnberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Starnberg – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Heimatbuch Stadt Starnberg, Herausgeber: Stadt Starnberg, Januar 1972
  3. Kreissparkasse München Starnberg (Hrsg.): Mit Volldampf zum See – 150 Jahre Eisenbahnstrecke München–Starnberg.
  4. Villen und Wohnhäuser aus der Bauphase um 1900
  5. a b Landpartie – Museen rund um München, Ausflügler – Sommerfrischler – Neubürger, ISBN 3-930941-33-3, 2002
  6. Rustikal- und Dominikal Steuerkataster 1809/12, Staatsarchiv München.
  7.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 576.
  8. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, abgerufen am 23. Juli 2014.
  9. Top 10 der größten Unternehmen. Busni.de. Abgerufen am 27. Februar 2014.
  10. Kaufkraftstatistik bei GfK GeoMarketing
  11. Süddeutsche Zeitung: Tunnel vor dem Durchbruch 18. Juni 2013
  12. seeanbindung-starnberg.de Stadt Starnberg zum Thema Seeanbindung, abgerufen am 28. Juli 2014.
  13. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 194
  14. Stadt Starnberg(Hrsg.): Heimatbuch Stadt Starnberg, 1972, Seite 255 für die Bürgermeister 1844–1969